Beichte

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Łukasz
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Beichte

Beitragvon Łukasz » 20.12.2015, 17:03

Hallo Community,

wie einige wissen, bin ich erst seit kurzem orthodoxder Christ und somit ein absoluter Neuling. In der russisch-orthodoxen Gemeinde, zu der ich nun gehöre, ist es üblich vor der Heiligen Kommunion zu beichten. Nächsten Sonntag will ich zum Gottesdienst und auch die Heilige Kommunion empfangen. Was mich als Neuling interessiert ist der Ablauf bei einer russisch-orthodoxen Beichte: Was sagt der Priester, was sagt der Beichtende, was sagt oder tut man zuerst... der reguläre Ablauf einer solchen Beichte eben. Könntet ihr mir den beschreiben oder Links auf Internetseiten geben, wo das genau beschrieben wird? Wie gesagt, mich interessiert der genaue Ablauf einer Beichte, wie sie heutzutage in der Russisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland durchgeführt wird. Danke für eure Mühe.

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Igor
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Re: Ablauf der Beichte in der Russisch-Orthodoxen Kirche

Beitragvon Igor » 20.12.2015, 17:51

Hallo Łukasz,

auf der Webseite unserer Gemeinde gibt es ein :arrow: Merkblatt für die erste Beichte.

Das hilft Dir bestimmt erstmal weiter. Ein guter Tipp ist immer auch die Orthpedia, auch da gibt es einen Artikel dazu: :arrow: Das Sakrament der Buße – die Beichte.

In Christo
Igor
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Drea
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Beichte

Beitragvon Drea » 04.03.2016, 01:25

Da ja hier orthodoxe und katholische Christen schreiben, hoffe ich, dass mir jeman
d erklärten kann, wo die Unterschiede und Gemeinsamkeiten sind.

Gibt da. ja manche Vorurteile, wohl von beiden Seiten.
Beisp, orthodoxe Kollegin, eure Beichte ist nicht oeffentlich, ihr versteckt euch ( stimmt oft nicht, oft findet sie vor aller Augen, natürlich nicht vor aller Ohren statt.
Katholisch: die dürfen nur vor dem Gottesdienst beichten, außerhalb nicht. Und dann müssen sie vor allen beichten, das stellt den Beichten den bloß...

Was meine Wendigkeit betrifft, den Vorurteilen dieser Kollegin kann ich gut widersprechen, kann ja meine Kirche.

Das andere, ich bin sicher, das.Beichtende in orthodoxen NICHT blosshestellt werden...

Wa) ks ich aber Leier nicht weiss, wie läuft denn die Beichte ab?

Sah nur mal ein Bild von einer beichten den Frau, die mit ihrem BeichtvatUnd er vor dem oEvangelium stand, vor der Gemeinde, die aber nicht mithoerte. Da sehe ich keine Bloßstellung!

Liebe. Orthodoxe Geschwister, könnt ihr mir mal sagen, wie die Beichte ( in meinen Augen ein wichtiges Sakrament und ein tolles Geschenk unseres Herrin :D ) bei euch abläuft?

Gibt es bei euch auch einen sog. Gewissensspiegel, so als Vorbereitung? Und falls ja, kann mir den jemand vetlinken? Danke schon mal!

Von Herzen alles Liebe,

Gott segne euch
Andrea

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Re: Beichte

Beitragvon SebastianS » 04.03.2016, 06:57

Liebe Andrea,

Bei uns findet die Beichte natürlich nicht so statt, dass alle mithören können. In der Alten Kirche gab es eine öffentliche Beichte, aber das ist schon lange nicht mehr so. Dieses Kreuz, die Beichte zu hören, und die Sündenlast mit auf sich zu nehmen, hat nun der Priester alleine auf sich genommen. Denn zu hören, was der andere vor Gott und seinem Nächsten gesündigt hat, zu hören, ist nicht dazu da, um die Neugierde zu befriedigen, sondern ist ein Kreuz. Dies beschreibt Metropolit Antonij Surozhskij (Bloom) sehr schön in einem Text (hab ihn aber leider nur auf Russisch).

Der größte Unterschied zur katholischen Beichte ist der, dass der Beichtende sich nicht dem Priester zuwendet, sondern dem Analogion vor ihm, auf dem ein Evangelium und ein Kreuz liegen. Meist hängt noch eine Christusikone vor dem Beichtenden. Dies zeigt, dass wir unsere Beichte direkt an Gott richten und der Priester Zeuge davon ist. Normalerweise steht der Beichtende, seltener auch kniet er.
Es gibt keine Beichtstühle, wie in der katholischen Kirche. In manchen Gemeinden, gibt es einen kleinen Extraraum oder eine kleine abgeschiedene Ecke, in der man beichten kann. In anderen Kirchen findet die Beichte vorne in der Ecke, oder auch seitlich vor der Ikonostase statt. Es kann also sein, dass alle den Beichtenden sehen können, während er beichtet. Ich muss zumindest sagen, dass die Beichte "präsenter" ist in der Orthodoxen Kirche. Man sieht viel mehr Menschen, die beichten, und das macht es manchen Menschen vielleicht einfacher, auch zu Beichte zu gehen, weil sie sehen, dass sei nicht die einzigen sind.
Wenn sehr viele Menschen (und auch mehrere Priester da sind), dann können die Beichtenden schon mal sehr nahe an der Gemeinde stehen, aber wenn man als Beichtender flüstert, bekommt normalerweise dennoch niemand etwas mit.

Beichtspiegel gibt es schon, aber keinen offiziell abgesegneten. Auf Deutsch habe ich leider keinen zur Hand. Da kann vielleicht ein anderer Forant aushelfen. Eine mögliche Praxis ist es, seine Beichte anhand der 10 Gebote und der Seligpreisungen vorzubereiten.

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Re: Beichte

Beitragvon Igor » 04.03.2016, 19:00

Küken hat geschrieben:Beichtspiegel gibt es schon, aber keinen offiziell abgesegneten. Auf Deutsch habe ich leider keinen zur Hand. Da kann vielleicht ein anderer Forant aushelfen. Eine mögliche Praxis ist es, seine Beichte anhand der 10 Gebote und der Seligpreisungen vorzubereiten.



Vielleicht hilft das :arrow: Merkblatt für die erste Beichte
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Re: Beichte

Beitragvon Mary » 04.03.2016, 23:13

Drea hat geschrieben:Liebe. Orthodoxe Geschwister, könnt ihr mir mal sagen, wie die Beichte ( in meinen Augen ein wichtiges Sakrament und ein tolles Geschenk unseres Herrin :D ) bei euch abläuft?

Liebe Andrea,
in Ergänzung zu dem, was schon geschrieben wurde, möchte ich Dir auch noch antworten.

Der Beichtende fühlt sich nicht blossgestellt, auch wenn er vor aller Augen in der Kirche beichtet. Manchmal breitet der Priester seinen Arm und das Phelonion (das liturgische Obergewand) über den Beichtenden, so dass eine sehr geschützte Situation entsteht. Wenn jemand zu laut spricht, werden die anderen Gläubigen sich etwas weiter entfernt stellen, um nicht mitzuhören. Wenn einer sehr lange beichtet oder geknickt aussieht, werden sich sicher einige finden, die während der Beichte für diesen Bruder oder Schwester beten und für die Vergebung seiner und der eigenen Sünden bittet. Ziemlich oft geschieht es auch, dass einer, der gebeichtet hat, danach noch zu einem Bekannten geht und diesen auch um Verzeihung bittet, falls er eine Sünde gegen diesen Gläubigen gebeichtet hat.
Da die Beichte in unseren Augen keinen ausgeprägten Gerichtscharakter hat, sondern sich eher wie ein Arztbesuch anfühlt, ist es auch nicht weiter schlimm, dass andere dabei zusehen könne, respektive mitkriegen, wie lang man mit dem Priester spricht.

lieben Gruss
Mary
Let Your mercy, O Lord, be upon us, as we hope in You.

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Re: Beichte

Beitragvon Elias » 05.03.2016, 13:00

Nur zu Ergänzung liebe Mary,

in den griechischen Kirchen wird meist in einem Raum gebeichtet, bei der nur der Beichtvater und der Berichtende ist oder eben andere Orte bei der man alleine ist. Der persönliche Beichtvater muss nicht unbedingt der Pfarrer in der eigenen Gemeinde sein!

in Christo

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Re: Beichte

Beitragvon Drea » 06.03.2016, 01:08

Hallo! Ganz lieben Dank für die Antworten und Links!

@Igor, dieses für die erste Berichte ist gut, auch wenn es nicht die erste ist. Aber es hilft zu sortieren. Wir haben im Gotteslob auch einen Beichtspiegel, aber diesen finde ich, natürlich für mich ganz persönlich, konkreter. Werd ich nächstes Mal nutzen...

@Mary, du liebe....einen ausgeprägten Gerichts Charakter.....kenn ich so gar nicht. Arztbesuch trifft es gut! Die Seele, das allerinnerste wird geheilt. Ich kann, soll und darf vor Gott und der Kirche neu anfangen. Und weiß, wenn ich wieder scheitere ( was ich leider immer wieder tue), ich darf wieder kommen. Und wieder. Klar, der Vorsatz muss da sein. Aber wie leicht scheitert man -ich- im Alltag. Aber ich darf wieder kommen. Wie schon ist das!!!???

@Küken, danke für deine schöne Schilderung, wie das bei " euch" so abläuft! Diese deine Schilderung plus dem Link von Igor kann ich mir eure Beichte etwa vorstellen! Danke!!!!

Bei manchen Veranstaltungen ist es bei uns auch eher oeffentlich, aber auch sonst sieht doch jeder dass ich in den Beichtstuhl gehe...und wie lange ich bleibe. Den " Sichtschutz" find ich gar nicht schlecht. Bin so eine, die sehr nah am Wasser gebaut hat...
Der Gedanke, da sieht wer mein Elend und betet für mich ist schön... Aber, ganz ehrlich, ich schätzte diese Privatsphäre.
Wobei ich bei diesen Veranstaltungen, z.B Nightfever auch gerne gehe.....da sind meist gute, sehr engagierte Priester. Und ich fühle mich auch nicht beobachtet.
@Elias, ist bei uns auch so, ich muss nicht zu dem Pfarrer meiner Pfarrei gehen. In Städten gibt es sog. Beichtkirchen, wo ein Priester da ist um Beichte zu hören. In Dörfern und Kleinstädten sieht es leider oft lau aus. Bitte Termin machen...nun, da ist die Hemmschwelle oft groß. Wär bei mir auch so....hätte das Gefühl, mit meinem Wunsch nach Beichte lästig zu sein. So kann ich einfach hin gehen, ohne mich lästig, komisch oder sonst wie schlecht zu fühlen. Meier sind es Ordenspriester.

Sonntags, direkte vor der Heiligen Messe, gibt es bei uns leider keine Beichte. Aber den Tag davor.
Leider Geräte dieses Sakrament bei bei uns deutschen Katholiken immer mehr in Vergessenheit. Da werden gerne die Protestanten als Beispiel genommen. Schade....denn wie Mary so schön schrieb, wie ein Arztbesuch. Eine pure Gnade!

Was aber leider selbst Priester manchmal anders sehen, nach dem Motto, Beichte, alter Hut, bete doch einfach. Als ob der Beichtende nicht beten würde....

Noch ne Frage. Wenn ihr ( Orthodoxen) beichtet, ist das auch, bei Bedarf, ein Gespräch mit dem Priester? Redet ihr miteinander, gerade bei Sünden, die ihr immer wieder begeht, wie es besser laufen kann, was helfen kann?

Alles Liebe,
der Herr segne euch

Und noch mal danke für die Antworten!!!!

Andrea

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Re: Beichte

Beitragvon PascalBlaise » 06.03.2016, 12:36

Unter welchen Umständen wird oder sollte ein orthodoxer Priester die Lossprechung verweigern? Kommt das in der Praxis vor?

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Re: Beichte

Beitragvon Mary » 06.03.2016, 13:54

Drea hat geschrieben: Noch ne Frage. Wenn ihr ( Orthodoxen) beichtet, ist das auch, bei Bedarf, ein Gespräch mit dem Priester? Redet ihr miteinander, gerade bei Sünden, die ihr immer wieder begeht, wie es besser laufen kann, was helfen kann?

Das kommt drauf an, wieviel Zeit man hat. Sind viele Beichtende da, sollte man sich kurz halten. Samstag abends nach der Vesper oder bei einem extra Termin nimmt sich der Priester alle Zeit, die man braucht. Denn ja, es geht ja nicht nur darum, die Krankheiten aufzuzählen, sondern auch, die Heilmittel zu bekommen.
Wenn immer möglich beichten wir beim gleichen Priester, der uns dann auch schon gut kennt, auch ohne lange Sündenlisten. Der vielleicht sogar nachfragt, wie es denn in einem bestimmten Bereich jetzt gehe, ob das "Heilmittel" hilft.
Viele orthodoxe Christen haben auch noch zusätzlich einen geistlichen Begleiter oder Begleiterin. Dort ist besonders Platz für ausführlichere Gespräche. Manchmal geht es aber auch hier ganz kurz zu... man stellt eine Frage, man bekommt eine kurze Antwort. Diese sind oft die allerwertvollsten und hilfreichsten.

Noch zum Thema "nah am Wasser": Tränen sind in der Beichte absolut am Platz. Nicht das heulende - oder sogar sich selbst bemitleidende - Elend... aber die ruhigen, reinigenden Tränen, die oft dann fliessen, wenn der Heilige Geist wirkt. Um diese Tränen beten wir ausdrücklich. Und es stört deshalb auch keinen, wenn jemand während oder nach der Beichte ein Taschentuch benötigt :loveit:

lg Mary
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Re: Beichte

Beitragvon Mary » 06.03.2016, 14:02

PascalBlaise hat geschrieben:Unter welchen Umständen wird oder sollte ein orthodoxer Priester die Lossprechung verweigern? Kommt das in der Praxis vor?

Ich hab das nur einmal mitbekommen... da wurde zwar nicht die Lossprechung verweigert, aber der Priester riet dazu, mit der Kommunion noch zu warten. (Es war ein geschiedener Mann, der konvertiert war, um seine Russin heiraten zu können und der danach ziemlich aggressiv seine "Rechte" eingefordert hat)

Übrigens kennt meines Wissen nur die russische Kirche überhaupt eine Lossprechung durch den Priester, wobei die Formulierung eigentlich heisst:
Unser Herr und Gott Jesus Christus durch die Gnade und Barmherzigkeit seiner Menschenliebe vergebe dir, mein Kind N., alle deine Versündigungen; und durch seine mir verliehene Macht vergebe auch ich, der unwürdige Priester, dir und spreche dich los von allen deinen Sünden, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Es ist also ein Zwischending zwischen Vergebungsbitte und Lossprechung, die im Namen der Kirche, der Gemeinschaft erfolgt.

Andere orthodoxe Kirchen kennen nur die Vergebungsbitte des Priesters für sein Beichtkind...

lg Mary
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Re: Beichte

Beitragvon Drea » 06.03.2016, 23:50

@Mary, dann wäre das mit Zeit, Gesprächen.... bei uns auch so.

Das mit dem weinen ist so ne Sache....du hast da schon Recht. Peinlich ist es mir aber dennoch....auch wenn mein Verstand das so sieht, wie du es schriebst.
Na ja, und so ne kleine Ader zu Selbstmitleid hab ich schon :oops: Ist meinem Beichtvater bewusst, er sagt dann schon was dazu (will ich zwar nicht immer horen, nur, wo er Recht hat hat er Recht). Das ist dann okay, aber vor anderen peinlich.
Wobei ich die Berichten bei genannten Veranstaltungen dennoch gerne annehme. Die Leute gucken ja nicht auf mich, auch wenn ich mir das in dem Moment Einrede. Sie sind ja da, um zu beten, nicht um die Beichtenden zu beobacht en.
Und wenn in dem Moment jemand für mich betet....schoener Gedanke, vielleicht macht es ja wer....?
Mm, nach diesem Strang und diesen Antworten....ich habe noch nie für den gebetet, der gerade vor mir im Beichtstuhl ist, den ich rein gehen sehe....soll sich aendern!
Eigendlich arm, dass ich erst ein Forum brauche, um mal auf diese Idee zu kommen....Aber besser spät als nie, und hier ein Danke, dass mir das bewusst wurde!!!!

Alles Liebe,
Andrea

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"Kollektive" Beichte bzw. Lossprechung?

Beitragvon MariaM » 16.10.2016, 20:11

Hallo, liebe Schwestern und Brüder in Christus,
ich hätte heute auch mal eine Frage zur Beichte - und zwar:

Wie ich in früheren Beiträgen auch schon schrieb, gibt es ja in der hiesigen (Tschechien) Orthodoxen Kirche so ein bisschen "Mischmasch", was verschiedene TRaditionen usw, betrifft, da in manchen Kirchen/Gemeinden/Untergemeinden eher Russen oder Ukrainer sind, in anderen Rumänen, ansonsten natürlich auch Tschechen und auch die griechische TRadition ist mancherorts vorhanden. Also unterscheidet sich der Ablauf von manchem, je nachem wo man zur Liturgie geht.

Bis relativ vor kurzem was es durch die hiesigen Verwicklungen in der OK so, dass ich nicht so richtig wusste, wo ich hauptsächlich hingehen soll, wo ich "hin gehöre". Klar ist man als orth. Christ irgendwie in jeder orth.Kirche, wo auch immer, zu Hause, und das find ich auch, wie ich sagen muss, ein tolles Gefühl! :love: Aber trotzdem vermisste ich so etwas wie meine "Stammkirche". Nun ist vor kurzem mein Wunsch in Erfüllung gegangen - in der Hauptkirche, die es hier gibt und die von der hiesígen (tschechischen - böhmisch-mährischen) Kyrill-und-Method-Tradition geprägt ist, ist seit dem Sommer ein neuer Priester, der sehr sympathisch ist und vorher 6 Jahre auf Zypern gedient hat. Also kann er gut Griechisch und hat wie ich einen Bezug zur griechischen Orthodoxie - und macht nun regelmässig ausser den tschechischen Gottesdiensten auch welche auf Griechisch. Was mich natürlich total freut! :-)

Nur bin ich jetzt etwas verwirrt bzgl. mancher Dinge und kam noch nicht bei allem dazu, nachzufragen -z.B. eben die Beichte:

Bei russisch geprägten Liturgien, wo ich vorher mal war, gab es eine Beichte sogar während des Gottesdienstes, kurz vor der Hl.Kommunion ging man nach vorne zum Priester, der etwas abseits stand, und unter seinem Petraxeili (oder wie heisst das richtig auf Deutsch) beichtete man und bekam die Vergebung der Sünden. Das war quasi die "Zulassung" zur Kommunion.
Dann hörte ich aber in Predigten von griechischen Priestern, die ich oft höre, diese Praxis der Slawen sei "extrem". In Griechenland geht man ja eher unabhänging von der Kommunion zur Beichte, oft an einem Extra-Termin, und die Beichte muss quasi nicht unbedingt "total frisch" sein, damit man zur Kommunion kann. Hier bin ich ja öfter mal in eine rumänische Kirche gegangen, auch jetzt geh ich manchmal noch, weil ich sie einfach total mag. UNd der dortige Priester hat mir mal erklärt, dass die Beichte während des Gottesdienstes oder kurz davor bei ihnen eigentlich nicht üblich ist - viele würden wohl eher am Vorabend kommen oder einen Extratermin machen wie die Griechen. Es sei aber kein Problem, wenn ich ihm eine SMS schreibe und etwas früher komme, dass ich beichten kann, wenn er das somit vorher weiss, Das fand ich sehr nett und zuvorkommend.

Bei dem neuen Priester in meiner "Hauptkirche" habe ich auch schon gebeichtet. Aber es gab auch Fälle, wo ich es nicht mehr geschafft habe - ich kam zwar fruher und wollte danach fragen, aber es klappte irgendwie zeitlich nicht mehr und dann fing die Liturgie schon an. Ich bemerkte dann aber, dass er - und das kannte ich so vorher nicht - immer vor der Hl.Kommunion so etwas macht wie eine "gemeinsame Beichte bzw. Vergebung/Lossprechung." UNd danach wollte ich euch fragen, ob ihr das kennt und wie ihr dazu steht?
Also jetzt nicht, dass alle ihre Sünden sagen, sondern es ist ein gemeinsames Reuegebet, alle knien, und er sagt sinngemäss "Ich habe bewusst und unbewusst Sünden gegen dich, Herr, und meine Mitmenschen begangen ich bereue sie und bitte um Vergebung" Das klingt jetzt platt, ist aber viel länger und schon sehr ergreifend, wenn man wirklic reuig ist. Er hält dann das Petrachili hoch und macht sozusagen für alle die Lossprechung. Ich fragte mich dann, ob ich wohl zur Kommunion gehen könnte. Ich hatte auch den Abend/Nacht vorher die Vorbereitungsgebete gesprochen und seit Mitternacht nicht gegessen und getrungen. Auch hatte ich die Fastenzeiten eingehalten. Ich fragte dann schnell die Frau des Priesters, die gerade it den Kindern auch zur Kommunion ging, ob ich wohl gehen könnte, und sie meinte lächelnd "ja". Ich hatte auch vorher gebetet, Gott möge mich erleuchten, was ich tun sollte. Und so ging ich. War auch sehr dankbar und ergriffen dann.... Was denkt ihr?

Wie läuft das bei euch?

Ich muss mal danach fragen, wüsste aber trotzdem gerne schon jetzt mal von euch, wie ihr das seht. Danke! Gruss, Maria

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Re: "Kollektive" Beichte bzw. Lossprechung?

Beitragvon Mary » 16.10.2016, 22:28

MariaM hat geschrieben:
Wie läuft das bei euch?

Ich muss mal danach fragen, wüsste aber trotzdem gerne schon jetzt mal von euch, wie ihr das seht. Danke! Gruss, Maria

Hallo Maria,

eine solche allgemeine Beichte habe ich selbst noch nie erlebt, finde sie aber sehr sinnvoll und schön.

Letztlich geht es doch um die innere Haltung der Reue, um das Bewusstsein der eigenen Fehler und der Barmherzigkeit Gottes. Wir sollen sicher nicht leichtfertig zur Kommunion gehen, aber auch nicht mit zu viel Bedenken.

Ich denke da immer an den Ausruf des Diakons vor der Hl. Kommunion:
Mit Gottesfurcht, Glauben und Liebe tretet herzu.


Wie genau das in einzelnen Gemeinden gehandhabt wird, kann wie Du weisst, sehr unterschiedlich sein. Ich finde, wir dürfen uns mit gutem Gewissen einer Gemeinde und ihrem Priester anpassen und anvertrauen.

Lieben Gruss
Mary
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Re: Beichte

Beitragvon Hermann » 17.10.2016, 16:28

Hallo Maria,

bei unserem Urlaub heuer in Russland (in der Region Perm) habe ich am Fest der Entschlafung Mariens das erlebt: Da sehr viele in der Kirche waren, hat der Priester vor der Liturgie auch so ein ähnliches Gebet im Sinne einer allgemeinen Beichte gelesen. Dann sind die Gläubigen einzeln zum Priester und haben dort ohne Sündenbekenntnis die Lossprechung empfangen (da ich nur mäßig Russisch kann und auch zur Kommunion wollte, war mir das sehr willkommen) Die später Gekommenen gingen dann vor der Kommunion zur Beichte, aber diesmal mit Sündenbekenntnis - sie waren ja vorher nicht bei dem Gebet dabei gewesen. Einige empfingen vom Priester bei dieser Gelegenheit ohne Beichte auch nur den Segen und gingen dann zur Kommunion.

Bei uns in Österreich bei den Serben schwankt man zwischen russischer und griechischer Praxis. Gläubige von denen der Priester weiß, dass sie die Fastenzeiten halten und auch so halbwegs regelmäßig zur Kirche kommen müssen normalerweise nicht jedesmal beichten. Ein Priester hat mir einmal den Zeitraum von etwa 40 Tagen genannt, in dem es dann doch sinnvoll wäre zu beichten.

IC, Hermann
Sucht zuerst das Reich Gottes, alles andere wird euch hinzugeschenkt.


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