Verzeihung und Reinheit

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Andromachi
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Verzeihung und Reinheit

Beitrag von Andromachi »

Wir lesen in den Psalmen:
Ps 51,3-4 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, / tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
Wasch meine Schuld von mir ab / und mach mich rein von meiner Sünde!
Und ich frage mich: Wenn Gott meine Schuld tilgt, bedeutet es nicht, dass er mich rein macht von meiner Sünde? Warum muss das extra betont und zweimal gennant werden? Ich habe zwar eine kleine Theorie dazu entwickelt, aber es würde mich interessieren, wie andere darüber denken.
peter
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Re: Verzeihung und Reinheit

Beitrag von peter »

Ganz spontan, liebe Andromachi, aufgrund eigener Betroffenheit. Frevel und Schuld bleibt zunächst untilgbar, weil faktisch, so wie ein zerrissenes Kleid auch nach Aufarbeitung Nähte hinterläßt, oder eine geschlossene Wunde Narben. Doch Gott in seiner Huld vollbringt Wunder, wenn wir aufrichtigen Herzens bitten und beten, und wäscht uns rein. Es bleibt keine Spur, wenn wir Seiner Gnade würdig sind, noch nicht einmal in der Erinnerung. Unser Gott ist ein Gott, der Wunder tut. Gelobt sei der Herr in Ewigkeit, Amen.

peter
"Selig sind die, die nicht gesehen und doch geglaubt haben" (Joh. 20,31)
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songul
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Re: Verzeihung und Reinheit

Beitrag von songul »

Eigentlich muss man den ganzen Psalm auf sich einwirken lassen:

Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, / tilge meine Frevel nach deinem rechten Erbarmen!
Wasch meine Schuld von mir ab, / und mach mich rein von meiner Sünde.
Denn ich erkenne meine bösen Taten, / meine Sünde steht mir immer vor Augen.
Gegen dich allein habe ich gesündigt, / ich habe getan, was dir mißfällt.
So behältst du recht mit deinem Urteil, / rein stehst du da als Richter.
Denn ich bin in Schuld geboren, / in Sünder hat mich meine Mutter empfangen.
Lauterer Sinn im Verborgenen gefällt dir, / im Geheimen lehrst du mich Weisheit.
Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; / wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee.
Sättige mich mit Entzücken und Freude! / Jubeln sollen die Glieder, die zu zerschlagen hast.
Verbirg dein Gesicht vor meinen Sünden, / tilge all meine Frevel!
Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, / und gibt mir einen neuen, beständigen Geist!
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, / und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir!
Mach mich wieder froh mit deinem Heil, / mit einem willigen Geist rüste mich aus!
Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege, / und die Sünder kehren um zu dir.
Befrei mich von Blutschuld, Herr, du Gott meines Heiles, dann wird meine Zunge jubeln über deine Gerechtigkeit.
Herr, öffne mir die Lippen, / und mein Mund wird deinen Ruhm verkünden.
Schlachtopfer willst du nicht, ich würde sie dir geben, / an Brandopfern hast du kein Gefallen.
Das Opfer, das Gott gefällt, ist ein zerknirschter Geist, / ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verschmähen.
In deiner Huld tu Gutes an Zion, / bau die Mauern Jerusalems wieder auf!
Dann hast du Freude an rechten Opfern, / an Brandopfern und Ganzopfern, / dann opfert man Stiere auf deinem Altar.

Denn nur so wird einem klar über Ursache und Wirkung der Sünde und deren mögliche Tilgung seit der Vertreibung aus dem Paradies.
Nicht umsonst ist dieser Psalm mithin einer der wichtigsten Psalmen für uns Christen.
Ich denke, dass tägliche rezitieren dieses Psalmes mindestens einmal, hat eine heilsame Wirkung.
Ich glaube auch, dass in diesem Psalm das ganze aszetische Leben der Mönche enthalten ist und die Anleitung dazu.
Elvis
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Re: Verzeihung und Reinheit

Beitrag von Elvis »

Andromachi hat geschrieben:Wir lesen in den Psalmen:
Ps 51,3-4 Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, / tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
Wasch meine Schuld von mir ab / und mach mich rein von meiner Sünde!
Und ich frage mich: Wenn Gott meine Schuld tilgt, bedeutet es nicht, dass er mich rein macht von meiner Sünde? Warum muss das extra betont und zweimal gennant werden? Ich habe zwar eine kleine Theorie dazu entwickelt, aber es würde mich interessieren, wie andere darüber denken.
Nun ja es heisst ja, der heilige Geist rechtfertigt dich, sonst niemand - also immer schön buße tun.

LG

Elvis
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

Ehre Sei dem Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Jetzt und immerdar und in alle ewigkeit. Amen

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Nassos
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Re: Verzeihung und Reinheit

Beitrag von Nassos »

Ich glaube, es kam Andromachi in ihrer Frage darauf an, warum man (ich sage es mal ganz salopp) Gott zwei Bitten nennt, wo doch eine reicht um den Akt der Reinigung zu bewerkstelligen.
Dass es sich also so anhört, als ob das nur in zwei Schritten erfolgen kann (bzw. als Gott das nicht könne).

Meines kleinen Verständnisses nach ist es nicht ein Zweifel an Gott, sondern eine Hervorhebung der eigenen Unreinheit: man kann nicht oft genug um Heilung bitten. Daher ist es ein Aneinanderreien von Bitten, die auch - wie das Jesusgebet - einem seine eigene Unreinheit vor Augen führen und das Herz demütigen.
Somit die Grundlage zur Buße und die Motivation zum erneuten Versuch der Heiligung.

Selbstverständlich entfaltet der Psalm in seiner Gesamtheit seine Macht.

Lieben Gruß,
Nassos
Andromachi
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Re: Verzeihung und Reinheit

Beitrag von Andromachi »

Danke euch allen für die schönen Erklärungen. Besonders der Beitrag von Peter bestätigte meine Gedanken. Ich denke, dass Gott mir veziehen hat, bestimmt, Er ist ja so großzügig. Aber der Schaden, den die Sünde in mir angerichtet hat, wirkt noch in mir. Er kann (oder soll auch nicht) so ohne Weiteres behoben werden. Es muss von meiner Seite ein Kampf mit meinem kaputten Ich aufgenommen werden, der lange dauert und den ich nicht allein zu Ende bringen kann. Ich muss also nicht nur um Verzeihung bitten, sondern auch darum, dass mich Gott reinwäscht von den Folgen der Sünde in mir.
Nassos
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Re: Verzeihung und Reinheit

Beitrag von Nassos »

Wenn ich jemandem verzeihe, dann erwarte ich keine Wiedergutmachung. In diesem Sinne sollte doch die Schuld reingewaschen sein. Wäre sonst Gottes Gnade nicht irgendwie unvollkommen?

Dass uns unsere (vergebene) Schuld beschäftigt ist gut und wichtig, denn das zeigt, dass man sich ernsthaft damit beschäftigt. Es zeugt von Verantwortungswillen.
Das Reinwaschen zu bestreiten und somit auch die Freude über die Gnade nicht empfinden zu wollen betrachte ich nicht als den richtigen Weg.

Liege ich falsch? Es wäre wichtig hierzu theologisches zu hören bzgl. Sündenvergebung.
Ich hoffe, Ihr versteht, was ich hier sagen will.

Vielen Dank und lieben Gruß,
Nassos
Elvis
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Re: Verzeihung und Reinheit

Beitrag von Elvis »

Andromachi hat geschrieben:Danke euch allen für die schönen Erklärungen. Besonders der Beitrag von Peter bestätigte meine Gedanken. Ich denke, dass Gott mir veziehen hat, bestimmt, Er ist ja so großzügig. Aber der Schaden, den die Sünde in mir angerichtet hat, wirkt noch in mir. Er kann (oder soll auch nicht) so ohne Weiteres behoben werden. Es muss von meiner Seite ein Kampf mit meinem kaputten Ich aufgenommen werden, der lange dauert und den ich nicht allein zu Ende bringen kann. Ich muss also nicht nur um Verzeihung bitten, sondern auch darum, dass mich Gott reinwäscht von den Folgen der Sünde in mir.
-auf jeden fall

und ausserdem braucht die Therapie auch immer eine gewisse Zeit, sie muss halt der Arzt vorgeben. Glaub es mir, in mir ist der Samen noch verweslicher
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