F - wie Fasten

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Quinni
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Re: F - wie Fasten

Beitragvon Quinni » 09.12.2013, 18:16

Mary hat geschrieben:
Folgendes Buch hilft mir auch sehr
http://www.amazon.com/When-You-Fast-Rec ... n+you+fast
Zwar von den Zutaten her etwas amerikanisch... aber mit sehr hilfreichen Zitaten über Sinn und Zweck des Fastens.


Hallo Mary,
ich habe das Buch gerade auf Amazon gefunden und bestellt. Zwar habe ich inzwischen einige Rezepte gefunden, die ich je nach Fastenart (streng oder leicht) benutzen kann, aber ich hoffe, hier auch noch einige weitere Anregungen zu finden.
Lieben Dank für den Tipp
Anja

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songul
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Re: F - wie Fasten

Beitragvon songul » 10.12.2013, 07:23

MariaM hat geschrieben:OK, danke... Warum darf man eigentlich Honig essen, wo er doch von Bienen produziert wird und somit ein tierisches Produkt ist, ähnlich wie Milch und Eier...? Veganer z.B. essen ja keinen Honig.

Ich persönlich hab ja nichts dagegen, dass man ihn bein Fasten essen darf, denn ich mag z,B. seeehr gern diese griechischen Sesam-Honig-Riegel (παστέλι) :-) u.a.! Es interessiert mich halt einfach nur, wie diese Vorschriften eigentlich zustande kamen... Gruss, M.

Man kann sagen, dass das orth. Fasten mehr oder weniger veganisch ist. Hinzu kommen kulturelle Eigenheiten wie: sog. Meeresfrüchte (das sind: Tintenfisch, Muscheln, Krabben, Krebse, Hummer, Seeigel etc.) die in den Mittelmeerregionen gegessen wurden. Das Wort Meeresfrüchte impliziert ja auch dass es sich nicht um Tiere handeln würde....In Russland sind Fischrogen erlaubt. Alles wohl Dinge die in anderen Zeiten ärmliche Nahrungsmittel waren und deshalb auch fastenmässig.
Heute ist es sicherlich fragwürdig ob Meeresfrüchte, die im Schnitt teurer sind als viele Fischarten, noch der Bescheidenheit dienen oder dem Verzicht. Ebenso ist es mit dem Kaviar. Einfach nur der Tradition zu folgen muss nicht immer klug sein.... Jedenfalls gehört das Fasten immer zusammen mit einer mentalen Einstellung in der jeweiligen Fastenzeit zusammen, ansonsten verkommt das ganze zu einer Übung um lediglich sich selbst und Gott zu gefallen oder gar die Angst zu haben deswegen einer ewigen Strafe anheim zu fallen...

Quinni
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Re: F - wie Fasten

Beitragvon Quinni » 10.12.2013, 17:37

Ich habe ja erst vor 2 Monaten mit dem Fasten angefangen, dies ist also meine erste Fastenzeit. Wenn es heißt kein Fleisch und kein Fisch, dann gehören für mich Meerestiere (und solche sind es, auch wenn man sie als Meeresfrüchte bezeichnet) dazu. Daher esse ich sie an diesen Tagen nicht. Das muss natürlich jeder für sich bzw. mit seinem Priester entscheiden. Für mich wäre es so eine Art schummeln, wie es die katholischen Mönche gemacht haben, die das Fleisch in Teigtaschen versteckt haben (Maultaschen) damit Gott es nicht sieht. Daher nennen die Schwaben sie auch Herrgotts Bescheißerle.

Wobei ich mich frage, was die dann für ein Bild von Gott haben. Gott weiß und sieht alles, noch bevor wir es tun. Also wie will jemand etwas vor ihm verstecken?

Nikolaj
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Re: F - wie Fasten

Beitragvon Nikolaj » 11.12.2013, 14:16

Für mich wäre es so eine Art schummeln, wie es die katholischen Mönche gemacht haben, die das Fleisch in Teigtaschen versteckt haben (Maultaschen) damit Gott es nicht sieht. Daher nennen die Schwaben sie auch Herrgotts Bescheißerle.


Ich glaube nicht, dass man diese Bezeichnung wörtlich nehmen sollte. Ist wohl eher eine Legende...

Quinni
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Re: F - wie Fasten

Beitragvon Quinni » 11.12.2013, 15:03

Mag sein, ich habe es des Öfteren gehört, dass so Fleisch versteckt wird. Oder die Vorhänge zugezogen, damit niemand es sieht (bei Muslimen, habe ich selber gesehen). Aber das muss auch jeder für sich entscheiden.

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Re: F - wie Fasten

Beitragvon Nassos » 16.12.2013, 11:00

Den Verzehr von Meeresfrüchten mit den Maultaschen zu vergleichen ist eine Verzerrung.
Ersteres ist eine andere, legitime Regelung, die beileibe nicht von jedem einzelnen für sich selber zu entscheiden ist; letzteres eine im geheimen ausgeführte Aktion, ein Bruch.

Nassos
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Re: F - wie Fasten

Beitragvon Nassos » 04.02.2014, 21:54

Zur anstehen Fastenzeit möchte ich gerne aus dem Buch von Vassilios Papavassiliou "Meditations for Great Lent - Refections on Tridodion" zitieren, wo er sich mal genauer mit der Liebe befasst, die ja im Gebet des Hl. Ephraim des Syrers erfleht wird:

Herr und Gebieter meines Lebens,
gib mir nicht den Geist der Trägheit, der Neugier, der Herrschsucht und der Geschwätzigkeit.
Schenke mir vielmehr, Deinem Diener, den Geist der Erkenntnis, der Demut,
der Geduld und der Liebe.

Ja, Herr, mein König, gewähre mir, meine Sünden zu sehen
und meinen Bruder nicht zu verdammen,
denn Du bist gepriesen in die Ewigkeit der Ewigkeiten. Amen.

So, nun der Text zur Liebe:
Die größte der Tugenden ist die Liebe. Uns wird gesagt, Gott sei die Liebe, und wenn wir sagen, dass wir Gott lieben und nicht unseren Mitmenschen lieben, dann seien wir Lügner (1 Johannes 4:20). Aber was meinen Christen bzw was sollten sie meinen, wenn sie von Liebe sprechen?

Es gibt vier verschiedene griechische Wörter für Liebe: agape (Bruderliebe), eros (sexuelle Liebe), philia (Freundschaft) und storge (Mitgefühl). Das Wort, das fürgewöhnlich für die christliche Liebe verwendet wird - die Liebe zu Gott und die Liebe zum Mitmenschen - ist agape. Die drei anderen Wörter können jedoch auch auf die christliche Liebe angewandt werden.

Philia
Es gibt eine interessante Passage im Evangelium (Johannes 21:15-17), als Jesus Petrus drei mal fragt: “Liebst du mich?” und Petrus antwortet “Du weißt, dass ich Dich liebe.” Im griechischen Originaltext, fragt Christus die ersten zwei mal “Agapas me?” Das dritte mal fragt Er “Phileis me?”, wie wenn er fragen würde “Liebst du mich wirklich?”, “Liebst du mich wie einen Freund?” Philia impliziert eine engere, persönlichere Liebe als agape, und unsere Liebe für Gott sollte eine nahe und persönliche Beziehung sein.

Storge
Mitgefühl ist eine Art der Liebe, die jeder Christ besitzen sollte. Die Liebe, die der gute Samarit dem ausgeraubtem Opfer zeigte, war Mitgefühl (Lukas 10:25-37). Die Liebe, die dem Verlorenem Sohn gezeigt wurde, war Mitgefühl (Lukas 15:11-32). Mitgefühl ist was unsere Herzen dazu bewegt zu vergeben und barmherzig zu sein, jenen zu helfen, die in Not sind. Gott gebietet uns, unsere Feinde zu lieben. Die Liebe für unsere Feinde ist nicht philia oder eros. Agape und Storge sind die Arten Liebe, die wir unseren Feinden zeigen sollen. Von uns wird nicht erwartet, unsere Feinde zu mögen, uns ihrer Anwesenheit zu erfreuen oder ihnen zu vertrauen. Aber wir sollen Mitgefühl zeigen und vergeben, barmherzig sein, sie auch als Kinder Gottes sehen und daher auch als Brüder. Es ist das Mitgefühl, das Nächstenliebe und Güte aufrichtig macht. Wenn wir anderen mit Widerwillen oder Bitterkeit helfen, dann sind wir nicht wirklich mitfühlen.

Eros
Eros wird fürgewöhnlich als sexuelle oder intime Liebe aufgefasst. Es ist jedoch interessant , dass manche Kirchenväter dieses Wort benutzen, um den höchsten Grad der Liebe für Gott zu beschreiben. Das liegt daran, dass Eros die leidenschaftlichste Art der Liebe ist - er grenzt an Bessesenheit. Jeder, der verliebt war kann erzählen, dass er nicht essen oder schlafen konnte, weil er verliebt war, dass das Objekt ihrer Liebe das erste ist, an was sie beim Aufwachen denken und das letzte, wenn sie zu Bett gehen - und weitere solcher Dinge. So sollte unsere Liebe zu Gott sein.
Der Heilige Johannes vom Sinai (dem der vierte Fastensonntag gewidmet ist), bekannter unter dem Namen Johannes von der Leiter (Klimakos) wegen seines berühmten Werkes “Himmelsleiter”, sagt dass dies der Grund sei, warum viele jener Heiligen, die einst von dieser Leidenschaft des Eros bzw seinem sündigen Gegenpart, der Lust, besessen waren, zu denen Heiligen wurden, die Gott am leidenschaftlichsten liebten.
Ein großes Beispiel für solch einen Heiligen ist Maria von Ägypten (der der fünfte Fastensonntag gewidmet ist), eine wohlhabende Prostituierte, die zu einer der größten Asketinnen der Kirche wurde. Gemäß einigen Geschichten aus ihrem Leben, prostituierte sie sich nicht des Geldes wegen, da sie ja schon sehr wohlhabend war, sondern weil sie es genoss. Als sie das Christentum umarmte, gab sie alles auf und lebte ein Leben rigoroser Askese und Reue in der Wüste.
Solche Heilige gaben nicht so sehr ihre Leidenschaft auf, sondern leiteten sie vielmehr auf Gott um, und ersetzten somit das Objekt ihrer Begierde mit der Sehnsucht nach Gott. Das ist eine große Angelegenheit. Bereuen wird oft als etwas negatives aufgefasst, im Sinne von man gibt etwas auf. Aber tatsächlich ist Reue etwas positives - sie findet das richtige und angemessene Objekt für unsere Leidenschaften. Unsere Leidenschaften sind sogar notwendig; sie sind ein Geschenk. Ohne sie laufen wir Gefahr lauwarm zu sein, desinteressiert, etwas über das Christus in der Offenbarung sagt: “weil ihr lauwarm seid, weder kalt noch heiß, speie Ich euch aus Meinem Mund aus” (Off 3:16). Die Heiligen hatten eine brennende Liebe zu Gott. Sie waren die “leidenschaftlichsten” Menschen der Kirche, aber sie leiteten ihre Leidenschaften richtig, gaben ihnen ihren richtigen Sinn, und - mit einer Einzigartikeit an Herz und Verstand - übertrugen sie sie auf das eine Objekt ihrer Sehnsucht - Gott.

Agape
Im Sinne unserer Liebe für jemand anders, sind alle vier Arten von Liebe gut. Aber unsere Liebe zu unseren Mitmenschen wurzelt in unserer Liebe zu Gott. Für die Christenheit ist die Liebe zum Menschen nicht Humanitarianismus, der im Menschen das höchste Gut und Lebensziel sieht. Unsere Liebe zueinander kann oft gestört und sündig werden. Philia, eros und storge, die in sich gut sind, können pervertiert und übertrieben werden. Deshalb ist agape das Wort, das am häufigsten für die christliche Liebe verwendet wird. Agape ist die reinste Form der Liebe. Es ist die Liebe zu allen Menschen. Liebe für eine Person, die die Liebe zu anderen ausschließt, ist keine christliche Liebe.
Die Liebe zu Freunden (philia) kann uns beispielsweise zu Begünstigung und Parteilichkeit führen, und jene, die nicht unserem Freundeskreis angehören, unfair zu behandeln.
Eros, sexuelle Liebe, kann sogar schlimmer sein, weil sie die leidenschaftlchste Art der Liebe ist und kann sogar andere schaden. Er kann uns dazu bringen, der Person, die wir lieben, um jeden Preis gefällig zu sein. Seine niedrigste und gestörteste Form ist zügellose Lust, wenn sexuelle Befriedigung der ultimative Zweck wird.
Storge, Mitgefühl, muss auch gesteuert werden. Übertriebenes Mitleid für jemanden kann uns dazu bringen, die Bedürfnisse anderer zu übersehen. Sie kann uns sogar dazu führen, andere zu verwöhnen, zu verziehen, was insbesondere gewöhnlich in Eltern-Kind-Beziehungen auftritt.
Philia, storge und eros müssen daher durch agape geleitet werden, durch göttliche Liebe. Es ist nicht so, dass die anderen Formen der Liebe schlecht sind und nicht existieren sollten, aber die Objekte unserer Freundschaft, des Mitgefühls und des sexuellen Verlangens dürfen nicht zum Selbstzweck verkommen. Liebe zu Gott, göttliche Liebe, ist das, was allen anderen Formen der Liebe echten Sinn verleiht; in ihr finden sie ihren angemessenen Platz und Anteil.

Somit ist der geistige Kampf der Fastenzeit und des christlichen Lebens nicht eine Angelegenheit des Vermeidens von Leidenschaften, sondern sie zu beherrschen. Diese Herrschaft verlangt Disziplin. Diese Disziplin, diese Herrschaft über die Leidenschaften ist in der orthodoxen Spiritualität als “Leidenschaftslosigkeit” (apatheia) bekannt und wird als ein hoher Rang an Tugend angesehen. Nicht im Sinne von Gefühllosigkeit. Der Hl. Isaak der Syrer sagt: “Apatheia bedeutet nicht, dass man die Leidenschaften nicht mehr fühlt, sondern sie nicht mehr akzeptiert.” Apatheia ist die Harmonie zwischen Körper und Seele. Es ist die Erreichung der Ganzheit oder Reinheit.
Also ich fand diesen Text sehr gut!

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Re: F - wie Fasten

Beitragvon Thuja » 05.02.2014, 17:59

Ich auch, danke!!!

Liebe Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!

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Re: F - wie Fasten

Beitragvon Quinni » 22.05.2014, 21:52

Ich bin mal wieder auf diesen Thread gestoßen und habe gemerkt, dass ich da doch noch eine Frage habe. In der Fastenzeit vor Ostern gibt es ja Tage, an denen garnichts gegessen werden soll. Wie handhabt man das, wenn man arbeiten muss? Ich arbeite ja in der Krankenpflege, da brauche ich schon ein bisschen Kraft? Sind das solche Situationen, die man dann mit dem Priester abklärt? Oder gibt es da auch irgendwelche anderen Regelungen?

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Re: F - wie Fasten

Beitragvon Thuja » 22.05.2014, 22:42

Liebe Quinni,

Du hast Dir selbst die Antwort schon gegeben - das ist ein Thema, das Du mit Deinem Beichtvater besprechen musst.
Denn nicht jeder kann im Alltag die Fastenregeln wie die Mönche einhalten...

Liebe Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!

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Re: F - wie Fasten

Beitragvon Quinni » 23.05.2014, 17:59

Tja Thuja, den müsste ich dann erst einmal haben

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Re: F - wie Fasten

Beitragvon Thuja » 23.05.2014, 20:11

Das wär' natürlich wirklich sinnvoll!
Vielleicht hilft Dir ein bisserl folgendes weiter: Im Frauenkloster in Buchendorf steht an solchen Tagen in der Küche für die Pilgerinnen, die' s sonst nicht aushalten, Brot und etwas Obst, sowie heißer Tee bereit. Mit dem heißen Tee kann man den Magen oft schon "überlisten"...
Eine Bekannte von mir arbeitet als Ärztin im Krankenhaus, mit den üblichen 24-Stunden-Schichten, der Hektik und der entsprechenden Verantwortung. Sie hat auch gemerkt, dass das mit der Erfüllung der "ganzen" Fastenregeln nicht geht bei ihr, ihr Kreislauf "klappt zusammen" und die Konzentration ist "löchrig" - die Verantwortung dafür, die sie für ihre Patienten trägt, kann sie so nicht wirklich wahrnehmen und Fehler sind vorprogrammiert... und ihr Beichtvater hat ihr erlaubt, an diesen "Stress-Tagen" das Fasten so weit zu lockern, dass sie keinesfalls Fleisch isst, es aber Fisch (und Gemüse sowieso), ggf. auch Milchprodukte sein dürfen... alles mit Maßen. Seitdem kommt sie damit gut klar, an den freien Tagen daheim ist das Fasten ansonsten ja kein Problem...
Du siehst also, es gibt für alles eine passende Lösung.
Aber eine Absprache mit einem Priester wäre für Deinen Fall auch dringend angeraten!

Alles Liebe
Thuja
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Re: F - wie Fasten

Beitragvon songul » 23.05.2014, 22:07

Erleichtern kann man doch einfach sagen, dass das orthodoxe Fasten schlicht veganisch ist.
Lediglich ein paar Details kommen als orthodoxe Eigenheit dazu. Wenn also Hochleistungssportler,
von denen einige sehr berühmt sind, Veganer werden und nach einer anfänglichen Umstellung ihre
alte Fitness wieder erreichen, dann sollte es für ganz normal lebende Bürger auch möglich sein,
ihr tägliches Leben in oder auch ausserhalb von Fastenzeiten ohne gesundheitliche Einbussen
bewerkstelligen zu können.
Ich zum Beispiel bin Vegetarierin (mit ganz seltenen Ausnahmen) und in den Fastenzeiten(-tagen) Veganerin.
Ich pflege diese Ernährungsweise auch aus der Verantwortung dem Tier und der Natur gegenüber und um
die orthodoxe (und somit auch die aszetische) Komponente ins Spiel zu bringen, bin ich in den Fastenzeiten
strikt veganisch. Das macht dann den Unterschied.
Diese Lebensweise birgt wenig gesundheitliche Gefahren in sich (eher das Gegenteil).
Viele Fastende machen sich die Fastenzeit schwer weil sie so sehr auf Fleischessen fokussiert sind und
schnell Angst bekommen, wenn sie dann so arbeiten müssen wie diese Ärztin, dann bekommen sie
Angstzustände welche sich schnell auf den Körper übertragen und dann.... Man meint dann unbedingt
Fleisch essen zu müssen um nichts falsch zu machen - oder wenigstens Fisch. Das stimmt aber so nicht.... es ist die Einstellung
zum Fasten was einen so werden lässt. Wer fastet, aber das Fasten selbst, bei aller Religiosität dann doch als
Verlust von etwas empfindet, der wird auch Einbussen haben. Ich weiss von was ich rede, denn ich arbeite
auch im medizinischen Sektor und man hat dort nichts zu lachen.... Es geht aber.... und wer will der kann.
Das Vertrauen in Gott bei dem ganzen ist auch nicht zu verachten...
Fasten reinigt Körper und Geist und deshalb haben alle Religion das in irgendwie in ihrem Programm.
Und wer sich beim Fasten auf den Geist konzentriert der nimmt den vermeintlichen Verlust kaum noch wahr.

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Re: F - wie Fasten

Beitragvon Thuja » 23.05.2014, 22:43

Liebe Songul,

wer will, der kann... im Prinzip gebe ich Dir Recht!
Aber nicht jeder Körper "kann" auf dieselbe Weise... es gibt Leute, die, wenn sie gut gefrühstückt haben, über den Tag nichts mehr brauchen, erst das Abendessen wieder. Andere kriegen morgens nichts 'runter, aber wenn sie mittags nichts essen, werden sie zittrig. Und andere brauchen alle paar Stunden eine Kleinigkeit... und jeder Körper reagiert anders in besonderen Belastungszeiten, die einen haben dann besonderen Hunger, die anderen überhaupt nicht mehr... dem muss in den Fastenzeiten auch Rechnung getragen werden, da unser Arbeitsalltag sich nicht nach Fastenzeiten richtet.
Und besagte Ärztin isst sonst auch nur ganz wenig Fleisch und ist garantiert nicht darauf "fokussiert"! Sie ist auch eine schmale, zierliche Person, aber ihr "Schwachpunkt" ist der Kreislauf, das hab' ich selbst im Kloster am Karfreitag mitgekriegt, wir waren da ja über Ostern dort Zimmergenossinnen...

Liebe Grüße
Thuja
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Re: F - wie Fasten

Beitragvon Quinni » 24.05.2014, 00:00

Also mit dem veganen habe ich absolut keine Schwierigkeiten, das war während der ganzen Fastenzeit gut machbar, auch arbeitsmäßig. Aber ich musste Katfreitag und Ostersamstag arbeiten, das bedeutet bei uns: an Feiertagen und Wochenenden morgens und abends Patienten versorgen, Auto fahren von einem zum anderen. Das war ohne ein bischen zu essen nicht möglich. Leider konnte ich den Priester dazu bisher nicht fragen, er hat extrem viel zu tun. Momentan beschränke ich mich also darauf, an Fastentagen das zu essen, was erlaubt ist, am 1. Monatg der Fastenzeit gab es erst ab 15. Uhr etwas und dann nur Brot, Obst, Gemüse. An Karfreitag ebenfalls, allerdings etwas früher, das war arbeitsmäßig nicht machbar.


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