Der Aufstieg zu Gott
Der Aufstieg zu Gott
Zuerst als eine knappe Info über mich: Ich gehöre keiner institutionalisierten Kirche mehr an. Aufgewachsen bin ich protestantisch reformiert. Mit 26 jährig ausgetreten. 20 Jahre unterwegs im Theravada-Buddhismus (um ein Haar wäre ich schliesslich 1999 Mönch geworden in Sri Lanka). Dann Umkehr zu Christus. 2001 Taufe (in einer christlichen Freikirche). Ein Jahr später Auflösung der Mitgliedschaft in dieser Gemeinschaft.
Vor eineinhalb Jahren lernte ich in einem einwöchigen Seminar das Jesusgebet kennen. Seither praktiziere ich es. Ich lese sehr viel und bin beglückt durch den spirituellen Reichtum der Ostkirche: Herzensgebet; Philokalie; Archimandrit Sofronji; Starez Siluan; Kallistos Ware...
Ich habe eigentlich zwei Anliegen:
Zum einen möchte ich gerne das Buch "Der Aufstieg zu Gott - Glaube und geistliches Leben nach ostkirchlicher Überlieferung" von Kallistos Ware hier diskutieren. Das Buch spricht mich in vielem sehr an. Es gibt aber auch einiges, das ich nicht verstehe oder nicht nachvollziehen kann. Ist hier unter Euch jemand, der das Buch kennt?
Und zum Zweiten lese ich immer wieder von der Notwendigkeit, einen geistlichen Vater zu finden. Wo und wie finde ich als Schweizer im tiefen Emmental einen orthodoxen geistlichen Vater, mit dem ich mich über meinen Glaubensweg und über die Kirche austauschen könnte?
Liebe Grüsse, erbreich
aber wenn er gespalten ist, wird er von Dunkelheit erf?llt werden.
Jesus, Thomas-Evangelium, Vers 61c
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peter
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Johannes Klimakos
Da Du mit dem "Aufstieg zu Gott" befaßt bist, und ich Dir zu den relativ
modernen Kallistos Ware, Archimandrit Sofronij, Starez Siluan sehr wenig sagen kann, möchte ich Dich zumindest vorab, solange Du noch keinen
geistlichen Vater gefunden hast, auf den absoluten Klassiker des Aufstiegs, Johannes Klimakos, hinweisen, der aus dem frühen 1. Jahrtausend der Orthodoxie herüberragt. Die 30 Stufen des hl. Johannes,
der seinen Namen seiner beschriebenen Himmelsleiter verdankt, sind
unübertrefflich einprägsam und für eine(n) Orthodoxe(n) unentbehrlich.
Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß auch Heilige noch von der 29. Stufe wieder herunterfallen können. Annähernd Vergleichbares konnte ich bisher nur etwa in der "Anleitung" des Hl. Theophan des Klausners "Der Weg zur Rettung", über Johannes A. Wolf, Großer Winkel 17 c, 31552 Apelern 2004, 271 S., ISBN3-937912-00-2, finden. Das Buch des hl. Johannes Klimakos "Die Himmelsleiter", 379 S., in deutsch, ISBN 9-608-57394-7 ode, 3-927-89426-5 kann auch direkt über den Verlag Berg-Sinai-Stiftung, Athen, 2000, bezogen werden. Die "ostkirchlichen"
Quellen sind leider zu oft römisch-katholisch redigiert.
Peter
Re: Johannes Klimakos
Die Himmelsleiter des Heiligen Johannes vom Sinai befindet sich bereits in meinem Bücherregal, habe ihn auch schon durchgelesen. Sehr wertvoll und hilfreich! ebenso eine kleine Auswahl aus dem Werk Isaaks des Syrers (Verlag 'Der christliche Osten'). Spricht mir ebenfalls sehr zum Herzen. Und nachdem ich vorerst die 'Kleine Philokalie' studiert hatte, hat mir meine Frau zur letzten Weihnachten die fünfbändige (Gesamt-)Philokalie geschenkt. Ich hatte vorher danach gesucht, aber nichts gefunden (in deutsch). Meine Freude war riesig! Gerade bin ich mit dem ersten Band durch. Es ist eine wahrhaft unerschöpfliche Schatzkiste (ost-)christlicher Spiritualität!Peter hat geschrieben:auf den absoluten Klassiker des Aufstiegs, Johannes Klimakos, hinweisen, der aus dem frühen 1. Jahrtausend der Orthodoxie herüberragt.
Kallistos Ware spricht mich sehr an gerade durch die 'moderne' Sprache. Der 'Aufstieg zu Gott' könnte durchaus das Potential haben, westliche Christen anzusprechen und ihnen als 'Türöffner' für christliche Kontemplation (Jesusgebet) dienen. Auch die "Hinführung zum Herzensgebet" (Herder) herausgegeben gemeinsam mit dem Benediktiner-Alt-Abt Emmanuel Jungclaussen finde ich sehr wertvoll.
Aber wenn Du magst, werde ich vielleicht mal ein paar Sachen aus 'Aufstieg zu Gott' ansprechen und zitieren. Dann können Du - und auch andere hier - Stellung dazu nehmen.
Wie wird den Kallistos Ware in Eurem Umfeld so angenommen und beurteilt? Du nennst ihn 'modern', meinst Du das auch (ab-)wertend oder wie kann ich das verstehen? Wie ist sein Bekanntheitsgrad in den orthodoxen Kirchen?
Vielen Dank und liebe Grüsse!
erbreich
aber wenn er gespalten ist, wird er von Dunkelheit erf?llt werden.
Jesus, Thomas-Evangelium, Vers 61c
Re: Der Aufstieg zu Gott
Am Rande
Wenn zu privat, dann gerne auch via PN: Bist du 2 x protestantisch (lutherisch - Freikirchlich) getauft worden ? Wenn ja, wie kam es zu dieser (innerprotestantischen) Neutaufe ?erbreich hat geschrieben:
Zuerst als eine knappe Info über mich: Ich gehöre keiner institutionalisierten Kirche mehr an. Aufgewachsen bin ich protestantisch reformiert. Mit 26 jährig ausgetreten. 20 Jahre unterwegs im Theravada-Buddhismus (um ein Haar wäre ich schliesslich 1999 Mönch geworden in Sri Lanka). Dann Umkehr zu Christus. 2001 Taufe (in einer christlichen Freikirche). Ein Jahr später Auflösung der Mitgliedschaft in dieser Gemeinschaft.
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protopeter
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Das von Ihnen genannte Buch ist mir bekannt, ebenso natürlich Bischof Kallistos; haben Sie keine Scheu, Fragen dazu zu stellen - soferne es in meiner Möglichkeit steht, werde ich mich bemühen, Antworten auf Ihre Fragen zu finden. Bischof Kallistos ist als Theologe fest in der orthodoxen kirchenväterlichen Tradition verankert; dabei kann man aber auch nicht umhin, ihm eine - im besten Sinne des Wortes - "rechtgläubige Weltoffenheit" zu attestieren.
Herzliche Grüße sendet
Erzpr. Peter
Re: Der Aufstieg zu Gott
Das ist eine längere Geschichte... Wie gesagt, bin ich 1984 aus der ref. Landeskirche ausgetreten. Zu dieser Zeit war ich bereits Buddhist. Gleichzeitig war ich aber auch Alkoholiker... 1986 besuchte ich während einiger Monate die Treffen der Anonymen Alkoholiker und lernte deren 12-Schritte-Programm kennen. Der dritte Schritt beinhaltet die 'Bekehrung', die Lebensübergabe an Gott (Jesus). Ich konnte diesen Schritt (als nicht-Gott-gläubiger Buddhist) nicht tun. Zehn Jahre später fand ich mich wieder tief im Alkohol verstrickt und ich erinnerte mich an diesen dritten Schritt. Da ich keinen andern Ausweg wusste, suchte ich eine christliche Lebensgemeinschaft auf und bat um Hilfe zum Vollzug der Lebensübergabe und der Bitte an Gott, mich vom Alkoholismus zu befreien. Nach einem mehrstündigen Gespräch habe ich damals nachts um zwölf mein Leben und meinen Willen Jesus übergeben. Und - abgesehen von anfänglich einigen wenigen einmaligen Abstürzen - war ich in der Folge vom Alkohol befreit. Sechs Jahre lang lebte ich dann absolut abstinent. Seit fünf Jahren trinke ich gelegentlich zu einem guten Essen ein bis zwei Glas Wein (mehr wurde es bisher niemals) und erlebe mich als vollkommen befreit von der Sucht.Sebastian hat geschrieben: Wenn zu privat, dann gerne auch via PN: Bist du 2 x protestantisch (lutherisch - Freikirchlich) getauft worden ? Wenn ja, wie kam es zu dieser (innerprotestantischen) Neutaufe ?
Diese Bekehrung zu Christus habe ich 1996 vollzogen. Eigentlich nur, um vom Alkohol befreit zu werden. Ich fand es toll, dass das 'funktionierte' und ging meinen Weg im Buddhismus weiter. Bis ich 1999 beinahe in Sri Lanka ordiniert hätte. Da aber geschah ein paar Wochen vor dem Eintritt in den Orden die Umkehr: Ein überaus starker innerer Eindruck, dass ich diesen Schritt nicht vollziehen solle und statt dessen zurück in die Schweiz gehen solle. So tat ich auch. Und fiel in ein psychisches Loch. Mein Lebensziel war dahin. Zwei Jahre lebte ich vom Sozialamt und ging in eine ambulante psychiatrische Behandlung. Der Psychiater war glücklicherweise ein sehr reifer Mensch (auch heute noch habe ich Kontakt mit ihm).
Im Jahr 2001 ging ich für drei Monate als Gast in ein Kapuzinerkloster. Dort begann ich zu Jesus zu beten. Gleichzeitig lernte ich gläubige Freikirchenchristen kennen, es ergaben sich gute Gespräche. Ich besuchte in der Folge erstmals einen Freikirchen-Gottesdienst. Fand Annahme und Gemeinschaft. Wurde mir bewusst, dass ich meinen Lebensweg fortan mit Gott gehen wollte und liess mich - zur Bestätigung dieses Entscheids - taufen. Das war hier im Dorf in einem Bach. Es ist die Praxis der Freikirchen, dass sie - wie seit zweihundert Jahren die Täufer - die Kindertaufe als nicht massgeblich sehen, da der Mensch keinen bewussten Willensentschluss dazu aufbringen kann. Die Erwachsenentaufe ist somit die klar bewusste eigenen Entscheidung, sein Leben der Hl. Dreieinigkeit zu weihen.
Heute würde ich übrigens die zweite Taufe wahrscheinlich nicht mehr machen, sondern eher innerlich die erste bestätigen...
So viel hierzu...
Liebe Grüsse, erbreich
aber wenn er gespalten ist, wird er von Dunkelheit erf?llt werden.
Jesus, Thomas-Evangelium, Vers 61c
Vielen Dank für Ihre Antwort! Es ist mir sehr wertvoll, mit einem Geistlichen sprechen zu dürfen. Allerdings habe ich von der orthodoxen Hierarchie keine Ahnung. Ich nehme an 'Erzpr.' heisst Erzprior, was das ist, weiss ich aber nicht (Prior ist ein Klostervorsteher, oder?). Und wie möchten Sie gerne angesprochen werden? Wie ist es Brauch? Vom Buddhismus her ist mir die Anrede 'Ehrwürdiger' ('Venerable') geläufig... Für diesbezügliche Belehrungen und Richtigstellungen bin ich Ihnen dankbar.
Das freut mich! Ich dachte langsam schon, Kallistos Ware sei eine unbekannte Randerscheinung der Orthodoxie...protopeter hat geschrieben: Das von Ihnen genannte Buch ist mir bekannt, ebenso natürlich Bischof Kallistos;
haben Sie keine Scheu, Fragen dazu zu stellen - soferne es in meiner Möglichkeit steht, werde ich mich bemühen, Antworten auf Ihre Fragen zu finden.
Vielen Dank! Im Moment werde wenig Zeit haben, da (infolge Mitarbeiterferien) eine intensive Arbeitszeit im Therapiehaus ansteht (ich arbeite seit vier Jahren als Sozialtherapeut in einer Christlich therapeutischen Wohngemeinschaft für ehemalige Drogenabhängige).
Meine Fragen betreffen vor allem auch die Bedeutung der Kirchenzugehörigkeit, der Sakramente u.ä. Wenn ich Kallistos Ware richtig verstanden habe, so setzt er diese Dinge einerseits als Fundament voraus, andererseits lässt er die Möglichkeit der Errettung auch ausserhalb der Kirche immerhin offen...
Ein weiteres Thema, dass mich - gemeinsam mit christlichen Freunden - sehr beschäftigt, ist das der Allaussöhnung in Christus (apokatastasis panteon; z.B. hier: http://www.dan61.de/ ). Bischof Kallistos äussert sich auch dieser Frage gegenüber differenziert, d.h. er lässt diese Möglichkeit offen.
Das ist es, was mich an ihm sehr anspricht: Er vertritt einerseits eine sehr konsequente und klare orthodoxe Linie, andererseits verzichtet er auf Tabus. In einer direkten und verständlichen Sprache greift er auch heikle Themen auf.
Genau das! Das ist es, was mich anspricht an ihm. Und das ist es auch, was mir durch ihn die Orthodoxie 'schmackhaft' macht.Bischof Kallistos ist als Theologe fest in der orthodoxen kirchenväterlichen Tradition verankert; dabei kann man aber auch nicht umhin, ihm eine - im besten Sinne des Wortes - "rechtgläubige Weltoffenheit" zu attestieren.
Noch einmal: Besten Dank!
Ich werde mit konkreten Fragen auf Sie zukommen.
Liebe Grüsse, erbreich
aber wenn er gespalten ist, wird er von Dunkelheit erf?llt werden.
Jesus, Thomas-Evangelium, Vers 61c
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Rene
Re: Johannes Klimakos
Hallo,Peter hat geschrieben:Sei gegrüßt Erbreich !
... möchte ich Dich zumindest vorab, solange Du noch keinen
geistlichen Vater gefunden hast, auf den absoluten Klassiker des Aufstiegs, Johannes Klimakos, hinweisen, der aus dem frühen 1. Jahrtausend der Orthodoxie herüberragt. Die 30 Stufen des hl. Johannes,
der seinen Namen seiner beschriebenen Himmelsleiter verdankt, sind
unübertrefflich einprägsam und für eine(n) Orthodoxe(n) unentbehrlich.
Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß auch Heilige noch von der 29. Stufe wieder herunterfallen können. Annähernd Vergleichbares konnte ich bisher nur etwa in der "Anleitung" des Hl. Theophan des Klausners "Der Weg zur Rettung", über Johannes A. Wolf, Großer Winkel 17 c, 31552 Apelern 2004, 271 S., ISBN3-937912-00-2, finden. Das Buch des hl. Johannes Klimakos "Die Himmelsleiter", 379 S., in deutsch, ISBN 9-608-57394-7 ode, 3-927-89426-5 kann auch direkt
siehe auch hier: http://www.orthlit.de/Buecher.htm
Ich denke, es ist für die Praxis unbedingt erforderlich, einen geistlichen Vater zu finden. Das kann wohl dauern, aber ohne Anleitung (z.B. die Praxis des Herzens- Jesusgebetes) kann man Schaden nehmen.
Das Günstigste ist wohl für erbreich, erst einmal orthodoxe Liturgien zu besuchen, in verschieden Gemeinden (griechisch, russisch, serbisch...usw..) und die angelesene Theorie praktisch zu erfahren. Gerade die Schönheit der Liturgie! Dort, wo sein Herz besonders angesprochen wird, findet er vielleicht die Freude und den Frieden usw...
L.G. Rene
Re: Johannes Klimakos
Danke für den Rat! Das ist etwas, was wir - meine Frau und ich - uns schon seit einiger Zeit vorgenommen - aber bisher noch nicht getan - haben. Wir haben halt schon ein rechtes Stück zu fahren, bis zur nächsten kleinen orthodoxen Gemeinde... (die ihre Gottesdienste in einer reformierten Kirche feiert...). Aber wir wollen uns da mal dran 'wagen', wirklich.Rene hat geschrieben: Das Günstigste ist wohl für erbreich, erst einmal orthodoxe Liturgien zu besuchen, in verschieden Gemeinden (griechisch, russisch, serbisch...usw..) und die angelesene Theorie praktisch zu erfahren. Gerade die Schönheit der Liturgie! Dort, wo sein Herz besonders angesprochen wird, findet er vielleicht die Freude und den Frieden usw...
L.G. Rene
Gruss, erbreich
aber wenn er gespalten ist, wird er von Dunkelheit erf?llt werden.
Jesus, Thomas-Evangelium, Vers 61c
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Ieromonach
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peter
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Apokatastasis u.a.
Gut, daß Du die Himmelsleiter des hl. Johannes vom Sinai schon zuhause
und durchgelesen hast (man muß sie lebenslang "durcharbeiten" !). Noch besser, daß Du fünfbändige "Philokalia" angehst. Ich hatte sie mir ehedem
gleichfalls zusammen mit meiner Frau in der Buchhandlung der Skithe in
Geilnau teuer erworben (enthousiasmiert durch die Schilderungen im "Pilgerbuch" zum Jesus-Gebet) und ebenso wie Du seitdem gerade mal
den ersten Band geschafft (und bin "geschafft"). Wir haben uns definitiv
vorgenommen, jedes Jahr einen der weitereren Bände zu bewältigen. Ein ehrwürdiges Zeichen, daß der übersetzende Mönch anonym bleiben möchte. Von Bischof Kallistos Ware wurde mir über eine Übersetzerin nur jene von unserem Erzpriester benannte "Weltoffenheit" zugetragen, welche mich wegen der leichtfertigen Neuerungssucht mancher Theologen eher mit Bedacht herantreten läßt (ich lese z.Zt. gerade die einfach "umwerfenden" Ausführungen des Altvater Justin von Celije (Popovic) zum Gottmenschen - "die Grundwahrheit der Orthodoxie" und "einzig wahrer Maßstab des Menschen" - im neuen Ergänzungsband zu den beiden Synaxarien "Heilige Altväter der Gegenwart", Kloster des hl. Johannes des Vorläufers, Chania, Kreta 2007). Dem Archimandriten Sofronij soll nach Berichten russischer Mönche der herzenseinfache Starez Siluan mehrfach erschienen sein, um diesen abzumahnen wegen seiner verfälschenden Darstellungen des Lebens des hl. Siluan (außerdem wurde der Verdacht auf Freimaurerei laut). Sofronij soll als russischer Künstler von Paris aus zum Athos aufgebrochen sein. Deine Fragen bezüglich der Zugehörigkeit zur Kirche und ihrer Mysterien betreffen das Herz des Glaubens. Ein Aufstieg zu Gott ist ohne die Eine, Wahre, Katholische, Apostolische Kirche n i c h t möglich (das sage ich Dir als 62-jähriger Gottsucher - übrigens auch mit jahrelangen Drogen- und esoterischen Erfahrungen).
Was die sog. Allaussöhnung in Christus (apokatastasis) angeht, kann ich
Dir nur sagen, daß das offensichtlich der Nerv der Freikirchen zu sein scheint. Ich habe ca. drei Jahre im häuslichen Bibelkreis mit einem charismatischen Freikirchler zugebracht, der genau diese Frage zum
Hauptpunkt erhoben hat. Aus meinen Studien zur Kirchengeschichte geht hervor, daß von Origenes (gest. 254) gelehrt wurde, alle bösen Engel und Menschen kämen eines Tages, nach Läuterung, in den Himmel. Diese
Lehrmeinung, welche die ewige Verdammnis leugnet, soll keine christliche
Glaubensvorstellung, und von ökumenischen Konzilien verworfen worden
sein. Sowohl die Worte Christi (Mark. 9, 44-48; Matth. 18,8; auch 2. Tim.
1,9 und Judas, Vers 6) sowie die alten Liturgien der Christen (z.B. "erlöse
uns von ewiger Verdammnis" im Kanon eines Westlichen Ritus) lehren die Realität der ewigen Hölle für jene, die Gottes Vergebung ablehnen. Kein
Wunder, wenn die unkanonischen "Freikirchen" lehren, daß es Rettung
außerhalb der Kirchen geben könne. Ich hoffe nur, daß Du, nach dem Vorschlag von René, nach dem Rückzug von Sri Lanka ins Emmental, eine orthodoxe Kirche in Deiner Nähe auffindest und besuchst. Alle auf Gott bezogenen Dinge klären sich "aus der Kirche heraus" und nicht in wie auch immer magischen Kreisen "außerhalb" der Kirche.
Gruß an Deine Frau !
Peter
Re: Apokatastasis u.a.
Da hast du mich falsch verstanden: Die Freikirchen - zumindest jene, die ich bisher kenne - lehren das keineswegs! Es gilt ihnen als Irrlehre. Vertieft habe ich diese Theologie studiert durch die 'Freunde konkordanter Wortverkündigung', hier: www.konkordanterverlag.de .Peter hat geschrieben: Kein Wunder, wenn die unkanonischen "Freikirchen" lehren, daß es Rettung außerhalb der Kirchen geben könne.
Es ist Bischof Kallistos Ware, der diese Möglichkeit der Errettung ausserhalb der Kirche wie auch die der Allaussöhnung zumindest offen lässt. Er propagiert sie aber nicht. Sagt auch, niemand könne berechtigt sagen, er brauche die Kirche nicht...
Gruss, erbreich
aber wenn er gespalten ist, wird er von Dunkelheit erf?llt werden.
Jesus, Thomas-Evangelium, Vers 61c
-
Rene
grau ist alle Theorie. Das Zentrum ist doch unser Herr selbst, die Vereinigung mit IHM in der hl. Kommunion. Selbst wenn wir nicht kommunizieren ist doch der Herr gegenwärtig. Darum ist der Besuch, das Erleben und auf sich wirken lassen der Liturgie das sinnvollste. Bücher können da nur zum Verständnis und zur Vertiefung helfen. Ohne das Erfahren der Praxis fehlt das Wichtigste.
L.G. Rene
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protopeter
- Priester
- Beiträge: 698
- Registriert: 24.07.2006, 21:21
- Wohnort: Salzburg
Zunächst einige Klarstellungen zu meinem Titel bzw. zur entsprechenden Anrede: "Erzpr." bedeutet "Erzpriester"; die Anrede eines orthodoxen Geistlichen lautet gewöhnlicherweise "Vater" inklusive dem entsprechenden Vornamen - in meinem Falle also "Vater Peter". Es steht Ihnen also frei, diese Anrede zu verwenden, wenn Sie dies wollen.
Ich freue mich, daß Sie auf mein "Angebot" zurückkommen wollen; die Fragen, die Sie beschäftigen, haben - wie ich mir vorstellen kann - durchaus weiterreichende Geltung und Bedeutung, sodaß eine Antwort aus orthodoxer Perspektive von Bedeutung sein kann. Das orthodoxe Zeugnis in der Gegenwart sollte eben durchaus von mutiger Bereitschaft, auch "heiße Eisen" anzufassen, gekennzeichnet sein; die allumfassende und allerbarmende Liebe des Gottmenschen Jesus Christus gilt dabei als Maß der Érkenntnis, als Kriterium zur Scheidung der Geister.
Im orthodoxen Sinne Erfahrungen zu sammeln, heißt auch, die synergische Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch einerseits und andererseits unter den Menschen selbst zu bejahen. In diesen lebendigen Dialogformen verwirklicht sich die charismatische Gemeinschaft der Kirche, werden rechtgläubige Verehrung Gottes und ein dementsprechend damit verknüpfter Lebensvollzug zu Grundfesten orthodoxen Bewußtseins. Die schon apostrophierte Offenheit - verstanden als Weite des Herzens - steht folglich in keinerlei Widerspruch zur Treue zu den Werten der Überlieferung. In diesem Sinne hoffe ich auf regen Gedankenaustausch und freue mich auf interessante Diskussionen.
Herzlich grüßt
Erzpr. Peter
