Orthodoxe Mystik

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Djamila71
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Orthodoxe Mystik

Beitrag von Djamila71 »

Kennt jemand orthodoxe Mystiker?
Kann mir jemand gute Bücher dazu empfehlen?
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Priester Alexej
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von Priester Alexej »

Auch wenn es solche orthodoxe Bücher gibt, ich habe nie etwas von diesen gehört. Was genau wird unter dem Begriff verstanden? Noch wichtiger - wozu braucht man sowas?
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.
rafaella
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von rafaella »

Lieber Alexej,
ich glaube sie meint eher die Mystiker im orthodoxen Sinne. :D

Hier ein interessanter Artikel dazu....

Mystik als sichtbarer Glauben

Vater Rafail Karelin


Wodurch unterscheidet sich die Mystik von der Religion? Die Mystik repräsentiert die Erfahrung der Ewigkeit, die Wahrnehmung einer höheren Realität und das Gefühl, daß es ein geheimnisvolles Wesen jenseits dem Fluß der Zeit gibt. Ein Wesen, daß sich hinter den Grenzen der materiellen Welt befindet und doch gleichzeitig die Materie durchdringt und erhellt. Die Mystik ist das Erlebnis jenes geheimnisvollen Treffens mit Demjenigen für den menschliche Gedanken nicht wahrnehmbar und körperliche Gefühle unerreichbar sind, mit anderen Worten: unausdrückbar sind. Wer uns gleichzeitig nah und undendlich fern ist, wer höhere Evidenz[1] im Moment des Treffens hervorbringt, zugleich aber stets unfaßbar bleibt, wer uns sucht aber dennoch wünscht, daß wir Ihn suchen, wer das höchste Glück für den Menschen ist, aber um Ihn zu besitzen, muß man auf das eigene Selbst verzichten und seinen Geist unterwerfen. Wenn man einen Mystiker nach dem Namen Gottes fragt, dann sagt er: der erste Name ist, der Existierende und der zweite ist der Unfaßbare.

Religion und Mystik sind untrennbar; sie richten sich an das Wesen und die Persönlichlichkeit des Menschen als Ganzes. Die Mystik öffnet den Weg und gibt die Mittel zur ewigen Kommunikation mit Gott. Die Grundlage der Religion ist die Offenbarung, welche durch den Glauben angenommen wird. Die Religion aber gibt jene Kenntnisse, die durch die mystischen Erfahrungen bestätigt werden. Der Glaube offenbart Gott als eine Persönlichkeit und bestimmt die Bedingungen, unter denen sich das Endliche mit dem Unendlichen durch Erleuchtung mit dem göttlichen Licht vereinigen kann.

Die Offenbarung ist an die drei Kräfte der Seele gerichtet: den Verstand ― die Dogmatik, den Willen ― die Gebote und Regeln der Kirche und an die Gefühle ― den Gottesdienst und das Gebet. Die Mystik ist somit die Wurzel und gleichsam das Herz der Religion. Ohne die Mystik zerfällt die Religion: die Dogmatik wird zur Philosophie, die Moralität (die Gebote) zu den Normen der gesellschaftlichen Moral, und der Gottesdienst wird zur Ästhetik. Außerhalb der Mystik repräsentiert die Kirche eine sozial-historische Institution.

Ohne die Religion (gemeint ist hier die Orthodoxie) verbleibt die Mystik in einem subjektiven, amorphen Zustand. Da die spirituelle Welt in sich das geistige Böse enthält, welches sich in den gefallenen Engeln konzentriert, führt die Mystik, wenn diese sich außerhalb der Religion befindet oder mit anderen Religionen vereint ist, den Menschen zum Dämonismus. Deswegen ist die Zugehörigkeit zur Orthodoxen Kirche, dem höchsten Kriterium der spirituellen Wahrheit, für uns so wichtig. Theosophie und Ökumenismus sind für uns daher eine freiwillige Entwaffnung vor den Mächten des kosmisch Bösen und der dämonischen Lüge.

Die orthodoxe Mystik basiert auf dem Gefühl des Mysterium und der Ehrfurcht vor dem Schöpfer der Welt und auf eine bestimmte Weise auch auch vor Seinen Geschöpfen, in denen der Mystiker den Schatten der Göttlichkeit erblickt. Mystik ist untrennbar mit der Askese verbunden, denn die Erbsünde, welche die gesammte Menschheit befallen hat, zeigt sich in den dämonischen Impulsen und Leidenschaften.

Der Mensch ist eine Synthese des Guten und des Bösen, des Erhabenen und des Niederen, des Engelhaften und des Dämonischen. Er befindet sich in einem ständigen Zustand des inneren Kampfes mit sich selbst. So ist er Kreuzung der auf seine Seele handelnden dunklen und hellen Mächte. Sein Wille gleicht daher einem Pendel, welches zwischen zwei Polen pendelt ― dem Guten und der Sünde. Des Menschen Herz ist ein kostbares Juwel, welches er Gott schenken oder aber dem Satan geben kann. Deshalb braucht ein Mystiker Askese und die Obedienz[2] in der Kirche. Ohne die Askese, welche die Leidenschaften der menschlichen Natur bezähmt und ohne die Obedienz der Kirche als Quelle der Initiation, bleibt er ohne Hilfe der Gnade, der einzigen Kraft, die imstande ist, die dämonischen Impulse in der Seele des Menschen zu zähmen.Klosterkirche auf dem Heiligen Berg / © Edition Hagia Sophia

Der Katholizismus hat den Begriff der Erbsünde entstellt und betäubt mit dieser den Menschen. Er reduzierte die Askese auf ein Minimum, ließ sie nur zum Gut sehr weniger Mönchsorden werden. Der Protestantismus betrachtet die Askese gewöhnlicherweise als eine Pathologie. Betrachten wir die Askese als ein Haus, so zerstörte der Katholizismus dessen Wände, während der Protestantismus die letzten Steine für den Bau weltlicher Häuser fortschaffte. Er ersetzte die Askese durch andere Begriffe: Mäßigkeit, Sorgfalt und Ordnung. Daher ist im Katholizismus wie auch im Protestantismus die Mystik zerstört oder deformiert worden. Im ersten Fall wird sie durch einen reinen Moralismus ersetzt, im anderen erhält sie einen okkulten Charakter. Heutzutage gewinnen unterschiedliche okkulte Strömungen und Schulen an Popularität.

Der Mensch, dessen mystische Wahrnehmungen verloren gegangen oder deformiert sind, reduziert die Religion auf einen Moralismus und kann daher gar nicht verstehen welcher Unterschied zwischen der Orthodoxie, dem Katholizismus und dem Protestantismus besteht. Er hält sie lediglich für historische Traditionen und er empört sich darüber, daß die christlichen Konfessionen — wie auch alle anderen Religionen — nicht auf der Grundlage eines allgemeinen moralischen Prinzips vereinigt werden. Der Glaube an die Orthodoxie, als die einzige Möglichkeit der wahren, von der göttlichen Gnade erfüllten Verbindung mit Gott, hält er für einen Mangel an Liebe zu den Menschen, für einen konfessionellen Hochmut, Obskurantismus, und in einigen Fällen als eine Delinquenz[3] gegen die Menschheit. Wenn ein Juwelier keinen Unterschied zwischen Juwelen und einfachen Steinen erkennt und behauptet sie alle seien gleich, so würde man ihn als einen Delitanten bezeichnen. Die höchste Kenntnis eines Juweliers zeigt sich in der Kunst die Eigenschaften der Materialien zu unterscheiden und deren Wert bestimmen zu können.

Wenn einem Menschen alle Gegenstände in der gleichen Farbe gefärbt erscheinen würden, so sagt dies nichts über eine Vielzahl von Meinungen aus, nichts über die Scharfsichtigkeit seiner Augen, sondern lediglich über deren Sehschwäche. Würde ein Mensch behaupten, es gäbe zwischen den philosophischen Systemen keine Unterschiede, daß diese alle im Wesentlichen übereinstimmen, so würde man ihn einen Unwissenden nennen, dem die unterschiedlichen philosophischen Postulate nicht bekannt sind. An dieser Stelle behaupten wir folgendes: ohne die Mystik ist der orthodoxe Glauben nicht zu verstehen. Der Mensch der bar jeder Mystik ist, ist nicht orthodox, auch dann nicht, wenn er sich als ein solcher bezeichnet, vielmehr ist er ein Theosoph oder ein orthodoxer Rationalist.

Ohne Mystik und Askese ist es unmöglich, die Realität der orthodoxen Dogmen wahrzunehmen. Ohne das Bekenntnis zu den Dogmen und der Teilnahme an den kirchlichen Sakramenten, ist es schier unmöglich den Reichtum der Mystiker ― das Taborlicht ― zu emfangen.

Der falsche Mystiker sieht den Schein der höllischen Flamme vor sich, die danach trachtet, dessen Seele zu locken und in eine undurchdringliche Finsternis zu führen. Daher ist Gott für uns: das Leben des Lebens und das Licht des Lichtes. Die Orthodoxie ist für uns der geheimnisvolle Sinai, wo sich die Göttlichkeit dem Menschen offenbart, der Glaube ist die höchste Wahrheit und die Mystik ist die Evidenz[4] des Glaubens.


Übersetzung: Olga Miller
Quelle: http://karelin-r.ru/pravoslavie/129/1.html

© der dt. Übersetzung: Edition Hagia Sophia

Zu den grössten Mystikern der orthodoxen Theologie, gehören zB der hl. Symeon der neue Theologe und der hl. Dionysios der Areopagit. Aber auch generell die Hesychasten, die sich mit der mystischen Theologie und der Erfahrung des Heiligen Geistes beschäftigen.

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Priester Alexej
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von Priester Alexej »

rafaella hat geschrieben:Lieber Alexej,
ich glaube sie meint eher die Mystiker im orthodoxen Sinne.
Ja, genau deshalb habe ich gestaunt - den Begriff "orthodoxe Mystik" habe ich bis jetzt nur in bestimmten Kreisen gehört, jedoch kein einziges Mal während meines Studiums oder in orthodoxen Büchern. Wenn ich beispielsweise den Suchbegriff "православная мистика" ("orthodoxe Mystik") eingebe, bekomme ich außer dem zitierten Archimandrit Rafail Karelin Autoren wie Sergej Bulgakow, Nikolaj Berdajew, Johannes Majedorf angezeigt. Das sind Theologen im Anfang des XX Jahrhunderts, die alle sehr pro-katholisch waren. Bulgkaow - es gibt nur eine äußerliche Trennung der Kirche, jedoch keine innere, alle Konfessionen sind der eine Leib Christi. Usw. Daher meine Vorsicht gegenüber dem Begriff.

"Die Mystik repräsentiert die Erfahrung der Ewigkeit, die Wahrnehmung einer höheren Realität..." - Gab es da nicht den Begriff der Gottesschau?
"Die Mystik öffnet den Weg und gibt die Mittel zur ewigen Kommunikation mit Gott." - Tut das nicht die Asketik im orthodoxen Verständnis?

In unserer Kirche ist die Wahrnehmung Gottes nie ein Selbstziel gewesen - das Ziel ist die Askese, die Reinigung von den Sünden und Leidenschaften, die Vergöttlichung des Seins. "Religion und Mystik sind untrennbar" - die Väter haben immer davor gewarnt, eine Gotteserfahrung anzustreben. Im Gegenteil, sie sagen, dass es keine Sorgen machen soll, wenn man im Gebet nichts spührt, keine besondere Erfahrung macht. Es ist der Wille Gottes, sich zu offenbaren. Strebt man eine Gotteserfahrung an, verfällt man schnell in Prelest.

Rafaella, du bist doch mit den griechischen Vätern gut vertraut - hat jemand von Ihnen das Wort Mystik benutzt? Wer zuerst? Bei Joahnnes Chrysostomus habe ich das Wort z.B. nicht gefunden.
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von Priester Alexej »

Liebe Djamila,

um eine Antwort auf deine Frage zu geben - http://www.amazon.de/Aufstieg-Glaube-ge ... 3906596036 dieses Buch finde ich sehr gut. Es ist bereits im Strang viewtopic.php?f=13&t=1666 diskutiert. In diesem Strang möchte ich besonders auf den Beitrag von Peter hinweisen: viewtopic.php?p=13624#p13624

http://orthpedia.de/index.php/Aufrichti ... en_Pilgers

http://orthpedia.de/index.php/Kategorie ... ben_(Buch)

Grüße!
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Igor
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von Igor »

XB!

Das einzige Buch, welches ich mit einem derartigen Titel gesehen habe, ist im Theophano-Verlag erschienen:

Vladimir Lossky, Betrachtungen über die mystische Theologie der Ostkirche
(Übersetzt von Ines Kallis), ISBN 978-3-9809338-4-1

Dort heißt es:
Der aus Rußland emigrierte Vladimir Nikolajevič Lossky (1903-1958) gehört zu den ersten orthodoxen Theologen, die in dialogischer Begegnung mit ihrer neuen Lebenswelt ein authentisches Zeugnis orthodoxer Identität und theologischer Denk- und Arbeitsweise im Westen abgelegt haben.
Dies gilt insbesondere für seine erstmals 1944 in französischer Sprache erschienen „Betrachtungen“, die Grundprinzipien orthodoxer Theologie und Spiritualität darstellen. Aufgrund seiner in der Tradition der Väter stehenden Theologie ist es ihm gelungen, eine klassisch gewordene Einführung in die Welt der Orthodoxie darzubieten, deren Mystik ein Kennzeichen ihrer Theologie ist.
Ich habe selbst das Buch noch nicht gelesen, daher kann ich ansonsten wenig dazu sagen. Außer, dass m.E. man hierzulande mit "orthodoxer Mystik" dann wohl doch eher die orthodoxe Theologie selbst oder den Hesychasmus meint. Ggf. könnte man auch die Philokalie gemeint haben.

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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von rafaella »

Alexej hat geschrieben:
rafaella hat geschrieben:Lieber Alexej,
ich glaube sie meint eher die Mystiker im orthodoxen Sinne.

"Die Mystik repräsentiert die Erfahrung der Ewigkeit, die Wahrnehmung einer höheren Realität..." - Gab es da nicht den Begriff der Gottesschau?
"Die Mystik öffnet den Weg und gibt die Mittel zur ewigen Kommunikation mit Gott." - Tut das nicht die Asketik im orthodoxen Verständnis?

In unserer Kirche ist die Wahrnehmung Gottes nie ein Selbstziel gewesen - das Ziel ist die Askese, die Reinigung von den Sünden und Leidenschaften, die Vergöttlichung des Seins. "Religion und Mystik sind untrennbar" - die Väter haben immer davor gewarnt, eine Gotteserfahrung anzustreben. Im Gegenteil, sie sagen, dass es keine Sorgen machen soll, wenn man im Gebet nichts spührt, keine besondere Erfahrung macht. Es ist der Wille Gottes, sich zu offenbaren. Strebt man eine Gotteserfahrung an, verfällt man schnell in Prelest.

Rafaella, du bist doch mit den griechischen Vätern gut vertraut - hat jemand von Ihnen das Wort Mystik benutzt? Wer zuerst? Bei Joahnnes Chrysostomus habe ich das Wort z.B. nicht gefunden.
Lieber Alexej,

es kann ja sein, dass dieser Begriff im Russischen nicht so sehr benutzt wird, weil er in anderen Zusammenhängen ganz negativ behaftet ist. In der griechischen Sprache bedeutet mystisch ja eigentlich nicht anderes als "im Geheimen". Es wird oft benutzt, und mit Mystizismus wird oft die tiefere Erfahrenstheologie zB der Hesychasten beschrieben.
Ich bin keine Theologin, aber zu dem Zitat, das Du aufführst und den Begriff der Gottesschau gegenüberstellst, würde ich antworten, dass Gottesschau etwas spezielles ist, aber die Mystik generell als Begriff alles umschliesst, dass sich auf persönliche Erfahrungen in Zusammenhang mit der "Gabe Gottes" bezieht. ZB Erfahrungen im Gebet, die einen innerlich "informieren" über die Mysterien Gottes (also die Wahrheiten Gottes, die für unseren Verstand unzugänglich sind). Also über diese dinge, die man nicht mit der "logischen" Theologie der westlichen Art, aber nur mit der Mystischen erfassen kann. In diesem Sinne ist die Mystik ein täglicher bestandteil der Askese und des Gebetes im Stillen.

Dann schreibst Du-

In unserer Kirche ist die Wahrnehmung Gottes nie ein Selbstziel gewesen - das Ziel ist die Askese, die Reinigung von den Sünden und Leidenschaften, die Vergöttlichung des Seins. "Religion und Mystik sind untrennbar" - die Väter haben immer davor gewarnt, eine Gotteserfahrung anzustreben.

Ich würde dazu sagen, von dem was mich mein Geistlicher die Bücher und die kleine Erfahrung gelehrt haben, wie gesagt, ich bin keine Studierte- ja, man soll es nicht anstreben, aber es ist eine konsequente Folge, wenn man sich richtig Gott und dem Gebet und Seiner Liebe hingibt. Je näher man zu Gott kommt, je grösser die Liebe und reiner das Gebet ist, umso näher kommen wir Gott. Und da gibt es nunmal spirituelle erfahrungen, mystische Theologie etc.. Natürlich muss man einen guten Geistlichen haben um nicht auf den falschen Weg zu kommen, und man darf keine Erfahrungen an sich anstreben. Aber wenn man keine geistlichen Erfahrungen hat, dann hat das bestimmt einen Grund.

Ich habe diese Namen im Zusammenhang mit der mystischen Theologie finden können-
Zuerst wird die Ausdrucksweise der Schrift des hl Johannes und hl Paulos der Apostel als mystisch beschrieben,
mit der mystischen Theologie beschäftigten sich dann zuerst der hl Klemenz Alexandriens, Origenes,
Hl Gregorios Nyssis,hl Makarios der Grosse, hl Neilos der Sinait, Isaak Ninevi, hl Maximus der Bekenner, hl Symeon der neue Theologe, Filotheos Sinaitis, hl Nikodimus der Athonit, und vor allem der hl gregorios der Palamas (es kam deswegen auch zu Streitgesprächen mit den Anhängern der scholastischen westlichen Theologie) etc
Vielleicht habe ich die Namen auf Deutsch falsch.
Dabei geht es nicht darum, dass sie dieses Wort "mystisch" verwendeten, sondern dass die Theologie mystisch war, die sie beschrieben in ihrem Leben und schriften.

LG
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Priester Alexej
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von Priester Alexej »

Lieb Rafaella,

so breit gefächert wollte ich es gar nicht angehen - die Frage war nicht nach den Erfahrungen der Heiligen. Mich interessiert nur, ob dieser Begriff von den Hl. Vätern selbst verwendet wurde, oder ob er erst im letzten Jahrhundert aus der Westlichen Dogmatik übernommen wurde. Dabei ist das "im Mysterium abbilden" der Engel etwas ganz anderes, als "Mystische Theologie"...
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rafaella
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von rafaella »

Alexej hat geschrieben:Lieb Rafaella,

so breit gefächert wollte ich es gar nicht angehen - die Frage war nicht nach den Erfahrungen der Heiligen. Mich interessiert nur, ob dieser Begriff von den Hl. Vätern selbst verwendet wurde, oder ob er erst im letzten Jahrhundert aus der Westlichen Dogmatik übernommen wurde. Dabei ist das "im Mysterium abbilden" der Engel etwas ganz anderes, als "Mystische Theologie"...

Wie gesagt, der Ausdruck mystische Theologie ist eher die Beschreibung der theologischen angehensweise eines Theologen oder Heiligen etc. Jemand, der scholastisch ist, benutzt ja auch nicht das Wort scholastik in seinen Schriften. Es kann natürlich sein, dass dieses Wort benutzt wurde, es ist sogar sehr wahrscheinlich, aber dazu muss man die Heiligen Väter genauer studieren, das kann ich auch nicht sagen.

Aber- das im Mysterium abbilden ist gar nicht so etwas anderes. Mystikos sagen wir im Griechischen, wie auch mystiki euchi (also die Gebete die der Priester leise im Altarraum spricht), all diese Worte haben denselben Wortstamm, also im Geheimen oder verborgen...

Ich glaube auf keinen Fall, dass der Ausdruck aus dem westen übernommen wurde, da es diesen Begriff schon in Zusammenhang mit der platonischen Philosophie gab, und dieser dann auch im christlichen Raum übernommen wurde, im anderen Sinne natürlich. So habe ich es nachgelesen, aber es fehlt an deutschen quellen. leider.
ich bin mir sicher, dass es im theologiestudium noch durchgenommen wird, da es ein wesentlicher Bestandteil der Orthodoxen Theologie ist...

Tut mir Leid, falls ich zu ausschweifend war, ich habe Deine Frage wohl falsch verstanden.

LG
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von Priester Alexej »

rafaella hat geschrieben:ich bin mir sicher, dass es im theologiestudium noch durchgenommen wird, da es ein wesentlicher Bestandteil der Orthodoxen Theologie ist...
Bestimmt, aber unter einem anderen Begriff - das Studium dürfte allmählich zu ende sein :)
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Djamila71
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von Djamila71 »

Alexej hat geschrieben:
rafaella hat geschrieben:Lieber Alexej,
ich glaube sie meint eher die Mystiker im orthodoxen Sinne.
Ja, genau deshalb habe ich gestaunt - den Begriff "orthodoxe Mystik" habe ich bis jetzt nur in bestimmten Kreisen gehört, jedoch kein einziges Mal während meines Studiums oder in orthodoxen Büchern. Wenn ich beispielsweise den Suchbegriff "православная мистика" ("orthodoxe Mystik") eingebe, bekomme ich außer dem zitierten Archimandrit Rafail Karelin Autoren wie Sergej Bulgakow, Nikolaj Berdajew, Johannes Majedorf angezeigt. Das sind Theologen im Anfang des XX Jahrhunderts, die alle sehr pro-katholisch waren. Bulgkaow - es gibt nur eine äußerliche Trennung der Kirche, jedoch keine innere, alle Konfessionen sind der eine Leib Christi. Usw. Daher meine Vorsicht gegenüber dem Begriff.

"Die Mystik repräsentiert die Erfahrung der Ewigkeit, die Wahrnehmung einer höheren Realität..." - Gab es da nicht den Begriff der Gottesschau?
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In unserer Kirche ist die Wahrnehmung Gottes nie ein Selbstziel gewesen - das Ziel ist die Askese, die Reinigung von den Sünden und Leidenschaften, die Vergöttlichung des Seins. "Religion und Mystik sind untrennbar" - die Väter haben immer davor gewarnt, eine Gotteserfahrung anzustreben. Im Gegenteil, sie sagen, dass es keine Sorgen machen soll, wenn man im Gebet nichts spührt, keine besondere Erfahrung macht. Es ist der Wille Gottes, sich zu offenbaren. Strebt man eine Gotteserfahrung an, verfällt man schnell in Prelest.

Rafaella, du bist doch mit den griechischen Vätern gut vertraut - hat jemand von Ihnen das Wort Mystik benutzt? Wer zuerst? Bei Joahnnes Chrysostomus habe ich das Wort z.B. nicht gefunden.
(Oh, da hab ich eine Diskussion ausgelöst :shock:
Offenbar wird das Wort "Mystik" in verschiedenen Bereichen verwendet, sodass es zu Missverständnissen kommen kann ...)

Was macht man aber, wenn man eine Gotteserfahrung erlebt??
Soll man sich dann erschießen oder unglücklich sein?

Mit "Mystik" meinte ich solche Erlebnisse, wie z. B. der Hl. Seraphim von Sarow sie hatte.

Ich habe diese Gotteserfahrung nicht direkt angestrebt, sie hat sich einfach ergeben.
Auch ich habe jahrelang im Gebet nichts "gespürt".
Mittlerweile ist es aber so, dass ich die Anwesenheit Gottes spüre.

Was nun? :cop:

Das Gebet ist für mich ein Gespräch mit Gott. Ein Dialog.
Daher war es für mich nicht erstaunlich, dass Gott sich irgendwann bemerkbar macht.
Ich habe schon seit vielen Jahren solche "Erlebnisse". Mittlerweile ist das für mich ganz normal.
Ich kämpfe auch nicht dagegen an. Das lässt sich auch schlecht abwehren, weil es so unmittelbar ist.

Beispiel: Erkenntnisse, die man während des Gebetes bekommt. Inhalte, die man nicht in der Schule gelernt hat und die einem auch zuvor niemand gesagt hat.
Dinge, die man als Ein-gebung bekommt und die man vorher nicht wusste oder die einem nicht in dieser Art bewusst waren.
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von Priester Alexej »

Liebe Djamila,

ich muss nochmal betonen, dass für mich die Frage nicht in der Gotteserfahrung war. Natürlich gibt es diese, und natürlich ist sie etwas gutes. Ich habe ledeglich nach dem Begriff, dem Wort "Mystik" gefragt.

Es fällt mir ein Buch ein, was ich an der Stelle wirklich allen empfählen möchte - es hat mich selbst tief beeindruckt: Tito Colliander. The Way of the Ascetics (Oxford: Mowbray, 1983). Auf Russisch gibt es das Buch auch im Netz (Тит Коллиандер, УЗКИЙ ПУТЬ), was die anderen Sprachen angeht, bin ich nicht informiert.
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von Djamila71 »

Gibts bei Amazon. Tatsächlich leider nur in English ...

Hat jemand Lust, es zu übersetzen? :)
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Djamila71
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von Djamila71 »

Alexej hat geschrieben:Liebe Djamila,

ich muss nochmal betonen, dass für mich die Frage nicht in der Gotteserfahrung war. Natürlich gibt es diese, und natürlich ist sie etwas gutes. Ich habe ledeglich nach dem Begriff, dem Wort "Mystik" gefragt.

Es fällt mir ein Buch ein, was ich an der Stelle wirklich allen empfählen möchte - es hat mich selbst tief beeindruckt: Tito Colliander. The Way of the Ascetics (Oxford: Mowbray, 1983). Auf Russisch gibt es das Buch auch im Netz (Тит Коллиандер, УЗКИЙ ПУТЬ), was die anderen Sprachen angeht, bin ich nicht informiert.
Im katholischen Bereich denkt man beim Wort "Mystik" meistens gleich an Erlebnisse mit Gotteserfahrungen.
Natürlich gibt es auch noch andere Dinge, die in den Bereich der Mystik fallen.
Dass der Begriff auch negativ besetzt sein kann, war mir allerdings nicht bekannt...
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitrag von rafaella »

Igor hat geschrieben:XB!

Außer, dass m.E. man hierzulande mit "orthodoxer Mystik" dann wohl doch eher die orthodoxe Theologie selbst oder den Hesychasmus meint. Ggf. könnte man auch die Philokalie gemeint haben.

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Ja genau, Igor, das alles meint man natürlich auch alles mit mystischer Theologie. Es wundert mich trotzdem, dass der Begriff an sich nicht benutzt wird.

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Zuletzt geändert von rafaella am 04.05.2011, 10:05, insgesamt 1-mal geändert.
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