Zustand der Toten und Heiligenanrufung

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Ali111
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Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Beitrag von Ali111 »

Sogar in dem Buch "Christus in Euch" steht, dass nicht klar ist, ob die Hölle lehr bleibt.
Wieso das da so steht ist mir ein Rätsel.
Mops
Beiträge: 735
Registriert: 02.12.2008, 12:27
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Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Beitrag von Mops »

das ist das Problem von Büchern....
Bakin_Koljac
Beiträge: 30
Registriert: 04.05.2010, 15:32
Religionszugehörigkeit: Orthodox

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Beitrag von Bakin_Koljac »

Ali111 hat geschrieben:
Sogar in dem Buch "Christus in Euch" steht, dass nicht klar ist, ob die Hölle lehr bleibt.
Wieso das da so steht ist mir ein Rätsel.

zunächst: es heißt "leer" :)

zum thema:

fakt ist: gott verzeiht jedem. aufgrund seiner güte.
fakt ist aber auch: gott kann nicht verzeihen, wenn die leute es nicht möchten. aufgrund seiner güte.

der mensch hat sein ganzes leben zeit, gottes gebote zu befolgen, zu fasten, zu beten, etc...
das geniale an christ-sein ist, dass man nicht mehr gottes diener, sondern gottes kind ist.
und sobald man nicht gottes gebote befolgt, fastet, betet, etc wird man nicht direkt weggeperrt, sondern die liebe des vaters überschattet jede schuld.

also sollten wir uns doch fragen, warum diese hölle überhaupt existiert.

gedanke 1: wir müssen beten und uns an jesus klammern, weil unsere werke - egal wie groß und gut sie sind - so ein heiliges wesen wie gott nie gerecht werden.
hart ausgedrückt: gott nimmt keine notiz von uns

gedanke 2 wie kommt es, dass wir dann wegen unseren sünden - egal wie klein und nichtig sie sind - nicht an gottes perfektion teilhaben können?
hart ausgedrückt: gott nimmt notiz von uns - für jede kleinigkeit.

was nun?

und wieder predige ich das, was ich immer predige:
O F F E N H E I T

macht eure scheuklappen ab, lest nicht wie programmiert irgendwelche bücher sondern denkt auch einfach mal unvoreingenommen. diese deutsche einstellung zu lehren (diesmal mit "h" :D) und dogmen nervt mich sowieso.

die hölle existiert nicht.

(jetzt lass ich das mal wirken und stelle mir vor, wie böse ihr grade guckt :D)

mr.perfect-christian (doppelname...es gab etwas stress in der ehe...) stirbt.
alles super. er steht vorm großen gericht. aufgrund des gedankengangs 1 werden ihm die wenigen probleme verziehen und er geht ins paradies.

zur selben zeit stirbt mr.indianer. erhat noch nie einen christen gesehen. er hat noch nie gehört, was christentum überhaupt sein soll.
unwissenheit ist zwar keine entschuldigung für den unwissenden. (ein bürger der seine gesetze nicht kennt ist doppelt schuldig, weil es seine pflicht ist, sich zu informieren) aber er hatte nunmal keine möglichkeit dazu.
im gegensatz zu mr.perfect-christian hat er nicht das privileg den himmel zu betreten. aber einen anderen weg gibt es nicht. nun muss mr.indianer zurück in den wartesaal.

während er da sitzt, denkt er natürlich nach über sein ganzes leben und er kommt drauf, dass das christentum die einzig wahre religion gewesen wäre. jetzt hat er vor, sich zu ändern. aber leider ist es zu spät.

humanisten würden nun sagen: "das ist ungerecht!!! er hatte doch vorher nie die möglichkeit, das christentum kennen zu lernen! mr. indianer hat eine chance verdient!!"

im prinzip haben die recht...
er sollte die chance haben, sein leben zu ändern.
aber scheisse, mr.indianer ist tot.

buße setzt reue vorraus.

reue hat er.
aber zu buße ist er nicht fähig!

DAS ist hölle.

die hölle existiert. die hölle ist real.
aber gott hat sie nicht erschaffen, sondern der mensch. aus eigenem willen.

und deshalb sind wir da. deshalb beten wir für die gestorbenen. denn sie selbst können es ja nicht mehr tun.
deshalb beten wir nicht nur für verwandte sondern für alle menschen, weltweit.
dass auch mr.indianer durch unsere fürbitten und göttliche gnade das paradies betreten darf.
(übrigens mag ich das wort "paradies" nicht. dank dem islam hat dieses wort einen komischen nachgeschmack...jetzt stelle ich mir unter einem "paradies" einen lustgarten vor.)

am tag des jüngsten gerichts. findet dann das zweite gericht statt.

allerdings ist das auch wieder nicht so einfach.
jemand, der im dunkeln gelebt hat und irgendwann die sonne sieht kann entweder ihre wärme erkennen oder ihre unerträgliche hitze. je nach dem, welches verhältnis dieser mensch vorher zur dunkelheit hatte.

mr.indianer ist in diesem fall vielleicht ein blödes beispiel. aber ein atheist wusste von gott und er wollte ihn nicht akzeptieren. warum sollte er es dann in der anderen welt?
Bakin_Koljac
Beiträge: 30
Registriert: 04.05.2010, 15:32
Religionszugehörigkeit: Orthodox

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Beitrag von Bakin_Koljac »

PS: warum beschäftigt euch überhaupt der tod?
genießt euer leben. das was dannach kommt erreicht euch sowieso, aber was im leben passiert wird euch nicht einfach vor die füße geworfen.
Stefan
Beiträge: 135
Registriert: 06.09.2010, 08:30
Religionszugehörigkeit: georgisch-orthodox

Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Beitrag von Stefan »

Mir ist der Unterschied zwischen leer und "lehr.." schon klar. Wenn Du also zukünftig Rechtschreibfehler aus Flüchtigkeit von mir findest, darfst Du sie behalten! :P :P :P

Im Vergleich zum ewigen Leben macht sich unser irdisches Dasein in der gefallen Schöpfung doch recht klein, oder? Genau deshalb interessiert mich das. Ich will auch gerne begreifen, was Gott uns durch die Schrift sagen möchte. Deshalb gibts hier solche Themen: :)

Zu deinem Mr. Indianer fällt mir Apg 17,30 ein: Über die (früheren) Zeiten der Unwissenheithat Gott zwar hinweggesehen; jetzt aber..

Das "jetzt aber" gilt für diesen Menschen nicht, wenn er tatsächlich noch niemal n seinem Leben die Möglichkeit hatte, das Christentum kennenzulernen. Kommt er in die "Hölle"? Das kann man nicht einfach mit ja beantworten.

Mir ist übrigens klar, dass mit der Hölle im orthodoxen Verständnis kein Ort gemeint ist, sondern ein Zustand. Das hast Du ja auch schön beschrieben mit der Dunkelheit und der Sonne.

So, hab Sonne im Herzen! Ich glaube meine Fragen zum Thema wurden ausreichend beantwortet.
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Priester Alexej
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Re: Zustand der Toten und Heiligenanrufung

Beitrag von Priester Alexej »

Kleines Beispiel. Ein Mensch ist Alkoholkrank. Dieser Mensch geht betrunken ins Bett, stirbt, und wacht im Himmel auf. Was möchte er nun?

Und so ist es mit allen Leidenschaften. Gott bestraft uns nicht, weil wir gegen seinen Willen gehandelt haben. Unsere Seele ist krank, besessen, und wir selbst entfernen uns von Gott. Der wahre christliche Weg besteht nicht darin, sich durch irgendetwas von der Schuld zu befreien - ob durch Beichte, Indulgenz oder sonst etwas. Das ist eine rein juristische Denkweise. Der Christ heiligt sich, arbeitet an seiner Seele, befreit sich von Leidenschaften. Und dadurch kommt er auf natürliche Weise Gott näher..
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.
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