Oft gehört: Warum lässt Gott das zu ?

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Mirjanin
Beiträge: 309
Registriert: 04.07.2009, 11:38

Oft gehört: Warum lässt Gott das zu ?

Beitrag von Mirjanin »

Zugegeben, es mag auf den ersten Blick recht banal wirken. Aber es ist doch etwas, dass man häufig zu hören bekommt. Worum geht es? Ihr kennt dies sicherlich, wenn ihr mit nicht-christlichen Mitmenschen diskutiert und diese euch dann nach einigen Minuten der Konversation die Frage stellen: "Wenn es Gott wirklich gibt, warum lässt er dann soviel Leid zu?". Oder: "Warum müssen täglich soviele Kinder in Afrika sterben, wenn es Gott gibt und er sie doch retten könnte?".

Mich interessiert, wie ihr konkret in dieser Situation handelt / antwortet. (Falls Vater Martinos einige Minuten erübrigen kann, würde ich mich auch über seine Antwort aus der Perspektive eines orthodoxen Priesters freuen. Danke)


EDIT: Oh wie ärgerlich. Im falschen Forum gelandet. Sollte eigentlich in Frage - Antwort. Wäre ein Mod so lieb und würde es verschieben? Danke!
Aleks

Re: Oft gehört: Warum lässt Gott das zu ?

Beitrag von Aleks »

Mirjanin hat geschrieben: "Wenn es Gott wirklich gibt, warum lässt er dann soviel Leid zu?". Oder: "Warum müssen täglich soviele Kinder in Afrika sterben, wenn es Gott gibt und er sie doch retten könnte?".
Der liebe Gott schaut n u r auf die Errettung der Seele. Sein Ziel ist es dass jeder Mensch in den Himmel kommt. Nur wenn es Menschen schlecht geht, erkranken oder leiden erinnert man sich plötzlich an Gott... Unglücke die einem widerfahren sind ein großer Segen Gottes. Wie heisst es in der Bibel: "Wen Gott liebt, den züchtigt er".
Besser das ein 5 jähriges afrikanisches Kind den Hungertod stirbt und in den Himmel (ewige Freude) kommt, als wenn das gleiche Kind später als 25 jährige/r mordet, vergewaltigt, sein Kind abtreibt, Selbstmord begeht, in einer häretischen sogenannten "christlichen Kirche" landet oder Moslem (in Afrika gut möglich) wird oder sonstige Todsünden begeht und in der Hölle ewigen Qualen erleidet. Was ist am Ende besser für die Seele? Gott, der die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zur gleichen Zeit bei jedem von uns sieht, weis wohl am besten wann er einen Menschen von seinem irdischen herumvegetieren zu sich holen kann... er schaut nur auf die Errettung der Seele.

En Christo
Zuletzt geändert von Aleks am 04.05.2010, 00:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Hanna
Beiträge: 168
Registriert: 16.12.2008, 18:17

Re: Oft gehört: Warum lässt Gott das zu ?

Beitrag von Hanna »

Aleks hat geschrieben:
Mirjanin hat geschrieben:
Besser das ein 5 jähriges afrikanisches Kind den Hungertod stirbt und in den Himmel (ewige Freude) kommt, als wenn ...

En Christo
Sorry, mit dieser Aussage kann ich mich nicht anfreunden.

Der Hungertod ist grausam. Niemand sollte verhungern müssen.

Auch nicht wenn alle 3 Sekunden ein Kind aus Asien, gefolgt von Afrika, Lateinamerika, dem Nahen Osten, Osteuropa in den Himmel kommt.

Ist meine Meinung.

LG Hanna
[color=#FF0040]Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet![/color]
Nassos
Beiträge: 4444
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Beitrag von Nassos »

Antwort: "Wenn es uns gut geht, dann wollen wir nicht, dass sich Gott einmischt."
Aleks

Re: Oft gehört: Warum lässt Gott das zu ?

Beitrag von Aleks »

Hanna hat geschrieben:
Aleks hat geschrieben:
Mirjanin hat geschrieben:
Besser das ein 5 jähriges afrikanisches Kind den Hungertod stirbt und in den Himmel (ewige Freude) kommt, als wenn ...

En Christo
Sorry, mit dieser Aussage kann ich mich nicht anfreunden.

Der Hungertod ist grausam. Niemand sollte verhungern müssen.

Auch nicht wenn alle 3 Sekunden ein Kind aus Asien, gefolgt von Afrika, Lateinamerika, dem Nahen Osten, Osteuropa in den Himmel kommt.

Ist meine Meinung.

LG Hanna
Je grausamer und je schmerzhafter der Tod ist, desto einen höheren Lohn hat man im himmlischen Jerusalem.
Zuletzt geändert von Aleks am 04.05.2010, 00:26, insgesamt 1-mal geändert.
Sinaitis
Priester
Beiträge: 462
Registriert: 16.12.2008, 19:00

Beitrag von Sinaitis »

Lieber Aleks,
ich glaube nicht, daß man die Frage so, wie Du es versuchst, beantworten kann. Würde Gott Menschen verhungern lassen, um deren potentiell schlimme Taten zu verhindern, würde ich Gott vorwerfen, warum ihm bei der Selektion noch so viele Verbrecher durchgerutscht sind. Oder hat er die Falschen verhungern lassen?
Am Hunger, am Klima, an Kriegen, an Naturkatastrophen sind WIR schuld. Das hat schon der Prophet Moses gewußt, als er den Schöpfungsbericht und den Sündenfall beschrieb. Wir sind eben keine Marionetten Gottes, die er an seinen Fäden zieht, so daß er verhindert, daß da eine Marionette stolpert.
Sogar an großen Naturkatastrophen wie Tsunamies und Hurrikans sind Menschen mitschuld. Sie siedeln an Stellen, teilweise unter dem Meeresniveau, wo man besser nicht wohnen sollte. Aber viele Menschen tun das aus Armut oder touristischer Profitgier usw. Die Waldbrände in Griechenland, die Überschwemmungen in Konstantinopel. Wir Menschen sind schuld, aber was erwarten wir, was Gott hätte tun sollen? Vorher ein Erdbeben schicken, um alle illegal gebauten Häuser einstürzen zu lassen - in denen oft auch wieder nur arme Menschen ausbeuterische Mieten zahlen - damit das Wasser abfließen kann? Oder hätte er den Nazis die Pest schicken sollen, damit sie vor ihrem Vernichtungswerk selbst verrecken? Was erwarten wir von Gott, welches Gottesbild haben wir???

Im alten Konstantinopel gab es genügend oft Erdbeben. Die waren ja sicherlich nicht von Menschen verursacht. Und trotzdem wußten die Menschen, daß ihre Sünden Unordnung in die schöne Schöpfung Gottes bringen.
Nach dem Verbrechen von Winnenden gab es viele gute Antworten. Eine war, daß man jahrelang dafür sorgte, die Kreuze aus den Schulen verschwinden zu lassen. Und nach dem Amoklauf schrien alle: Wo war Gott? - Ja, wer hat ihn den vertrieben?

Wenn wir tolle Dinge vollbringen, schreiben wir es unseren eigenen Fähigkeiten zu. Wer sagt schon nach einer gelungenen Sache: DANKE GOTT. Ne, wir selbst sind es, die toll sind, wenn etwas gelingt. Wenn etwas schiefgeht, ist Gott schuld.
Warum läßt Gott etwas zu?
Hängt das nicht mit unserer Freiheit zusammen, die die Voraussetzung ist für das Lieben können?
Diskutieren wir weiter, die Frage hat sich hoffentlich schon jeder gestellt und sie ist wichtig, auch wenn keiner eine Patentantwort hat.
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Jeremias
Beiträge: 254
Registriert: 12.06.2009, 15:08

Beitrag von Jeremias »

Hängt das nicht mit unserer Freiheit zusammen, die die Voraussetzung ist für das Lieben können?
Für mich die entscheidende Antwort. Wir haben von Gott die Freiheit bekommen, wir sind nicht seine Marionetten. Wenn Gott ständig eingreifen würde, dann wären wir nur unmündige Kinder, die in einen Laufstall gesteckt werden. Wir sind erwachsen und müssen selber für unsere Taten einstehen.
Mir tut jedes Kind leid, dass verhungert und wenn ich könnte und das mit meinem Glauben vereinbaren könnte, dann würde ich mit Feuer und Schwert über die Profitgeier herfallen, die dafür verantwortlich sind. Aber das ist es eben: Nicht Gott ist dafür verantwortlich, sondern andere Menschen.

Im übrigen sind die meisten der Leute, die diese Frage stellen, nicht bereit, sich von Gott oder seinen Regeln ins Leben eingreifen zu lassen.
Nassos
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Beitrag von Nassos »

Sinaitis hat geschrieben:Wenn wir tolle Dinge vollbringen, schreiben wir es unseren eigenen Fähigkeiten zu. Wer sagt schon nach einer gelungenen Sache: DANKE GOTT. Ne, wir selbst sind es, die toll sind, wenn etwas gelingt. Wenn etwas schiefgeht, ist Gott schuld.
Warum läßt Gott etwas zu?
Jeremias hat geschrieben:Im übrigen sind die meisten der Leute, die diese Frage stellen, nicht bereit, sich von Gott oder seinen Regeln ins Leben eingreifen zu lassen.
Genaus das meinte ich im Beitrag oben!

Aber wieso habe ich das Gefühl, dass es diesen Strang schon gibt? Hmmmm. Werde mich mal demnächst umschauen...
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Allons
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Beitrag von Allons »

Liebe Brüder und Schwestern,

aus dem Dilemma (eigentlich ja sogar ein Trilemma) der Eigenschaften des HERRN werden wir Menschen nicht herausfinden. Es ist ja schon in der ersten Zeile des Glaubensbekenntnisses angelegt: "Ich glaube an Gott, den Vater (allgütig), den Allmächtigen (allwissend), Schöpfer des Himmel und der Erden..(allmächtig)".

Die bewährten Methoden, diesem Dilemma zu entrinnen finden sich sich meistens einzeln oder zusammen in den entsprechenden Diskussionen:

* Er ist zwar allmächtig, aber er achtet die Freiheit des Menschen und ist es dadurch de facto nicht wirklich. Ditte ist hier (scheints) der Konsens.
* Das Dilemma ist keins, wir können nur den Sinn göttlichen Handelns nicht durchschauen. Das ist die Variante Aleks.

Wer alle Varianten für sich durchdenken will sei auf den afaik sehr guten Artikel in der Wikipedia verwiesen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Theodizee

M.E. hinken diese Argumente alle gewaltig, teilweise reißen sie an anderer Stelle gewaltige theologische Löcher auf (bspw. Deismus), die man dann nicht mehr oder nur mit großen Verrenkungen stopfen kann.

Ich finde es ehrlicher an dieser Stelle zuzugeben, dass unser Verstand dieses Dilemma nicht fassen kann. Dass wir aber von keiner dieser Eingeschaften Gottes abrücken wollen, zumal wir für alle diese Eigenschaften in unserem Leben schon Erfahrungen sammeln konnten. Und das uns die Logik Gottes nicht verfügbar ist, und schon gar nicht unserem Urteil unterworfen.

Vielleicht hilft es, an dieser Stelle den Blick von der einseitigen Betrachtung des Leides wegzunehmen (auch wenn das schwer fällt) und vielmehr den Trost, der ebenfalls vom HERRN gespendet wird in das Blickfeld zu rücken. Derselbe Gott der zerstört, baut auch wieder auf und schafft Neues. Auch das ist für diejenigen, die tiefes Leid erlebt haben eine prägende Erfahrung. Wir können denjenigen, die das Leid erleben dieses nicht abnehmen oder wegreden. Aber wir können Begleitung und Hilfe anbieten.

Beste Grüße, Allons!
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Röde Orm
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Beitrag von Röde Orm »

Ich bin in theologischer Hinsicht leider nicht sehr gebildet und daher auch Ferne davon, auf alles eine Antwort zu wissen.

Allerdings interessiert mich das Thema schon lange und eine "Meinung" zu diesem Thema, die mir schon seit vielen Jahren gut in Erinnerung geblieben ist:

Es gibt nun einmal die "diesseitige" und die "jenseitige" Welt, in denen jeweils eigene Gesetze gelten.

In dieser Welt müssen sich die Menschen unter den hier existierenden Bedingungen bewähren, um auf dieser Basis in der anderen Welt weiter aufbauen zu können, da die Welten in gewisser Weise spiegelbildlich oder ähnlich zu sehen seine, wie z.B. unterschiedliche Oktaven in der Musik - das Gleiche, aber höher oder tiefer. Eine Art Evolution über mehrere Ebenen sozusagen.

Gott kann zwar eingreifen (z.B. durch Wunder) macht dies aber nur ausnahmsweise und nur wenn er es aus unerklärbaren Gründen für angezeigt hält (steht ja auch ausdrücklich in der Bibel).

Ich weiss, dass ist sehr kurz zusammengefasst, aber dennoch der wesentliche Inhalt der geäusserten Meinung.

Als Leitspruch wurde "Das was oben ist, ist gleich dem was unten ist und das was unten ist, gleich dem was oben ist - fähig, die Wunder des Einen auszuführen."

Das ist nicht meine Meinung, weil ich es einfach nicht sagen kann, was nun tatsächlich der Wahrheit entspricht.
Wenn sie ein orthodoxer Christ sind, wurde ihre Kirche im Jahre 33 n. chr. durch Jesus Christus, den Sohn Gottes, gegründet. Doch ihre Geschichte reicht zurück bis zur Schöpfung der Welt. Die orthodoxe Kirche hat sich nicht verändert seit ihrer Gründung und ist die selbe gestern, heute und auf ewig.
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Jeremias
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Beitrag von Jeremias »

Ich finde es ehrlicher an dieser Stelle zuzugeben, dass unser Verstand dieses Dilemma nicht fassen kann.
Absolut! Das "Dilemma" geht davon aus, dass wir Gott verstehen könnten. Das können wir aber nicht. Gott ist vom Wesen her nicht mehr fassbar mit unseren Worten, unseren Gedanken und unserer Wissenschaft und Logik. Deswegen beschreiben die Väter Gott durch Wort-Bilder und Lieder und deswegen wird Gott nur in seinen Erscheinungsformen auf Ikonen abgebildet. Gott ist unendlich, Gott ist grösser als wir.
Und trotzdem können wir hoffen und uns freuen, denn Gott hat uns gleichzeitig die Möglichkeit durch das ewige Leben gegeben, ihm immer näher zu kommen und an seinem Thron zu stehen.
Nassos
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Beitrag von Nassos »

Es heißt, wir können Gott an Seinen ungeschaffenen Energien erfahren (wenn ich das jetzt so richtig wiedergegeben hatte).

Ich glaube ich hatte die Frage nach den ungeschaffenen Energien schon mal im Forum gestellt. Ein bißchen Theologie würde dem Forum nicht schaden...

Anyone????

Gruß,
Nassos
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Jeremias
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Beitrag von Jeremias »

Was sind denn die ungeschaffenen Energien? Den Begriff kenne ich nicht.
Nassos
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Beitrag von Nassos »

Kennst Du den Hl. Gregorios Palamas?
Ich glaube er hat diese Theologie zusammengestellt.

Ich werde mich nochmal nach dem anderen Thread umschauen und dort versuchen, etwas mehr reinzustellen (mit meinem dürftigen Wissen).

Gruß,
Nassos
Nassos
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Beitrag von Nassos »

Aus Wikipedia:

Gregorios Palamas (griechisch Γρηγόριος Παλαμάς, * Ende 1296 oder Anfang 1297 in Konstantinopel; † 14. November 1359 in Thessalonike) war ein orthodoxer byzantinischer Theologe, Schriftsteller und Erzbischof von Thessalonike. Er wurde 1368 heiliggesprochen und zählt zu den höchsten Autoritäten der östlichen Kirche.

Seine Lehre, der Palamismus, war die letzte Weiterentwicklung der orthodoxen Theologie, die für verbindlich erklärt wurde. Ein Hauptmerkmal des Palamismus ist seine Unterscheidung zwischen einem prinzipiell für die Geschöpfe unzugänglichen Wesen Gottes und den Energien Gottes, mit denen Gott sich zu erkennen gebe. Seinem Wesen nach bleibe Gott, selbst wenn er sich willentlich dem Nichtgöttlichen zuwende, immer von seiner eigenen Zuwendung getrennt und unerkennbar. In seinen Taten hingegen, das heißt in seinen Energien, könne Gott erkannt und erfahren werden. Diese Energien hält Palamas ebenso wie Gottes Wesen für ungeschaffen. Mit der Unterscheidung zwischen Wesen und Energien Gottes und der Behauptung der Ungeschaffenheit der Energien verteidigt Palamas theologisch den sogenannten Hesychasmus, die Gebetspraxis der Athos-Mönche, deren Gemeinschaft er selbst angehört. Der Hesychasmus geht von der Annahme aus, dass das ungeschaffene Taborlicht vom Menschen geschaut werden könne, womit Gott in seinen Energien wahrnehmbar werde. Palamas’ Gegner meinen dagegen, dass es außerhalb von Gottes ungeschaffenem Wesen nur geschaffene Wirkungen gebe.


Begriffe, die damit einhergehen sind: Hesychasmus, Jesusgebet, Apophatik, aber auch die Falschheit der fernöstlichen Meditation.

Interesse an mehr? :) Theologen her!

Nassos
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