Eine Ehe ohne Gott???

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Lena_3
Beiträge: 7
Registriert: 21.08.2007, 08:54

Eine Ehe ohne Gott???

Beitrag von Lena_3 »

Liebe Brüder,

mich beschäftigt seit langer Zeit eine Frage. Ich erklär erstmal am besten meine Situation.
Wie schon bereits erwähnt, hab ich vor zwei Jahren Gott für mich entdeckt.
Das Problem ist, dass mein Verlobter diese Liebe nicht mit mir teilt, ich kann kaum mit ihm über geistige Themen sprechen, weil er mich nicht versteht.
Es tut mir sehr weh, weil ich mir so sehr wünsche, dass er diese Liebe auch spürt.
Denn ohne Gott ist jeder Mensch verloren und unglücklich. Wir haben sehr oft deswegen Konflikte, weil ein Mensch mit Gott doch anders denkt und handelt.
Ich bete jeden Tag, dass er den Glauben für sich entdeckt. Doch leider ohne Erfolg aus meiner Sicht. Manchmal denk ich, dass es nie geschehen wird.
Nun wollen wir nächstes Jahr heiraten, ich weiß nur nicht, ob es richtig ist.
Denn man sollte den Menschen so hinnehmen, wie er ist und nicht darauf hoffen, dass er sich ändert. Ich zweifele an meiner Kraft und Geduld.
Ich glaub, dass seine katholische Konfession das geringste Problem ist. Denn das Wichtigste meiner Meinung ist, was das Herz und die Seele ausmacht.
Er nimmt immer als Ausrede, dass er deutscher ist und die meiste heilige Literatur auf Russisch ist zu mindestens die Bücher, die ich lese. Aber wenn ich ihm auch was auf Deutsch mitbringen würde, würde er es auch nicht lesen.
Ich hoffe, dass jemand für mich einen Rat hat oder einfach nur an eigene Erfahrung.

Gott sei mit euch!
holzi
Beiträge: 1375
Registriert: 17.12.2008, 08:29
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Re: Eine Ehe ohne Gott???

Beitrag von holzi »

Lena hat geschrieben:Ich bete jeden Tag, dass er den Glauben für sich entdeckt. Doch leider ohne Erfolg aus meiner Sicht. Manchmal denk ich, dass es nie geschehen wird.
Hallo Lena,

kennst Du die heilige Monika? Sie hat Jahre und Jahrzehnte um die Bekehrung ihres Sohnes gebetet. Ja, er hat sich schliesslich bekehrt und wurde als der Hl. Augustinus v. Hippo bekannt. Das mit dem Ändern-Wollen scheint offenbar so eine Eigenart der Frauen zu sein, meine will mich auch immer noch ändern ;)

Leg diese Anliegen dem Herrn zu Füßen und sei deinem Liebsten eine gute Frau. Lies auch mal in 1 Kor. Kap. 7! "Der ungläubige Mann ist geheiligt durch die gläubige Frau."

Grüße
Konrad

P.S.: Der Gedenktag der Hl. Monika ist der 27. August (neuer Kalender), ob nicht eine Bitte um Fürsprache an sie angebracht wäre?
Lisa
Beiträge: 61
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Wohnort: Wuppertal

Beitrag von Lisa »

Liebe Lena,

es ist sehr schwer darauf zu antworten.

Zu Beginn der Beziehung ist dies für Dich sicher kein Problem. Die erste Liebe überbrückt diese Problematik. Aber was dann? Es ist auf jeden Fall einfacher mit einem gemeinsamen Hintergrund. Der Glaube leitet unser Leben. Nicht immer gleich stark, nicht immer gleich deutlich.
Wie steht Dein Verlobter zu Deinem Glauben? Läßt er ihn zu, unterstüzt er Dich? Wie sieht es mit den zukünftigen Kindern aus? Läßt er sie orthodox taufen? Wie will er die Kinder unterstützen?

Heute ist es sehr schwer einen Partner mit dem gleichen Glaubenshintergrund zu finden. Dies erkenne ich auch an meinen Kindern.

Aber ich bin schon viele Jahre verheiratet. Und unser gemeinsamer Glaube hat uns so manches Mal weitergeholfen.

Man kann seinen Glauben icht ohne die Unterstützung des Partners leben. Dies fängt beim Kirchenbesuch an und hört beim gemeinsamen Fasten nicht auf.

Für Dich und Deinen Verlobten werden wir beten, damit Ihr den richtigen Weg findet. Wie lange kennt Ihr Euch schon. Wenn Ihr länger als zwei Jahre zusammen seid, ist es für ihn vielleicht nicht so einfach nachzuvollziehen, welchen Weg Du gegangen bist.

Auf jeden Fall wünsche ich Euch alles Liebe und Gute

Elisabeth
Lisa
Lena_3
Beiträge: 7
Registriert: 21.08.2007, 08:54

Beitrag von Lena_3 »

Liebe Elisabeth,

wirkliche Unterstützung erhalte ich nicht, da es für ihn nicht klar ist,
wie diese aussehen soll.
Ich versuche ihm sehr viel zu erzählen, viele Wunder, die passieren und hoffe jedesmal, dass meine Worte sein Herz erreichen.
Wir sind seit 5 1/2 Jahren zusammen und den Grund für meine Entwicklung hat er mitverfolgt. Wenn er einmal in die Kirche kommen würde, würde er vielleicht verstehen, was es bedeutet, Gott zu entdecken.
Er versucht ein paar Sachen durchzulesen, die ihm weiterhelfen.
Aber bis jetzt ist nichts passiert.

LG

Lena
Rene

Beitrag von Rene »

Liebe Lena,

ich kann Dein Problem sehr gut nachvollziehen, meiner Frau erging es einst ähnlich mit mir.
Sie hat den Herrn gebeten dies zu regeln, hat - wie Holzi auch geschrieben hat - dem Herrn dies überlassen.
Ich denke, dass ist es was Er will. So wie wir auch täglich beten,
"Dein Wille geschehe". Sprich einfach zu Ihm und lege Dein Problem in Seine Hände.

Zur Literatur noch ein Wort, wie in unserem Bereich "Schriftwerke" zu sehen ist, gibt es eine schon recht große Anzahl guter deutscher Werke über den christlich orthodoxen Glauben. Ob die Väter nun aus Griechenland oder Russland stammen ist dabei nicht wichtig. Wir sind ja in erster Linie Orthodox.
herzliche Grüße
Rene
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Sebastian
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Beitrag von Sebastian »

Liebe Lena !

Falls noch nicht von mir geschehen - hiermit auch ein Willkommen an dich ! Ich möchte in jedem Punkt meinem Vorschreiber Konrad (aka Holzi) zustimmen.

In unserer Familie haben wir ähnliche "Probleme", doch meine Frau und ich haben bemerkt, dass die vielen, gut gemeinten Worte sogar oft das Gegenteil bezweckten. Nun was tun? Irgendwann kamen wir zum Schluß, dass das Vorleben des Kampfes in Christo und die Fürbitte das Beste ist, was wir tun können. Gib deine Sorge getrost in die Hände des Allmächtigen.

Schöne Grüße
Sebastian
peter
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Glauben in der Ehe

Beitrag von peter »

Liebe Lena,

nach vierzehn Jahren "Glaubensleben" in der Ehe auch von mir ein kurzer
Kommentar. Ob es nun mit Römisch-katholischen schwerer fällt oder nicht, das orthodoxe Erbe zur Geltung zu bringen, ist die Frage. Ich war jedenfalls protestantisch, als ich meine "Glaubensbotin" kennenlernte. Und was mich, allerdings recht bald, überzeugt und herübergezogen hat, war die kirchliche Fülle, Schönheit und Wahrheit der Orthodoxie. Vor allem, daß sie über die Gebete und Heiligenfeste in den Alltag eingreift. Die Sonntagspredigten und lauwarme religiöse Grundgefühle nahmen ein Ende. Meine Frau machte mir auf alltägliche, praktische Weise klar, daß der Glaube kein ideologischer Überbau, sondern die Basis des Lebens ist. Sie legte durch einfache Bezüge dar, von der Küche über den Beruf bis zur Politik und Kultur, daß ohne christliche Kriterien alles unverstanden bleibt. Sie lebte vor die täglichen Gebetsordnungen, erklärte liturgische Zusammenhänge, auch theologische Fragen im Kontext der Väterliteratur, bewies dabei Liebe, Geduld und Nachsicht. Als wichtigstes geistiges Band
erwies sich bei uns das ununterbrochene gemeinsame Lesen. Dadurch
erwuchs, über alle Klippen hinweg, ein inneres "Feld". Das würde für Dich heißen, auch mal "seine" Bücher zu lesen, auf ihn einzugehen, um später
eventuelle Vorbehalte besser verstehen. Wichtig könnte auch sein, ihn
einfach für Deine schöne russische Sprache zu interessieren. Wie herrlich
klingen die kirchenslawischen Gesänge. Leg' doch öfters mal eine CD
oder Kassette ein, als Hintergrundskulisse. Das hat mich über die Zeit
sehr beeinflußt. Du mußt verstehen, daß die Deutschen zunächst meist
recht selbstbewußt oder auch eigenbrötlerisch sind, die Römischen oft
ebenso. Das verliert sich, wenn die "heilige russische Seele" an Dir
erkennbar wird. Eine gläubige Frau kann alles besiegen !

Peter
"Selig sind die, die nicht gesehen und doch geglaubt haben" (Joh. 20,31)
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retro24
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Re: Eine Ehe ohne Gott???

Beitrag von retro24 »

Liebe Lena,

du hast ganz recht, wenn du sagst, dass es weniger auf die Konfession ankommt als auf das, dass jemand mit dem Herzen und der Seele an Gott und Christus als seinem Herrn hängt.

Konrad schrieb:
holzi hat geschrieben: Leg diese Anliegen dem Herrn zu Füßen und sei deinem Liebsten eine gute Frau. Lies auch mal in 1 Kor. Kap. 7! "Der ungläubige Mann ist geheiligt durch die gläubige Frau."
Ich meine, dass dieses Zitat hier nicht ganz treffend ist, denn es geht in der zitierten Bibelstelle nach meiner Kenntnis um Ehen, die schon bestehen. Wenn also jemand in der Ehe lebt und dann gläubig wird, so soll er/sie sich z.B. nicht vom ungläubigen Partner wegen dessen Unglauben scheiden lassen, und Der nichtgläubige Ehepartner wird durch den gläubigen geheiligt, aber nicht zwangsläufig zur Rettung (zum Glauben) geführt. Und über die Qualität der Ehe und die vielen Konfliktpotentiale, die so eine Ehe hat, sagt Paulus nichts.

Paulus schreibt aber auch gerade NICHT, dass ein gläubiger Christ eine Ehe mit einem nichtgläubigen Partner eingehen soll, siehe z.B. 2. Korinther Kap. 6 Vers 14 f., der sehr deutlich spricht:
" Beugt euch nicht mit Ungläubigen unter das gleiche Joch! Was haben denn Gerechtigkeit und Gesetzwidrigkeit miteinander zu tun? Was haben Licht und Finsternis gemeinsam? Was für ein Einklang herrscht zwischen Christus und Beliar? Was hat ein Gläubiger mit einem Ungläubigen gemeinsam?"
Lena, deine Situation ist unheimlich schwierig. Auf jeden Fall solltest du nicht aufhören zu beten. Aber es gibt keine Garantie, dass dein Verlobter je gläubig wird, und ich persönlich rate dir, keinen Ungläubigen zu heiraten, wenn du selbst deinen lebendigen Glauben nicht aufs Spiel setzen willst. Er versandet mit der Zeit in einer Beziehung, in der der Glaube nur wichtig für einen der Partner ist und nicht Fundament für beide und für ihre Ehe.

Zur Veranschaulichung: Stell dir vor, du stehst auf einem Tisch und dein Partner steht unten. Du willst ihn zu dir hochziehen, er zieht nach unten. Wie wahrscheinlich ist es, dass du - selbst wenn du viel Kraft aufwendest - ihn tatsächlich nach oben bekommst? Er wird dich viel schneller zu sich herunterziehen. Genau so ist es mit dem Glauben auch - ein ungläubiger Partner wird in den meisten Fällen in eine andere Richtung ziehen, und selten hält der Gläubige dem auf Dauer Stand.
Ich kenne aus meinem näheren Freundes- und Bekanntenkreis mindestens zwei Fälle, in denen die Frauen - gläubige Christinnen - sich entgegen aller Warnungen auf eine Partnerschaft mit einem ungläubigen Mann eingelassen haben. Bei beiden Frauen hat Gott längst nicht mehr den ersten Platz, weil es sehr sehr schwer ist, gegen den Partner seinen Glauben zu leben (selbst wenn er nichts verbietet, es reicht, wenn er den Glauben und das Glaubensleben nicht teilt und nicht versteht). Sie gehen nicht mehr in die Gemeinde, ihr Glaubensleben ist eher lau.

Du merkst schon jetzt, wo ihr noch nicht verheiratet seid, wie schwer es ist, eine gemeinsame Basis zu finden. Das, was dir so wichtig und wertvoll ist, versteht er überhaupt nicht. Das heißt auch, dass er einige wichtige Werte, Vorstellungen nicht mit dir teilt. Dies ist ein ständiges Konfliktpotential, und zwar nicht erst dann, wenn Kinder da sind und man überlegen muss, wie man sie tauft und erzieht. Es geht in erster Linie um dich und deinen Glauben und um das Fundament eurer Ehe. Bau nicht auf Sand, sondern auf den Fels Jesus Christus! Und bauen müsst ihr gemeinsam, sonst wird das Haus schief und rissig...

Wie gesagt: wenn jemand verheiratet ist, soll er/sie sich nicht scheiden lassen, wenn er/sie während der Ehe gläubig geworden ist. Aber ich empfehle nicht, eine Ehe einzugehen, wenn bereits im Vorfeld diese und andere Differenzen bestehen.

Bei einigen meiner Bekannten (drei Paare) half übrigens eine vorläufige Trennung, die der gläubige Partner vollzog mit Begründung, warum er das tut, den nichtgläubigen Partner zum Nachdenken und Nachforschen zu bringen, was denn nun wirklich dran ist an Gott, am Glauben, warum das so essentiell wichtig ist für den anderen Partner. Für einige war dieser Schritt der Schritt zu Gott, zum Glauben und in eine gute Ehe mit dem gläubigen Partner. Einige wollten aber nicht darüber nachdenken und haben die Beziehung schnell abgehakt. Das ist schmerzlich, aber immer noch besser als eine lebenslange konfliktreiche Ehe oder eine Scheidung.

Ausnahmen bestätigen übrigens immer die Regel, ich sage nicht, dass alle Ehen zwischen gläubigen und nichtgläubigen Partnern immer zum Scheitern verurteilt sind oder in pausenlose Konflikte ufert. Dennoch sollten wir immer vom Regelfall ausgehen und nicht darauf hoffen, dass ausgerechnet unser Fall ein Ausnahmefall wird.

Gottes Segen für dich, Lena! Vielleicht wirst du wählen müssen zwischen Gott und deinem Verlobten. Gott gebe dir die Kraft, dich dann für Ihn zu entscheiden.

Manu
Господи, сподоби мя любити Тя от всея души моея...
Lena_3
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Registriert: 21.08.2007, 08:54

Beitrag von Lena_3 »

Liebe Manu,


vielen Dank für deinen Rat! Ich danke jedem, der sich zu meinem Problem geäußert hat.
Das ist eine wirklich schwierige Situation für mich.
Aber mit Gottes Hilfe kann man auch diese meistern. Denn es geschehen doch noch Wunder.
Man sagt ja jeden Tag, "Dein Wille geschehe" und dann sollte man auch die Kraft haben, diesen Willen zu akzeptieren.
Ich glaube schon an Schicksal und an eine Bestimmung für jeden Menschen.

Gott sei mit euch!

Lena
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Beitrag von Ieromonach »

Liebe Lena, in unserem Land sind nur wenige Menschen orthodoxe Gläubige. Gott hat uns aber in dieses Land gepflanzt um Zeugnis abzulegen. Holzi hat Dir ja schon geschrieben wie Du entscheiden kannst.

Hab Vertrauen auf die Gnade Gottes und stell Dich und Deinen Partner unter dem Schutz der Allheiligen Gottesgebärerin Maria.

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Alex
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Beitrag von Alex »

Hallo Lena, Hallo Mitdiskutanten,

Es ist eine schwere Situation. Ich möchte nur einen Ratschlag geben. Es ist notwendig den anderen zu prüfen, bevor man sich bindet. Ist es der oder die, mit dem/der ich meine Zukunft verbringen möchte, Gott lobe, lache, weine? Können wir unsere Nähe ertragen? Können wir unsere Kinder im Glauben und Liebe erziehen?
Das Mindeste, was wir in dieser Situation tun können ist Beten "betet ohne Unterlass". Ich bete mit.
S Bogom
Alex
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