Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Kai
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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon Kai » 12.04.2016, 19:14

Luka Filipp Kiriak hat geschrieben:Aber jetzt kommt ja das Tolle, warum ich mich an der Ungenauigkeit des julianischen Kalenders immer wieder erfreuen kann!!! :D Da dieser Kalender sowohl dem astronomischen Sonnenjahr (derzeit 13 Tage) als auch dem jüdischen Mondjahr (mehrere Tage) hinterherhinkt, kann dieses Paradoxon doch gar nicht eintreten.
[...]
Man kann es drehen und wenden wie man will, die alexandrinische Osterberechnung des julianischen Kalenders ist (aus meiner Sicht) konzilskonform! :) :) :)

Lieber Luka,
vielleicht hat ja alles einen Sinn, wenn sich Fehler als Hilfen entpuppten, wer weiß?
Nochmal zum Pessach: Wie weit sind denn die Pessachtermine schon bekannt/herausgegeben, bzw. ist im jüdischen Kalender klar, wie es "in alle Zeit" weiterläuft? Gibt es Untersuchungen dazu, wann Ostern vor Pessach wäre (Regelmäßigkeiten oder Muster betreffend)? Nicht dass man jetzt Konzilsbeschlüsse mit Statistiken aushebelt, ich Frage mich nur in welcher Größenordnung dieser Fall liegt.

Ach, und dann noch hierzu:
Luka Filipp Kiriak hat geschrieben:Ich hatte dieses bereits schon in meine Überlegungen mit einbezogen, hier jedoch nicht darüber geschrieben. (möchte ja mit meiner vielen Schreiberei niemanden nerven)

Ich finde, du hast einen sehr angenehmen, weil überlegten und unaufgeregten Schreibstil, wegen mir musst du dich nicht bremsen :wink:
Grüße, Kai

Luka Filipp Kiriak
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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon Luka Filipp Kiriak » 12.04.2016, 20:34

Lieber Kai, ich kann dir nicht sagen, für wie weit in die Zukunft die Pessach-Termine herausgegeben sind. Du kannst dir diese aber selbst bestimmen (siehe Algorithmus in meinem ersten Beitrag). An dieser Berechnung wird sich auch "in alle Zeit" nichts ändern, sofern die Juden ihren Kalender nicht reformieren werden. Bei der neujulianischen und der gregorianischen Osterbestimmung könnte schon jetzt Ostern vor Pessach sein. Irgendwann würde bei diesen Kalendern Ostern immer vor Pessach sein. Ich habe ja deswegen mal ein Beispiel mit dem Jahr 30.001 gerechnet, damit man das mal für die weite Zukunft nachvollziehen kann. Beim julianischen Kalender kann es niemals passieren, dass Ostern vor Pessach fällt, es sei denn, die Juden reformieren ihre Pessach-Terminbestimmung/ihren Kalender. Aber darauf haben wir ja keinen Einfluss. Auch deswegen würde ja eine symbolische Pessach-Regel meiner Meinung nach mehr Sinn machen. Mit einer symbolischen Pessach-Regel wären wir völlig unabhängig von den Juden, so wie es ja eigentlich auch die Itention des Ersten Ökumenischen Konzils war.

Das habe ich aber im Prinzip alles schon geschrieben. Einfach nochmal reinschauen. ;) Bei Unklarheiten aber sehr gerne fragen! :) Das hilft dann auch mir, meine Überlegungen aus einem anderen Blickwinkel nochmals zu durchdenken. Schließlich könnte sich ja bei mir noch irgendwo ein Denkfehler verstecken. Aber zum jetzigen Stand meiner Überlegungen habe ich ein sehr gutes Gefühl mit dem julianischen Kalender! Dieser ist ein sehr bewährter und zuverlässiger Kalender für die Orthodoxe Kirche! :up: :) Ich bin aber auch offen für den (astronomisch genauen) neujulianischen Kalender, kann mir aber kaum vorstellen, dass ich dessen Einführung für die gesamte Orthodoxe Kirche noch erleben werde.

Liebe Grüße, Luka
Zuletzt geändert von Luka Filipp Kiriak am 12.04.2016, 22:33, insgesamt 1-mal geändert.

Kai
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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon Kai » 12.04.2016, 22:01

Lieber Luka,
jetzt wo du es schreibst kommt es mir auch wieder vom Anfang des Threads bekannt vor. :oops: Entschuldige, dass ich dir da die Mühen gemacht habe. Ich fang einfach nochmal vorne an zu lesen. Beste Grüße
Kai

Luka Filipp Kiriak
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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon Luka Filipp Kiriak » 12.04.2016, 22:29

Kein Problem. Ich freue mich, dass du dich so aufmerksam und mit sehr guten Hinweisen und Denkanstößen an der Diskussion beteiligst. Das gleiche gilt natürlich auch für alle anderen. :up:

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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon Igor » 15.04.2016, 22:14

Grüß Gott!

WDR 5, das Informationsprogramm des Radios des Westdeutschen Rundfunks, hat in seiner sonntäglichen Sendung über die Welt der Religionen „Diesseits von Eden“ einen Beitrag über die Osterdatierung gesendet.

Hier der :arrow:Link zum mp3, die relevante Stelle ist von 20:50 bis 26:00.

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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon ARI » 19.04.2016, 11:17

gibt es eine Begründung warum diese Kalenderänderung vorgenommen wurde ??? weil so weit ich weiß waren eigentlich alle griechischen Kirchenväter dagegen ? Ich als nicht- experte sondern Ahnungsloser im Bereich Theologie und Kirchengeschichte habe über Datierungsproblematik von Herrscherzeiten im alten Ägypten nur öberflächlich mit Kalenderproblematik auseinander gesetzt. Also ich weiß , dass der julianische Kalender 1/4 zu lang oder zu Kurz ist ??? also nach vier jahren liegt man ein tag zurück oder ein tag vor.. nach 4*365 Jahren stimmt der tag dann wieder überein ? Julius Cesar hat diesen Julianische Kalender eingeführt, übrigens der von den Priester der Ägypter abgelehnt wurde. Im Grunde entstammt es ja nicht von der Kirche, aber die heiligen Kirchenväter benutzen diesen Kalender ? ....Im Bezug auf das vorher gesagte hier im Topic und in Verbindung mit der Beachtung des jüdischen Passafest ist der georgainische Kalender abzulehnen ? und sowoh auch der modifizierte julianische Kalender ? Im Grunde bin ich der Meinung , dass man den julianischen Kalender beibehalten sollte.

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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon Kai » 19.04.2016, 11:26

Hallo ARI
ARI hat geschrieben:gibt es eine Begründung warum diese Kalenderänderung vorgenommen wurde ??? weil so weit ich weiß waren eigentlich alle griechischen Kirchenväter dagegen ?

Von welcher Kalenderänderung sprichst du, ich verstehe das in Zusammenhang mit den Kirchenvätern nicht.
ARI hat geschrieben: Ich als nicht- experte sondern Ahnungsloser im Bereich Theologie und Kirchengeschichte habe über Datierungsproblematik von Herrscherzeiten im alten Ägypten nur öberflächlich mit Kalenderproblematik auseinander gesetzt.

Ich war und bin immer noch ein "Nicht-Experte" aber dieser Strang und die Links helfen doch enorm weiter, das Problem zu erfassen und Lukas (und deinen) Wunsch, den julianischen Kalender beizubehalten, zu verstehen. Der gregorianische ist ja sowieso nur für die Finnen interessant, es ging vor allem um julianisch vs. neujulianisch.
Grüße
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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon Hermann » 19.04.2016, 12:20

ARI hat geschrieben:Also ich weiß , dass der julianische Kalender 1/4 zu lang oder zu Kurz ist ??? also nach vier jahren liegt man ein tag zurück oder ein tag vor.. nach 4*365 Jahren stimmt der tag dann wieder überein ?

Hallo ARI,

die Schalttage hat es auch bei den Römern schon gegeben, nur gab es nach anfänglichen Ungenauigkeiten einfach alle vier Jahre ein Schaltjahr. Nach der gregorianischen Kalenderreform ist jedes Jahr ein Schaltjahr, wenn es durch 4 teilbar ist, aber nicht wenn es durch 100 teilbar ist, aber wiederum, wenn es durch 400 teilbar ist und daher auch die zunehmenden Unterschiede zum julianischen Kalender. So war 1900 kein Schaltjahr, 2000 hingegen war eines, weil 2000 durch 400 teilbar ist.

Der hl. Justin von Celje ist nach altem Kalender an Maria Verkündigung (25. März) geboren und gestorben. Nach neuem Kalender ist er am 6. April 1894 geboren und am 7. April 1979 gestorben. Das Jahr 1900 war im julianischen Kalender ein Schaltjahr, aber nicht im gregorianischen und damit wuchs der Abstand julianisch - gregorianisch von 12 auf 13 Tage an.

LG, Hermann
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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon Nikolaj » 19.04.2016, 16:09

Wann werden daraus eigentlich 14 Tage? Feiern wir dann Weihnachten am 8. Januar?

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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon Igor » 19.04.2016, 17:05

Nikolaj hat geschrieben:Wann werden daraus eigentlich 14 Tage?


Am 01.03.2100, ist also noch ein wenig hin...
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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon Dschorik » 19.04.2016, 18:42

Igor hat geschrieben:
Nikolaj hat geschrieben:Wann werden daraus eigentlich 14 Tage?


Am 01.03.2100, ist also noch ein wenig hin...


Lach! :lol:
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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon Nikolaj » 20.04.2016, 08:35

Gut, weil ich wollte mich jetzt nicht umgewöhnen.

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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon ARI » 22.04.2016, 20:47

Kai hat geschrieben:Hallo ARI
ARI hat geschrieben:gibt es eine Begründung warum diese Kalenderänderung vorgenommen wurde ??? weil so weit ich weiß waren eigentlich alle griechischen Kirchenväter dagegen ?

Von welcher Kalenderänderung sprichst du, ich verstehe das in Zusammenhang mit den Kirchenvätern nicht.
ARI hat geschrieben: Ich als nicht- experte sondern Ahnungsloser im Bereich Theologie und Kirchengeschichte habe über Datierungsproblematik von Herrscherzeiten im alten Ägypten nur öberflächlich mit Kalenderproblematik auseinander gesetzt.

Ich war und bin immer noch ein "Nicht-Experte" aber dieser Strang und die Links helfen doch enorm weiter, das Problem zu erfassen und Lukas (und deinen) Wunsch, den julianischen Kalender beizubehalten, zu verstehen. Der gregorianische ist ja sowieso nur für die Finnen interessant, es ging vor allem um julianisch vs. neujulianisch.
Grüße
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naja ich meine die Kalenderänderung vom julianischen zum "modifizierten julianischen Kalender"...sorry nicht Kirchenväter sondern der Agio oros ..also die griechischen Mönche haben sich gegen diesen Schritt gewandt. Meine Meinung ist es ein schwerwiegende Sache und so ähnlich wie die Häresie von Rom.

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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon Maxime » 19.09.2016, 15:22

Ma sollte nicht ausser acht lassen, dass das kirchliche (orthodoxe) Kalender von einem Konzil definiert wurde und ein Konzil kann nicht einfach aufheben was ein anderer Konzil festgelegt hatte wie bei den römischen Katholiken. Sie berufen Konzilien nach Lust und Laune und verändern ihren Glaube wie es ihnen passt. Man kann wohl von einem orthodoxen Kalender reden denn es ist von einem Konzil (Kirche) definiert worden. Natürlich ist die Kalender Frage keine zentrale Glaubensfrage aber es gehört zu dem was die Kirche festgelegt hatte für immer und ewig, es spielt keine Rolle ob der Sonnen Kalender exakter ist oder nicht, wichtig ist: unsere Väter haben es so definiert unter der Führung des Hl.Geist.
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Re: Orthodoxes Osterdatum in Verbindung mit jüdischem Pessach

Beitragvon Priester Alexej » 20.09.2016, 13:16

Maxime hat geschrieben:Ma sollte nicht ausser acht lassen, dass das kirchliche (orthodoxe) Kalender von einem Konzil definiert wurde und ein Konzil kann nicht einfach aufheben was ein anderer Konzil festgelegt hatte


Warum? Wo steht so etwas?
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.


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