Orthodoxie und Protestantismus

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Pjotr
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Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Pjotr » 15.11.2009, 15:05

Als Chor, der seit mehr als 50 Jahren die Gesänge der orthodoxen Kirche pflegt und mit geistlichen Konzerten sowohl in katholischen als auch in evangelischen Kirchen zu Gehör bringt, haben wir stets offene Türen und offene Ohren vorgefunden. Das Gemeinsame und Verbindende wurde stets als wesentlich bedeutsamer akzentuiert, als Unterschiedlichkeiten. Wir hoffen sehr, dass sich daran nichts ändern wird und dass Patriarch Kirill I. als oberste Autorität zu einer Entscheidung gelangt, die von größerer Toleranz geprägt ist.
Mnogaja ljeta
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Milo
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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Milo » 30.12.2009, 11:23

Hallo!

Dieses Thema ist doch nun mit der neuen Wahl der EKD Ratsvorsitzenden wieder aktuell.
Hat der Patriarch, wie Sie es sich vorgestellt haben, tolerant reagiert?

Es grüßt,

Milo

arthur
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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von arthur » 05.07.2011, 14:55

Es kann nicht mal ansatzweise einen Dialog über Ökumäne zwischen beiden Konfessionen geben.

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Mirjanin
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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Mirjanin » 05.07.2011, 15:25

Warum?
Was sie nicht verstehen können, ist das wir keine politische Partei bekämpfen, sondern die Mörder der spirituellen Kultur.

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Florianklaus
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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Florianklaus » 06.07.2011, 07:24

arthur hat geschrieben:Es kann nicht mal ansatzweise einen Dialog über Ökumäne zwischen beiden Konfessionen geben.

So? Und was ist das hier: http://www.lutheranworld.org/lwf/index. ... istie.html ?

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Igor
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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Igor » 06.07.2011, 07:35

Lieber Arthur!
arthur hat geschrieben:Es kann nicht mal ansatzweise einen Dialog über Ökumäne zwischen beiden Konfessionen geben.
Es gibt einen Dialog und zwar einen durchaus kritischen, wie wir schon in einem :arrow: Parallelstrang hier feststellten.

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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Anastasis+ » 06.07.2011, 09:48

Meine Hoffnung ist der Vater,
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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Anastasis+ » 06.07.2011, 09:48

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arthur
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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von arthur » 07.07.2011, 18:53

Mirjanin hat geschrieben:Warum?
Was denkst du warum versucht die Orthodoxe Kirche so stark auf einen Dialog( bsp Pat. Kyrill oder auch der Pat. von Konstantinopel Bartho. 2 ) mit der Katholischen Kirche einzugehen? Ich denke weil die Katholische Kirche noch ein kleinen wenig Gemeinsamkeiten mit uns hat.
Natürlich kaum aber ein wenig schon..
Zb die 7 Sakramente oder die Klerusweihen usw.
Was hat die Evangelische ,,Kirche,, mit der Othodoxen Kirche gemeinsam???
Die Evanngelische Kirche hat nur 2 Sakramente die bei uns (OK) nicht mal als welche anerkannt werden : es gibt keine Kommunion ohne Beichte,Salbung usw.. .
Und die Taufe da weiß ich nicht genau.
Die Evangelische Kirche anerkennt die Apokryphen nicht (die OK und die KK schon).
Außerdem giibt es unter den Evangelischen Christen solche Spaltungen wie zb die Calvinisten die die Kommunion nicht einmal als Leib Christi anerkennen.Außerdem jegliche Art von kirchlicher Kunst sprich Ikonographie usw einfach durchchstreichen manchmal sogar als ,,satanisch,, verurteilen.
Oder denke doch mal über so viele andere Dinge nach ..Anerkennung der Heiligen usw ...
Freue mich über eine Antwort

Arthur

arthur
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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von arthur » 07.07.2011, 18:55

Igor hat geschrieben:Lieber Arthur!
arthur hat geschrieben:Es kann nicht mal ansatzweise einen Dialog über Ökumäne zwischen beiden Konfessionen geben.
Es gibt einen Dialog und zwar einen durchaus kritischen, wie wir schon in einem :arrow: Parallelstrang hier feststellten.

In Christo
Igor
Ja,Igor aber der große Teil der OK ist gegen die Ökumäne.
Ich denke es ist auch richtig außer in den Spaltungen zwischen den OK.
Oder viell. könnte man über einige Dinge mit der Kath. sprechen aber dies darf auch nicht zu weit gehen,aber das ist schon ein anderes Thema.

arthur
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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von arthur » 07.07.2011, 18:55

Florianklaus hat geschrieben:
arthur hat geschrieben:Es kann nicht mal ansatzweise einen Dialog über Ökumäne zwischen beiden Konfessionen geben.

So? Und was ist das hier: http://www.lutheranworld.org/lwf/index. ... istie.html ?
Lies das was ich bei Igor geschrieben habe.

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Joseph
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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Joseph » 08.07.2011, 03:00

Florianklaus hat geschrieben:
arthur hat geschrieben:Es kann nicht mal ansatzweise einen Dialog über Ökumäne zwischen beiden Konfessionen geben.
So? Und was ist das hier: http://www.lutheranworld.org/lwf/index. ... istie.html ?


Gobbledygook * und 'ne Menge Spesen....

Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. unterstrich in seiner Botschaft, dass die Gemeinsame Kommission auf mittlerweile 25 Jahre “fruchtbarer und konstruktiver Zusammenarbeit” zurückblicke

Meine Frage ist in wie weit, nach immerhin 25 Jahren, haben die Lutherischen Protestanten, unter anderem, die Notwendigkeit der Sakramente anerkannt? Die apostolische Sukzession als nötigen Nachweis dafür das es sich um die wahre Heilige Kirche Christi handelt? Die Tradition als über der Bibel stehend (eigentlich die Bibel in der Tradition enthaltend) anerkannt? Den Beschluß des 7. Konzils über die Ikonen (Statuen) als verbindlich anerkannt? Homosexuelle Kleriker und Frauen-Ordination abgelehnt? Anerkannt das gute Werke nötig sind?

Wenn wir mit anderen Christen reden wollen, oder "Ökumene" betreiben wollen, dann sollten wir Orthodoxe erst einmal mit den Oriental Orthodox beginnen, dann mit den Katholiken weitermachen um dann in weiteren 500 Jahren sehen mit wem wir vielleicht, im bis dahin aufgelösten protestantischen Häuflein, noch reden könnten als eine vereinigte Kirche von Orthodoxen, Oriental-Orthodoxen und Römischen Orthodoxen.....

Ansonsten muß ich seine Allheiligkeit fragen was er denn nach all den Spesen, welche von meinen griechischen Brüdern, hier in NA, bezahlt werden, an “fruchtbarer und konstruktiver Zusammenarbeit” vorzuweisen hat. Nicht, daß ich etwa meinen Atem vor lauter Erwartung anhalten würde.....

Gruß
Joseph

* gob·ble·dy·gook/ˈgäbəldēˌgo͝ok/
Noun: Language that is meaningless or is made unintelligible by excessive use of abstruse technical terms; nonsense.
Wenn die Menschen gottlos werden, sind die Regierungen ratlos, die Lügen grenzenlos, die Schulden zahllos, die Besprechungen ergebnislos, die Aufklärung hirnlos, die Politiker charakterlos, die Christen gebetslos, die Kirche kraftlos, die Völker friedlos, die Verbrechen maßlos
(Antoine de Saint-Exupery)

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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von holzi » 08.07.2011, 08:04

Joseph hat geschrieben:Der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. unterstrich in seiner Botschaft, dass die Gemeinsame Kommission auf mittlerweile 25 Jahre “fruchtbarer und konstruktiver Zusammenarbeit” zurückblicke
Fruchtbare und konstruktive Zusammenarbeit heißt eigentlich nur, daß man zwar zu keiner Einigung gekommen ist, aber sich zumindest gut unterhalten und auch gut miteinander gespeist hat.

Mahlzeit! Es lebe der Ökumenische Dialog. Für mich bitte eine große Portion Souvlaki :chef: - und einen Liter Retsina. Prost, Kameraden! ;)
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)

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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Nikolaj » 08.07.2011, 09:02

Meine Frage ist in wie weit, nach immerhin 25 Jahren, haben die Lutherischen Protestanten, unter anderem, die Notwendigkeit der Sakramente anerkannt? Die apostolische Sukzession als nötigen Nachweis dafür das es sich um die wahre Heilige Kirche Christi handelt? Die Tradition als über der Bibel stehend (eigentlich die Bibel in der Tradition enthaltend) anerkannt? Den Beschluß des 7. Konzils über die Ikonen (Statuen) als verbindlich anerkannt? Homosexuelle Kleriker und Frauen-Ordination abgelehnt? Anerkannt das gute Werke nötig sind?

Wenn wir mit anderen Christen reden wollen, oder "Ökumene" betreiben wollen, dann sollten wir Orthodoxe erst einmal mit den Oriental Orthodox beginnen, dann mit den Katholiken weitermachen um dann in weiteren 500 Jahren sehen mit wem wir vielleicht, im bis dahin aufgelösten protestantischen Häuflein, noch reden könnten als eine vereinigte Kirche von Orthodoxen, Oriental-Orthodoxen und Römischen Orthodoxen.....
Der Dialog wird ja auch mit den Orientalen geführt, nur sind wir theoretisch näher mit der katholischen Kirche verbunden als mit den Orientalen. Leider trennt uns praktisch aber viel mehr mit der Katholischen Kirche als mit den Orientalen. Die Letzteren haben viel aus der Orthodoxie beibehalten, verstehen aber die Natur Christi etwas anders als wir.

Gespräche laufen ja mit allen Konfessionen. Ökumene verstehe ich als Mission, d.h. die Gespräche die man gemeinsam führt sind eine Chance um Protestanten, Katholiken und allen anderen die Orthodoxie zu zeigen. Der einfachste Schritt einer Vereinigung ist, dass alle Christen einfach orthodox werden. :D

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Joseph
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Re: Orthodoxie und Protestantismus

Beitrag von Joseph » 08.07.2011, 19:38

Nikolaj hat geschrieben:Der Dialog wird ja auch mit den Orientalen geführt, nur sind wir theoretisch näher mit der katholischen Kirche verbunden als mit den Orientalen. Leider trennt uns praktisch aber viel mehr mit der Katholischen Kirche als mit den Orientalen. Die Letzteren haben viel aus der Orthodoxie beibehalten, verstehen aber die Natur Christi etwas anders als wir.
Nikolaj, wir hatten dieses Thema hier schon mal vor ein oder zwei Jahren. Ich hatte damals alle ofiziellen Dokumente verlinkt welche eindeutig aussagen, daß ALLE Orthodoxen Kirchen und ALLE Oriental-Orthodoxen Kirchen in Fragen der Christologie keinerlei Uneinigkeit mehr haben. Ich habe leider keine Zeit das alles wieder heraus zu kramen, verweise Dich aber auf diese Webseite http://www.orthodoxunity.org/official.php wo die meisten Dokumente einsichtbar sind. Eine komplette de-facto Vereinigung wird heute nur von Konstantinopel aufgehalten (welches ebenfalls diese Dokumente über die Christologie unterschrieben hat) und zwar aus administrativen Gründen als da sind: die "doppel" Besetzung von patriarchalen Thronen in Alexandria, Jerusalem, und Antioch. Ausserdem spielen da gewichtige finanzielle Fragen (Immobilien) mit hinein. Wie Du aus den Dokumenten im Link "Pastoral Agreement between Coptic and Greek Patriarchates of Alexandria - 2001 (Text)" ersehen kannst ist aber eine weitgehende Zusammenarbeit, zumindest in Alexandria schon vorgegeben.

Ausserdem "trennt" uns theoretisch und praktisch viel mehr von den Katholiken als den Oriental-Orthodox. Wir haben, zumindest in Jerusalem und in Antioch fast denselben byzantinischen Ritus welchen die Orthodoxen zelebrieren (örtliche Unterschiede sind natürlich gegeben), Alexandria hat den koptischen Ritus welcher auf St. Markus zurück geht. Theologisch sind wir vereinigt, und wie ich schon damals im Forum, mit Bildern, nachwies, feiern wir in NA (zumindest mit den Kopten) gemeinsame Liturgien, Feste der Orthodoxie und haben enge Beziehungen zwischen unseren Pfarreien und Klöstern. Mir ist aber auch bewußt, daß diese Dinge, welche schon seit den 1990ger Jahren gelöst sind, sich nicht überall in der Orthodoxen Welt herum gesprochen haben.

Was uns von den Katholiken trennt, und immer noch trennt ohne das ein Ende abzusehen ist, sind die selben Fragen welche uns seit tausend Jahren von ihnen trennen (sie wohnen nur näher an uns dran).... Ich glaube nicht, daß ich sie hier noch einmal aufzählen muss.
Gespräche laufen ja mit allen Konfessionen. Ökumene verstehe ich als Mission, d.h. die Gespräche die man gemeinsam führt sind eine Chance um Protestanten, Katholiken und allen anderen die Orthodoxie zu zeigen. Der einfachste Schritt einer Vereinigung ist, dass alle Christen einfach orthodox werden. :D
Der einzige "Zweck" der "Ökumene" ist, aus Orthodoxer Sicht, die Rückkehr der Schismatiker in die wahre Kirche. Das ist aber keine "Ökumene" sondern Mission und wir sollten das auch ehrlicherweise so nennen. Ich bin gegen die sogenante "Ökumene" aus dem einzigen Grund weil hier mit unehrlichen Worten Sand in die Augen der anderen gestreut wird. Für Die Orthodoxe Kirche kann der einzige Grund zu Geprächen mit anderen Christen nur in deren Heimführung in die Orthodoxie liegen.... es ist unmöglich, daß die OK sich den Irrlehren der Protestanten oder der Katholiken annähern wird oder kann... Daher stimme ich mit Deiner Einschätzung der Lage: "...dass alle Christen einfach orthodox werden" sollten zu.

Gruß
Joseph
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