Byzantinischer Einfluss

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Milo
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Byzantinischer Einfluss

Beitrag von Milo »

Grüß Gott!

Ein Protestant meinte mal zu mir, die Orthodoxe Kirche sei nicht der urkirchlichen Tradition treu geblieben, und ist eigentlich eine staatlich-byzantinische Ausprägung. Daher könne sie nicht für sich beanspruchen die apostolische Überlieferung gewahrt zu haben, bis heute hin.

Was meint ihr, hat er Recht? Reduziert sich die OK aus heutiger Sicht tatsächlich auf die byzantinische Epoche? Gibt es lokale OK unabhängig des byzantinischen Vermächtnis?

Fragen über Fragen kann man so produzieren...

Euer wie immer fragfreudiger br. milo
protopeter
Priester
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Beitrag von protopeter »

Lieber Br. Milo !

Auch im Hinblick auf das von Ihnen eröffnete Thema hat Ihre Fragefreudigkeit durchaus ihre Berechtigung! :)

Natürlich ist es - gerade unter historischer Perspektive - nicht von der Hand zu weisen, daß die Orthodoxe Kirche in ihrer Ausprägung ein Gutteil an "byzantinischem" Erbe mitbekam; es wurde im 20. Jahrhundert dafür sogar der Begriff "Byzantine Commonwealth" (den vor allem der in Großbritannien tätig gewesene Byzantinist D. Obolensky prägte) geschaffen - nach Ansicht dieses Gelehrten erstreckte sich dessen Einzugsbereich von Italien über den Balkan bis nach Rußland und in die Länder des Kaukasus.

Etwas anders verhält es sich ja mit dem orthodoxen Erbe des Abendlandes, dessen Quellen in romanisch-lateinischen, keltischen und germanisch geprägten Zivilisationen zu finden sind. Darüberhinaus ist es beispielweise interessant, daß gerade die Orthodoxe Kirche Rumäniens mit gewissem Stolz darauf verweist, ihr sei das Christentum nicht auf dem Missionsweg über Byzanz (wie das etwa für die süd- und ostslawischen Völker zutraf) verkündet worden, sondern es entwickelte sich seit dem 2. Jahrhundert eine gleichsam eigenständige christliche Kultur, die zwar späterhin mit der "byzantinischen" Orthodoxie in enger Gemeinschaft stand und auch von ihr beeinflußt wurde, doch grundsätzlich auf eigene Ursprünge verweisen konnte.

Wieder andere Perspektiven eröffneten sich in den "neuen" orthodoxen Kirchen (beispielsweise in Nordamerika, Japan oder auf dem afrikanischen Kontinent); hier entstand die Kirche unter gänzlich anderen Bedingungen und Voraussetzungen - ohne daß das geistesgeschichtlich-politische Erbe der byzantinischen Zivilisation eine wesentlich prägende Rolle gespielt hätte. Allerdings kann und darf in keinem dieser Fälle übersehen werden, daß die Spiritualität, die Gottesdienstordnung, das Kirchenrecht und die übrigen Elemente der gelebten kirchlichen Tradition natürlich ihre Herkunft und Verwurzelung in der von der Orthodoxie geprägten rhomäischen Kultur haben. Doch wäre es genauso unzutreffend, diese Tatsache als Legitimation dafür zu sehen, daß unsere Kirche vollkommen erstarrt und antiquiert in ihrem "byzantinischen Korsett" dahinvegetieren würde - wie etwa der protestantische Dogmengeschichtler Harnack meinte.

In der Liebe Christi grüßt
Erzpr. Peter
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Sebastian
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Beitrag von Sebastian »

protopeter hat geschrieben:
Etwas anders verhält es sich ja mit dem orthodoxen Erbe des Abendlandes, dessen Quellen in romanisch-lateinischen, keltischen und germanisch geprägten Zivilisationen zu finden sind. Darüberhinaus ist es beispielweise interessant, daß gerade die Orthodoxe Kirche Rumäniens mit gewissem Stolz darauf verweist, ihr sei das Christentum nicht auf dem Missionsweg über Byzanz (wie das etwa für die süd- und ostslawischen Völker zutraf) verkündet worden, sondern es entwickelte sich seit dem 2. Jahrhundert eine gleichsam eigenständige christliche Kultur, die zwar späterhin mit der "byzantinischen" Orthodoxie in enger Gemeinschaft stand und auch von ihr beeinflußt wurde, doch grundsätzlich auf eigene Ursprünge verweisen konnte.
Lieber Vater Peter!

Das ist richtig. In Rumänien wird auf die Überlieferung verwiesen, dass der Hl. Apostel Andreas persönlich den Samen der späteren Christianisierung pflanzte. Als ich in Rumänien war durfte ich seine "Wohnhöhle" besuchen (habe ich auch an anderer Stelle schon beschrieben). Der rumänische Gottesdienst hat durchaus seine (nicht unbedingt negativ auszulegende) Eigenheiten.

Naja - zurück zum Thema :wink:

Sebastian
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