Die römische Kirche hat gestern ein neues Lehrdokument herausgegeben, in dem noch einmal deutlich auf den Punkt gebracht werden soll, wie sie "Kirche" versteht und wie weit für sie Orthodoxe und Protestanten Anteil an der Kirche Christi haben (interessant wäre gewesen, wenn sie auch etwas über die Anglikaner geschrieben oder "Ostkirchen" genauer differenziert hätten, also zwischen orthodoxen und altorientalischen Kirchen). Von der Orthodoxen Kirche wurde dieses Schreiben durchaus positiv aufgenommen:
Deshalb wollte ich es auch hier kurz vorstellen. Das ganze Dokument ist hier zu finden. Ich beschränke mich auf die Wiedergabe der für den Dialog mit der Orthodoxe Kirche relevanten Passagen:Die Presse hat geschrieben:Die russisch-orthodoxe Kirche lobte den vom Vatikan veröffentlichten Text für seine eindeutige Position. "Das ist eine ehrliche Erklärung. Sie ist viel besser als die so genannte kirchliche Diplomatie", sagte der Leiter des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Metropolit Kirill. Das Dokument zeige "wie nah beziehungsweise wie fern wir einander sind". Das sei eine Grundvoraussetzung für einen "ehrlichen theologischen Dialog".
Und aus dem offiziellen Kommentar darüber:Der Vatikan hat geschrieben:KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE
Antworten auf Fragen zu einigen Aspekten
bezüglich der Lehre über die Kirche
2. Frage: Wie muss die Aussage verstanden werden, gemäß der die Kirche Christi in der katholischen Kirche subsistiert?
Antwort: Christus hat eine einzige Kirche ?hier auf Erden... verfasst? und sie als ?sichtbare Versammlung und geistliche Gemeinschaft? gestiftet, die seit ihrem Anfang und durch die Geschichte immer da ist und immer da sein wird und in der allein alle von Christus eingesetzten Elemente jetzt und in Zukunft erhalten bleiben. ?Diese ist die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen... Diese Kirche, in dieser Welt als Gesellschaft verfasst und geordnet, subsistiert in der katholischen Kirche, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird?. ...
3. Frage: Warum wird der Ausdruck ?subsistiert in? und nicht einfach das Wort ?ist? gebraucht?
Antwort: Die Verwendung dieses Ausdrucks, der die vollständige Identität der Kirche Christi mit der katholischen Kirche besagt, verändert nicht die Lehre über die Kirche. Er ist begründet in der Wahrheit und bringt klarer zum Ausdruck, dass außerhalb ihres Gefüges ?vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit? zu finden sind, ?die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen?.
?Daher sind diese getrennten Kirchen und Gemeinschaften, auch wenn sie, wie wir glauben, mit jenen Mängeln behaftet sind, keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht im Geheimnis des Heils. Denn der Geist Christi weigert sich nicht, sie als Mittel des Heils zu gebrauchen, deren Kraft sich von der Fülle der Gnade und Wahrheit herleitet, die der katholischen Kirche anvertraut ist?.
4. Frage: Warum schreibt das Zweite Vatikanische Konzil den Ostkirchen, die von der voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche getrennt sind, die Bezeichnung ?Kirchen? zu?
Antwort: Das Konzil wollte den traditionellen Gebrauch dieser Bezeichnung übernehmen. ?Da nun diese Kirchen trotz ihrer Trennung wahre Sakramente besitzen, und zwar vor allem kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie, wodurch sie in ganz enger Gemeinschaft bis heute mit uns verbunden sind?, verdienen sie den Titel ?Teil- oder Ortskirchen? und werden Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt.
?So baut die Kirche Gottes sich auf und wächst in diesen Einzelkirchen durch die Feier der Eucharistie des Herrn?. Weil aber die Gemeinschaft mit der katholischen Kirche, deren sichtbares Haupt der Bischof von Rom und Nachfolger des Petrus ist, nicht eine bloß äußere Zutat zur Teilkirche ist, sondern eines ihrer inneren Wesenselemente, leidet das Teilkirchesein jener ehrwürdigen christlichen Gemeinschaften unter einem Mangel.
Andererseits wird durch die Trennung der Christen die katholische Universalität ? die der Kirche eigen ist, die vom Nachfolger des Petrus und von den Bischöfen in Gemeinschaft mit ihm geleitet wird ? in ihrer vollen Verwirklichung in der Geschichte gehindert.
Mich würde in dem Zusammenhang auch interessieren, inwieweit diese Position mit der orthodoxen Lehre über die Kirche Christi zu vereinbaren ist und wo es Unterschiede gibt, auch hinsichtlich der (gültig) getauften Christen und deren Gemeinschaften, die nicht Teil der orthodoxen Kirche angehören. Sind diese alle als "gleich heterodox" anzusehen, oder gilt es da auch zu differenzieren? Beispielsweise zwischenDer Vatikan hat geschrieben:In der vierten Frage geht es darum, weshalb das Zweite Vatikanische Konzil den Ostkirchen, die nicht in voller Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, die Bezeichnung ?Kirchen? zuschreibt.
Trotz der klaren Aussagen, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche ?subsistiert?, beinhaltet die Tatsache, dass es auch außerhalb ihres sichtbaren Gefüges ?vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit? gibt, die Anerkennung des obgleich unterschiedlichen kirchlichen Charakters der nicht katholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften. Auch diese sind nämlich ?keineswegs ohne Bedeutung und Gewicht? in dem Sinn, dass der Geist Christi sich nicht weigert, ?sie als Mittel des Heils zu gebrauchen?.
Der Text zieht zunächst die Wirklichkeit der Ostkirchen in Betracht, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen. Unter Verweis auf verschiedene Konzilstexte wird anerkannt, dass diese den Titel ?Teil- oder Ortskirchen? verdienen und Schwesterkirchen der katholischen Teilkirchen genannt werden, weil sie mit der katholischen Kirche verbunden bleiben aufgrund der apostolischen Sukzession und der gültigen Eucharistie, durch welche die Kirche Gottes aufgebaut wird und wächst. Die Erklärung Dominus Iesus nennt sie sogar ausdrücklich ?echte Teilkirchen?.
Trotz der klaren Anerkennung ihres ?Teilkircheseins? und des damit verbundenen Heilswertes konnte das Dokument nicht unterlassen, den Mangel (defectus) zu erwähnen, unter dem sie gerade in ihrem Teilkirchesein leiden. Denn wegen ihrer eucharistischen Kirchenvorstellung, die den Akzent auf die Wirklichkeit der im Namen Christi in der Eucharistiefeier und unter der Leitung des Bischofs versammelten Teilkirche legt, betrachten sie die Teilkirchen als vollständig in ihrem Teilsein. Daraus folgt, dass in Anbetracht der grundlegenden Gleichheit zwischen allen Teilkirchen und allen Bischöfen, die sie leiten, jede von ihnen eine eigene innere Autonomie besitzt. Dies hat offenkundige Auswirkungen auf die Lehre vom Primat, der nach katholischem Glauben ?ein inneres Wesenselement? für das Bestehen einer Teilkirche ist. Natürlich muss immer unterstrichen werden, dass der Primat des Nachfolgers Petri, des Bischofs von Rom, nicht als äußere Zutat oder als Konkurrenz gegenüber den Bischöfen der Teilkirchen verstanden werden darf. Der Primat muss als Dienst an der Einheit des Glaubens und der Gemeinschaft ausgeübt werden, und zwar innerhalb der Grenzen, die sich aus dem Gesetz Gottes und der in der Offenbarung enthaltenen, unantastbaren göttlichen Verfassung der Kirche ergeben.
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Der katholische Ökumenismus mag auf den ersten Blick paradox erscheinen. Mit dem Ausdruck subsistit in wollte das Zweite Vatikanische Konzil zwei Lehraussagen miteinander verbinden: Auf der einen Seite besteht die Kirche Christi ? trotz der Spaltungen der Christen ? voll nur in der katholischen Kirche fort; auf der anderen Seite gibt es viele Elemente der Heiligung und der Wahrheit außerhalb ihres Gefüges, also in den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die noch nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen. In diesem Zusammenhang hat das Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über den Ökumenismus Unitatis redintegratio den Ausdruck ?Fülle? (der Einheit/Katholizität) ? plenituto (unitatis/catholicitatis) ? eingeführt, eben um zu helfen, diese in gewissem Sinn paradoxe Situation besser zu verstehen. Auch wenn die katholische Kirche die Fülle der Heilsmittel besitzt, ?sind die Spaltungen der Christen für die Kirche ein Hindernis, dass sie die ihr eigene Fülle der Katholizität in jenen Söhnen wirksam werden lässt, die ihr zwar durch die Taufe zugehören, aber von ihrer vollen Gemeinschaft getrennt sind?. ...
- der römische Kirche und deren Uniaten,
- den Anglikanern (Kirche von England),
- den Lutheranern mit Beibehaltung der apostolischer Sukzession,
- anderen Lutheranern ohne Sukzession aber mit Glaube an die Realpräsenz Christi in der Eucharistie,
- andere Protestanten, welche die Realpräsenz ablehnen, und
- den altorientalische Kirchen.
Walter