Orthodoxie und Protestantismus

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
Forumsregeln
Forumsregeln Impressum
peter
Beiträge: 440
Registriert: 01.08.2006, 13:58
Religionszugehörigkeit: (russisch-) orthodox
Wohnort: Berlin

Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von peter » 08.07.2011, 19:57

Lieber Joseph,

I full agree, und füge als Paläo-Protestant mit Dante hinzu: "Lasciate ogni speranza". Bischöfinnen, Frauenordination, Schwulen-pfarrhäuser, Rockmessen, Konzerte statt Gottesdienste, Dialog- und Toleranzindustrie ... Eu-angelos!

peter
"Selig sind die, die nicht gesehen und doch geglaubt haben" (Joh. 20,31)

Benutzeravatar
Elias
Diakon
Beiträge: 711
Registriert: 17.12.2008, 18:08
Religionszugehörigkeit: Georgisch-Orthodox

Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Elias » 08.07.2011, 20:30

Joseph hat geschrieben:
Nikolaj hat geschrieben:Der Dialog wird ja auch mit den Orientalen geführt, nur sind wir theoretisch näher mit der katholischen Kirche verbunden als mit den Orientalen. Leider trennt uns praktisch aber viel mehr mit der Katholischen Kirche als mit den Orientalen. Die Letzteren haben viel aus der Orthodoxie beibehalten, verstehen aber die Natur Christi etwas anders als wir.
Nikolaj, wir hatten dieses Thema hier schon mal vor ein oder zwei Jahren. Ich hatte damals alle ofiziellen Dokumente verlinkt welche eindeutig aussagen, daß ALLE Orthodoxen Kirchen und ALLE Oriental-Orthodoxen Kirchen in Fragen der Christologie keinerlei Uneinigkeit mehr haben. Ich habe leider keine Zeit das alles wieder heraus zu kramen, verweise Dich aber auf diese Webseite http://www.orthodoxunity.org/official.php wo die meisten Dokumente einsichtbar sind. Eine komplette de-facto Vereinigung wird heute nur von Konstantinopel aufgehalten (welches ebenfalls diese Dokumente über die Christologie unterschrieben hat) und zwar aus administrativen Gründen als da sind: die "doppel" Besetzung von patriarchalen Thronen in Alexandria, Jerusalem, und Antioch. Ausserdem spielen da gewichtige finanzielle Fragen (Immobilien) mit hinein. Wie Du aus den Dokumenten im Link "Pastoral Agreement between Coptic and Greek Patriarchates of Alexandria - 2001 (Text)" ersehen kannst ist aber eine weitgehende Zusammenarbeit, zumindest in Alexandria schon vorgegeben.

Ausserdem "trennt" uns theoretisch und praktisch viel mehr von den Katholiken als den Oriental-Orthodox. Wir haben, zumindest in Jerusalem und in Antioch fast denselben byzantinischen Ritus welchen die Orthodoxen zelebrieren (örtliche Unterschiede sind natürlich gegeben), Alexandria hat den koptischen Ritus welcher auf St. Markus zurück geht. Theologisch sind wir vereinigt, und wie ich schon damals im Forum, mit Bildern, nachwies, feiern wir in NA (zumindest mit den Kopten) gemeinsame Liturgien, Feste der Orthodoxie und haben enge Beziehungen zwischen unseren Pfarreien und Klöstern. Mir ist aber auch bewußt, daß diese Dinge, welche schon seit den 1990ger Jahren gelöst sind, sich nicht überall in der Orthodoxen Welt herum gesprochen haben.

Was uns von den Katholiken trennt, und immer noch trennt ohne das ein Ende abzusehen ist, sind die selben Fragen welche uns seit tausend Jahren von ihnen trennen (sie wohnen nur näher an uns dran).... Ich glaube nicht, daß ich sie hier noch einmal aufzählen muss.
Gespräche laufen ja mit allen Konfessionen. Ökumene verstehe ich als Mission, d.h. die Gespräche die man gemeinsam führt sind eine Chance um Protestanten, Katholiken und allen anderen die Orthodoxie zu zeigen. Der einfachste Schritt einer Vereinigung ist, dass alle Christen einfach orthodox werden. :D
Der einzige "Zweck" der "Ökumene" ist, aus Orthodoxer Sicht, die Rückkehr der Schismatiker in die wahre Kirche. Das ist aber keine "Ökumene" sondern Mission und wir sollten das auch ehrlicherweise so nennen. Ich bin gegen die sogenante "Ökumene" aus dem einzigen Grund weil hier mit unehrlichen Worten Sand in die Augen der anderen gestreut wird. Für Die Orthodoxe Kirche kann der einzige Grund zu Geprächen mit anderen Christen nur in deren Heimführung in die Orthodoxie liegen.... es ist unmöglich, daß die OK sich den Irrlehren der Protestanten oder der Katholiken annähern wird oder kann... Daher stimme ich mit Deiner Einschätzung der Lage: "...dass alle Christen einfach orthodox werden" sollten zu.

Gruß
Joseph
Die Antiochenische und die Syrische Kirche erlauben ihren Gläubigen auch gegenseitig die Sakramente... Eine Kircheneinheit ist das noch nicht aber ein Verweis darauf das uns Theologisch wohl nix trennt!!! Die Armenier sind (leider) noch eine andere Geschichte...Würde mich auch freuen wenn es dort voran ginge aber die sind und bleiben leider Stur...

Benutzeravatar
Joseph
Beiträge: 593
Registriert: 15.12.2008, 21:43
Religionszugehörigkeit: OCA

Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Joseph » 09.07.2011, 00:22

Ilija hat geschrieben:Die Antiochenische und die Syrische Kirche erlauben ihren Gläubigen auch gegenseitig die Sakramente... Eine Kircheneinheit ist das noch nicht aber ein Verweis darauf das uns Theologisch wohl nix trennt!!! Die Armenier sind (leider) noch eine andere Geschichte...Würde mich auch freuen wenn es dort voran ginge aber die sind und bleiben leider Stur...
Gute Freunde von mir sind Syriac-Aramäisch und wir feiern auch manchmal zusammen in ihrer Kirche (USA, Florida) und sie in unserer.... Ich hatte damals auch nach den Armeniern gesucht, aber konnte nichts finden. (Der Katholikos ist aber ein Signatant. Da gibt es aber anscheinend mehrere, denn die haben sich gespalten). Auch gibt es hier in Vancouver nur eine kleine armenische Kirche welche sich mit niemandem und an nichts beteiligt....

Gruß
Joseph
Wenn die Menschen gottlos werden, sind die Regierungen ratlos, die Lügen grenzenlos, die Schulden zahllos, die Besprechungen ergebnislos, die Aufklärung hirnlos, die Politiker charakterlos, die Christen gebetslos, die Kirche kraftlos, die Völker friedlos, die Verbrechen maßlos
(Antoine de Saint-Exupery)

Benutzeravatar
Florianklaus
Beiträge: 248
Registriert: 22.06.2010, 14:39
Religionszugehörigkeit: katholisch

Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Florianklaus » 09.07.2011, 10:30

Joseph hat geschrieben:
Ilija hat geschrieben:Die Antiochenische und die Syrische Kirche erlauben ihren Gläubigen auch gegenseitig die Sakramente... Eine Kircheneinheit ist das noch nicht aber ein Verweis darauf das uns Theologisch wohl nix trennt!!! Die Armenier sind (leider) noch eine andere Geschichte...Würde mich auch freuen wenn es dort voran ginge aber die sind und bleiben leider Stur...
Gute Freunde von mir sind Syriac-Aramäisch und wir feiern auch manchmal zusammen in ihrer Kirche (USA, Florida) und sie in unserer.... Ich hatte damals auch nach den Armeniern gesucht, aber konnte nichts finden. (Der Katholikos ist aber ein Signatant. Da gibt es aber anscheinend mehrere, denn die haben sich gespalten). Auch gibt es hier in Vancouver nur eine kleine armenische Kirche welche sich mit niemandem und an nichts beteiligt....

Gruß
Joseph

Was bitte ist ein Signatant?

Benutzeravatar
Joseph
Beiträge: 593
Registriert: 15.12.2008, 21:43
Religionszugehörigkeit: OCA

Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Joseph » 10.07.2011, 20:30

Florianklaus hat geschrieben:Was bitte ist ein Signatant?
Mmmmh, eine andere fantasiereiche neu-deutsche Wortschöpfung von mit der Absicht Dich in die Irre zu führen, hahaha
Hier ist die Flow Chart meiner "Logik", Signatant = Signature (Unterschrift), einer der unterschrieben hat = Signatant? oder weiblich Signatante? Oder wenn man im Langescheid nachschaut "signer" = Unterzeichner... Aber ich finde meine Wortschöpfung kreativer....

Gruß
Joseph
Wenn die Menschen gottlos werden, sind die Regierungen ratlos, die Lügen grenzenlos, die Schulden zahllos, die Besprechungen ergebnislos, die Aufklärung hirnlos, die Politiker charakterlos, die Christen gebetslos, die Kirche kraftlos, die Völker friedlos, die Verbrechen maßlos
(Antoine de Saint-Exupery)

holzi
Beiträge: 1285
Registriert: 17.12.2008, 08:29
Religionszugehörigkeit: röm. katholisch
Wohnort: Regensburg

Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von holzi » 10.07.2011, 20:59

Joseph hat geschrieben:
Florianklaus hat geschrieben:Was bitte ist ein Signatant?
Mmmmh, eine andere fantasiereiche neu-deutsche Wortschöpfung von mit der Absicht Dich in die Irre zu führen, hahaha
Hier ist die Flow Chart meiner "Logik", Signatant = Signature (Unterschrift), einer der unterschrieben hat = Signatant? oder weiblich Signatante? Oder wenn man im Langescheid nachschaut "signer" = Unterzeichner... Aber ich finde meine Wortschöpfung kreativer....
Halt, Joseph! Der Begriff Signatant als solches war mir schon geläufig. Mir ist nur nicht klar, WAS der unterschrieben hat.
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)

Benutzeravatar
Joseph
Beiträge: 593
Registriert: 15.12.2008, 21:43
Religionszugehörigkeit: OCA

Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Joseph » 10.07.2011, 21:15

holzi hat geschrieben:Halt, Joseph! Der Begriff Signatant als solches war mir schon geläufig. Mir ist nur nicht klar, WAS der unterschrieben hat.
Schon gut Holzi..... Florianklaus löst in mir immer ein klitzekleines Teufelchen aus, den Jokerdämon.... :lol:

Ich meinte den Katholikos der armenischen Kirche http://www.orthodoxunity.org/state07.php

On the Unity of the Faith
Joint Declaration of the Patriarchs of the Middle East

We give thanks to God the Father, Son and Holy Spirit for the joy of the spiritual communion which has been granted to us from on high, and which has allowed our meeting in the holy monastery of St Bishoy, Egypt, on the occasion of the Executive Committee meeting of the Middle East Council of Churches (MECC), 16-19 November 1987, on the invitation of our sister Coptic Orthodox Church which has welcomed us with goodwill.

........................

Thanks be to God that ancient controversies and rivalries have given way to a new era of sincere and open dialogue and new communal brotherhood. We pray that these most difficult and crucial times in the Middle East may stimulate all of us to see more clearly the command of our Lord Jesus Christ so that we may be one according to his will (John 10) and His prayer (John 17).

Pope Shenouda III, Coptic Orthodox Church
Patriarch Parthenios III, Orthodox Patriarchate of Alexandria
Patriarch Ignatios IV, Orthodox Church of Antioch
Catholicos Karekin II, Armenian Apostolic Church of Cilicia

Patriarch Mor Ignatius Zakka I. Iwas, Syrian Orthodox Church of Antioch,
Not present at the meeting, also expressed is accord with the statement

Gruß
Joseph
Wenn die Menschen gottlos werden, sind die Regierungen ratlos, die Lügen grenzenlos, die Schulden zahllos, die Besprechungen ergebnislos, die Aufklärung hirnlos, die Politiker charakterlos, die Christen gebetslos, die Kirche kraftlos, die Völker friedlos, die Verbrechen maßlos
(Antoine de Saint-Exupery)

holzi
Beiträge: 1285
Registriert: 17.12.2008, 08:29
Religionszugehörigkeit: röm. katholisch
Wohnort: Regensburg

Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von holzi » 10.07.2011, 22:18

Thanks!
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)

arthur
Beiträge: 172
Registriert: 29.05.2011, 16:59
Religionszugehörigkeit: russisch-orthodox im Ausland
Wohnort: Berlin

Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von arthur » 16.07.2011, 11:04

Nikolaj hat geschrieben:
Meine Frage ist in wie weit, nach immerhin 25 Jahren, haben die Lutherischen Protestanten, unter anderem, die Notwendigkeit der Sakramente anerkannt? Die apostolische Sukzession als nötigen Nachweis dafür das es sich um die wahre Heilige Kirche Christi handelt? Die Tradition als über der Bibel stehend (eigentlich die Bibel in der Tradition enthaltend) anerkannt? Den Beschluß des 7. Konzils über die Ikonen (Statuen) als verbindlich anerkannt? Homosexuelle Kleriker und Frauen-Ordination abgelehnt? Anerkannt das gute Werke nötig sind?

Wenn wir mit anderen Christen reden wollen, oder "Ökumene" betreiben wollen, dann sollten wir Orthodoxe erst einmal mit den Oriental Orthodox beginnen, dann mit den Katholiken weitermachen um dann in weiteren 500 Jahren sehen mit wem wir vielleicht, im bis dahin aufgelösten protestantischen Häuflein, noch reden könnten als eine vereinigte Kirche von Orthodoxen, Oriental-Orthodoxen und Römischen Orthodoxen.....
Der Dialog wird ja auch mit den Orientalen geführt, nur sind wir theoretisch näher mit der katholischen Kirche verbunden als mit den Orientalen. Leider trennt uns praktisch aber viel mehr mit der Katholischen Kirche als mit den Orientalen. Die Letzteren haben viel aus der Orthodoxie beibehalten, verstehen aber die Natur Christi etwas anders als wir.

Gespräche laufen ja mit allen Konfessionen. Ökumene verstehe ich als Mission, d.h. die Gespräche die man gemeinsam führt sind eine Chance um Protestanten, Katholiken und allen anderen die Orthodoxie zu zeigen. Der einfachste Schritt einer Vereinigung ist, dass alle Christen einfach orthodox werden. :D


:D :D :D :D meine Rede. !

arthur
Beiträge: 172
Registriert: 29.05.2011, 16:59
Religionszugehörigkeit: russisch-orthodox im Ausland
Wohnort: Berlin

Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von arthur » 16.07.2011, 11:16

peter hat geschrieben:Lieber Joseph,

I full agree, und füge als Paläo-Protestant mit Dante hinzu: "Lasciate ogni speranza". Bischöfinnen, Frauenordination, Schwulen-pfarrhäuser, Rockmessen, Konzerte statt Gottesdienste, Dialog- und Toleranzindustrie ... Eu-angelos!

peter
:) :) :) :) :) :smartass: :smartass: :smartass: :smartass: :smartass:

Antworten