Erwachsenentaufe syrisch-orthodox

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Loni
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Erwachsenentaufe syrisch-orthodox

Beitragvon Loni » 03.03.2017, 13:28

Hallo zusammen

Ich habe eine Frage und ich hoffe, mir kann sie jemand beantworten.

Ich selber gehöre zur syrisch-orthodoxen Kirche. Ich möchte mich gerne über die Erwachsenentaufe bei der syrisch-orthodoxen Kirche informieren weil ich jemanden kenne, der sich dafür interessiert. Wie ist da der Prozess einer Erwachsenentaufe? kann man unverzüglich den Pfarrer kontaktieren und um eine Taufe bitten, oder muss man dafür einige "Seminare" besuchen?

wie muss sich die Person auf eine Taufe vorbereiten? muss man selber eine Rede halten? braucht der Erwachsene auch einen Taufpaten?
Und was sind die Kosten einer Taufe?

Ich danke im Voraus für Antworten.

Liebe Grüsse
Loni :-)

Lazzaro
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Re: Erwachsenentaufe syrisch-orthodox

Beitragvon Lazzaro » 04.03.2017, 00:33

Hallo Loni!
Herlich willkommen im Forum!

Da wir meines Wissens keinen Teilnehmer aus der syrischen Tradition hier schreiben haben, beantworte ich die Frage etwas allgemeiner. Dieser Prozess ist in allen Gemeinden mehr oder weniger der Gleiche.

Als erstes beginnt man, regelmäßig den Gottesdienst zu besuchen. Mit etwas Glück findet man bald jemanden, der aufkommende Fragen beantworten kann. Ganz wichtig: Vor der Taufe geht man nicht zur Heiligen Komunion, Empfängt man nicht die Heiligen Gaben. Wenn nach der Liturgie / Qurbana etwas gesegnetes Brot verteilt wird, kann man etwas abbekommen.
Wenn man sich in die Gemeinde eingelebt hat und der Priester einen schon vom sehen kennt, stellt man sich zu einem geeigneten Zeitpunkt vor und erklärt, wer man ist und warum man die Kirche besucht. Da ich aber die Freundlichkeit der Orientalen sehr schätze, wird wohl eher der Priester auf den neuen Gottesdienstbesucher zukommen. :lol:

Wieder nach einiger Zeit, bittet man den Priester um die Taufe und erklärt ihm die Beweggründe. Wenn er zustimmt, beginnt eine Zeit posting.php?mode=smilies&f=7des konkreten Lernens. Die wichtigsten Gebete müssen auswendig gelernt werden, sicher auch etwas aramäisch. Es ist auch sinvoll, einige kulturelle Eigenheiten (z. B. was esse ich in den Fastenzeiten) zu erlernen, etwas Theologie und Kirchengeschichte zu betreiben, damit man den größeren Zusammenhang besser versteht. Wie der Priester diesen Stoff vermittelt, der Fachbegriff heißt Katechumenenunterricht, ist seine Sache, beziehungsweise eine Frage der Resurcen der Gemeinde.
Diese Schritte können auch in einer anderen Reihenfolge ablaufen, aber man soll im Durchschnitt etwa ein Jahr dafür einplanen.

Dann kommt der große Tag:
Für die Taufe braucht man ein Taufgewand, wenn mann als Erwachsener ganz untergetaucht wird und natürlich auch ein sauberes neues Handtuch zum Abtrocknen. Traditionellerweise fastet man auch vorher.
Im Gottesdienst, aber vor der Taufe, wird der Täufling gefragt, ob er an Gott und Jesus glaubt, und der Täufling muß antworten und auch das Glaubensbekenntnis aufsagen können. In diesem Fall warscheinlich auf aramäisch. (Die meisten können es sowohl vor als auch nach der Taufe, aber währenddessen verhaspeln sie sich. Ablesen oder Vorsagen ist daher erlaubt.)

Kosten entstehen für die Taufe keine, es kann aber sein, daß eine Spende erwartet wird, weil der Priester von diesen Spenden seinen Lebensunterhalt bestreitet. Unabhängig davon gehöhrt es sich, daß jedes Gemeindeglied seine Kirche materiell unterstützt. Das kann ein Dauerauftrag bei der Bank sein. Je nach Fähigkeiten können das aber auch praktische Dinge wie die Mithilfe beim Putzen oder die Wartung der Hauselektrik sein.

Zu guter Letzt: Der eigentliche Prozess des Hineinwachsens in die Kirche beginnt immer erst nach der Taufe. (Wieso haben wir hier kein Taufbeckensmily ???)

Viele Grüße
Lazarus

Lazzaro
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Re: Erwachsenentaufe syrisch-orthodox

Beitragvon Lazzaro » 04.03.2017, 17:03


Loni
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Re: Erwachsenentaufe syrisch-orthodox

Beitragvon Loni » 04.03.2017, 23:46

Vielen Dank für die Antwort, @Lazzaro

Weisst du vielleicht auch, wer an einer Taufe anwesend sein wird, ausser der Priester?

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MariaM
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Re: Erwachsenentaufe syrisch-orthodox

Beitragvon MariaM » 05.03.2017, 16:00

Hallo,
also anwesend sein muss meines Wissens mindestens der Täufling und der Priester. :-)

Einen Paten muss man als Erwachsener nicht haben, aber man kann. (Denn als Erwachsener ist man ja selbst verantwortlich, hat Katechumenenunterricht in irgendeiner Weise absolviert usw., wofür ja bei Babys und Kindern der Pate verantwortlich ist, es quasi im nachhinein sicherzustellen und das Kind im christlichen Leben zu begleiten. Ich finde aber, auch als Erwachsnere ist es schön, z.B. einen Freund, der schon mehr Erfahrung mit dem orthodoxen Glauben hat, als Paten zu haben... :-))

Und ansonsten kommen wohl die, die man einlädt (Familie, Freunde) bzw. die, die auch sonst in die Kirche bzw. zum Gottesdienst kommen würden...

MIt dem Taufgewand kenne ich es übrigens so (auch eigene ERfahrung), dass man es NACHHER anzieht, wenn man aus dem Wasser kommt. Im Wasser trägt man Badehose/Badeanzug o.ä., jedenfalls noch nicht das Gewand. Mir wurde es vom Priester auch so erklärt - Babys/Kleinkinder haben gar nichts an, Erwachsene halt das Mindeste ;-) - aber gemeinsam ist, dass man danach, wenn man von den Sünden reingewaschen und quasi neugeboren ist, das Lichtgewand anzieht!
Es kann sein, dass das unterschiedlich gehandhabt wird, aber ich finde es eigentlich logisch so... Aber das wird sowieso mit dem Priester ganz konkret abzusprechen sein.

Ich denke das Grundschema einer Taufe ist ähnlich, so wie auch Lazzaro es beschrieb. Die Details und auch ggf. traditionelle Spezifika hängen vom konkreten Fall ab und man bespricht sie mit dem Priester. Wenn man erstmal einen gefunden hat, von dem man getauft werden möchte und der dem zustimmt, kann man ja alle weiteren Schritte konkret absprechen, und dann geht das schon gut. :-)

Gruss, M.


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