Verbot der Hl. Kommunion in Deutschland???

Die deutschsprachige Orthodoxie stellt sich vor
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MariaM
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Verbot der Hl. Kommunion in Deutschland???

Beitrag von MariaM »

Hallo an alle, ich bin nach längerer Zeit mal wieder im Forum, ich hoffe es geht Euch allen so weit gut, mit Gottes Hilfe!

Ich lebe ja nicht nicht in Deutschland, habe aber von früher einen persönlichen Bezug und versuche halbwegs mit zuverfolgen, was so los ist...
Meine aktuelle Frage ist - stimmt es, dass der Empfang der Hl. Kommunion den orthodoxen Christen in Deutschland VERBOTEN wurde?! :shock:

Dies las ich in griechischen, der Kirche nahestehenden Medien! Ein Artikel hieß sogar "Merkel hat den Orthodoxen die Hl. Kommunion verboten", nachdem sie zufällig irgendwo ein Foto aus GR gesehen habe, wo ein Priester die Hl.Kommunion spendet - davon "schockiert" gewesen sei.
Also ich bin schockiert von diesem Verbot, falls es denn stimmt!!! Darauf hat ein Politiker doch kein Recht!
Und die Hl. Kommunion kann doch nicht einfach ausgelassen werden, sie ist doch lebenspendend und gehört untrennbar zu jeder Hl. Liturgie! Wie geht ihr jetzt damit um???

Ich habe ausserdem gelesen, in Österreich werde die Kommunion z.Zt auf andere Art und Weise gespendet (St.Jakobs-Liturgie???)...

In Griechenland und anderswo gibt es ja momentan z.T. auch repressive Tendenzen gegenüber der Kirche... der Staat bzw. einzelne Politiker nimmt sich wohl momentan vielerorts Dinge raus, auf die sie eigentlich kein Recht hätten - aber man nutzt den Vorwand "COVID19", um alles mögliche durchzudrücken :( ...

Aber diesen Tendenzen müssen wir doch irgendwie begegnen, íhnen etwas entgegensetzen!
Gibt es in D von orthodoxen Christen Protest, irgendeinen offenen Brief etc.??? Ich hätte gedacht, ich finde hier dazu etwas, aber das ist mir leider nicht gelungen... Also frage ich bei euch nach. :) Danke und alles Gute, viele Grüße! M.
holzi
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Re: Verbot der Hl. Kommunion in Deutschland???

Beitrag von holzi »

Ganz scheint das mit dem Verbot nicht zu stimmen, da z.B. die russische Gemeinde in Krefeld schreibt, dass das Sakrament empfangen werden kann: viewtopic.php?p=42387#p42387

Der byzantinische Ritus hat hier den großen Vorteil, dass der Löffel immer wieder zwischendurch gesäubert und desinfiziert werden kann.
Im lateinischen Ritus ist das komplizierter.
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)
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Lazzaro
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Re: Verbot der Hl. Kommunion in Deutschland???

Beitrag von Lazzaro »

In Deutschland hat sich durch die Coronapandemie die Situation entgültig so entwickelt, daß die christl. Kirchen keine aktiven Aktöre bei der der Bildung eines gesellschaftlichen Konsenses mehr sind. Aus dem Grundrecht auf Religionsausübung im allgemeinen und aus dem Grundrecht der Kultusfreiheit im besonderen ist ein gesellschaftlich gerade geduldetes nice to have geworden.

Die Religionsgemeinschaften hatten zwar offiziell das Recht die Coronarichtlinien selbst zu schreiben, es gab aber von Seiten des Staates deutliche Hinweise, was er erwarte, damit er die Gottesdienste nicht verbieten müsse. Das gilt für den Gemeinsamen Kelch bei der christl. Eucharistie genauso wie das enge Stehen im musl. Gebet: Wer nicht flexiebel sein kann oder will, muß auf den Ritus verzichten, denn die Polizei kontrolliert die Gottesdienste!* Es gibt Moscheen, die auf den Sicherheitsabstand aus liturgischen Überlegungen nicht verzichten wollen und in denen es desshalb immer noch keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden, während andere flexibel mit Sicherheitsabstand und Open-Air-Gebeten eine Lösung gefunden haben. **

Die gleichen Überlegungen kann man auch für die Eucharistiefeier anstellen. Man kann infektionsschutzgesetzkonforme Lösungen kreiren, wie die gr. Metropolis von Austria oder die serbische Diözese in Deutschland oder man kann prinzipiell die Einmischung des Staates in die Kultusfreiheit verneinen. Beides hat jeweils vom eigenen Standpunkt aus seine Berechtigung.

Interessant ist für mich persönlich, daß ausgerechnet der als Modernist verschriehene Metropolit Augustinus hier die Position der Akribeia einnimmt.

Abschließend möchte ich noch auf die Meinung zweier anderer Artikel hinweisen die die Gesammtproblematik sehr gut verdeutlichen:

https://www.diepresse.com/5798851/wenig ... CMr--gTKHM

https://www.facebook.com/permalink.php? ... __tn__=K-R
daraus:
und zwar weiterhin mit einer ausdrücklich religiösen Begründung unseres Staates: Die heiligen Sakramente gehörten nicht zum „Kernbereich“ unseres von der Religionsfreiheit geschützten Glaubens, ja dieser Kernbereich der Religionsfreiheit werde durch das Sakramentsverbot noch nicht einmal „berührt“, so hat das Verwaltungsgericht Berlin vor einer Woche erklärt.
Wir haben hier einen schweren Konflikt zwischen Staat und Religion, bei dem ausgerechnet die christlichen Kirchenoberhäupter extrem schwächeln!

Lazarus

* Gebet ist grundsätzlich rechtsfreier Raum, in dem die Polizei nur eingreifen darf, wenn sie die Erlaubnis des Vorstehers hat. Man sieht daher wie rechtlich problematisch so ein Eingriff ist, auch wenn er durch Gefahrenabwehr gut begründet wird.
** All das weiß ich aus meinem muslim. Bekanntenkreis.
Cantábiles mihi erant justificatiónes tuæ, * in loco peregrinatiónis meæ. - Ps.118:54
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Osthugo
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Re: Verbot der Hl. Kommunion in Deutschland???

Beitrag von Osthugo »

Liebe MariaM,

man mag Frau Merkel ja so einiges vorwerfen können, ein „Verbot der Eucharistie“ wird man ihr aber wohl eher nicht anlasten können.

Es haben sich aber aufgrund der Covid-19 Krise und den damit verbundenen staatlichen Verordnungen eine Reihe von „alternativen“ Formen des Empfangs der Eucharistie herausgebildet.
Während einige Gemeinden an der Spendung der heiligen Gaben mittels Löffel (mit Desinfektion) festhalten, empfiehlt z. B. die gr. Metropolie von Austria die Handkommunion in der Form, wie sie in den mystagogischen Katechesen des Kyrill von Jerusalem aus dem 4. Jhdt. dargelegt wurde. Darüber, ob es sich dabei um die ursprüngliche Form des Empfangs der Eucharistie gemäß der Jakobusliturgie handelt, scheint aber Uneinigkeit zu bestehen.
Andere Gemeinden (z.B. die Unierten) ersetzen den goldenen Löffel durch einen Einweg-Holzlöffel. Die „benutzten“ Holzlöffel werden dabei gesammelt und vom Priester im Anschluss an die Liturgie verbrannt.

Die Gemeindemitglieder sind mit den unterschiedlichen Lösungen auch unterschiedlich glücklich, zumal zu diesen „Reformen“ auch noch das Gefühl tritt, von den staatlichen Behörden ungerechtfertigt behandelt zu werden. Aber das hat Lazarus bereits erschöpfend ausgeführt.

Tatsache ist, dass es die Allermeisten nicht erwarten können, bis möglichst zeitnah wieder so etwas wie Normalität ins Gemeindeleben und in die Liturgie Einzug hält.

Ich gehöre dazu. :roll:

Viele liebe Grüße
Osthugo
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"Heiliger Engel, Schützer meiner Seele und meines Leibes, verlaß mich Sünder nicht! Weiche nicht von mir wegen meiner Sünden! Umfasse meine schwache Hand und führe mich den Weg des Heiles!"
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Stephanie
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Re: Verbot der Hl. Kommunion in Deutschland???

Beitrag von Stephanie »

Nein, die Kommunion ist nicht verboten und sie wird auch erteilt. Manche Gemeinden benutzen "Einweg-Löffel", andere geben besondere Anweisungen für die Aufnahme der Kommunion (z.B. Kopf in den Nacken und nicht die Lippen um den "Kommunion-Löffel" schließen) usw. usf.
Eine Zeitlang war (wie übrigens in Griechenland auch!), der Besuch des Gottesdienstes, zumindest offiziell, verboten, (wobei sich nicht alle daran hielten). Dies ist aber mittlerweile aufgehoben.
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MariaM
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Re: Verbot der Hl. Kommunion in Deutschland???

Beitrag von MariaM »

Guten Abend,
vielen Dank an euch alle für die interessanten Antworten!
Bei uns (griechisch-orthode Gemeinde in Tschechien) wird es so gemacht, dass der Löffel immer zwischendurch in ein Kännchen mit kochend heißem Wasser getaucht wird. Unser Priester betont aber, dass man sich natürlich durch die Hl.Kommunion nicht anstecken kann und wir es eher deswegen so machen, damit staalicherseits, sollte eine Kontrolle stattfinden, niemand sagen kann, wir würden keine Maßnahmen ergreifen oder irgendwas Riskantes, Verantwortungsloses tun. Denn von nicht Gläubigen könne man nicht erwarten, dass sie verstehen, was die Hl. Kommunion ist und dass sie niemals Tod und Krankheit bringen kann. So weit so gut.

ABER was mich an dem ganzen zunehmend irritiert: Warum kommen gerade jetzt solche Angriffe auf den Kern, die Essenz der orth.Kirche? Ich meine, 2000 Jahre gibt es die Hl. Kommunion und ebenso lange gibt es auch Krankheiten, Pandemien... und es gibt/gab doch viel schlimmere als COVID19! Es hat sich durch die Hl-Kommunion nie jemand angesteckt und dabei müssen die Priester ja immer alles Übriggebliebene "austrinken", auch nachdem hochinfektiös Kranke kommuniziert haben, zB. mit AIDS usw.! Und sie sind nicht erkrankt, sondern i Gegenteil viele lebten lange.
Das neue Coronavirus ist nicht mal extrem ansteckend. Ja es ist ansteckend auch bei symptomfreien Leuten, was die Lage erschwert, aber auch in Familien stecken sich, wie bewiesen wurde, längst nicht immer alle an. Und der Prozentsatz mit schwerem Verkauf ist auch nicht hoch, die allermeisten haben, wenn sie überhaupt Symptome zeigen, einen leichten Verlauf. Es ist nicht Ebola oder die Pest!!! OK Vorischt war/ist angebracht, da es noch keinen Impfstoff oder Medikament gibt und da das Virus in diesesr Form neu ist, also musste man erstmal sehen, was Sache ist. Das weiss man doch aber nun im Grunde. und trotzdem wird weiter so ein "Zirkus" veranstaltet. UNd seit wann interessieren sich so viele Leute dafür wie die orthodoxen Christen ihre Hl.Kommunion empfangen??? Das war doch bis vor kurzem den meisten total egal!!! Was soll dass also jetzt, und das gleich in mehreren Ländern????
Wer Angst hat oder keinen Bezug dazu hat, geht eh nicht. Fertig. Aber er soll doch bitte die in Ruhe lassen, für die es ein Bedürfnis ist.

Warum interessiert sich plötzlich Hinz und Kunz dafür, mit was für einem "Löffel" wir die Kommunion nehmen???
Und ist es nicht ein Fehler unseserseits, uberhaupt darauf einzusteigen? Ich meine im Sinne, warum lassen wir ein Problem daraus machen, wenn es doch eigentlich keins ist? Der Staat stelllt und ein Stöckchen hin und wir springen??? Warum sollen wir, nur weil irgendwelche Leute grad hysterisch sind oder andere politisch-machtbezogene Zwecke verfolgen, jetzt auf einmal unsere Art des Gottesdienstes und der Hl.Kommunion problematisieren, so auf Befehl von aussen??? Geben wir nicht damit ein Signal, dass es womöglich wirklich ein Problem geben könnte??? Warum hat man nicht so einen Hype gemacht, als Masernepidemien grassierten oder die Grippe??? Das ist doch alles nur noch absurd... Oder?!
Marian
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Re: Verbot der Hl. Kommunion in Deutschland???

Beitrag von Marian »

Grüß Gott orthodoxe Gemeinde und MariaM,
nun ist es so, dass mein Familienname Kunz ist, ich mich aber auch sonst von deinem Beitrag angesprochen fühle.
Die oben beschrieben Gefühle angesichts dieser Krankheit sind durchaus berechtigt und mir war es anfangs auch so.
Doch dann habe ich endlich das Buch "Krankheit und Heilung aus orthodoxer Sicht" von Jean-Claude Larchert in Angriff genommen. Gerade in dieser Zeit ist es für jeden Gläubigen von ganz großer Bedeutung sich vor Augen zu führen, was dieses Buch lehrt.
Krankheit, Leiden und sogar Tod sind wir nur ausgeliefert durch die menschliche Sündhaftigkeit angefangen bei Adam. Keine Gesundheitsämter, Intensivpflege und Quarantäne usw. ändern das. Nur die Verlockung unserer modernen Zeit, wir könnten uns umfassender Gesundheit versichern und sie uns erarbeiten und erkaufen, lässt uns unsere Schulden bei Gott vergessen. Die panische Angst der Gesellschaft vor der Krankheit bringt also nur deren nahezu heidnischen Unglauben ans Tageslicht! Und dies kann auch uns in Versuchung führen in so Mancherlei.
Doch wenn wir in tiefsten Glauben vortreten und das Allerheiligste in uns aufnehmen, dann erfüllt sich doch das Wort des Herrn und Gottes Jesus Christus:
" An jenem Tag werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin und ihr in mir und ich in euch. Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren. " (Joh. 14) durch sein Fleisch und Blut eben zur Vergebung unserer Sünden.
Es ist aber nicht der Löffel der das bewirkt, sondern das Allerheiligste selbst. So wäre es sogar denkbar, dass wir es "aus der holen Hand aufnehmen" , wie sicherlich die ersten Christen und der gesamte nahöstliche Kulturkreis immer mit Händen gegessen haben. Was aber unter keinen Umständen geht, ist das es verboten wird oder ein "Ersatz" gereicht wird, wie bei anderen.
Andererseits sind Vorsichtsmassnahmen um meine Brüder und Schwestern vor Ansteckung zu schützen sehr sehr christlich, finde ich. Ein Ausdruck von Liebe und Vorbeugung übler Nachrede. Was sage ich hypothetisch vom Herrn gefragt: "Warum hast du über die Leute geschimpft, die Infektionen in Kirchenräumen verhindern wollten, wo du doch wusstest, dass Christen wie Christus aus nichtigem Anlass unschuldig geschlachtet werden?" Oder : "War es nicht deine zentrale Aufgabe die Angst, die goldenen Löffel, ja die ganze Welt zu vergessen und nur Gott zu verherrlichen in der Hoffnung auf Vergebung und das ewige Leben deiner Seele, auch weil du genau wusstest wie die Heiligen Kleinasiens jahrlang das Verbot der Gottesdienste im tiefsten Glauben ertragen haben und sie auch deswegen in das Heer der "Engelsgleichen" für immer zugereiht wurden?"
Ganz leicht erkennen wir was uns wirklich wichtig ist. Vollkommen unabhängig welches absurde, gottesfeindliche und auch selbstzerstörerische Gesetz ungläubige Minister gerade erlassen. Leider betrifft das nicht nur die Gesundheit, sondern viele Lebensbereiche. Kein Hinz und Kunz hätten sich vor 20 Jahren vorstellen können, dass die freiheitlichen Gesellschaften (zumal sich auf Gott in der Verfassung berufend) einmal, auf zwar ganz andere Weise, aber mit dem ganz ähnlichen Resultaten alle Zeiten überlieferte Moral zerstören könnten, wie die atheistischen Diktaturen es vesuchten.
Marian Kunz
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Stephanie
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Re: Verbot der Hl. Kommunion in Deutschland???

Beitrag von Stephanie »

MariaM hat geschrieben: 01.06.2020, 00:06 ABER was mich an dem ganzen zunehmend irritiert: Warum kommen gerade jetzt solche Angriffe auf den Kern, die Essenz der orth.Kirche? Ich meine, 2000 Jahre gibt es die Hl. Kommunion und ebenso lange gibt es auch Krankheiten, Pandemien... und es gibt/gab doch viel schlimmere als COVID19! [...]
Wer Angst hat oder keinen Bezug dazu hat, geht eh nicht. Fertig. Aber er soll doch bitte die in Ruhe lassen, für die es ein Bedürfnis ist.
Warum interessiert sich plötzlich Hinz und Kunz dafür, mit was für einem "Löffel" wir die Kommunion nehmen???
Kein Mensch interessiert sich dafür, was die Orthodoxen machen. Du überschätzt maßlos die Wahrnehmung von uns in der Gesellschaft.
Das Verbot galt ganz allgemein für Gottesdienste bzw. Versammlungen. Die meisten Menschen (und auch Regierenden) in diesem Land wissen überhaupt nicht, wie wir die Kommunion zu uns nehmen. Wenn überhaupt, so denken sie an kath. oder ev. Kirchen.
Das Verbot richtete sich noch nicht einmal spezifisch gegen Christen, da es allgemein alle Versammlungen u.a. Gottesdienste (aber auch Moscheebesuche) untersagte.
Die Mehrheit der Gesellschaft ist nicht christlich. Orthodox schon gar nicht. Es ist wohl kaum zu erwarten, dass die Gesetze/Verbote sich daher speziell an uns ausrichten.
Das Verbot galt deshalb, weil infizierte Gläubige nun einmal das Virus an Nichtgläubige weitergeben. Das Virus interessiert sich nicht dafür, ob du Christ oder Atheist bist. Und die Krankenhäuser und Arztpraxen müssen infizierte Gläubige (wie Nichtgläubige) behandeln. Dementsprechend interessiert es die Gesellschaft/Regierung eben schon, ob Gottesdienste Orte zur Verbreitung eines Virus sind oder nicht. Glaubensinhalte haben da keine Rolle gespielt.

Das ist die Darlegung, weshalb so vorgegangen wurde. Es spiegelt keine Meinung und Haltung von mir wider. Ich finde aber, dass das Thema und die aufgeregten Diskussionen (noch dazu hinterher) sehr ermüdend sind.
Wir sollten einfach mal froh sein, dass es uns soweit gut geht und uns um unsere geistliche Gesundheit kümmern. Punkt.
Es gab für Christen schon schlimmere Zeiten (Christenverfolgung im alten Rom) und in manchen Ländern ist dies noch immer so.
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Synergist
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Re: Verbot der Hl. Kommunion in Deutschland???

Beitrag von Synergist »

Hallo Stephanie,

Danke - ein wunderbar unaufgeregter und realistischer Beitrag.

Ja, es ist richtig, wie oben geschrieben wurde, dass sich bestimmt jeder danach sehnt, wie früher die Liturgie besuchen zu können. Mir fehlt das auch sehr.

Jedoch, hier ein organisiertes Attentat auf die Orthodoxie zu sehen, ist Nonsens bzw. schon fast pathologisch. Die von mir teilweise beobachtete Hinwegsetzung über alle staatlichen (nicht so wichtig) Vorgaben bzw. des maßgeblichen Bischofs (dramatisch) - unter dem Deckmnatel der Superfrömmigkeit - erachte ich als absolut heterodox, gefährlich und egoistisch.

Und was auch die Orthodoxen teilweise an Verschwörunsgtheorien verbreiten, ist beschämend.

Zum Glück haben dies auch zahlreiche konservative Priester in aller Welt bestätigt. Mein "Lieblings-Youtube-Priester" in den USA (ROCOR) hat auch kürzlich dringend darauf hingewiesen, dass er der Erste wäre,der sich einer staatlichen Verfolgung der Orthodoxie massiv widersetzen würde, dass eine solche nur gegenwärtig gar nicht vorliegt und jeden aufgerufen sich temporär etwas zusammen zu reißen. Als "Geheimrezept" für diese spröde Zeit hat er empfohlen, die eigenen Anstrengungen zu vervielfachen ...

Niemand hatte Erfahrung mit so einer Situation, dann ist man dazu übergegangen, fast jegliche Zusammenkünfte zu unterbinden. Dabei liegt doch auf der Hand, dass auch Gottesdienste in den Fokus geraten und dass für Außenstehende das Zusammentreffen vieler Menschen in einem Raum mit Kelchkommunion nicht eben angezeigt erscheint (damit ist keine Aussage dazu verbunden, dass ich denke, man könne sich beim Empfang der Heiligen Gaben infizieren - wohl aber meine ich, dass dies im Umfeld möglich ist).

Im Gleichschritt mit Lockerungen in sonstigen Bereichen werden auch die Gottesdienste wieder "besser" werden. Das ist alles.
1 Cor. 3:13: That is why the work of a priest is not to distribute tickets, so that people might enter Paradise; he must heal people, so that when they encounter God, God will become light and not fire to them.
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MariaM
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Re: Verbot der Hl. Kommunion in Deutschland???

Beitrag von MariaM »

Vielen Dank an euch alle für die Rückmeldungen!

OK man sein, dass ich das verzerrt oder übertrieben wahrgenommen habe... gerade was Deutschland betrifft, da ich keine direkten Informationen hatte und es gab halt bestimmte Berichte (in durchaus seriösen Medien), von denen ich ausging.

Hier in CZ ist es tatsächlich so, dass sich niemand besonders für die orthodoxen Christen und was sie machen oder nicht, interessiert.

In Griechenland gibt es aber m.E. durchaus Anzeichen für Bestrebungen, die Orthodoxie teilweise zu "kriminalisieren" bzw. in die Defensive zu drängen. Das ist aber nochmal ein anderes Thema.

Wie auch immer - ich wünsche allen einen besinnlichen Montag des Heiligen Geistes!
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Stephanie
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Re: Verbot der Hl. Kommunion in Deutschland???

Beitrag von Stephanie »

Alles gut.

Wir müssen uns nur vor Augen führen, dass wir in Staaten leben, in denen die Mehrheit Nichtgläubige sind. (Und selbst von den Getauften viele eben...nun ja... nur auf dem Papier zur Kirche gehören.) Und das spürt man natürlich. In allem. In Gesetzen und Entscheidungen. Im Umgang miteinander usw. Es liegt aber (noch) keine (staatliche) Verfolgung zu Grunde: also der Wunsch das Christentum oder die Orthodoxie zu Vernichten, sondern eine Mischung aus Unverständnis, Unwissen, Unkenntnis, Fehleinschätzung usw. Einzelne dezidiert anti-christliche Vorfälle gibt es natürlich, von atheistischen Vereinigungen, von Einzelpersonen usw., aber nicht von Amts wegen.
Ich wohne derzeit in Berlin, definitiv einer Stadt, in der die Mehrheit der Bewohner dem Christentum nicht wohlgesonnen ist. Ich darf zum Beispiel auf der Arbeit kein Kreuz tragen - Begründung: Keine religiösen/weltanschaulichen Symbole. Aber Muslima dürfen auch kein Kopftuch tragen. Es geht, auch wenn ich mich fürchterlich darüber aufgeregt habe, nicht speziell um eine Unterdrückung und Verfolgung des Christentums, sondern um den Wunsch jegliche "Religionen" außen vor zu halten bzw. ins Private zu verdrängen. Ich setze mich aber über dieses Verbot hinweg und nimm eben in Kauf, dass es Ärger gibt. Kam aber bislang noch nicht vor. Es hat niemanden gestört. Sollte es eine Klage geben, trage ich eben auch im Hochsommer ganz hochgeschlossen. ;-) Es wissen also alle, dass ich Christin bin, sie wissen sogar, dass ich in Klöstern "Urlaub" mache, manche wissen, dass ich orthodox bin und keiner regt sich auf.

Realistisch betrachtet sind wir für die meisten Bürger eine Gruppe von Menschen, die einem bestimmten "Verein" angehören, der halt "komische/antiquierte Traditionen und Vorstellungen" hat. Wahlweise Exoten oder Hinterwäldler. Sie können sich gar nicht vorstellen, was für uns die Kommunion bedeutet oder das Beiwohnen der Liturgie.
Leider. Aber man muss zumindest zugeben, dass wir in einem Zeitalter leben, in dem nicht mehr die Mehrheit der Menschen gläubig ist. (Zumindest nicht nach orthodoxem Verständnis.)

Für Griechenland kann ich nicht sprechen, denn dazu fehlen mir Informationen um auch nur ansatzweise etwas Gehaltvolles von mir zu geben.

Ich gehe aber momentan eher davon aus, dass die in Verantwortung Stehenden aufgrund einer bedrohlich klingenden Information eine Entscheidung zum Schutz und Wohl von Millionen ihnen anvertrauten Menschen treffen mussten. Ehrlich gesagt bin ich eher positiv davon überrascht, dass man nicht so einfach bereit war "Alte und Kranke" zu opfern. Das wäre zum Zeitpunkt der Entscheidung ja auch eine Option gewesen. Im Sinne: Wirtschaftlich sind die ohnehin nicht mehr produktiv, Sozialdarwinismus eben. Man entschied sich aber, die Schwachen in der Bevölkerung zu schützen. Und das wiederum lässt mich durchaus hoffen, dass nicht alles nur unter ökonomischen Aspekten beurteilt wird. Dass es stellenweise wohl überzogene Maßnahmen waren...nun...das lässt sich hinterher eben leicht sagen. Aber zum Zeitpunkt einer drohenden Krise/Katastrophe weiß man ja nie, wie es ausgeht. Man hat bestimmte Informationen zur Verfügung und dann muss man entscheiden. Später weiß man dann, ob die Einschätzung oder die Entscheidung richtig war oder nicht. Aber leider eben erst hinterher.

Wir sollten etwas mehr Milde mit unseren Entscheidungsträgern walten lassen. Sie sind auch nur Menschen. ICH möchte jedenfalls nicht über Wohl und Wehe von Millionen Menschen entscheiden müssen. :-/
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