Bewahre dein Herz mit allem Flei

Neu in der orthodoxen Kirche - Wie lebe ich als orthodoxer Christ? Alle allgemeinen Fragen rund um die Orthodoxie.
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Ehemaliger_2

Bewahre dein Herz mit allem Fleiß

Beitrag von Ehemaliger_2 »

Gott zum Grusse, liebe Geschwister,

ich bin mir nicht so recht sicher wohin meine Anfrage eigentlich gehört. Falls das hier der falsche Ort ist, bitte ich um 'Zurechtweisung'.

Was mich bewegt steht in den Sprüchen 4,23 : Behüte dein Herz mit allem Fleiss, denn daraus quillt das Leben.

Diese kleine Vers hat mich getroffen und ich stehe rätselnd davor. WIE macht man das, sein Herz mit allem Fleiß behüten ? Gewiss : schlechten Gedanken, alles Unreine 'an Christus dem Felsen zerschmettern', im Gebet verharren, durch Fasten den Hunger nach Gott wieder nähren... Aber bedeutet das das? Wie gehe ich nur eine Straße entlang und behüte mein Herz? Das Plakat, der doofe Blick, der Rempler, die ausgebliebene Höflichkeit, die Leere, in die sich alles andere als Gottgefälliges einschlicht, die Ungeduld, mein Richten. Möglicherweise kennt das der eine oder die andere auch ich frage: Wie behütet ihr eure Herzen, mit allem Fleiß?

Benedikt
Marypoppins
Beiträge: 151
Registriert: 04.06.2007, 15:00

Beitrag von Marypoppins »

Hallo Benedikt,

ich grüble über Deine Frage und irgendwie fällt mir immer der Satz ein :
Sammele Schätze im Himmel, denn wo dein Schatz ist, wird auch Dein Herz sein.
Im Himmel bei Gott wär das Herz ja hervorragend aufgehoben und bestens behütet.
Jetzt frage ich mich, wie man Schätze im Himmel sammelt.

Was mir jetzt einfällt kannst Du Dir schon denken...das Christliche Leben..
die 7 Werke und die Feindesliebe.
Da wird es schon mal heikel mit den Schätzen und dem Hüten des Herzens.

Ich glaube, daß wir immer zwischendurch scheitern ist menschlich. Den Heiligen ging das auch nicht anders.
Ich glaube das Hüten des Herzens geschiet wirklich so wie bei einem Kind.

Kinder haben eine ungeheure Frustrationstoleranz.
Wenn sie Laufen lernen, fallen sie immer wieder. Trotzdem lassen sie nicht nach und verfolgen voller Eifer ihr Ziel.

Uns Erwachsen geht diese ungeheure Kraftquelle der Frustrationstoleranz im Lauf des Lebens durch Enttäuschungen und Misserfolge oft verloren.

Vielleicht sollten wir uns weniger entmutigen lassen.
Nicht durch Andere, aber vor allem nicht durch uns selbst ;-)

Beste Grüße
Mary
danadoina_3
Beiträge: 159
Registriert: 06.02.2007, 19:32

Re: Bewahre dein Herz mit allem Fleiß

Beitrag von danadoina_3 »

Benedikt hat geschrieben:Wie gehe ich nur eine Straße entlang und behüte mein Herz? Das Plakat, der doofe Blick, der Rempler, die ausgebliebene Höflichkeit, die Leere, in die sich alles andere als Gottgefälliges einschlicht, die Ungeduld, mein Richten. Möglicherweise kennt das der eine oder die andere auch ich frage: Wie behütet ihr eure Herzen, mit allem Fleiß?
Die Väter "verschreiben" dafür: Jesus Gebet !
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Sebastian
Beiträge: 956
Registriert: 16.12.2008, 13:46
Religionszugehörigkeit: Orthodox (MP)

Beitrag von Sebastian »

Hallo Benedikt !

Schöne Grüße hoch in den Norden ins schöne Schweden! :D

Der Grund, weshalb sich hier noch nicht ein Beitrag an dem anderen anreiht, ist wohl der, dass man bei deinem (Ihrem?) Beitrag nicht einfach drauf los schreibt, sondern erstmal ins Stocken gerät und anfängt sich zuerst der Worte bewusst zu werden!
WIE macht man das, sein Herz mit allem Fleiß behüten ?
Eine Möglichkeit sehe ich durchaus in der Kraft des Gebetes. Das häufige, oder gar immerwährende Gebet (zum Beispiel im Herzensgebet, oder auch Jesusgebet genannt) schützt sehr wohl vor üblen Dingen, die du u.a. bereits beschrieben hast!

"[...]mit allem Fleiß" drückt mE zwei Dinge sehr gut aus: 1) Es zeigt auf, dass wir Menschen nicht perfekt, sündlose Wesen sind, doch 2) sollen wir mit allem Bemühen unser Herz als gottgefällige Stätte bewahren. Wären wir Alleskönner, die alleine durch ihr eigenes Handeln / (Dazu)Tun einen vollkommenden Grat der Perfektion erreichen könnten, würde dort stehen: "mit Fleiß". "Mit allem Fleiß", drückt sowohl Anspruch, wie auch Grenze des eigenen Tuns aus.

Ich spreche gerne meinen geistlichen Vater auf diesen Vers an und höre mal, was er dazu sagt. Darüberhinaus können wir uns vielleicht auch die Überlieferungen der Hl. Väter zur Hilfe ziehen (!?)

Liebe Grüße
Stephanus
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nika
Beiträge: 48
Registriert: 04.07.2007, 19:56

Beitrag von nika »

ich lese das buch: gespräch des hl. seraphim von sarov über das ziel des christlichen lebens....

es ist so was von gut und es öffnet neue betrachtungsebenen,...

ich glaub das ziel des lebens ist, ist die erlangung des hl. geistes,.. und das erhalten wir durch christliche tugenden,....

jedoch weiß ich nciht ob das stimmt,...

mfg aus wien
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protopeter
Priester
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Beitrag von protopeter »

Lieber Filip !

Das endgültige große Ziel christlicher Existenz nach orthodoxer Auffassung ist die theosis - die Vergottung des Menschen, das Leben im Mysterium der Erlösung. Um dies zu erreichen, ist nun der Beistand des Heiligen Geistes vonnöten; der Mensch ist zwar dazu gerufen, diverse Tugenden zu praktizieren, um sich auf diese Weise nach dem Daseinsziel zu orientieren - doch ohne das Bemühen um den Erhalt göttlicher Gnadengaben bleibt dieses Unterfangen letztendlich auf der Strecke.Weil sich nun einige Heilige Väter - unter ihnen eben auch Seraphim von Sarov - in besonderer Weise um die Teilhabe an den charismata sorgten, werden sie in kirchlicher Terminologie pneumatophoroi - Geistträger genannt.

Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
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theofan
Beiträge: 153
Registriert: 19.02.2009, 11:54

Beitrag von theofan »

Grüß Gott, Benedikt,

vermutlich leben wir ja deshalb so lange, weil ein reines Herz nicht so schnell zu haben ist.
Ich persönlich würde es so machen:

Immer wieder reinigen (in der Beichte und Eucharistie) und aufmerksam sich selbst beobachten.
Ein Tagebuch führen.
Schwerpunkte setzen.
Theophanes d. Klausner lesen.

Gruß
Hans-Peter
Ieromonach
Priestermönch
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Beitrag von Ieromonach »

Lieber Benedikt, der Psalm 50 (LXX) ist vielleicht eine Antwort. In einem Vers spricht er: " Ein reines Herz erschaff in mir, o Gott, den rechten Geist erneuer in meinem Innersten". Zum Fleiß spricht der Psalm 1(LXX): ".. vielmehr im Gesetz des Herrn seinen Willen hat, und sinnt über sein Gesetz bei Tag und bei Nacht".

Wir müssen also unser Wollen und Denken (Willen) mit Fleiß im Gesetz des Herrn (hier: die zehn Gesetze die Moses vom Herrn bekam und natürlich mit dem Kommen des Christos das Evangelium) fundamentieren.

Vielleicht kann dazu etwas mein gelehrter Mitbruder Erzpriester Peter etwas sagen. +P. Theodoros/Athikia
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