Austausch über die Kopten, Altkalendarier, Altgläubige, usw.
Staatskirche, was verstehen wir darunter ? Nicht etwa einen Staat, der sich nach christlich orthodoxen Maßstäben richtet und einer Kirche, die Wegweiser fürs Volk ist? Werter MP Theodor, haben je Könige (bzw Demokraten)Päpste gekrönt ?
und...
Haben wir denn die Liebe zur Tradition verloren, dass wir Entscheidungen, die das Heil berühren in die Hände von evtl. Ungläubigen oder Andersgläubigen geben ? Oder sind die griechischen Richterstühle allein frommen Orthodoxen vorbehalten? Ich denke die Problematik ist größer, als der Schein eines oberflächlichen Sieges bzw. einer oberflächlichen Lösung.
-
rafailia_3
- Beiträge: 141
- Registriert: 06.11.2007, 18:27
- Wohnort: Griechenland
die Ak meinen, dass die NK eine falsche Entscheidung mit der Aenderung des Kal. genommen haben und dass der damalige Ptriarch und einige Priester Oekumenisten gewesen sind.In groben Zuegen. Und das es auch heute viele Oekumenisten in hoeheren Raengen gibt.
Sagen wir mal Hans streitet mit Udo. Ganz dumm. Wer entscheidet wer recht hat? Hans? oder Udo?
Die orthodoxie ist natuerlich nicht Hans oder Udo. Aber es ist doch klar, das die Staatskirche ihre Entscheidung ueber die Kalenderfrage unterstuetzen wird und die andere Seite als falsch und ungehorsam darstellen wird! Wer konnte also ueber diese Dinge entscheiden?
Es gab Menschen, die in einer AK Kirche heiraten wollten, aber nicht konnten.
-
protopeter
- Priester
- Beiträge: 698
- Registriert: 24.07.2006, 21:21
- Wohnort: Salzburg
Es wurde schon ausführlich über dieses Thema diskutiert - darum nur dieser Gedanke: Zweifellos war es ein grober Fehler, wie die erzwungene "Umstellung" auf den neuen Stil (nicht nur in Griechenland, sondern in ähnlicher Weise in Rumänien und Bulgarien) zustande kam. Worum es allerdings hier geht, ist die Selbsteinschätzung mancher altkalendarischer Kreise, die sich als "echte orthodoxe Christen" sehen, währenddessen alle anderen ("Neukalendarier") als in Irrtum und Häresie verfallen gelten.
Ich weiß nicht, ob sie die Korrespondenz von Archimandrit Philotheos Zervakos mit Altkalendariern kennen; hier spricht dieser geistliche Sohn des Heiligen Nektarios von Ägina klare Worte - es hätte zwar diesen (mithin staatlich verordneten) Eingriff in innerkichliche Belange niemals geben dürfen, doch hänge die Wahrheit der gottmenschlichen Erlösung prinzipiell nicht am Kalender. Leider ist eine solche Haltung seitens der Altkalendarier allzu oft zu spüren - davon konnte ich mich wiederholt persönlich überzeugen; es scheint, als ob die Frage der Zeitberechnung zu einer Grundbedingung von Orthodoxie und Orthopraxie gemacht wäre...
In der Liebe Unseres Herrn grüßt
"altkalenderverwendender" Erzpr. Peter
-
Ieromonach
- Priestermönch
- Beiträge: 157
- Registriert: 02.12.2008, 13:36
- Wohnort: berlin
- Kontaktdaten:
Orthodoxe Kirche
Leider ist die Realität so, daß die Wahl des ökum. Patriarchen abhängig ist von Ungläubigen türkischen Staatsmännern. In Rumänien geht es auch nur mit dem Staat. Auch der Patriarch von Jerusalem benötigt die Bestätigung von Jordanien und Israel. Skandal? JA, aber so ist es. Hellas aber ist ein Sonderfall - siehe Erhebung gegen die Turkukratie durch Bischöfe und dann spätere Bildung des Staates Hellas. In mehrheitlich orthodoxen Ländern wirkt das Volk (durch Parlament/Minister/Staatspräsident) bei der Einsetzung von Bischöfen und Lehre (Lehrer an Schulen, Univ.usw.) mit. Der Hüter der Rechtgläubigkeit sind nicht allein die Bischöfe .wohl aber Bischöfe und Volk. Beide bilden die Kirche. Immer dann wenn dieses gemeinsame Handeln und Leben verletzt wird leidet die Kirche.
P. Michael Pomazanskij, ORTHODOXE DOGMATISCHE THEOLOGIE Ausgabe des
Klosters hl Hiob in München ISBN 3-926165-96-0
schreibt: "Die Einheit der Kirche wird auch nicht durch das Auftreten vorübergehender Spaltungen nichtdogmatischer Art verletzt......... Auch wird manchmal eine zeitweilige Aufhebeung der Kommunionsgemeinschaft durch persönliche Irrtümer von einzelnen Hierarchen verursacht, die an der Spitze der einen oder anderen lokalen Kirche stehen; oder die Ursache besteht darin, daß sie Kanones der Kirche oder die Un terordung einer trritorialen ekklesiastischen Gruppe unter eine andere in Übereinstimmung mit der seit alters her gebräuchlichen Ordn ung verletzt haben. Weiterhein zeigt uns das Leben, daß die Möglichkeit von Störungen innerhalb einer lokalen Kirche besteht, die die normale Kommunionsgemeinschaft dieser Kirche mit anderen Kirchen so lange verhindert, bis die Verteidiger der authe ntischen orthodoxen Wahrheit auch Äußerlich in Erscheinung getreten sind und sich durchgesetzt haben. Schließlich kann die Verbindung zwischen Kirchen manchmal für eine längere Zeit aufgrund von politischen Bedingungen verletzt sein, wie es oftmals im Laufe der Gesschichte geschehen ist. In solchen Fällen betreffen die Spaltungen nur die äußeren Beziehungen,berührn oder verletzen babernicht die innere geistliche Einheit".
+ P.Theodoros
-
rafailia_3
- Beiträge: 141
- Registriert: 06.11.2007, 18:27
- Wohnort: Griechenland
ich kenne viele Ak, die keinesfalls zu Fanatismus neigen, sondern einfach nur ihren Standpunkt vertreten. Es gibt natuerlich auch andere, die ich nicht untestuetze. Ich habe schon einmal gesagt, dass mir der Fanatismus nicht gefaellt. Auf keiner der beiden Seiten, denn es gibt auch NK die zu Fanatismus neigen und die AK als Haeretiker bezeichnen!
Ich kenne den ehrwuerdigen Filotheo Zervako und sein Werk. Ich weiss auch, dass er das Ak unterstuetzt hat und schrieb, dass der Kalender nie haette geandert werden sollen. Er hat lediglich den Fanatismus einiger verurteilt und das wahr richtig!
Es kann sein, dass Sie nur negative Erfahrungen gemacht haben, aber ich hingegen habe fast nur positive Erfahrungen gemacht.
Wenn jemand ein richtiger Orthodoxe Christe ist liebe ich ihn als Bruder, ob nun AK oder NK.
In Christlicher Liebe
-
protopeter
- Priester
- Beiträge: 698
- Registriert: 24.07.2006, 21:21
- Wohnort: Salzburg
und hey, wie froh wäre ständen wir in vollkommener Einheit - aber wir tuen es leider nicht, was Anstrengungen auf beiden Seiten erfordert !
Wie singen wir (fehlbar übersetzt):
Verlaßt euch nicht auf Fürsten, auf Menschen, bei denen kein Heil ist.
Ich möchte abschließen mit meiner Einbringung in diesem Strang: Ich bin gegen diese weltliche Augenwischerlösung des Staates! Diese Beschlüsse sind nicht in der gegenseitig einvernehmlichen, brüderlichen Liebe getroffen worden und somit ist nichts gelöst, keine Einheit vorhanden und wir stehen dort, wo wir auch vorher standen, vielleicht haben wir uns sogar wieder ein Stück weiter entfernt. Dies stimmt mich nachdenklich und ein jeder mag da seine Gedanken und Empfindungen selber prüfen.
-
Ieromonach
- Priestermönch
- Beiträge: 157
- Registriert: 02.12.2008, 13:36
- Wohnort: berlin
- Kontaktdaten:
Orthodoxe Kirche
Tragen wir das Kreuz dieser Wunden und wir werden Kirche leben. Wie mein Bruder im priesterlichen Dienst P. Peter schon richtig bemerkt hat im obigen Beitrag. Enstcheidend ist die gelebte Orthopraxie. Fehlbarer +P.Theodoros
Lieber Konrad,holzi hat geschrieben:Hallo,
wie sieht denn eure Haltung bzgl. der Finnisch-Orthodoxen Kirche aus, die nicht nur den neuen Kalender, sondern sogar die westliche Osterdaten übernommen hat?
Fragt sich
Konrad
passende Ablenkung - danke fürs Nachfragen.
Die relativ junge Orthodoxe Kirche Finnlands steht in voller Gemeinschaft mit allen kanonischen Kirchen - auch wenn es jetzt auf Anhieb wiedersprüchlich scheint. Sie hat sich dem Kalender so angenommen aus pastoralen Gründen. Nichts desto trodtz, status quo wird auf dm panorthodoxen Konzil ein Thema sein, aber in diesem Zuge dann wohl auch endlich die Klärung AK/NK Problem im allgemeinem.
Ja, vereint uns die Liebe oder Mathematik?
Ich meine auch Liebe duldet mehr als Mathematik.
Es grüßt antwortend,
milo
-
Rene
das ist genau das Problem. Viele Punkte werden schnell mit "aus pastoralen Gründen" übergangen und auf die (zweifellos sehr wichtige) Liebe verwiesen.
Wenn denn die 7 ökumenischen Konzile kein Maßstab mehr sind, dann weiß ich auch nicht mehr. So wird die Kirche immermehr untergraben und (wie im Falle des Kalenders) die Einheit und Tradition zerstört.
-
protopeter
- Priester
- Beiträge: 698
- Registriert: 24.07.2006, 21:21
- Wohnort: Salzburg
Noch eine zusätzliche Anmerkung zur Situation in der Orthodoxen Kirche Finnlands: Als 1924 dieser Ortskirche die Autonomie zuerkannt wurde, übte der Staat - vor allem unter Einfluß des nationalistischen Politikers Mannerheim - entsprechenden Druck zur Annahme des Gregorianischen Kalenders aus; widrigenfalls würde die gesetzliche Anerkennung der Kirche verweigert (in Finnland ist die Orthodoxie im Rang einer Staatskirche) und ihre Tätigkeit somit wesentlich erschwert werden. Als Begründung galt, den vorgeblich "russischen" Einfluß im Land (hier auf die Kontakte zwischen finnischen und sowjetischen Kommunisten gemünzt) zurückzudrängen.
Interessant ist, daß die (fast ausschließlich homogen russischen Gemeinden) Kareliens beim "alten Stil" bleiben konnten - dies geschah wohl in erster Linie aufgrund der schon genannten "nationalen" Sichtweise, die die "Russen" als religiös-kulturelle geduldete Minderheit auffaßte; so ist heute in Finnland eben nicht nur die autonome Finnische Orthodoxe Kirche präsent - es gibt auch Gemeinden, die sich zum Moskauer Patriarchat oder zur ROKA halten. Allerdings würde ich nicht sagen, daß durch den unterschiedlichen Kalender die kanonische Einheit grundsätzlich zerstört wäre - zu dieser Annahme besteht nun nicht der geringste Anlaß !
Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
-
IoannesProselytos
- Beiträge: 196
- Registriert: 09.01.2007, 21:11
- Wohnort: S?den ?sterreichs
Gleich vorweg: Ich bin hier nicht übertrieben involviert und kenne auch keine "Altkalendarier" in dem Sinne und auch die Sache selbst ist mir doch etwas zu fern, als dass ich dazu großartige Stellungnahmen abgeben könnte (und dürfte), nur so viel: Wenn es wirklich irgendein Eingreifen staatlicherseits in kirkliche Belange gab, dann finde ich, dass das nicht gerade günstig ist ...
-
Rene
wie kann ich denn bei verschiedenen Kalendern z.B. mit meinem Bruder zusammen feiern? Da wird in der einen Kirche das Fest eines Heiligen begangen und in der anderen Kirche feiere ich das selbe nochmal?
Oder beim Begehen der Fastenzeiten? Ich finde schon das die Einheit da zumindest sehr gestört ist.
mfG
Rene
-
protopeter
- Priester
- Beiträge: 698
- Registriert: 24.07.2006, 21:21
- Wohnort: Salzburg
Wir sollten als Orthodoxe wirklich das Prinzip der Einheit in der Vielfalt gelten lassen und uns auf das einzig Wesentliche - das Bekenntnis zum Lebendigen Gott und zur gottmenschlichen Synergie in unveränderlicher Weise - beziehen. Ich habe hier nicht die Absicht, die gesamte Debatte über die Kalenderfrage zu wiederholen - es muß jedoch eine Sache klar sein: Der orthodoxe Lebensvollzug (und zu diesem Bereich gehört dieses Thema) ist in einem nicht unwesentlichen Maß von der oikonomia betroffen, ohne daß damit auch nur ein einziger Punkt der Glaubensbasis berührt wäre !
Natürlich ist die Situation innerhalb der Orthodoxen Kirche Finnlands ungewöhnlich, möglicherweise auch problematisch; doch denke ich auch, daß jener Status, der innerhalb der orthodoxen Ökumene akzeptiert wird, einzelnen Gläubigen oder Gruppen, die sich als besonders traditionsverbunden und rechtgläubig sehen möchten, bei einer tiefgründigen Beachtung des obengenannten orthodoxen Grundprinzips keineswegs zum Ärgernis gereichen sollte - unabhängig von persönlichen Vorlieben !
Es grüßt
Erzpr. Peter