Liebe Aleksandra,
es hat mich sehr traurig gestimmt, dass dieser Kurs, in den Du so große Hoffnung gesetzt hast, für Dich nun eine ebenso große Enttäuschung wurde. Was nun dort genau schieflief ist von außen natürlich schwer zu beurteilen, deshalb kann ich Dich auch nicht zum Weitermachen aufmuntern oder den Abbruch begrüßen. In Reutlingen hattest Du ja jahrelang weniger Probleme damit als jetzt in wenigen Wochen.
Deshalb will ich nur generell auch das Problem unterschiedlicher Auffassungen eingehen und zu dem Stellung nehmen, was Du, lieber René, schreibst:
Ehre sei Dir oh Herr hat geschrieben:Das Heilige Sakrament garnicht als solches anzuerkennen (es ist ja nicht das einzige, das Sakramentenverständnis ist ja bei den ev. Christen generell etwas anders wie mir berichtet wurde) spricht für sich...
Gerade aus solchen Gründen ist es für mich überhaupt nicht nachvollziehbar, wie eine wirkliche Ökumene zwischen RKK und ev. Kirchen funktionieren soll ! ? Es ist doch wie Verrat, nur um mit der Brechstange eine scheinbare Einheit herbeizuführen...
Wie eine Ökumene zwischen evangelischen Kirchen und der RKK funktionieren könnte, ist m.E. sehr gut in Prof. Klaus Bergers Buch »Kirchenspaltung ist Gottesverrat« beschrieben. Ich glaube sogar,dass sie eher möglich ist als zwischen den orthodoxen Kirchen und Rom.
Ein großes Problem der »evangelischen Kirche« ist, dass es keine einheitliche Lehre gibt. Die EKD ist nichts anderes als ein institutioneller Zusammenschluss. Darin könnten im Prinzip auch andere Kirchen des ÖRK, ja sogar eine jüdische oder islamische »Kirche« integriert sein.
Die EKD selbst definiert die Abgrenzung evangelisch-katholisch so:
Evangelischer Erwachsenenkatechismus hat geschrieben:Einer derwichtigsten Lehrunterschiede zwischen den »katholischen« Kirchen (römisch-katholische, orthodoxe und in gewissem Sinne auch anglikanische Kirche) und den evangelischen ist das Verständnis des kirchlichen Amtes. Die katholische Kirchen legen großen Wert auf die göttliche Stiftnug des Amtes und die ununterbrochene Folge bischöflicher Handauflegung (»apostolische Sukzession«) von der apostolischen Zeit an. Die evangelischen Kirchen betonen demgegenüber, daß »apostolische Sukzession« vor allem die Weitergabe der ursprünglichen Botschaft bedeutet und dass dieser Vorgang wichtiger sei als die nachfolge im Amt, die auf ihre Weise auch sie üben. Die evangelischen Kirchen kennen verschiedene Formen der Struktur des Amtes.
Dass die evangelische Kirche die Ehe nicht zu den Sakramenten zählt sondern sie »nur« segnet, liegt weniger am Eheverständnis selbst als vielmehr an der evangelischen Definition von »Sakrament«: Hier werden die beiden Sakramente die Christus selbst spendete, nämlich Taufe und Abendmahl, in besonderer Weise hervergehoben werden. Was Dir nun erzählt wurde, Aleksandra, weiß ich natürlich nicht, Schindluder wird überall getrieben, sogar innerhalb der Orthodoxie (so spricht sich z.B. ein in Deutschland durch seine zahllosen Veröffentlichungen und seinen jahrelangen Vorsitz der KOKiD bekannter orthodoxer Professor für die sog. Homoehe aus), deshalb darf man von einzelnen Aussagen nicht auf eine Kirchenlehre zurückschließen.
Gleiche Bezeichnungen bedeuten nicht immer dasselbe (z:b. unterscheiden sie die »sieben Sakramente« in vielerlei Hinsicht zwischen OK und RKK), während es andersherum auch Gemeinsamkeiten im Verständnis gibt, auch wenn Dinge anders benannt oder hergeleitet werden (z.B. die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre zwischen ev. und kath. Kirche oder die Erklärung zur gemeinsamen Abendmahlauffassung zwischen Lutheranern und Orthodoxen).
Ich denke, eine Laienseelsorge ist prinzipiell durchaus auch überkonfessionell möglich, unabhängig davon, was jetzt in Deinem Kurs falsch lief.
Schöne Grüße
Walter