Wann und warum begann das gro?e Shisma?
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protopeter
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In der laufenden Auseinandersetzung scheint es ein grundsätzliches Problem zu geben: Die heterodoxe Seite versucht unter Zuhilfenahme von ihr genehmen Argumenten die Tatsache des Schismas zu minimieren oder gar wegzuleugnen; es müßte wohl klar sein, daß die Orthodoxe Kirche einen solchen Gang der Dinge niemals akzeptieren kann. Sie macht indessen durchaus nicht aus "jeder theologischen Differenz eine Häresie oder ein Schisma", sondern ist sich ihrer Verantwortung für die Erhaltung der Rechtgläubigkeit im pleroma der Kirche bewußt - wobei Träger der Tradition das gesamte Kirchenvolk ist.
Wenn ich darüberhinaus das von Germanus durchaus zu Recht gebrachte Argument zum Wesen eines Schisma betrachte, so ist r.-k. Kreisen sehr zu empfehlen, die eigenen Positionen zu überdenken, die weitestgehend selbst bei unvoreingenommener Betrachtung nicht als mit den Werten rechtgläubig-authentischer Überlieferung konform erkannt werden können; da helfen auch keine ökumenistisch-kirchenpolitischen Winkelzüge.
Gruß von Erzpr. Peter
Erzpr. Peter hat ein gutes Wort eingebracht: das Überdenken.
Damit kann ich Dir, lb. Sebastian, antworten, dass ich mit dem von Dir zitierten Satz das Folgende meinte (was holzi durchaus rechtens andeutete): Meiner Auffassung nach lohnt es sich bei weitem nicht, wegen der Kalenderfrage z.B. schismatische Zustände herbeizuführen. Das wird aber mit großer Vehemenz betrieben - ich kenne das Beispiel des ehrw. Klosters Valaam, in dem es zwei Kirchen gab (vor dem Krieg): die Hauptkirche der "Neukalendarier" und einen umgebauten Schuppen als Kirche der "Altkalendarier", die auch nicht mehr in communio standen. Das sind für mich Entwicklungen, die am Ziel vorbeischießen, die guten Gründe von beiden Seiten mal beiseitelassend, wohlgemerkt! Weiters die FRage der Jurisdiktion, der römischen diesmal: Es geht doch nicht an, dass die Communio der Kirche Christi mit unterschiedlichen Auffassungen von Leitungsfunktionen und synodalen Strukturen steht oder fällt. Auch Rom hätte das akzeptieren müssen, meine ich. Und wo abstruse theologische Spitzfindigkeiten an die Stelle von Klarheit treten - s. das filioque, das zuerst "heilsnotwendig", dann in die Beliebigkeit abfällt -, dann bleibt uns wirklich nur das Überdenken und Zurückfahren auf die "gute Lehre". Das Schisma bleibt ein Ärgernis, weil es verletzt und trennt. Und das "pleroma", das Erzpr. Peter anführt, und das er in Beziehung setzt zur Gesamtheit des gläubigen Volkes, ist in unserem Zusammenhang ja der Beweis dafür, dass "Rom" nicht für die Fülle stehen kann - wie eben auch "Konstantinopel" etc. nicht isoliert gesehen werden dürfte.
Herzliche Österliche Grüße, German
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protopeter
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Die Frage der Überwindung des abendländischen Schisma, das der Hl. Nektarios im Rahmen seines - zu Eingang dieses Threads zitierten - Werkes als "Ärgernis" bezeichnet, ist in der Tat mit der Rückbesinnung auf die ursprünglichen Verhältnisse in der koinonia der (zu diesem Zeitpunkt noch gesamt orthodoxen) Lokalkirchen auf das Engste verbunden. Es ist somit unumgänglich, kirchliche Existenz an diesen Kriterien zu messen; die Orthodoxe Kirche ist demgemäß gerufen, diesen ihren Universalcharakter deutlich werden zu lassen - davon ausgehend müßte erkannt werden, daß es den nichtorthodoxen Bekenntnissen (darunter eben auch dem römischen Katholizismus) in der Tat an der Fülle der Kirchlichkeit mangelt. Erst eine bewußte Auseinandersetzung mit diesen Gegebenheiten kann vielleicht zu einer Rückkehr zu den Wurzeln des gemeinsamen Glaubens führen.
Österliche Segensgrüße sendet
Erzpr. Peter
was mich freut in dieser Osterwoche möchte ich gleich an den Anfang stellen: Dass wir hier die Dinge benennen können, wie sie sind oder sich uns darstellen, aber trotzdem nicht getrennter oder verletzter auseinandergehen. Zweitens ist es der Wandel im Ausgangsthema (das da lautete: "Wann und warum begann das Schisma" o.ä.). Wir fragen uns ja momentan, warum es das Schisma denn überhaupt noch gibt. Und diese Fragestellung scheint mir nach allem, was hier zu lesen war, viel entscheidender zu sein. Das "Ärgernis" des Schismas ist ein Faktum, aber wir als Christen, und somit als Schwestern und Brüder, dürfen ja, glaube ich, in der Hoffnung auf die ersehnte Fülle der Kirche, jenes "pleroma", weiter wachsen. Nur als Nebensatz, ohne das Thema sprengen zu wollen: Jener "Uniatismus" Roms bleibt augenscheinlich eine Vorspiegelung jener Fülle, die in Wirklichkeit nicht gegeben ist. Was allerdings auch bleibt, meine ich, ist unser Auftrag, nach dem Frieden Christi zu streben. Ich bezweifle, dass die theologischen Bemühungen in ihrer jetzigen Form zu greifbaren Ergebnissen führen. Womöglich müssen wir erst wieder mühsam lernen, unser Zusammenleben ganz auf Christus hin auszurichten. Da danke ich nochmal für die Begrifflichkeit, die hier eingeführt wurde: das Überdenken und die Fülle der Kirchlichkeit, die auch den einzelnen Christen nicht außen vor läßt.
Herzliche Österliche Grüße, Germanus