G - wie Große Fastenzeit

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Igor
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Re: G - wie Große Fastenzeit

Beitragvon Igor » 02.03.2014, 20:44

Grüß Gott!

Nun hat die wieder Große Fastenzeit begonnen, an deren Ende die Karwoche und das lichte Fest der Auferstehung Christi stehen. Schön, dass in diesem Jahr Ost- und Westkirche dies zum gleichen Zeitpunkt begehen werden.

Euch allen eine gesegnete, friedliche Fastenzeit!

In Christo
Igor
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

Lazzaro
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Re: G - wie Große Fastenzeit

Beitragvon Lazzaro » 02.03.2014, 21:02

Auch von mir alle guten Wünsche zur Fastenzeit:
Geduld, Liebe, Ausdauer und eine gute Beziehung zu Gott und dem Nächsten.

Troparion im 8. Ton, aus dem röm Ritus übernommen:

Siehe nun ist die Zeit der Gnade, * siehe nun sind die Tage des Heiles: * So wollen wir in diesen Tagen uns als Diener Gottes erweisen: * In vieler Geduld, in Fasten, in Wachen, in ungeheuchelter Liebe.

Kontakion vom heiligen Romanos derm Meloden im8. Ton:
Seele Gedenke in deinem Leben der Prüfung des furchtbaren Richters * und erinnere dich der Seufzer des Zöllners, der Klagen der Dirne. * welche voll Zerknirschung rief: * Auf die Fürbitten der Heiligen gewähre mir Versöhnung, ** der Du willst, daß alle Menschen gerettet werden!

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MariaM
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"Fasten" - Verzicht nach Wahl?

Beitragvon MariaM » 04.03.2014, 20:11

Hallo, ich wünsche auch allen eine gute Fastenzeit = καλή Σαρακοστή!

Und hätte auch noch eine Frage, die mir dazu gerade einfällt: Was haltet ihr eigentlich von dieser Art "Fasten", wie es in Deutschland (ich weiss nicht ob auch noch woanders?) manche Leute aus christlichen Kreisen machen - also dass man sich im Grunde aussucht, worauf man in dieser Zeit verzichten will, um sich bewusster zu werden, "wie gut wir es haben" und sich eher auf "Spirituelles" konzentrieren will?

Ich meine, es ist ja einerseits schon gut, dass Menschen mal ein bisschen vom Konsum wegkommen und sich besinnen, dass es da ja mal "sowas wie Fastenzeit" gab/gibt ;-), und dass sie versuchen, diese irgendwie "wieder zu beleben" - für sich und in ihrem Kontext. Geht ja eigentlich schon grundsätzlich in die richtige Richtung von Bescheidenheit, Dankbarkeit, etwas von seinem Ego wegkommen und sich auf Geistliches (Gott) konzentrieren... Oder?
Aber andererseits hat es irgendwie sowas X-Beliebiges, wenn der eine sagt, er verzichtet auf Kaffee oder Schokolade, der nächste auf Comichefte, der Dritte auf Fernsehen... Da pickt sich so jeder was heraus, das finde ich auch etwas seltsam... Oder z.B. in dieser Diskussion hier, wo jemand quasi überlegt, worauf er/sie denn mal verzichten könnte - wie wenn man überlegt, was man einkauft oder so... ;-) Hm, was denkt ihr dazu?

Gruss, M.

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MariaM
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noch zum "Fasten"...

Beitragvon MariaM » 04.03.2014, 20:15

P.S. Ach so, ich meinte diese Diskssion in einem Internetforum:

http://www.rund-ums-baby.de/osterforum/ ... _17916.htm

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Thuja
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Re: G - wie Große Fastenzeit

Beitragvon Thuja » 04.03.2014, 21:34

Liebe MariaM,

nun, ich denke, die Westkirchen sind in diesem Punkt schon sehr "verweltlicht" und haben den ursprünglichen Sinn des Fastens nicht mehr "auf dem Plan"... und dass dann ein paar Menschen auf die Idee kommen, sich zu prüfen, ob sie nicht ein "Laster" ablegen könnten in dieser Zeit, um dem Ganzen wieder etwas "Sinn" zu verleihen, kommt nicht von ungefähr... und im besten Fall verzichtet man in der Zeit ja auf etwas "liebgewordenes", aber eigentlich nicht "nötiges", um zu gucken, ob man das wirklich "braucht" oder vielleicht doch nicht... also ein bisschen mehr Bewusstheit im Leben... und das hat natürlich bei jedem individuell ein anderes Aussehen... ganz "beliebig", wie Du meinst, vielleicht doch nicht.
Ich musste heute einer Arbeitskollegin auch erst mal unsere "Fastenregeln" erklären, als ich ihren Faschingskrapfen ablehnte, eben weil wir ja seit gestern schon Fastenzeit haben, nicht erst ab morgen, sie sah dann "nur die Einschränkungen" und große Strenge darin, aber nicht die ebenso enthaltene Freiheit zum Gebet und Konzentration auf's Eigentliche, Geistliche... Jemandem, der das nie kennengelernt hat aus eigener Erfahrung, zu erklären, ist schwierig, weil für den anderen kaum nachvollziehbar...

Liebe Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!

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MariaM
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Re: G - wie Große Fastenzeit

Beitragvon MariaM » 04.03.2014, 22:12

Hallo Thuja,
eben, ich finde es auch nachvollziehbar, dass die Menschen dann selber versuchen, dem Ganzen (wieder) einen Sinn zu verleihen.
Und du hast schon recht, "beliebig" ist es dann ja nicht, denn sie wollen etwas finden, wo der Verzicht für sie Sinn macht...

Irgendwie denke ich gerade, vielleicht ist es sogar schwerer (und somit "richtiger"?), wenn man gezielt auf etwas Liebgewordenes verzichtet? Nur so ein Gedanke...
Ich z.B. esse eh kein Fleisch und das schon ungefähr mein halbes Leben lang. Darauf zu verzichten bedeutet also keinen Verzicht für mich, es ist normal. OK, bei Milchprodukten ist das anders, denn ich mag schon gerne Käse und Joghurt etc. ;-) Aber z.B. Kaffee fände ich schwerer... Wobei den gabs ja noch gar nicht, als die Fastenregeln festgelegt wurden? Würde er also auch eigentlich darunter fallen, da ein "Luxusgut"???

Auch sonst haben sich ja Dinge geändert - Meeresgetier ist heute oft eher Luxus und nicht was für arme Leute, wie früher wohl... Sollte man das nicht auch in Betracht ziehen?

Hm... vielleicht ist es also gar nicht so abwegig, das Fasten auf jeden Menschen zuzuschneiden, quasi "nach Mass"...?

Bin gespannt auf weitere Überlegungen von euch zu diesem Thema! Gruss, M.

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Re: G - wie Große Fastenzeit

Beitragvon Thuja » 04.03.2014, 22:33

Liebe MariaM,

sprich mit Deinem Beichtvater, was er bei Dir zum Kaffe sagt...
Ich trinke wenig Kaffee, daher fällt mir eine gewisse Zeit "ohne" gar nicht weiter auf..
Mit Fleisch habe ich's auch nicht, das fällt mir zum Verzicht nicht schwer... übrigens, in den Klöstern wird ja grundsätzlich kein Fleisch gegessen, also haben die Mönche und Nonnen dort damit auch kein Problem.
Milchprodukte sind für mich auch schwieriger (Quark und Joghurt esse ich eigentlich ansonsten regelmäßig, mag ich sehr gern)... und vor allem Schokolade... Milchschokolade, da ist ja nun wirklich Milch drin... ich gebe zu, ich bin "verschleckt" und "Schoki-Fan"... bemühe mich zwar, das in Grenzen zu halten, aber gerade zu Beginn der Fastenzeiten tu' ich mich damit extrem schwer, an Schokolade "vorbeizugehen" beim Einkaufen... so nach 'ner Woche etwa geht's dann leichter.
Und ich denke, Fisch muss auch nicht immer auf den Tisch kommen, bloß weil er grad "erlaubt" ist an bestimmten Tagen, wenn ansonsten die Ernährung ausgewogen ist. Wir haben ja hier mit Sojaprodukten etc. noch viel mehr Auswahlmöglichkeiten als die Menschen zu jener Zeit, als die Fastenregeln festgelegt wurden, denn die Gesundheit soll ja nicht beeinträchtigt werden durch Mangelernährung.

Eine gute Fastenzeit wünsche ich auch Dir!

Alles Liebe
Thuja
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Re: G - wie Große Fastenzeit

Beitragvon Lazzaro » 13.03.2016, 21:45

Liebe Forenteilnehmer,
Liebe Leser!
Ich wünsche allen eine Gesegnete Fastenzeit und eine freudige Auferstehung als deren Abschluß !!
Lazarus

Kontakion vom heiligen Romanos dem Meloden im 8. Ton:
Seele Gedenke in deinem Leben der Prüfung des furchtbaren Richters * und erinnere dich der Seufzer des Zöllners, der Klagen der Dirne. * welche voll Zerknirschung rief: * Auf die Fürbitten der Heiligen gewähre mir Versöhnung, ** der Du willst, daß alle Menschen gerettet werden!

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Re: G - wie Große Fastenzeit

Beitragvon Thuja » 13.03.2016, 21:58

Und ich wünsche auch allen ForINEN und LeserINNEN hier eine gute Fastenzeit!!! :lol:
Rest-Schoki und -Quark sind aufgegessen, einem "richtigen" Anfang steht nichts im Wege!!
Und der "große Kanon" des hl. Andreas von Kreta liegt auch schon bereit...

Liebe Grüße
Thuja
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Re: G - wie Große Fastenzeit

Beitragvon Lazzaro » 13.03.2016, 22:24

Auch wenn die weiblichen Teilnehmerinnen und die weiblichen Leserinnen gramatikalisch nicht erkennbar waren, sind sie immer in meinem Herzen! :loveit:
Lazarus

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Re: G - wie Große Fastenzeit

Beitragvon Thuja » 13.03.2016, 23:10

Schon klar, lieber Lazzarro!!! :lol:
Musste es aber einfach nochmal ausformulieren... :book:

Liebe Grüße - nix für ungut! :loveit: :up:

Thuja
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Re: G - wie Große Fastenzeit

Beitragvon MariaM » 14.03.2016, 00:04

Liebe Thuja, hier ist es auch genau so mit dem Restquark und Schoki... ;-) Jetzt kann es losgehen. :!:

Euch allen alles Gute für die Fastenzeit.

Eine Bitte noch: Könnt ihr mir bitte sagen, was und wie ihr betet in dieser Zeit, oder was sich sonst ändert bzw. zu beachten ist? (Ausser dem veganen Essen und sonstiger Zurückhaltung von weltlichen Vergnügungen?)

Und noch eine Frage: Ich habe ausser den Ikonen in der Gebetsecke, auch noch immer mal eine Papierikone, farbig ausgedruckt vom Comuter, an die Pinnwand gehängt, je nach Jahreszeit - z.B. die Geburt Christi, danach Theofaneia, Ostern dann die Auferstehungsikone... usw. Aber welche nähme man dann jetzt...?

Danke! Gruss, Maria

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Re: G - wie Große Fastenzeit

Beitragvon Lazzaro » 17.03.2016, 11:27

Ich mache das bei meine privaten Gebeten folgendermaßen:
Das Tropar und das Kontakion wie oben am 02.03.2014, 21:02 angegeben:
Die übliche Entlassung "Die du geehrter bist als die Cherubim:" fällt weg und ich beende alle Gebete mit de Bußgebet des hl. Ephrem des Syrers:

Herr und Gebieter meines Lebens, den Geist der Trägheit, des Kleinmuts, der Herrschsucht und unnützer Worte nimm von mir. (große Metanie)
Gib mir hingegen, Deinem Knecht, den Geist der Weisheit, der Demut, der Geduld und der Liebe. (große Metanie)
Ja mein Herr und König, laß mich sehen meine eigenen Fehler und nicht richten meine Brüder und Schwestern, denn Du bist gesegnet von Ewigkeit zu Ewig keit. Amen. (große Metanie)
O Gott sei mir Sünder Gnädig und Erbarme Dich meiner. (12x mit kl. Metanie)
Und das ganze Gebet ein 2. Mal mit einer großen Metanie am Schluß.
Anschließend drei Große Metanien ohne "Auf die Fürbitten der hl. Väter:"

Das entspricht nicht exakt der liturgischen Ordnung, hat sich aber einfach bei mir so eingebürgert.

In der Fastenzeit wird in der Kirche schon immer (und zwar in Ost wie West!) die Genesis gelesen. So versuche ich das auch oder ich lese das Exameron / das Sechstagewerk des Ambrosius von Mailand, das des hl. Basilius geht natürlich auch, habe ich aber nicht daheim.

Lazarus

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Re: G - wie Große Fastenzeit

Beitragvon MariaM » 18.03.2016, 11:17

Lazarus, danke! M.

stephan
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Re: Kurze Fragen - kurze Antworten!

Beitragvon stephan » 18.03.2016, 19:51

Hallo zusammen,

ein Gespräch mit meiner Frau warf folgende Frage(n) auf: was ist mit einem Kind, das in der Fastenzeit gezeugt wurde? Hat es irgendeine Form von "Makel", abgesehen davon, dass Frau und ich dann gegen Fastenregeln verstoßen hätten?
Meine Frau sagt ja, das darf man nicht, kann es aber nicht erklären (vom "Fastenbrechen" mal abgesehen). Ich meine "nein", denn Gott liebt das Leben und Kinder, und schließlich sind wir verheiratet und getauft. Ich stelle mir höchstens bildlich vor, wie Gott uns ermahnt, aber dem "Ergebnis" letztendlich seinen Segen gäbe. :) Dem Kind eine Bürde aufzuerlegen kann ich mir nicht vorstellen.
Hier lese ich allerdings:
...Denn in keinem Fall gibt es im Himmel Leben durch Töten (Fleischessen), und weder Sterben noch Geborenwerden, also auch keine Zeugung. Die Engel zeugen nicht und wir im Paradies auch nicht mehr. Mehr sehe ich in Mk 12,25 nicht ausgesagt.


viewtopic.php?f=13&t=1511&p=3477&hilit=zeugung+fastenzeit#p3477

oder bezieht sich das nur auf Mönche?


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