Deutsche Sprache im Gottesdienst

Die deutschsprachige Orthodoxie stellt sich vor
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Doxa_Si
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Deutsche Sprache im Gottesdienst

Beitrag von Doxa_Si »

Ich glaube, wir sind an dem Punkt angelangt, wo die orthodoxen Christen, die Interesse am Gebrauch der deutschen Sprache haben, eigene Gemeinden gründen müssen. Denn die Bereitschaft, alle Liturgien zur Hälfte auf Deutsch zu machen, gibt es leider nur bei den Patriarchaten von Antiochien und Bulgarien. Dass auch zumindest die junge, hier aufgewachsene Generation vom Menschen aus orthodoxer Familie kaum Altgriechisch oder Kirchenslawisch versteht, sehen leider viele nicht ein. Umso trauriger, da man damit wirklich riskiert, die junge Generation zu verlieren.

Die Berliner "Gemeinde" von Vater Michail (Rahr) scheint mir ja leider auch nur eine deutschsprachige Monatsliturgie zu sein. Es gibt aber auch positive Beispiele: In Balingen gibt es eine wunderbare neue, recht junge Gemeinde unter Leitung von Vater Michael (Buk). Beim Besuch von Erzbischof Gabriel war ich dort, und muss sagen, ich bin sehr beeindruckt vom Engagement des (übrigens unbezahlten) Priesters, seiner Frau und der ganzen Gemeinde. So etwas ist auch in anderen Städten Deutschlands möglich, zum Beispiel auch in Berlin. Erzbischof Gabriel sagte, wenn eine ernsthafte Gruppe an ihn herantritt, kann er die Bildung einer neuen Gemeinde segnen und einen Priester weihen. Das geht durchaus auch schon mit 15 Leuten.
Nikolaj
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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Nikolaj »

Hallo Doxa_Si,

es sind nicht nur Bulgaren und Antiochener - besuch doch mal z. B. die Russisch-Orthodoxen (MP) Gemeinden in

Würzburg, http://rok-wuerzburg.de/
Der leider zu früh entschlafene V. Peter war Deutscher, der vieles im Gottesdienst (die meisten?) auf deutsch abgehalten hat.

Mainz, http://www.mainz-orthodoxie.de/
V. Johannes ist ebenfalls ein Deutscher. Vieles ist bei ihm in deutscher Sprache und er ist sehr aktiv an der Übersetzung der Liturgie in die deutsche Sprache beteiligt.

Bischofsheim/Rhön, http://www.orthodoxe-kirche-bischofsheim.de
V. Fjodor ist ebenfalls ein Deutscher und hält jeden Samstag eine Vesper mit 50-70% der Texte auf deutsch, Liturgie ist zweisprachig mit ca. 50% auf deutsch.

Hamburg http://www.deutsch-orthodox.de/
Nennt sich schon deutsch-orthodox - ist ebenfalls Moskauer Patriarchat.

Das sind dann schon 5 (inkl. V. Michael Rahr), die mir aus dem Stegreif ins Gedächtnis kommen. Es sind aber sicherlich viele andere die das auch tun.

Ein richtiger Schritt wäre, dass Deutsche, die die Orthodoxie annehmen sich in den Gemeinden beteiligen, indem Sie den Pfarrer ansprechen und fragen, ob er vielleicht auch etwas mehr deutsche Texte verwenden könnte. Auch wäre es doch möglich, dass man vielleicht anbietet einige Texte selbst auf deutsch zu lesen. Sehr einfach zu lösen, bei Psalmen (z. B. währen der Stunden), Paremien, Epistel... Dazu bräuchte man nicht einmal einen Chor der deutsch singen könnte.

Nicht nur neue Gemeinden gründen. Wie wäre es denn, wenn orthodoxe Gemeinden in einer Stadt, zusammen die Gottesdienste feiern würden? Diese wären dann auf griechisch, slawisch, deutsch, georgisch, serbisch... Automatisch würde dann deutsch als gemeinsame Sprache an die erste Stelle rutschen, die Gemeinden wären größer. Der zweiter Schritt wäre dann die Mission in den nächstgelegenen Ortschaften.

PS: Wir in Trier haben nicht viele Deutsche Mitglieder aber halten trotzdem Epistel und Evangelium zweisprachig (k.-slawisch und deutsch), mehrere Ektenien auf deutsch und wenn wir mehr deutsche in der Kirche haben würden wir gerne noch mehr auf deutsch machen.

Und betreffend der Bezahlung, sind es leider die meisten Priester die keine Bezahlung bekommen in Deutschland. Das wäre ein weiterer Punkt um die Orthodoxie in Deutschland voran zu bringen. Ein Priester der durch seinen Dienst genug Mittel zum Leben hat und seine Familie ernähren kann könnte noch mehr Zeit investieren um Mission zu betreiben. Ideal wäre doch wenn jede Gemeinde einen Priester, Diakon und 1-2 Kirchendiener/Lektoren/Sänger bezahlen könnte!
Doxa_Si
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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Doxa_Si »

Im Moskauer Patriarchat gibt es durchaus die Möglichkeit, Dinge auch auf Deutsch zu machen. Was es nicht gibt, ist einen Beschluss der Diözese, der für alle Gemeinden gilt. Den gibt es nur bei den 2 erwähnten Jurisdiktionen. Ein solcher Beschluss wäre aber für alle Jurisdiktionen in Deutschland sinnvoll.

Mein Hauptwohnsitz Frankfurt am Main hat übrigens einen Moskauer Priester, der der deutschen Sprache kaum mächtig ist. Besser sieht es bei den Auslandsrussen aus, da ist auch einmal im Monat sonntags deutsch.

Was V. Michail in Weimar sprachlich macht, weiss ich nicht. Die "deutsche" Gemeinde in Hamburg existiert aber de facto nicht mehr, und bei Ioann Kronstadtski in der selben Stadt gibt es reines Kirchenslawisch. In Würzburg hat der Gebrauch der deutschen Sprache abgenommen. Sogar in Mainz, wo der deutsche Priester noch lebt, ist man wohl von ca. 80 auf 50% runtergegangen und hat den Alten Kalender eingeführt. In Neuss, der Moskauer Gemeindegründung von Vater Sergius Heitz, wird überhaupt kein Deutsch mehr benutzt.

Insgesamt ist die deutsche Sprache in MP in Deutschland leider am Abnehmen. Das finde ich ganz besonders tragisch, da es hier viele Frauen gibt, die mit nichtorthodoxen Männern verheiratet sind. Durch die deutsche Sprache könnte man Ehemännern und Kindern die Orthodoxie vermitteln.

Gemeinsam zelebrieren ist eine schöne Sache, das machen wir auch in Frankfurt mindestens 2 mal pro Jahr. Das kann aber Gemeinden, die die deutsche Sprache in der regulären Liturgie benutzen, nicht ersetzen. Und wie gesagt, Deutsch ist nicht nur für Konvertiten, sondern auch für die junge, hier aufgewachsene Generation.

Geld sehe ich nicht als Wundermittel. Gerade ehrenamtliche Priester sind oft sehr engagiert.
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Priester Alexej
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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Priester Alexej »

In MP hat der gebrauch der deutschen Sprache im Durchschnitt nicht abgenommen, in fast allen Gemeinden werden wenigsten kleinere Teile in deutsch Zelebriert, immer wieder höre ich von Samstagen oder Sonntagen, bei denen der Gottesdienst komplett auf Deutsch gehalten wird (z.B. Düsseldorf bei Erzb. Longin). Der gebrauch des Deutschen hat in den rein-deutschen Gemeinden abgekommen, aus einem ganz bestimmten Grund - die wenigsten deutschen Interessieren sich für die Orthodoxie.
Doxa_Si hat geschrieben:Ein solcher Beschluss wäre aber für alle Jurisdiktionen in Deutschland sinnvoll.
Schauen wir uns doch die Fakten an. In Mainz wurde 17 Jahre lang neuer Kalender + 100% deutsch zelebriert. In dieser Zeit bestand die Gemeinde aus 20-30 Mitgliedern am Sonntag im Gottesdienst. Seit 2-3 Jahren gibt es hier den alten Kalender und 80% deutsch - siehe da, die Gemeinde ist 3 bis 4 Mal so groß geworden, binnen 2-3 Jahren. Würde der Priester russisch sprechen, wäre die Gemeinde heute noch größer. Mann kann vieles annehmen und ausdiskutieren, aber die Fakten zeigen nunmal ein anderes Bild. Wir dürfen uns nicht Visionen hingeben, sondern des Gottesdienst gemäß der pastoralen Notwendigkeit gestalten. Deshalb gibt es im MP auch keinen solchen Beschluß, jede Gemeinde entscheidet nach ihrer eigenen Situation.

Ich persönlich bin der Meinung, dass es in einer normalen MP Gemeinde 20-50% des Gottesdienstes auf deutsch sein sollten, für die Kinder und alle anderen, die kein oder wenig russisch sprechen. In Zukunft könnte es mehr werden, aber wenn es heute mehr wird, dann bleiben die Russen weg, die den Großteil der Gemeinde bilden. Wem nützt das?
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.
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Igor
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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Igor »

Grüß Gott!
Alexej hat geschrieben:Ich persönlich bin der Meinung, dass es in einer normalen MP Gemeinde 20-50% des Gottesdienstes auf deutsch sein sollten, für die Kinder und alle anderen, die kein oder wenig russisch sprechen. In Zukunft könnte es mehr werden, aber wenn es heute mehr wird, dann bleiben die Russen weg, die den Großteil der Gemeinde bilden. Wem nützt das?
Das sehe ich genau so. Dies ist aktuell realistisch und angemessen. Natürlich könnte man ggf. auch im Monat einmal vollständig auf deutsch zelebrieren.

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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Doxa_Si »

Die Gemeinde in Mainz ist kontinuierlich gewachsen. Der kleine Schub (ca 20 Personen mehr, nicht Verdreifachung oder so), der durch Alten Kalender und mehr Russisch gekommen ist, kam nicht von den bisher Unkirchlichen, sondern es handelt sich hauptsächlich um Gemeindewechsler aus Wiesbaden.

Ich bin nicht gegen den Gebrauch der russischen Sprache (wobei sich nochmal die Frage stellt, russisch oder kirchenslawisch). Aber in Deutschland ist es angemessen, die Landessprache zumindest zur Hälfte zu verwenden. Gerade bei den Serben, teils auch bei den Griechen, bleibt inzwischen oft die Jugend weg, weil sie nichts versteht. Im MP gibt es noch mehr Menschen erster Generation, trotzdem wird man auch in diese Lage kommen. Auch für Migranten selbst ist der Gebrauch der deutschen Sprache sinnvoll, da sie dadurch religiöses Vokabular in deutscher Sprache erlernen können.Deshalb sollte mindestens 50% für alle gelten. Und die Priester, die kein Deutsch können, sollen es lernen.

Im Übrigen sollten alle Orthodoxen auch ihre Freunde mal in die Kirche mit einladen. Einige werden gerne wiederkommen und vielleicht auch orthodox werden. Auch das geht natürlich am besten, wenn ganz oder zu einem wichtigen Teil Deutsch gesprochen wird.

Und dass man mich richtig versteht bitte: Mir geht es um die Verwendung der Landessprache, das kann auch Schwedisch, Französisch oder sonst etwas sein. Eine "nationale Orthodoxie" will ich gerade nicht.
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Elias
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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Elias »

Alexej hat geschrieben: Schauen wir uns doch die Fakten an. In Mainz wurde 17 Jahre lang neuer Kalender + 100% deutsch zelebriert. In dieser Zeit bestand die Gemeinde aus 20-30 Mitgliedern am Sonntag im Gottesdienst. Seit 2-3 Jahren gibt es hier den alten Kalender und 80% deutsch - siehe da, die Gemeinde ist 3 bis 4 Mal so groß geworden, binnen 2-3 Jahren. Würde der Priester russisch sprechen, wäre die Gemeinde heute noch größer. Mann kann vieles annehmen und ausdiskutieren, aber die Fakten zeigen nunmal ein anderes Bild.
Gerade das ist auch mein Kritikpunkt, wenn man eine 17 Jahre alte gut Funktionierende deutschsprachige Gemeinde hatte und sie binnen drei Jahren nur um die Zahlen zu vergroessern auf Russisch oder Kirchenslavisch umschwenkt und dabei Riskiert das die deutschsprachigen Gemeinden hier aussterben und die Orthodoxe Kirche weiter Kirche fuer Auslaender bleibt! Siehe Neuss oder Wuerzburg. In Bremen bei uns sehe ich wirklich grosse Probleme bei den Serben und auch keine Einsicht da die nationale Identitaet ja in Gefaht sei und dabei sind die Serben sprachlich besser Intigriert als viele in den Russischen Gemeinden! Mit solchen Aktionen bemerken wir nicht das wir die deutschsprachigen Inseln in unserem Land verlieren, nein wir Riskieren sie sogar. Gemeinden fuer Rusischsprachige gibt es doch genug aber eine kirchliche Heimat fuer orthodoxe die die deutschesprache benutzen um ihre Identitaet mit dem Glauben in Einklang zu bringen wollen gibt es kaum...

LG
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Igor
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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Igor »

Grüß Gott!
Ilija hat geschrieben:... und dabei sind die Serben sprachlich besser Intigriert als viele in den Russischen Gemeinden!
Solche Aussagen sind aus der Luft gegriffen. Nur Fakten zählen, nicht Behauptungen.
Ilija hat geschrieben:Mit solchen Aktionen bemerken wir nicht das wir die deutschsprachigen Inseln in unserem Land verlieren, nein wir Riskieren sie sogar. Gemeinden fuer Rusischsprachige gibt es doch genug aber eine kirchliche Heimat fuer orthodoxe die die deutschesprache benutzen um ihre Identitaet mit dem Glauben in Einklang zu bringen wollen gibt es kaum...
Dann stellt sich unmittelbar die Frage, warum in Jahrzehnten diese Inseln nicht zu Kontinenten geworden sind - bevor die Immigranten in die Gemeinden kamen. Die hast Du nicht beantwortet.

Um mich nicht falsch zu verstehen: Ich hätte es auch lieber so, wie es sich hier viele wünschen, aber wir müssen uns halt der Realität stell
en und die ist eben, dass der Anteil der ethnischen Deutschen in den orthodoxen Gemeinden im Promille- bis Prozentbereich liegt. Hier ist folglich etwas Geduld von Nöten, verbunden mit der Gewissheit, dass auch die immigrierten orthodoxen Gläubigen schon aus Gründen der Generationenabfolge immer stärker die Sprache dieses Landes sprechen und so diese dann auch in den Gottesdiensten stärker praktiziert wird, was wiederum auch eine gewisse Ausstrahlung auf unsere deutschsprachige Gesellschaft haben wird.

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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Matwej »

Lieber Ilija,
Ilija hat geschrieben: man eine 17 Jahre alte gut Funktionierende deutschsprachige Gemeinde hatte und sie binnen drei Jahren nur um die Zahlen zu vergroessern auf Russisch oder Kirchenslavisch umschwenkt
komm doch mal nach Mainz und informiere dich mal bevor du solche Behauptungen aufstellst !
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Elias
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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Elias »

Matwej hat geschrieben:Lieber Ilija,
Ilija hat geschrieben: man eine 17 Jahre alte gut Funktionierende deutschsprachige Gemeinde hatte und sie binnen drei Jahren nur um die Zahlen zu vergroessern auf Russisch oder Kirchenslavisch umschwenkt
komm doch mal nach Mainz und informiere dich mal bevor du solche Behauptungen aufstellst !
Ich bitte um entschuldigung, ich habe meine Ausfuehrungen nicht vervolstaendigt :oops: Ich meinte nicht das jetz Russisch Hauptsprache wird sondern das die Befuerchtungen sehr gross sind das in Mainz spaeter genauso das passieren kann wie in Neuss oder anderswo wo es urspruenglich deutschsprachige Gemeinden gab! Wenn man moechte das aus Inseln Kontinente wird, gilt hier auch der gleiche Spruch, bitte um etwas Geduld! Natuerlich sind seit den 90 er Jahren viele Emigranten hierhergekommen und um die muss sich auch gekuemmert werden, das ist keine Frage aber man sollte die Inseln schon achten den die deutschen Orthodoxen (Die Deutschsprachigen) sind auch Orthodoxe und deren Wuensche sollten auch erhoert und geachtet werden. Das die Serben sprachlich besser in Deutschland integriert sind ist nicht einfach aus der Luft gegriffen sondern beruhen auf eigene Erfahrungen, die allerdings eher auf dem Norden dieser Republik begrenzt sind und damit nicht allgemein gueltig ist. Ich hatte vorhin keine Zeit um zu Kontrolieren was ich geschrieben habe und daher war es etwas unvollstaendig (Die Frauen hier haben mich aus dem Zimmer geworfen!...Die einzige Chance fuer den erhalt und die Gruendung neuer Gemeinden sehe ich auch derzeit nur im Exarchat wobei ich die Zweisprachlichkeit in den Gottesdiensten bevorzuge und zwar auch dort wo keine ethnisch deutschen sind den oft fehl einfach die Anreize fuer solchen Besuch den die Landessprache sollte keine Ausnahme sein oder nur wenn gewuenscht sondern Standart. Manchmal frage ich mich, was in Frankreich oder England oft Diozoesenuebegreifend funktioniert, warum funktioniert das bei uns nicht?
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Elias
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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Elias »

Matwej hat geschrieben:Lieber Ilija,
Ilija hat geschrieben: man eine 17 Jahre alte gut Funktionierende deutschsprachige Gemeinde hatte und sie binnen drei Jahren nur um die Zahlen zu vergroessern auf Russisch oder Kirchenslavisch umschwenkt
komm doch mal nach Mainz und informiere dich mal bevor du solche Behauptungen aufstellst !
Das war uebrigens nicht meine Behauptungen sondern das was Diakon Alexej geschrieben hat nur das ich den Fehler gemacht habe und aus dem Prozentsatz Russisch auf ganz Russisch gemacht habe. Mein Fehler :oops:
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Priester Alexej
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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Priester Alexej »

Ilija hat geschrieben:
Matwej hat geschrieben:Lieber Ilija,
Ilija hat geschrieben: man eine 17 Jahre alte gut Funktionierende deutschsprachige Gemeinde hatte und sie binnen drei Jahren nur um die Zahlen zu vergroessern auf Russisch oder Kirchenslavisch umschwenkt
komm doch mal nach Mainz und informiere dich mal bevor du solche Behauptungen aufstellst !
Das war uebrigens nicht meine Behauptungen sondern das was Diakon Alexej geschrieben hat nur das ich den Fehler gemacht habe und aus dem Prozentsatz Russisch auf ganz Russisch gemacht habe. Mein Fehler :oops:
Du hast es immer noch nicht verstanden. Nichts wurde gemacht, "um die Zahlen zu vergroessern", sondern aus pastoraler Sorge um die Menschen. Du hast Vater Johannes sowie andere Gemeindemitglieder, die diese Entscheidung getroffen haben, beleidigt.

Das Ziel unserer Kirche ist es, möglichst viele Menschen zur Errettung zu führen. Dabei sind aber nicht die Zahlen wichtig, sondern jede einzelne Seele - unabhängig von ihrer Sprache und Nationalität. Deshalb versuchen wir auch einen Mittelweg zu finden, der alle zufriedenstellt. Aber wegen einer womöglich nicht erfüllbarer Vision die Russen durch die deutsche Sprache auszuschliesen ist eben auch nicht der richtige Weg.

Ich selbst war von dieser Vision einer deutschen Orthodoxie auch fasziniert, deshalb auch meine Arbeit an Orthpedia, de.bogoslov.ru, diesem Forum usw. Aber nachdem ich selbst in eine deutschsprachige Gemeinde gekommen bin und auch einige andere solche Gemeinden kennengelernt habe, bin ich auf dem Boden der Tatsachen angelangt. Es gibt die Orthodoxie in Deutschland keine 20 Jahre, sondern über 100. In dieser Zeit ist nichts außer vereinzelten Konversionen passiert. Und das ist nicht die Schuld von Griechen, Russen, Serben, das ist ein Desinteresse am Orthodoxen Glauben von der hiesigen Bevölkerung. Das hat mir übrigens ein Deutscher Orthodoxer gesagt, der schon über 30 Jahre lang orthodox ist. Er sagte mir - vor 30 Jahren waren wir begeistert und haben uns mit Eifer daran gemacht, die Frohe Botschaft den Deutschen zu verkündigen. Aber mittlerweile haben wir verstanden, dass diese sie nicht hören wollen.

In der Kirche ist jeden willkommen, ob Russe, Deutscher oder Afroamerikaner. Wer aber nicht will - der will nicht. Vielleicht gibt es auch eine Zukunft für eine deutsche Orthodoxie, aber dazu bedarf es eines Missionars, der den Zugang zu der deutschen Mentalität findet. Und wenn in der Gemeinde dann 50 deutschsprachige Mitglieder sind, wird sich die Frage nach der Sprache garnicht stellen. Eine andere Sache ist, dass es für die deutsche Sprache eine Zukunft in der Orthodoxie gibt, für die Menschen, die nicht mehr genug ihre eigene Sprache beherrschen, und das werden auch unter den Ausländern immer mehr. Das sagte auch Erzbischof Mark, der ja auch ein Deutscher ist. Er sagte - heute müssen wir in den Gemeinden alles tun, um die russische Sprache zu erhalten, und alles vorbereiten um in XX Jahren aufs Deutsche überzugehen.
Ilija hat geschrieben: Manchmal frage ich mich, was in Frankreich oder England oft Diozoesenuebegreifend funktioniert, warum funktioniert das bei uns nicht?
Weil wir eine andere Situation haben? Weil dazu keine Notwendigkeit besteht?
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.
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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Lazzaro »

Lieber Ilija!
Lieber Doxa si!
Ich hatte gerade wegen Reperaturarbeiten eine Woche Computerabstinenz.
Wo habt ihr die die Informationen über die Sprachenwahl in Würzburg her?

Ich habe nach wie vor sehr gute Kontakte dorthin und kann daher folgendes sagen:
Etwa 80-90% der Besucher haben russische Umgangssprache und der Gottesdienst ist je zur Hälfte altslavisch, bei bibl. Lesungen auch russisch, und zur anderen Hälfte auf Deutsch. Diese 50% : 50% Regelung wird sehr streng (=tedesco quadrato) eingehalten und gilt für feststehende wie wechselnde Texte gleichermaßen.
Lazarus
Cantábiles mihi erant justificatiónes tuæ, * in loco peregrinatiónis meæ. - Ps.118:54
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Elias
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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Elias »

Lazzaro hat geschrieben:Lieber Ilija!
Lieber Doxa si!
Ich hatte gerade wegen Reperaturarbeiten eine Woche Computerabstinenz.
Wo habt ihr die die Informationen über die Sprachenwahl in Würzburg her?

Ich habe nach wie vor sehr gute Kontakte dorthin und kann daher folgendes sagen:
Etwa 80-90% der Besucher haben russische Umgangssprache und der Gottesdienst ist je zur Hälfte altslavisch, bei bibl. Lesungen auch russisch, und zur anderen Hälfte auf Deutsch. Diese 50% : 50% Regelung wird sehr streng (=tedesco quadrato) eingehalten und gilt für feststehende wie wechselnde Texte gleichermaßen.
Lazarus
Lieber Lazzaro, mir bitte nix in die Schuhe schieben, ich habe mich zu Wuerzburg nicht geaussert und weiss daher auch nix darueber! Ich habe nur meine Besorgnis geaussert ueber das aussterben mancher deutschsprachiger Gemeinden und mich darum gesorgt das dies auch weiter passieren kann damit kleine Inseln bestehen bleiben! 50 50 Regel finde ich gut und das machen wir in unsere Antiochenischen Gemeinde auch. Kein Problem damit...

Lieber D. Alexej, ich habe dein Text noch nicht gelesen aber mir eine Beleidigung zu unterstellen finde ich geht etwas zu weit. Ich aussere meine Meinung und die lasse ich mir auch nicht nehmen. Ich erhebe kein Absolutheitsanspruch und behaupte auch nicht das ich alles richtig zitiere aber im uebrigen habe ich mich nur auf deine Worte gestuetzt. Du hast von Pastorale Notwendigkeit gesprochen und ich spreche davon das es eine Gefahr ist fuer eine Gemeinde die den Anspruch hat deutschsprachig zu sein! Wer das gewollt und beschlossen hat, habe ich mich nicht dazu geaussert sondern nur meine Besorgniss kund getan, weil ich die Geschichten anderer Gemeinden kenne und sehen kann!

#Schauen wir uns doch die Fakten an. In Mainz wurde 17 Jahre lang neuer Kalender + 100% deutsch zelebriert. In dieser Zeit bestand die Gemeinde aus 20-30 Mitgliedern am Sonntag im Gottesdienst. Seit 2-3 Jahren gibt es hier den alten Kalender und 80% deutsch - siehe da, die Gemeinde ist 3 bis 4 Mal so groß geworden, binnen 2-3 Jahren. Würde der Priester russisch sprechen, wäre die Gemeinde heute noch größer. Mann kann vieles annehmen und ausdiskutieren, aber die Fakten zeigen nunmal ein anderes Bild.#
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Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin

Beitrag von Doxa_Si »

Alexej hat geschrieben:Es gibt die Orthodoxie in Deutschland keine 20 Jahre, sondern über 100. In dieser Zeit ist nichts außer vereinzelten Konversionen passiert. Und das ist nicht die Schuld von Griechen, Russen, Serben, das ist ein Desinteresse am Orthodoxen Glauben von der hiesigen Bevölkerung. Das hat mir übrigens ein Deutscher Orthodoxer gesagt, der schon über 30 Jahre lang orthodox ist. Er sagte mir - vor 30 Jahren waren wir begeistert und haben uns mit Eifer daran gemacht, die Frohe Botschaft den Deutschen zu verkündigen. Aber mittlerweile haben wir verstanden, dass diese sie nicht hören wollen.
Du hast das deutsche Volk beleidigt.

Mal im Ernst, es gibt blühende muttersprachliche Gemeinden in Ländern, die viel atheistischer sind als Deutschland (z.B. Frankreich und Tschechien). Wir haben bis jetzt viel zu wenig (oder gar keine?) systematische und wissenschaftlich fundierte Mission betrieben. Wir sollten uns als hüten, die Deutschen zu verteufeln, sondern, wie es uns die Heiligen Väter lehren, unsere eigenen Sünden betrachten und nicht unseren Nächsten verurteilen.

Deutschsprachige orthodoxe Literatur zugänglich zu machen ist sehr wichtig. Die Orthpedia hat dazu schon einen wichtigen Beitrag geleistet. Aber auch sonst kann man einiges machen. Zum Beispiel machen in Frankfurt und Mainz die Muslime Infostände in den Fußgängerzonen, Tage der Offenen Tür etc., wäre das nicht etwas, was auch Orthodoxe tun könnten?

Man könnte auch zu offenen Vorträgen, Bibelabenden oder ähnlichem einladen, die aus orthodoxer Sicht von einem Priester oder theologisch gebildeten orthodoxen Laien gehalten werden, sich aber an alle Menschen richten. Da kommen so viele Themen in Frage: Ehe, Kinderrziehung, Umgang mit dem Tod...
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