Beichte

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Kassandra
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Re: Beichte

Beitragvon Kassandra » 07.12.2016, 16:10

Liebe Alle,

hallo erstmal und danke für das tolle Forum, bin neu hier und habe gleich eine Frage mitgebracht, die zu diesem Thema hier passt, deswegen greife ich das Thema hiermit wieder auf.
Und zwar habe ich vor einer Weile neu zur Kirche gefunden (nachdem ich außer meiner Kindertaufe leider wirklich nichts mehr damit zu tun hatte), habe eine wunderbare Gemeinde und einen Vater gefunden, und ich plane, bald endlich auch zu beichten, zum für mich ersten Mal. Ich bin ein bisschen aufgeregt deswegen, weil es eben mein erstes Mal sein wird. Ich habe mich gründlich damit beschäftigt, was ich beichten möchte und worauf es dabei ankommt, darum geht es mir hier gar nicht. Allerdings frage ich mich (und habe leider wirklich nirgendwo Informationen dazu finden können), ob es beim Vorgang der Beichte (griechisch-orthodox) traditionelle Formalitäten gibt, von denen man wissen sollte. Denn ich möchte mich gerne ganz auf den eigentlichen Inhalt der Beichte konzentrieren und nicht meinen Vater dadurch irritieren, dass ich irgendwelche Standard-Handlungen/-Phrasen, die dazu gehören, nicht ausführe oder falsch mache. Gibt es irgendein bestimmtes Gebet oder einen Text, den man davor oder danach zu sagen pflegt? Oder kommt man einfach, begrüßt seinen Vater und fängt an, alles aufzuzählen?
Übrigens ist es so, dass ich einen eigenen Termin mit meinem Vater machen werde und dann in die Kirche komme. Ich nehme an, wir gehen dann in irgendeine Ecke in der Kirche, aber was passiert dann konkret? Was sagt er, was sage ich? Ist das auf eine traditionelle Art geregelt oder verläuft das eher spontan-locker?
Ich würde mich sehr über eure Antworten freuen. Und ich weiß, ich frage vielleicht nach Banalitäten, aber es geht mir eben darum, dass ich sozusagen angemessen beichten kann und mir keine Sorgen machen muss, mich an irgendeiner Stelle verkehrt zu benehmen, oder dass ich wichtige Gesten oder Worte weglasse aus Versehen, ich möchte mich lieber konzentriert und mit Ernst der eigentlichen Beichte widmen können, wenn ihr versteht, was ich meine. Vielen Dank.
Kassandra

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Igor
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Re: Beichte

Beitragvon Igor » 09.12.2016, 21:51

Herzlich willkommen, Kassandra!

Zu Deiner Frage nach dem Ablauf der Beichte zitiere ich mal aus der Orthpedia - er dürfte sich in allen Gemeinden unserer orthodoxen Diözesen ähneln:

Der Ritus des Sakraments

Der Priester steht vor den Ikonen und dem Pult, auf dem ein Evangeliar und ein Kreuz liegen, und liest hörbar die Gebete für die Beichtenden. Nach dem Ende dieser Gebete wendet sich der Priester den Anwesenden zu und spricht folgende Ermahnung: “Mein Kind! Christus steht unsichtbar hier und nimmt deine Beichte an. Schäme dich nicht, fürchte dich nicht, verheimliche nichts vor mir, sondern sage alles, was du gesündigt hast, sei nicht verlegen, um die Vergebung (der Sünden) von unserem Herrn Jesus Christus zu erlangen. Hier ist Sein Bild vor uns: ich bin nur der Zeuge, um vor Ihm alles zu bezeugen, was du mir sagen wirst. Wenn du mir etwas verheimlichen wirst, so wirst du die doppelte Sünde haben. Verstehe, dass du zu einer Heilstätte gekommen bist, so sollst du nicht ungeheilt von hier fortgehen.”

Danach nennt der Priester gewöhnlich die Sünden, die Beichtende begangen haben könnten, und ruft zur aufrichtigen Reue auf. Dann beginnt die eigentliche Beichte. Die Beichtenden gehen einer nach dem anderen zum Priester, der mit dem Epitrachelion (Stola) bekleidet vor dem Pult mit dem Kreuz und dem Evangeliar steht und jeden Herantretenden anhört.

Furcht und Scham sind hier fehl am Platz. Der Ort der Beichte ist eine geistliche Heilstätte. Man soll sich vor dem Priester überhaupt nicht schämen. Er hört so viele Beichten, dass er sich daran gewöhnt hat, den Sünder nicht zu verurteilen, sondern sich über seine Reue zu freuen. Viele Beichtväter sagen, dass sie diejenigen Menschen mehr lieben, die aufrichtig ihre Sünden bekennen, und nicht versuchen, sich zu rechtfertigen, oder von ihren Sünden undeutlich sprechen und sie nicht direkt benennen.

Nach dem Sündenbekenntnis legt der Priester sein Epitrachelion (Stola) auf das Haupt des Beichtenden, spricht das Absolutionsgebet und segnet ihn während der letzten Worte. Manchmal gibt der Priester vor dem Gebet noch nützliche Ratschläge, wie man die Sünde überwinden kann oder verhängt eine kirchliche Buße (Epitimie). Epitimie ist ein griechisches Wort und bedeutet “auferlegte Strafe”. Heute ist diese “Strafe” oft nicht mehr der Ausschluss von der Kommunion für eine bestimmte Zeit, sondern der Auftrag, Gebete oder eine bestimmte Anzahl von Kniefällen zu machen, Akathistos-Hymnen mehrmals zu lesen, zu fasten, Wohltätigkeit zu üben oder ähnliche geistliche Übungen zu verrichten.

Der Priester kann die Lossprechung von den Sünden auch solange verweigern, bis die Epitimie erfüllt ist. Wenn die in der Beichte bekannten Sünden gegen einen anderen Menschen gerichtet waren, kann und muss der Priester fordern, sich mit diesem Menschen zu versöhnen und ihn um Verzeihung zu bitten. Unversöhntheit ist nämlich ein Haupthindernis für den Empfang der heiligen Kommunion.

Nach dem Absolutionsgebet bekreuzigt sich der Beichtende und küsst das Kreuz und das Evangeliar auf dem Pult.

So beichten alle Mitglieder der Kirche etwa ab dem siebenten Lebensjahr. Die Beichte stärkt nicht nur ihre seelische, sondern auch ihre körperliche Gesundheit und bereitet sie auf das große Sakrament der Eucharistie vor. “Fürchte dich nicht, wenn du auch jeden Tag gefallen bist und dich von den Wegen Gottes entfernt hast, sagt der heilige Johannes Klimakos, sei geduldig, tapfer, und der Engel, der dich schützt, wird deine Ausdauer belohnen.”


Wichtig ist die Vorbereitung darauf:

Vorbereitung auf die Beichte

Obwohl die Buße ein eigenständiges Sakrament ist und bei Bedarf unabhängig von anderen Sakramenten empfangen werden kann, sogar außerhalb eines Gottesdienstes, ist sie doch der Tradition und dem Sinn nach mit der Vorbereitung auf den Empfang der Heiligen Gaben Christi verbunden. Das Gefäß der Seele muss gereinigt sein, bevor es die Heiligen Geheimnisse des Leibes und Blutes Christi aufnehmen kann.

Damit die Beichte nicht zu einer bloßen Formalität vor dem Kommunionempfang wird, ist es notwendig, sich auf die Beichte entsprechend vorzubereiten. Bei den orthodoxen Christen ist es üblich, vor der Beichte und Kommunion Kanon- und Buß-Akathistos-Hymnen zu lesen sowie besondere Gebete, welche die Seele in die entsprechende Stimmung versetzen. Die großen Heiligen der Kirche, die Verfasser dieser Gebete, waren gleichzeitig auch Meister der Reue, deshalb sind alle ihre Gebete vom Geist der Buße durchdrungen. Die Reue ist der Schlüssel zum echten christlichen Leben, ohne sie ist es nicht möglich, in Eintracht mit Gott zu leben, da wir ständig von Ihm abfallen, diese oder jene Sünden begehen und der Wiedervereinigung und Vergebung bedürfen. Die Sünde sollte uns verhasst werden, dann wird auch unsere Reue aufrichtig sein. Wenn wir nicht den ehrlichen Wunsch haben, von unseren Sünden befreit zu werden und Gott um Verzeihung der Sünden zu bitten, wird uns alles Aufsagen der verschiedensten Sünden nach den Zehn Geboten oder auf andere Art und Weise nichts bringen. Oft kann aber eine solche Aufzählung von Sünden für diejenigen nützlich sein, die etwas vergessen haben, oder für Anfänger, die oft aus Unwissenheit meinen, dass sie keine Sünden haben und auch nicht wissen, was eine Sünde ist und was nicht. Einige Beichtväter empfehlen, bei der Vorbereitung zur Beichte die Zehn Gebote durchzulesen und so auch seiner eigenen Sünden gewahr zu werden und sie aufzuschreiben, um sie bei der Beichte nicht zu vergessen. Man muss wissen, dass vergessene, nicht gebeichtete Sünden – obwohl sie die Sünde nicht vertiefen wie die wissentlich verschwiegenen – dennoch im Gewissen bleiben, die Seele belasten und oft die Ursache für schlechte Laune, seelisches Leid, aber auch verschiedene physische und psychische Krankheiten sind.

Die Regeln für das Lesen der Kanon-, Akathistos-Hymnen und Gebete vor der Beichte und Kommunion finden Sie im Orthodoxen Gebetbuch im Kapitel “Vorbereitung auf die heilige Kommunion” und auch im “Regelbuch” (pravil'nik) und “Kanonbuch” (kanonik).


In Christo
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Re: Beichte

Beitragvon MariaM » 30.05.2017, 14:14

Hallo ihr lieben Brüder und Schwestern in Christus,
ich hätte mal wieder eine Frage... zur Beichte - und zwar:

Wie wird das bei euch gehandhabt, bzw. wie empfindet/macht ihr es, was die "Frequenz" der Beiche betrifft?

Man hört immer wieder, dass man nicht vor jeder Hl.Liturgie bzw. Kommunion gehen muss (ich rede jetzt nicht von der russischen Tradition mit dieser "Schnellbeichte" kurz vorher, sondern von der tschechischen/griechischen/rumänischen o.ä). OK, das wäre wahrscheinlich auch gar nicht zu schaffen, zeitlich und organisatorisch.... (?).

Unser Priester schrieb dazu sogar mal eine Art "Anleitung" auf die Webseite der Gemeinde, das war vor Ostern... da hiess es sinngemäss, es würde reichen, alle paar Wochen zur Beichte zu gehen, wenn man nicht gerade etwas ganz Schwerwiegendes begangen hat. Aber wie definiert man "schwerwiegend"??? Was z.B. muss man getan haben, damit die Beichte als Reinigung ud Vorbereitung erneuert werden muss? Oder was, wenn man zwar an sich nichts wirklich "Grosses" begangen hat, dafür aber viel "Kleines"...?

Ich würde mich da wohl ganz individuell nach meinem Gefühl und Schuldbewusstsein richten, aber keine Ahnung ob das richtig ist, ...??? Ich frage unseren Priester irgendwann mal, er ist auch nett und entgegenkommend, aber hat immer so viel um die Ohren, dass ich nicht weiss wann wir mal in Ruhe sprechen können...

Danke euch schon mal für eure Ansichten und auch konkreten Erfahrungen!

Gruss, Maria

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Re: Beichte

Beitragvon Nikolaj » 06.06.2017, 09:45

Liebe Maria,
auch wenn ich auch zu denen gehöre, die meinen, dass man nicht vor jeder Kommunion zur Beichte muss, ist die russische Praxis auch hilfreich. Das heißt, zum Einstieg in die regelmäßige Kommunion ist die vorherige Beichte hilfreich. Man kann dann mit seinem Beichtvater ja auch absprechen, wie er das sieht und ob vielleicht die monatliche oder vierteljährliche Beichte ausreichend ist. Wichtig wäre eben, dass die Beichte nicht in eine Art Zulassungsgebet zur Kommunion ausartet und das Sakrament wirklich eines bleibt.

Das ist natürlich nur meine Meinung. Gibt gleich viele Argumente für beide Beichtpraktiken die russisch und die griechische (u.A.). Hilfreich ist ja auch das Gewissen des Einzelnen, man sollte auf sein Gewissen hören.

Gruß
Nikolaj

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Re: Beichte

Beitragvon Mary » 07.06.2017, 18:36

Nikolaj hat geschrieben: Hilfreich ist ja auch das Gewissen des Einzelnen, man sollte auf sein Gewissen hören.


Das ist schön und gut. Wenn das Gewissen allerdings einem russisch-orthodoxen Christen sagt, dass er keine Beichte nötig hat, die Praxis aber die Beichte vor JEDER Kommunion vorsieht - was dann?
Let Your mercy, O Lord, be upon us, as we hope in You.

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Re: Beichte

Beitragvon Ivan1983 » 08.06.2017, 09:26

Mary hat geschrieben:Das ist schön und gut. Wenn das Gewissen allerdings einem russisch-orthodoxen Christen sagt, dass er keine Beichte nötig hat, die Praxis aber die Beichte vor JEDER Kommunion vorsieht - was dann?


Ich wollte mal auch mein Senf dazu geben und zwar für die Seite der russich-orthodoxen Kirche und für die Beichte vor jeder Kommunion.

Es sind jetzt nicht meine Worte sondern von Anotolij Pravdoljubov,erzpriester des Moskauer Patriarchats(1914-1981):

5. Грехи «неведением» происходят от немощи естества человеческого. Весьма трудно усмотреть за собою эти грехи и предохраниться от них. «Грехопадения кто разумеет?» (Пс. 18, 13) — говорит пророк Давид, т. е. кто может усмотреть погрешности свои, неведение свое. Впрочем, так как это тоже грехи, то и соблюстись от них возможно; а потому он и присовокупляет молитву: «От тайных моих очисти меня», т. е. от грехов, по немощи и неведению сделанных мною, которые мне или неизвестны, или которых не помню, или которых не считаю даже за грех. (Quelle: https://azbyka.ru/v-chem-kayatsya-na-ispovedi#1)

meine halbwissende Übersetzung dazu:
Sünden aus Unwissenheit kommen aus der Schwäche der menschlichen Natur. Es ist schwierig diese Art Sünden zu sehen und sich gegen sie zu schützen. „Wer bemerkt seine eigenen Fehler?“ (Ps 19, 13) - sagt der Prophet David, das heißt, wer kann seine Fehler sehen in der Unwissenheit. Da es jedoch auch Sünden sind, sich dagegen zu schützen ist möglich; Deshlab schließt David ein Gebet ein: „Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist!“, also von den Sünden, die aus der Schwäche und Unwissenheit von mir begangen wurden, die mir unbekannt sind oder an die ich mich nicht erinnern kann oder sogar die ich nicht mal für Sünde halte.

Wie gesagt, ich bin fast neidisch auf die Menschen, deren Sünden so klein sind, dass sie kaum zu erkennen sind.
Und freue mich für sie, Gott sei Dank.

Liebe Grüße und Gottes Segen

Ivan
Всякое дыхание да хвалит Господа.

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MariaM
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Re: Beichte

Beitragvon MariaM » 08.06.2017, 16:48

Hallo an euch alle, die ihr doch noch geantwortet habt - vielen Dank!

Ich habe inzwischen auch mit unserem Priester darüber gesprochen (und auch gebeichtet ;-))...
Wir hatten ein ziemlich gutes Gespräch über alles mögliche, was mich bewegt hat. (Nur dass es zu dem Gespräch kam, ist fast ein Wunder, weil ihm auch bei vereinbarten Termin irgendwie ständig was dazwischen kommt...)

Das mit dem Gewissen meinte er auch - also dass man sich nach dem eigenen Gefühl und Gewissen richten soll, und damit es auch wirklich "richtig funktioniert", dafür beten soll. Mein Eindruck ist, das funktioniert wirklich... :-)

Zu der Frage, was ein orthodoxer Christ machen soll, wenn die Praxis in seiner Kirche eine andere ist als es sein Gewissen empfindet - hm, ich denke, er müsste wohl woanders hingehen, denn die Praxis, wie sie der jeweilige Priester handhabt, sollte man wohl respektieren (?). Man könnte versuchen, mit ihm daruber zu sprechen, aber wenn er ganz "stur" auf der russischen Praxis beharrt, kann man wohl nicht viel machen.

Wobei, wenn ich wirklich zur Hl. Kommunion will. dann mache ich auch, was notwendig ist...
Als ich noch nicht wusste, wohin ich eigentlich "gehöre", und mal hier und mal da ging, machte ich die russische Praxis auch mal mit, wenn ich in einer orth.Kirche mit dieser TRadition war. Die Vorstellung, nicht zur Kommunion zu dürfen, nach der ich mich sehnte und auf die ich mich ansonsten vorbereitet hatte, war viel zu traurig!

Der Vorteil(?) der russischen Praxis ist es offenbar, dass man eben diesen Gewissenskonflikt nicht hat, nicht selbst abwägen muss. Damit nichts schiefgehen kann, wird sicherheitshalber bei allen die Beichte durchgeführt, wenn es dann auch ziemlich "zack zack" abläuft. Man ist "auf der sicheren Seite" - klingt blöd, aber ich verstehe die "Logik" dahinter...
Andererseits denke ich, dass die andere PRaxis mehr auf die Freiheit des Menschen setzt. UNd das tut Gott ja auch - ER hat uns zu Seinem Bilde geschaffen, will eine "Beziehung" aus freiem Willen mit uns und zwingt uns nicht, sondern kommt nur in unser Leben, wenn wir ihn darum bitten... dann aber umso intensiver. :-)

Was interessant an dem Gespräch mit meinem Priester war: Man hört und liest ja immer in verschiednen orthodoxen Predigten usw., dass die Hl.Kommunion einem schaden kann, wenn man unvorbereitet hingeht. Dass sich sozusagen die Wärme von Gottes Liebe, die in ihm selbst enthalten sind, dann gegen uns kehren kann wie ein Feuer, das uns verbrennt, und ähnliches... und dass man sehr aufpassen muss!

Er meinte aber, das sei nicht ganz so, man solle es nicht dämonisieren oder dramatisieren. Klar sollte man vorbereitet sein (durch das Einhalten der üblichen Fastenzeiten, durch Gebet und Beichte, diese nach "Bedarf/Gewissen"), doch wenn man sich nicht sicher sei, solle man keine Angst haben, es würde einem etwas Schlimmes "passieren". Er betonte, "Gott ist Liebe" und kann niemals schaden oder Böses bewirken! Sondern es sei eher so, dass es uns quasi "nichts bringt", wenn wir uns nicht vorbereiten, dass Gottes Geschenk dann sozusagen verschwendet wird (was ja auch eine Missachtung Gott gegenüber ist) und wir nichts davon haben. Er meinte, das sei so "wie wenn ich keinen Führerschein habe, aber plötzlich einen Ferrari geschenkt bekomme". Eigentlich etwas Grosses und Wertvolles, Begehrenswertes, aber für mich nutzlos, da ich nichtmal die simpelsten Grundvoraussetzungen erfülle, um davon etwas zu haben.

Wir sprachen auch allgemeiner über dieses Thema (das ich auch schon vorher mal in Predigten/omilies gehört hatte) - dass Gott überall anwesend ist, seine Gnade und das was er uns schenkt, aber wenn wir sozusagen keine "Antenne" haben (nicht beten, nicht geistlich ausgerichtet sind usw.), können wir das, was er "sendet", nicht "empfangen" (und auch nicht nutzen zu unserem Seelenheil) und manche denken dann sogar, es existiere nicht mal so etwas wie Gottes Anwesenheit und Gnade....

Einmal sagte mein beliebter griechischer Priester Andreas Konanos auch etwas zu diesem Thema - dass wir, anstatt Gottes Gnade, die auf uns "regnet", mit Händen, Schüsseln und wie es auch immer geht, aufzufangen und aufzusaugen, hätten wir oft einen Regenmantel an, so dass sie an uns abperlt...

Gruss an euch alle! Maria

P.S- Gibt es eigentlich irgendeinen Gruss oder eine "Formel", die man jetzt nach Pfingsten sagt - so eine Entsprechung zum österlichen Χριστός ανέστη ?


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