Monotheletismus

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Milo
Beiträge: 966
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Monotheletismus

Beitrag von Milo »

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Monotheletismus (nach der Christus keinen eigenen Willen gehabt, sondern von Gott-Vater vollständig gelenkt worden sei)
Grüß Gott!

Ich glaube hier stimmt etwas nicht! Ist das wirklich die Häresie des Monotheletismus?? Ich bin der Meinung nein!

Zu diesem Thema gehts hier weiter.

Vo Hristje,

milo
Milo
Beiträge: 966
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Beitrag von Milo »

protopeter hat geschrieben:Lieber Br. Milo !

Der Monotheletismus entfaltete sich in der Tat so wie von Ipodiakon Nikolaj beschrieben: Christus wird als dem Willen Seines Vaters vollkommen ausgeliefert und unterworfen gesehen - die Häretiker nahmen an, daß die Willensautonomie, die menschlichen Natur des Erlösers zugeschrieben wurde, dem göttlichen Heilsplan entgegenstünde. Der Hl. Maximos der Bekenner argumentierte dagegen mit der Schriftstelle, da Christus in Gethsemane Seinen Vater bittet: "Laß diesen Kelch an mir vorübergehen..aber nicht mein sondern Dein Wille geschehe !" und erwies damit, daß der menschliche Wille des Erlösers sehr wohl vorhanden war, sich jedoch dem Vollzug des Erlösungswerkes unterordnete.

Österliche Grüße sendet
Erzpr. Peter
Christus ist auferstanden!


Lieber V. Peter,

bei allem Respekt und Sympahtie, muss ich mich als Laie hier nochmals etwas sträuben. :) Hoffe Sie verzeihen!

Warum?

Nun der Satz in Klammern:

Monotheletismus (nach der Christus keinen eigenen Willen gehabt, sondern von Gott-Vater vollständig gelenkt worden sei)

beschäftigt sich mit der Trinitätslehre, der inneren Ordnung des dreieinen Gottes. Und das war eben nicht explizit der Klärungsgegenstand des 6. ökum. Konzils. Liege ich hier falsch? Bitte korregieren Sie mich.

Monotheletismus und Monoenergetismus, diese christologischen Häresien gründen doch eindeutig auf die Naturenlehre über unseren Heiland. Zwei Naturen in einer Person! das hat ja das 4. Konzil ausgesprochen (so haben sich die monophysitischen Kirchen abgespaltet).
Nach dem Scheitern des Versuches (Aufarbeitung) mit dem 5. Konzil die Dio- und Monophysiten zu einigen, wurde seitens Kaiser Heraklius im 7.Jhd (politischer Motivation) diese monothelitische Häresie vorangetrieben.

Wenn der HErr schon zwei Naturen hat, dann aber nur einen Willen, und zwar den göttlichen!

Damit erhoffte sich der Kaiser einen Kompromiss unter den Parteien...aber die Wahrheit kennt keine :)
Dank den gottgelehrten Märtyrern wie Hl. Martin, Hl. Maxim, Hl. patr. v. Jerusalem Sophronius...wurde die Orthodoxie hochgehalten.

Es ist falsch zu behaupten der Wille ist Atribut der Person, und nicht der Natur.
Zwei Naturen, also zwei Willen in einer Person - in Jener alles wieder eins wird was getrennt war. Ehre sie Dir HErr!

38Denn ich bin vom Himmel gekommen, nicht damit ich meinen Willen tue, sondern eden Willen dessen, der mich gesandt hat.

Die 2.Person des dreieinen Gottes hat das Rettungswerk auf sich genommen.
Was die Trinitätslehre angeht, so sind doch die 3 Personen ewig...aber die Menschwerdung geschieht in der Zeit.

Sohn ist wesensgleich dem Vater, hat aber nun als Gott-Mensch auch einen menschlichen Willen.


Nochmal also....die angesprochen Häresie ist auf Christus primär bezogen. Und das ist eben mit dem Satz in den Klammern, finde ich, nicht korrekt.
Christus hat sehr wohl Willen, aber eben zwei Willen!


Man darf nicht so einfach finde ich (vorallem theologisch) die Fragen der zwei Relationen (Trinität/Gottmensch) zusammenwerfen.


Hoffe meine Einwände einigermassen zum Ausdruck gebracht haben. :roll:

Falls ich was falsch verstanden habe, bitte ich offen mich zu korrigieren. Zu diesen Dogmen/Oros welche die Kirche konzilar ausgesprochen hat, empfinde ich eine sehr große Ehrfurcht.


Ihr nie lernender schüler milo

ps. es stellt sich aber weiterhin die Frage ob auch diese Aussage so stimmt, das nach der monothelitischen Lehre, Christus keinen freien Willen gehabt hätte!?! Auch da bin ich skeptisch...
protopeter
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Beitrag von protopeter »

Lieber Br. Milo, wahrhaftig ist Er auferstanden !

In der Abwehr des Monotheletismus geht es eben gerade darum, Möglichkeit und Faktum der Willensäußerung des Gottmenschen Jesus Christus zu definieren. Die von Ihnen beanstandete Aussage kann natürlich monoenergetisch oder monotheletisch interpretiert werden - bezieht man sie allerdings auf die von mir zitierte Aussage des Hl. Maximos, so wird der Sinn klar. In der Klärung von orthodoxer und häretischer Lehrmeinung auf dem 6. Ökumenischen Konzil konnte es nicht ausbleiben, daß die christologischen Fragestellungen eben auch in Bezug zur Trinitätslehre gesetzt wurden. In diesem Sinne besteht sehr wohl ein Zusammenhang bei der Verurteilung der monotheletischen Irrlehre.

Brüderliche Grüße sendet
Erzpr. Peter
Marypoppins
Beiträge: 151
Registriert: 04.06.2007, 15:00

Beitrag von Marypoppins »

Guten Morgen,

man kommt einfach nicht aus diesem Forum heraus, ohne etwas
interessantes gelesen zu haben.

Monotheletismus und Monoenergetismus....mit diesen Denkvorstellungen habe ich mich bis eben noch nie auseinandergesetzt.
Schade, daß Ihr nicht noch mehr geschrieben habt.
Bin diesbezüglich sooo unbedarft, daß etwas mehr "Input" sehr begrüßt wird.

Kennt Ihr hierzu noch Links, die Ihr von Eurer Sicht her für akzeptabel haltet?

Liebe Grüße
Mary
Ieromonach
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Allgemeine Fragen

Beitrag von Ieromonach »

Friede, Monothelethismos lehrt zwei Naturen des Christos aber nur einen göttlichen Willen. Diese Lehre wurde auch vom damaligen Papst Honorius I angenommen. Die 6. ökum. Synode (Trullanum) verurteilt diese Lehre als Häresie. Die Synode verkündet: "Ebenso verkünden wir in ihm auch zwei natürliche Weisen des Wollens oder zwei Willen und zwei natürliche Tätigkeiten, ungeteilt, unverändert, unzerstückelt und unvermischt gemäß der Lehre der heiligen Väter. Näherhin geht es einerseits um zwei natürliche Willen, die einander nicht entgegengesetzt sind - das sei ferne! -................................. Vielmehr ist sein menschlicher Wille folgsam, er widerstrebt oder widersetzt sich n icht, sondern ordnet sich seinem göttlichen und allmächtigen Willen unter; denn der Wille des Fleisches mußte bewegt und dem göttlichen Willen untergeordnet werden. .: ... In der Weise nämlich, wie sein allheiliges und untadeliges Fleisch durch Vergöttlichung nicht aufgehoben wurde, sondern in derihm eigenen Begrenzung und Seinsweise verblieb, so wurde auch sein menschlicher Wille durch Vergöttlichung nicht aufgehoben....."

(Leseempfehlung: Konzilien des ersten Jahrtausends Band I, ISBN 3-506-79806-5)

+ P. Theodoros
IoannesProselytos
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Beitrag von IoannesProselytos »

Diese Lehre wurde auch vom damaligen Papst Honorius I angenommen.
Gut, der Papst und der Kaiser - vor allem der Kaiser - hatten damit im Sinn, die Monophysiten in Syrien und Ägypten mit den Rechtgläubigen auszusöhnen und unterstützten deshalb diese Lehre. Leider ging der Schuss wohl eher nach hinten los, damit haben sie nämlich beide "Parteien" vor den Kopf gestoßen ...
Milo
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Beitrag von Milo »

Lieber Johannes,

sieht man nicht an dem Beispiel gut, das es keine "Kompromisspolitik" in Sache Dogmatik geben kann!? Stichwort: heutiger Ökumenismus...etwas für alle zum nachdenken.

Gruß

Milo
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