H - wie Hypostasen

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Andromachi
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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon Andromachi » 23.11.2010, 17:20

Wir müssen sehr vorsichtig sein, wenn wir über solche dogmatischen Themen diskutieren. Ich möchte sogar bezweifeln, ob sich darüber "diskutieren" lässt. Über solche Themen haben eigentlich nicht die Theologen, sondern die Heiligen geschrieben, die vom Heiligen Geist erleuchtet wurden.
Ich kann z.B. an einem Satz zeigen, dass wir nicht richtig verstehen, was wir von anderen abschreiben.

ElvisVrinic hat geschrieben:an sich habe sich die hypostasen keinen unterschied in der wesenhaftigkeit - der eine ist der andere.


Der zweite Teil des Satzes geht nicht aus dem ersten hervor. Ich kann ein Beispiel nennen. Ich bin eine Frau und meine Freundin Neni ist auch eine Frau. Vom Wesen her gibt es keinen Unterschied zwischen uns beiden. Daraus aber kann man nicht schließen, daß Neni - Andromachi ist.
Auch der Unterschied zwischen "geboren" und "hervorgehen" ist ein solches Begriffspaar, das wir nicht erfassen können. Vielleicht ist damit gemeint, dass der Sohn EINMAL geboren wurde, während der Heilige Geist JEDES MAL hervorgeht. Noch schwieriger ist zu verstehen, dass der Heilige Geist NUR vom Vater hervorgeht, aber auch der Sohn kann ihn schicken: "Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen" (Joh 15,26). An dieser Stelle muss ich mit meinen Gedanken aufhören.

Im Allgemeinen habe ich ein ungutes Gefühl in diesem Thread. Mir scheint, dass wir durch jeden neuen Beitrag nicht dazulernen, sondern immer perplexer werden.

ElvisVrinic
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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon ElvisVrinic » 23.11.2010, 22:03

Andromachi hat geschrieben:Wir müssen sehr vorsichtig sein, wenn wir über solche dogmatischen Themen diskutieren. Ich möchte sogar bezweifeln, ob sich darüber "diskutieren" lässt. Über solche Themen haben eigentlich nicht die Theologen, sondern die Heiligen geschrieben, die vom Heiligen Geist erleuchtet wurden.
Ich kann z.B. an einem Satz zeigen, dass wir nicht richtig verstehen, was wir von anderen abschreiben.


jo sicher sonst kommst zu solchen äusserung wie von irgendjemanden hier. :roll: :oops: :lol:


Andromachi hat geschrieben:Der zweite Teil des Satzes geht nicht aus dem ersten hervor. Ich kann ein Beispiel nennen. Ich bin eine Frau und meine Freundin Neni ist auch eine Frau. Vom Wesen her gibt es keinen Unterschied zwischen uns beiden. Daraus aber kann man nicht schließen, daß Neni - Andromachi ist.
Auch der Unterschied zwischen "geboren" und "hervorgehen" ist ein solches Begriffspaar, das wir nicht erfassen können. Vielleicht ist damit gemeint, dass der Sohn EINMAL geboren wurde, während der Heilige Geist JEDES MAL hervorgeht. Noch schwieriger ist zu verstehen, dass der Heilige Geist NUR vom Vater hervorgeht, aber auch der Sohn kann ihn schicken: "Wenn aber der Beistand kommt, den ich euch vom Vater aus senden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, dann wird er Zeugnis für mich ablegen" (Joh 15,26). An dieser Stelle muss ich mit meinen Gedanken aufhören.

Im Allgemeinen habe ich ein ungutes Gefühl in diesem Thread. Mir scheint, dass wir durch jeden neuen Beitrag nicht dazulernen, sondern immer perplexer werden.


tja es ist nun mal auch so, dass jene heilige den unterschied zwischen hervorgehen und gezeugt nicht erläutern können.

Das problem hierbei ist glaube ich auch die menschliche auffassungskraft - dadurch, dass wir rationell sehen müssen, macht es doch "keinen sinn", wie denn auch - es ist die selbstoffenbarung GOTTES.

Weseneins heisst für mich die selbe "substanz", wie es der hl. Augustinus beschrieben hat. Es bedeutet wie du in Joh 15, 26 erwähnt hast, einen gemeinsamen willen haben, aber ER vom VATER ausgeht, verstehst du. Anders kann ich es mir zumindest nicht erklären.

Ich denke hierbei auch, dass wir echt nicht drauf eingehen sollen - wer, wie, was irgendwo ist. :roll:

Wir sollen ihn einfach nur Anbeten und gehorchen etc. :D

Ich wollte jenes einfach nochmal reinstellen - da ich mich sehr oft gefrag habe, was wird jetzt damit gemeint, wie ist es jetzt (um sich vor den häretikern zu schützen) usw. Nun ja ich habe es so erfahren wie es die Kirchenväter offenbart bekommen habe und mir persönlich reicht es auch. Denn wir können GOTT an seinen ungeschaffenen energien kennen, wie du weisst. Ansonsten reicht es doch irgendwie auch, denn irgendwie glaube ich, dass man da sehr zu hochmut und häresie neigen kann etc.

Daher hoffe ich auch, dass es geklärt wäre :mrgreen:

noch einen Gruß

Elvis
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

Ehre Sei dem Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Jetzt und immerdar und in alle ewigkeit. Amen

IC XC
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Nassos
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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon Nassos » 23.11.2010, 22:47

ElvisVrinic hat geschrieben:einen gemeinsamen willen haben, aber ER vom VATER ausgeht, verstehst du
:shock:

Strang vorläufig gesperrt. Wird eventuell noch entlüftet.

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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon Priester Alexej » 25.11.2010, 10:16

Hallo,

ja, das ist tatsächlich ein hoch-dogmatisches Thema, falls man das so bezeichnen kann. Und auf der Grundlage dieses Themas sind die meisten Häresien der Frühen Kirche entstanden. Allerdings haben die Heiligen Väter und die ökumenischen Konzilien ausführlichst auf die Fragestellung geantwortet. Ein Wesen und drei Hypostasen. Und dass es dazu nicht genug geschrieben wurde, stimmt nicht. Athanasios der Große, die Kappadokier, die Dokumente der Konzile selbst, das Material ist riesig.
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon Nassos » 28.10.2011, 20:17

Lassen wir den einen Vater sprechen.

christodoulos
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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon christodoulos » 28.10.2011, 20:54

ElvisVrinic hat geschrieben:
Nun wie bekannt ist ist die Dreiheit wesenseins d. h. an sich habe sich die hypostasen keinen unterschied in der wesenhaftigkeit - der eine ist der andere.

So und jetzt kommen die unterscheidungen:

Vater = Quelle

Sohn = Geboren, gezeugt aus dem VATER

Heiliger Geist = Hervorgehend aus dem VATER

tja was jetzt der unterschied zwischen geboren und hervorgehen ist, wissen selbst unsere heiligen nicht - wie sollen wir es dann wissen.



Hallo,

der Hl. Gregor der Theologe sagt; der Sohn ist vom Vater geboren und der Hl. Geist geht aus dem Vater hervor - worin aber der Unterschied besteht zwischen Zeugung und Hervorgang ist ein Mysterium.

Die Hl. Väter sagen; der Hl. Geist geht AUS dem Vater hervor DURCH den Sohn. Sie sagen aber nie, dass der Hl. Geist VOM bzw. AUS DEM Sohn hervorgehe. AUS und DURCH sind zwei verschiedene Weisen.

Hl. Johannes von Damaskus: Genaue Darlegung des Orthodoxen Glaubens; Buch 1 Kap 12:

Der Vater ist Quelle und Ursache des Sohnes und des Hl. Geistes, Vater jedoch nur vom Sohne, vom Hl. Geiste Hervorbringer. Der Sohn ist Sohn, Wort, Weisheit, Kraft, Bild, "Abglanz, Abdruck“ des Vaters und AUS dem Vater. Der Hl. Geist aber ist nicht Sohn des Vaters, er ist Geist des Vaters, da er VOM Vater ausgeht — ohne Geist keine Betätigung —, aber auch Geist des Sohnes, nicht weil er AUS ihm, sondern weil er DURCH ihn vom Vater ausgeht. URGRUND ist nämlich nur der Vater.

Der Hl. Geist ist Gott. Er steht in der Mitte zwischen dem Ungezeugten und Gezeugten und wird DURCH den Sohn mit dem Vater verbunden. Er heißt Geist Gottes, Geist Christi, Verstand Christi, Geist des Herrn, Selbstherr, Geist der Annahme an Kindesstatt [Adoption], der Wahrheit, Freiheit, Weisheit[denn all das bewirkt er], ER erfüllt alles durch seine Wesenheit, hält alles zusammen, er erfüllt die Welt in seiner Wesenheit, ist unfaßbar für die Welt in seiner Macht.

Gott ist auch der Hl. Geist, die heilige, subsistierende Kraft, die ohne Trennung VOM Vater ausgeht und IM Sohne ruht, gleichen Wesens mit dem Vater und dem Sohne.


Hier noch über die Göttliche Hypostasen:

Die Personen weilen und wohnen ineinander. Denn sie sind unzertrennlich und gehen nicht auseinander, sie sind unvermischt ineinander, jedoch nicht so, daß sie verschmelzen oder verfließen, sondern so, daß sie gegenseitig zusammenhängen.

Denn der Sohn ist im Vater und Geiste, und der Geist im Vater und Sohne, und der Vater im Sohne und Geiste, ohne daß eine Zerfließung oder Verschmelzung oder Vermischung stattfände. Und es besteht Einheit und Identität in der Bewegung, denn die drei Personen haben nur eine Bewegung, eine Tätigkeit. Das läßt sich bei der geschaffenen Natur nicht beobachten
.


http://www.unifr.ch/bkv/kapitel1688-13.htm

Das Filioque: UND DEM SOHN ....sagt aber, dass die Hypostase des Hl. Geistes auch AUS DEM SOHN hervorgehe - das ist aber entgegen der Lehre der Hl. Väter. Denn nur der VATER ist der Urgrund der anderen Hypostasen. Der Geist geht DURCH den Sohn hervor und ruht im SOHN - nicht AUS dem Sohn.

Nassos
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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon Nassos » 28.10.2011, 21:25

Ups, hatte den Strang aus Versehen entsperrt... sorry.

Martin Hern
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Heilige Dreieinheit und Evangelium

Beitragvon Martin Hern » 25.04.2016, 19:53

Könnte mir jemand erklären oder ein link geben , nach welcher stelle im Evangelium die Orthodoxie ihre Sichtweise über die Heilige Dreieinheit bezieht?

Da diese frage nicht in dieses Thema gehört, bitte ich darum sie in das dementsprechende Forum zu verschieben. Danke

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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon Lazzaro » 26.04.2016, 07:05

1.)
Joh.14:16 Et ego rogabo Patrem, et alium Paraclitum dabit vobis, ut maneat vobiscum in æternum, ...
Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.

Und noch deutlicher bei Joh.14:26
Paraclitus autem Spiritus Sanctus, quem mittet Pater in nomine meo, ille vos docebit omnia, et suggeret vobis omnia quæcumque dixero vobis.
Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
:book: 2.) Vor einer weiteren Diskussion empfehle ich dringend folgendes gelesen zu haben:
Hausamman, Susanne: Alte Kirche Band 3, Gottes Dreiheit, des Menschen Freiheit; Neukirchen 2003 S.1-129 und
dies.: Alte Kirche Band 5, Der andere Wg der Orthodoxen Kirchen; Neukirchen 2005 S.155-185

Grundsätzlich kann ich allen Lesern die Lektüre des gesammten Werkes empfehlen.
Lazarus

Martin Hern
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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon Martin Hern » 26.04.2016, 11:52

1.)
Joh.14:16 Et ego rogabo Patrem, et alium Paraclitum dabit vobis, ut maneat vobiscum in æternum, ...
Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.

Und noch deutlicher bei Joh.14:26
Paraclitus autem Spiritus Sanctus, quem mittet Pater in nomine meo, ille vos docebit omnia, et suggeret vobis omnia quæcumque dixero vobis.
Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Ja das Läst einiges zur Interpretation offen.

Aber was ist mit dem austausch zwischen Vater und Sohn? Ist das nicht auch der heilige Geist? Und wenn das heiliger Geist ist, dann geht an dem punkt schon einmal auch von Jesus heiliger Geist aus. Und ist die aussage Jesu (Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll.)
nicht vielleicht darauf bezogen,das Jesus den Vater um das Senden des Heiligen Geistes Bittet weil ihm die Einigkeit wichtig ist? Denn Jesus hat ja auch gesagt das ihm vom Vater alle Macht gegeben worden ist im himmel und auf erden.
Und Johannes der Täufer sagte : Ich Taufe euch mit Wasser. Der aber der nach mir kommt der wird euch mit heiligen Geist und Feuer Taufen.

Lazzaro
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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon Lazzaro » 26.04.2016, 13:08

Neben der oben erwähnte Lektüre:
Hausamman, Susanne: Alte Kirche Band 3, Gottes Dreiheit, des Menschen Freiheit; Neukirchen 2003 S.1-129
Dieser Band enthält im ersten Teil die Auseinandersetzungen um die Trinitäts-lehre, die der alexandrinische Presbyter Arius veranlasst hat.
Quelle: "Amazonien"
und dies.: Alte Kirche Band 5, Der andere Weg der Orthodoxen Kirchen; Neukirchen 2005 S.155-185
Das zweite Kapitel thematisiert den westlichen Einschub des "filioque" ("und vom Sohn") in den Text des dritten Artikels des Ökumenischen Glaubensbekenntnisses von 379/81 und dessen Auswirkung auf die ökumenischen Unionsgespräche der Gegenwart.
Quelle: "Amazonien"
Empfehle ich auch folgendes Werk zum Studium der orth. Theologie:
Felmy, Karl Christian: Einführung in die Orthodoxe Theologie der Gegenwart, Berlin 2011
In der rumänischen Fassung dieses in sechs Sprachen übersetzten Buches lautet der Titel: »Dogmatik der kirchlichen Erfahrung«. So werden zwei Eigenarten der Darstellung hervorgehoben: Daß es sich insbesondere um eine dogmatische Theologie handelt und daß das Prinzip kirchlicher Erfahrung eine besondere Rolle spielt. Darum werden dem orthodoxen Gottesdienst mit seinen Gebeten, der orthodoxen kirchlichen Hymnik und der für den Gottesdienst bestimmten Ikone besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Theologische Gegenstände und Fragenkomplexe werden vornehmlich von dem her, was erfahrbar ist, erläutert, wie es für die orthodoxe Theologie der Gegenwart kennzeichnend ist. Das Buch hat gegenüber vergleichbaren Darstellungen den Vorzug, Außen- und Innenperspektive in glücklicher Weise zu vereinen.
Quelle: "Amazonien"
L.

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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon Martin Hern » 26.04.2016, 17:12

Erscheinung des Auferstandenen vor den Jüngern

19 Als es nun Abend war an jenem Tage, dem ersten der Woche, und die Türen, wo die Jünger waren, aus Furcht vor den Juden verschlossen waren, kam Jesus und stand in der Mitte und spricht zu ihnen: Friede euch! 20 Und als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. (1. Johannes 1.1) 21 [Jesus] sprach nun wiederum zu ihnen: Friede euch! Gleichwie der Vater mich ausgesandt hat, sende ich auch euch. (Johannes 17.18) 22 Und als er dies gesagt hatte, hauchte er in sie und spricht zu ihnen: Empfanget den Heiligen Geist!

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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon Thuja » 26.04.2016, 21:22

Hallo Martin Hern!

Es wäre gut, wenn Du die Stelle, die Du zitierst, genauer angeben würdest mit Johannes 20, also auch das Kapitel, nicht nur die Verse.

Ganz so einfach war das Ganze meines Wissens nach nicht:
Vor Seinem Leiden und Seinem Tod versprach der Herr den Jüngern, ihnen den Tröster, den Geist der Wahrheit, zu senden. Vor Seiner Himmelfahrt wiederholte Er Sein Versprechen erneut. Nach der Himmelfahrt des Herrn kehrten Seine Jünger und Apostel nach Jerusalem zurück und gingen, wie die Überlieferung sagt, in dasselbe Haus auf dem Berg Zion, wo das letzte Abendmahl stattgefunden hatte. Dorthin waren auch die Mutter Gottes und einige Frauen gekommen. Sie fühlten sich wie eine einzige Familie und beteten alle gemeinsam in Erwartung der Erfüllung der Worte des Herrn und der Herabkunft des Heiligen Geistes und machten sich bereit, Seine Gnadengaben zu empfangen.

Und dazu lese ich dann in der Apostelgeschichte 2:
Das Kommen des Heiligen Geistes

1 Und als der Tag des Pfingstfestes erfüllt war, waren sie alle an einem Ort beisammen.

2 Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen, als führe ein gewaltiger Wind daher, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen.

3 Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden Einzelnen von ihnen.

4 Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.

...

32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt, wovon wir alle Zeugen sind.

33 Nachdem er nun durch die Rechte Gottes erhöht worden ist und die Verheißung des Heiligen Geistes vom Vater empfangen hat, hat er dieses ausgegossen, was ihr seht und hört.


Christus hat den Heiligen Geist auch vom Vater empfangen, erst dann konnte er ihn "weitergeben"... er war nicht "von sich aus" damit erfüllt...
So hat der Hl. Geist erst zu Pfingsten die Jünger erfüllt, vorher wurden ihnen "nur" die Gaben der Heilung und Sündenvergebung von Christus übergeben... Dieses von Dir zitierte "Anhauchen" hat damit noch keine weitere Wirkung ausgelöst, es ist eine weitere Ankündigung dessen, was noch kommen wird.
D. h., der Hl. Geist geht allein vom Vater aus.

Liebe Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!

Martin Hern
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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon Martin Hern » 26.04.2016, 21:57

Aber Liebend gerne Gebe ich die Stelle aus Johannes Evangelium an, war jetzt nur davon ausgegangen das man die vier Evangelien kennt.

Joh 20,19-22.

Nun das der Heilige Geist vom Vater ausgeht hat die RKK wohl nie geleugnet ! da Der Vater ja den Sohn Gezeugt hat.
Nur wo ja der haupt Streitpunkt liegt sind ja die Glaubensbekenntnisse !

Da bekennt ihr: den Heiligen Geist, den Herrn, den Lebenschaffenden, den aus dem Vater Hervorgehenden, den mit dem Vater und dem Sohn Angebeteten und Verherrlichten,.....

Und wir bekennen:Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird,.....

Ich denke das der Standpunkt unserem Glaubensbekenntnis mit Joh 20,22. klar bestätigt ist.

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Re: H - wie Hypostasen

Beitragvon Thuja » 26.04.2016, 22:23

Hmmm, diese Einführung des "filioque" war allerdings keine kirchliche Entscheidung, sondern eine politische von Karl dem Großen, also einem "Weltlichen" initiierte, um sein "Reich" zu einen...
Diese geschichtlichen Grundlagen sind Dir ja sicher ein Begriff, ansonsten hier nochmal gut und kurzgefasst zur Info aus http://www.rhodos-info.de/frames/orthodoxe.htm:
In den Konzilien zu Nicäa und Konstantinopel war zu glauben festgehalten, dass der Heilige Geist, die dritte Person der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, allein vom Vater ausgeht, und tatsächlich war das Glaubensbekenntnis jahrhundertelang ausschließlich in den Kirchen des Westens wie des Ostens so im Gebrauch. Der Zusatz, der Heilige Geist gehe nicht nur vom Vater, sondern auch vom Sohn aus, taucht zum ersten Mal im 6. Jahrhundert in Spanien auf und fand offensichtlich rasch Zustimmung. Lateinische Mönche, die im Jahre 807 in Jerusalem das Glaubensbekenntnis mit diesem Zusatz sangen, lösten damit einen heftigen Streit mit den dortigen griechischen Christen aus. Papst Leo III. stellte daraufhin 809 fest, der Zusatz sei zwar in sich rechtgläubig, aber niemand habe das Recht, am Glaubensbekenntnis auch nur ein einziges Wort zu ändern, und ließ zwei Tafeln mit dem griechischen und dem lateinischen Text ohne den Zusatz im Petersdom aufstellen. Schließlich habe ja das von allen anerkannte Konzil zu Ephesus festgelegt, dass der Wortlaut des christlichen Bekenntnisses ein für allemal feststehe.
In den folgenden Jahrhunderten drehte sich denn auch der Streit viel weniger um den Inhalt des Zusatzes "filioque", als vielmehr darum, ob der römische Papst als Patriarch des Westens das Recht habe, am Glaubensbekenntnis irgendetwas zu ändern. Der theologische Inhalt dieses Streites war den einfachen Gläubigen ja ohnehin nicht zu vermitteln. Das Glaubensbekenntnis, einst formuliert in der Sprache griechischer Philosophie, war schon damals ein schwieriger Text, den man zwar auswendig lernte, aber kaum verstand. Im 15. Jahrhundert gab es noch einmal intensive Religionsgespräche zwischen Ost und West zu diesem Thema:
Konstantinopel war in äußerster Bedrängnis wegen der Türken und hätte den Beistand des Westens dringend gebraucht. Stattdessen sieht es so aus, als hätte man im Patriarchat Rom diese Bedrängnis ausgenutzt, um dem Osten das "filioque" aufzuzwingen. Kein Wunder, dass diese Gespräche scheiterten, Ost und West blieben in dieser Frage uneins. Warum wir heute noch von diesem alten Streit reden? Es blieb für die orthodoxe Kirche unbegreiflich, warum der Westen mutwillig das gemeinsame Glaubensbekenntnis aufgegeben hat und nicht bei der Tradition geblieben ist, die viele Jahrhunderte lang Ost und West miteinander verbunden hat.

Siehe auch die politischen Details nochmals genau bzgl. der Rolle Karls des Großen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Konzil_von_Aachen_(809)
und https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_der_Gro%C3%9Fe

Und wir Orthodoxen gehen von dem bereits einige Jahrhunderte vorher gültigen unveränderten und unveränderlichen Glaubensbekenntnis aus, schließlich haben ja unsere Kirchenväter das entsprechend gültig entschieden aufgrund der vorhandenen Quellen.., da besteht keine Notwendigkeit, irgendetwas daran herumzutun, erst recht nicht für unsereins "Laien"... Ein "filioque" werden wir daher NICHT beten, egal, wie Du auch immer das begründen möchtest.

Liebe Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!


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