Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgehen?

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Łukasz
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Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgehen?

Beitragvon Łukasz » 22.12.2015, 13:14

Der Titel des Themas sagt eigentlich alles aus. In meiner Umwelt merke ich aber eine immer weiter ansteigende Aggressivität im Bezug auf das Thema. Selbst in meiner polnischen Verwandtschaft bleibt bei dem Thema kein Auge trocken. Was man früher verächtlich nur über Zigeuner erzählt hat, dafür muss mittlerweile der ominöse Flüchtling herhalten. In meiner Verwandtschaft sowie generell in Polen ist ein Flüchtling nur dann ein "guter Flüchtling", wenn er irgendeiner christlichen Kirche angehört. Aber die muslimischen Flüchtlinge...na ja, ich poste mal besser nicht, was fast die einhellige Meinung unter meiner katholischen Verwandtschaft dazu ist. Auch viele Menschen in Deutschland, die selber ausländische Wurzeln haben, und sich hier was aufgebaut haben, sehen die Flüchtlinge sehr skeptisch bzw. stehen ihnen ablehnend gegenüber, weil sie Angst haben, dass durch den wachsenden Rassismus vieler Deutscher gegen die Flüchtlinge auch sie selbst darunter irgendwann zu leiden haben und all das, was sie sich in all den Jahren hier in Deutschland aufgebaut haben, in Gefahr gerät. Wie steht ihr zu dem Thema und wie sollten wir als orthodoxe Christen mit dem Thema und mit der immer weiter ansteigenden aggressiven Stimmung gegen Flüchtlinge in der Bevölkerung umgehen?

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Igor
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Re: Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgeh

Beitragvon Igor » 23.12.2015, 07:35

Grüß Gott!

Ein komplexes Thema, dass Du da anschneidest. Gut bringt es auf den Punkt das :arrow: Wort der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland (OBKD) zur Ankunft der Flüchtlinge in unserem Land: Vom „Willkommen“ zur Integration, bei dem das folgende Bibelzitat das Leitmotiv bildet und das auch für unser Handeln Priorität haben sollte:

„Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35)

Des weiteren bezog Erzbischof Mark dazu kürzlich in einem lesenswerten Interview Stellung: :arrow: Erzbischof Mark (Arndt) von Berlin und Deutschland: “Wir müssen nur eines fürchten – die Gemeinschaft mit Gott zu verlieren”

In Christo
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Re: Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgeh

Beitragvon Nikolaj » 23.12.2015, 09:48

Vielleicht sollten wir uns auch die Geschichte vom guten Samariter nochmal in Erinnerung rufen. Samariter waren für die Juden ja auch Herätiker und trotzdem hat der Herr hier einen Samariter als einzigen angeführt, der dem Kranken half.

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Lazzaro
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Re: Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgeh

Beitragvon Lazzaro » 23.12.2015, 22:25

Hallo Łukasz,
wie Igor und Nikolaj richtig bemerken, ist die christliche Sicht der Dinge sehr eindeutig.
Die klassischen Ethik der Gastfreundschaft fordert im Endefekt das gleiche Handeln.

Das eigendliche Problem ist die politische Umsetzung diesseits der klassischen oder biblischen Regeln.
Hier mal ein paar Punkte, die mir grad´eben einfallen:
- Wir erleben den Zusammenbruch des Dublin III - Vertragswerkes. Was sind die Ursachen ?
- Einige EU-Länder nehmen Flüchtlinge auf, andere nicht, welches Bild haben die eweiligen Lander von der EU ? Wie definieren sie die Aufgaben der EU ?
- Deutschland brauch Einwanderung. Eine illegale Einreise mit anschließendem Asylverfahren ist kein Instrumentarium, um Einwanderung gestalten zu können.
- Was sind unsere Werte? In Deutschland ? in der EU ?
Wie vermitteln, verteigigen sie oder setzten sie unter Strafandrohung durch ? Zum Beispiel: Flüchlinge sollen lernen, daß sie im Wohnheim andere Nationalitäten und Religionen respektieren, es gibt aber nimanden der das entsprechend durchsetzt und die religiösen Minderheiten (das heist vor allem die chr. Minderheit) adäquat schützt.
- Wie "gefährlich" sind die Zuwanderer ? Sind mögliche Terroristen (wieder einmal) ein willkommener Anlaß die Grundrechte der Bürger einzuschränken?

Die plötzlich eingetretende Situation Zeigt uns die politischen Baustellen, die zu Bearbeiten wir und unsere Politiker lange versäumt haben.
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Re: Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgeh

Beitragvon ARI » 23.12.2015, 23:53

Vorsicht!!! hat Gott in der Bibel nicht die "Hure Babylon"( Zitat aus der Bibel..die welt die sich mit der Hure Babylon einlässt) verurteilt ??? DIe Völker durchmischt( Multikulti _Ideologie) und dass dadurch entstandene sprachengewirr ein Graus für Gott ist

Łukasz
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Re: Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgeh

Beitragvon Łukasz » 24.12.2015, 07:59

Hallo Igor,

vielen Dank für deine Links. Das Interview mit Erzbischof Mark von Berlin und Deutschland fand ich sehr gut, aber auch ernüchternd. Er hat sehr viele Probleme angesprochen, die ich selbst so tiefgründig gar nicht im Blick hatte. Alle von ihm genannten Probleme haben aber vor allem eine Ursache, nämlich die mangelnde Verwurzelung im christlichen Glauben und insbesondere die mangelnde religiöse Erziehung bzw. religiöse Bildung vieler getaufter Christen - und das gilt für fast ganz Europa. Wir müssen als Christen - egal welcher Konfession - unseren Glauben wieder ernst nehmen, dafür eintreten und uns durch niemanden (Staat, Behörden, Gesetze, irgendwelche Lobbygruppen oder Andersgläubige) einschüchtern lassen. Zwei Aussagen des Erzbischofs nehme ich auf meinem Weg mit, die ich hier aus dem Interview zitieren möchte:

Vladyka, Sie sprachen jetzt über Freiheit. Und was ist denn Freiheit? Freiheit, nach meiner Auffassung – das sind solche Bedingungen, unter welchen ich Gott dienen kann und mich nicht vor irgendeinem Götzen verneigen muss. Alle Leidenschaften sind Götzen. Der Mensch fällt sehr schnell in irgendwelche Abhängigkeit. Aber besonders schrecklich ist, wenn er sich vor Baal verneigt.


Geben Sie bitte zum Schluss unseren Lesern ein paar Geleitworte mit auf den Weg: Wie soll man sich nicht fürchten, Christ zu sein in unserer sehr komplizierten Zeit, wenn die Welt sich nicht nur von Christus abwendet, sondern immer aggressiver wird zu denen, die die Treue zum Erlöser wahren? Wir müssen nur eines fürchten – die Gemeinschaft mit Gott zu verlieren. Gott verlässt uns nicht, aber wir verlassen Ihn durch Sünde und Verrat. Deshalb ist für uns wichtig, dass wir in unserem Glauben leben, in den Mysterien der Kirche leben, unseren Glauben kennen. Und das muss ein bewusster Glaube sein, nicht eine taube und blinde Gefolgschaft hinter denen, die uns belehren. Wir müssen das Leben der Kirche als Grundlage unseres Leben nehmen. Wir müssen bereit sein, zum Martyrium zu gehen um Christi willen.

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Re: Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgeh

Beitragvon Nikolaj » 24.12.2015, 11:53

ARI hat geschrieben:Vorsicht!!! hat Gott in der Bibel nicht die "Hure Babylon"( Zitat aus der Bibel..die welt die sich mit der Hure Babylon einlässt) verurteilt ??? DIe Völker durchmischt( Multikulti _Ideologie) und dass dadurch entstandene sprachengewirr ein Graus für Gott ist


Ich stehe hier auf dem Schlauch... Was willst du damit eigentlich sagen?

Łukasz
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Re: Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgeh

Beitragvon Łukasz » 25.12.2015, 20:29

ARI hat geschrieben:Vorsicht!!! hat Gott in der Bibel nicht die "Hure Babylon"( Zitat aus der Bibel..die welt die sich mit der Hure Babylon einlässt) verurteilt ??? DIe Völker durchmischt( Multikulti _Ideologie) und dass dadurch entstandene sprachengewirr ein Graus für Gott ist


Hallo ARI,

dass, was du hier zitierst, hört sich für mich sehr stark nach evangelikaler/freikirchlicher Bibelauslegung "Made in U.S.A" an, wie man sie auf vielen Internetseiten und auch auf Youtube findet. Vergiss nicht, wir sind orthodoxe Christen und sollten uns daher von solcher amerikanisch-fundamentalistischen Bibelauslegung der Johannes-Apokalypse nicht beeindrucken oder beeinflussen lassen. Sie hat mit dem, was die Johannes-Apokalypse wirklich aussagen will, nicht viel zu tun. Lass dich von evangelikalen Christen und ihren teilweise grotesken Ansichten nicht verrückt machen. Beim orthodoxen Verlag Edition Hagia Sophia gibt es ein gutes Buch dazu, dass die orthodoxe Sichtweise zur Johannes-Offenbarung richtig stellt:

Heiliger Andreas von Cäsaren
"Kommentar zur Apokalypse des Johannes"
Edition Hagia Sophia Verlag, 240 Seiten, Paperback
Preis: 19,90 €

Aus dem Altgriechischen übersetzt von Eugen Häcki
Überarbeitet von Mönch Georgios Makedos (Berg Athos)

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Re: Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgeh

Beitragvon Lazzaro » 25.12.2015, 21:24

Nikolaj hat geschrieben:
ARI hat geschrieben:Vorsicht!!! hat Gott in der Bibel nicht die "Hure Babylon"( Zitat aus der Bibel..die welt die sich mit der Hure Babylon einlässt) verurteilt ??? DIe Völker durchmischt( Multikulti _Ideologie) und dass dadurch entstandene sprachengewirr ein Graus für Gott ist

Ich stehe hier auf dem Schlauch... Was willst du damit eigentlich sagen?

Ich verstehe auch nichts.
1. Kannst Du bitte die Stelle zitieren
2. Wenn ich (und andere auch) als Orthodoxer und Deutscher russische Bräuch praktiziere, dann ist das das bereits Multikulti! Hat Gott etwas dagegen daß ich orthodox bin?*
Wenn ich griechisch, deutsch, lateinisch und kirchenslavisch gemixt bete ist das dann ein Zeichen des babylonischen Sprachgewirrs oder ein Nachhall des Pfingstereignisses?
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* Gott hat mit Sicherheit nichts dagegen, bei der Kirche bin ich da nicht mehr so sicher. :P
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Re: Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgeh

Beitragvon Elias » 26.12.2015, 16:11

Meine persönliche Meinung dazu...wenn jemand für sich dieses Multi Kulti Leben gewollt hat und es Leben möchte kann er es gerne tun aber es gibt Menschen, die dieses zum Teil aufgezwungene nicht wollen und das ist ihr gutes Recht. Zur Freiheit und in einer Demokratie bedeutet das, das andere Gruppen die eine Multi Kulti Revolution von oben wollen, dies auch Akzeptieren sollen. Es wird immer von der Nächstenliebe gesprochen was auch richtig ist aber Nächstenliebe bedeutet eben auch Liebe deinen Nächsten und der Nächste ist eben nicht nur derjenige, der von Weit her kommt und Nächstenliebe bedeutet auch nicht Selbstaufgabe! Ein griechischer Freund sagte mir das es unsere Pflicht sei Alle aufzunehmen und als ich ihn darum gebeten haben sich einmal Vorzustellen das ganze würde in Griechenland passieren. Danach gab er mir Recht das die Angst vieler Menschen hier berechtigt sei. Wie gehen wir als Christen damit um, wir tun das was Christen eben tun, helfen aber nicht um uns selbst willen sondern um Christi willen und prallen damit nicht herum.

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Re: Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgeh

Beitragvon Luka Filipp Kiriak » 26.12.2015, 22:52

Die derzeitige Flüchtlingskrise stellt für die europäische Gesellschaft und insbesondere für das Christentum in Europa eine harte Probe dar. Und somit sind auch alle orthodoxen Christen, egal welcher orthodoxen Landeskirche sie nun zugehörig sind oder ob sie selbst einen Migrations- oder sogar einen Flüchtlingshintergrund haben, unmittelbar mit betroffen.

„Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,35)

Auch ich bin in letzter Zeit immer wieder auf diese Stelle über das Gericht im Matthäusevangelium gestoßen. Sich mit dieser Stelle auseinanderzusetzen, kann einen Gläubigen schon an die persönlichen und geistigen Grenzen bringen. Hier geht es nämlich nicht nur darum, "einfach" Gutes zu tun und Barmherzigkeit zu üben. Allein gute Werke sind nicht heilsbringend. All das, was wir machen, sollen wir aus Liebe zu Christus machen. Völlig selbstlos und ohne die Erwartung eines Lohnes. Den Lohn werden die Gesegneten, die zu Christus Rechten stehen werden, im Gericht zugesprochen bekommen.

Auf die demütige Frage der Gesegneten bzw. die ebenso, aber von Stolz geprägte Frage der Verfluchten "Herr, wann aber sahen wir dich als Fremdling? [usw.]" antwortet der Herr "Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan" bzw. "Wahrlich, ich sage euch, insofern ihr es einem dieser Geringsten nicht getan habt, habt ihr es auch mir nicht getan.".

Was heißt das jetzt für uns bezogen auf die Flüchtlinge? Wie wir uns zu unseren christlichen Geschwistern verhalten sollen, wurde in dem Wort der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland ganz klar verständlich zum Ausdruck gebracht. Wir sollen ihnen Mut zusprechen und ihnen dabei helfen, den oft schwierigen Weg der Integration zu gehen. Leider sagt die Bischofskonferenz nicht eindeutig etwas dazu, wie wir uns nun gegenüber Ankommenden muslimischen Glaubens positionieren sollen.

Der Herr spricht von den geringsten seiner Brüder. Wer damit genau gemeint ist, mag ich nicht beurteilen können. Vielleicht kann dazu ja noch ein Geistlicher etwas sagen. Aber ich denke, dass man versuchen sollte, in jedem Menschen einen Bruder zu sehen, so schwierig das oft auch sein mag. Insofern sollen wir muslimischen Mitmenschen genauso viel Hilfe anbieten und Barmherzigkeit zeigen. Jedoch dürfen wir bei jeder Hilfe nie vergessen, dass diese Hilfebereitschaft Christus selbst gilt. So denke ich, könnte man den Muslimen, denen man hilft, eindeutig sagen, dass diese Hilfe aus Liebe zu Christus geschieht. Auch kann man ihnen sagen, dass man dafür erwartet, dass man für diese Hilfe zumindest eine friedliche und brüderliche Einstellung zum christlichen Glauben und zu den Christen erwartet. Diese Erwartung ist völlig legitim und wir sollten sie auf behutsamen Wege auch einfordern. Denn wenn wir dies nicht tun, laufen wir Gefahr, dass die christliche Nächstenliebe unterwandert, ja sogar verhöhnt werden könnte und das Christentum sogar in unserem eigenen Hause massiv angegriffen werden könnte. Davor müssen wir uns schon schützen! Sonst wird es uns langfristig einmal ähnlich ergehen, wie den Christen in den ehemals christlichen Gebieten, die nun in kompletter islamischer Hand sind und in denen man als Christ um sein Leben fürchten muss! Wie auch schon Vater Diakon Elias richtig gesagt hat, unsere Nächstenliebe und Hilfe darf nicht zu einer Selbstaufgabe führen! Und mit der Hilfe sollen ja nicht nur menschliche Nöte, wie Hunger, Durst, Kälte, Obdachlosigkeit, Krankheit und Einsamkeit, gelindert werden. Es geht um viel mehr. Es geht darum, dass durch die Hilfe bei den Geholfenen die Liebe Gottes aufleuchten wird. Und wir sollten dafür beten, dass die Geholfenen dies spüren werden und dies in ihnen etwas Positives im Sinne unseres Herrn Christus bewirken wird. Und die Menschen, die bereits hier sind, werden hier bleiben. An diesem Zustand lässt sich nun nichts mehr ändern. Daher müssen wir nun aus dieser Situation heraus das Beste machen.

Aber auch politisch muss in Zukunft besonnener gehandelt werden. Leider gibt es bei diesem Punkt nur wenig Möglichkeiten, Einfluss im christlichen Sinne auszuüben. Dennoch ist es wichtig, dass wir den Regierenden klar machen, dass die persönlichen Möglichkeiten, Hilfe zu leisten, begrenzt sind! Wir dürfen nicht überfordert werden. Denn sonst geht die Hilfebereitschaft nach hinten los, die Integration schlägt fehl und islamischer Fanatismus gewinnt an Nährboden, breitet sich aus und beginnt uns und das Christentum aus unserer Mitte heraus zu zerstören. Das darf nicht passieren und davor müssen wir als Christen immer auf der Hut sein! Allein die Geschichte im Orient lehrt uns dies. Der Islam darf sich nicht uneingeschränkt in einem mehrheitlich christlich geprägtem Europa ausbreiten. Einer Ausbreitung des Islams müssen wir als Christen entschieden gegensteuern. Und das geht nur, wenn wir auch selbst fest im Glauben stehen! Leider fehlt diese Standfestigkeit oft im westlichen Christentum, insbesondere bei den Protestanten und Katholiken. Viele glauben nicht einmal mehr an die Auferstehung unseres Herrn, berufen sich aber dennoch als "Christen" auf die Nächstenliebe mit fetzigen Bibelzitaten und setzen sich in den Medien wie Facebook etc. als selbsternannte Weltretter in Szene. Sehr oft bleibt es dann lediglich bei diesen protzigen Sprüchen und Inszenierungen. Das betrifft insbesondere etliche unserer Politiker, aber auch ganz einfache Bürger. Für Nächstenliebe setzt sich auch jede Menschenrechtsorganisation ein, aber das hat nicht zwangsläufig auch etwas mit Christsein zu tun. Daher kann ich der "Weihnachtspredigt" unseres "Bundespfaffen" Gauck nicht viel abgewinnen.

Auch unser politischer Scharfsinn sollte gestärkt werden. Wir müssen uns den Fluchtursachen hinwenden, uns aktiv an der Umsetzung von friedlichen Lösungen der Konflikte einsetzen, die Hab- und Machtsucht des Westens und der fehl- und fernatlantikgelengten Politiker verurteilen und den flüchtenden Menschen mehr Hilfe vor Ort anbieten. Auch sollten wir uns langfristig dafür einsetzen, den Aufgenommenen Möglichkeiten anzubieten, wieder in ihre Herkunftsländer zurückzukehren, sofern dies überhaupt irgendwann einmal wieder möglich oder zumutbar sein wird.

Das Wichtigste aber ist, die Opfer dieses Terrors und Krieges in unser Gebet mit einzuschließen und Gott darum zu bitten, dass die Verursacher dieses Leides zur friedlichen Einsicht gelangen.

Entschuldigt bitte meine lange Ausführung, aber mich beschäftigt dieses Thema sehr.

Łukasz
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Re: Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgeh

Beitragvon Łukasz » 27.12.2015, 08:16

@ Luka Filipp Kiriak

Gut geschrieben. Was die Ursachen der Flüchtlingskrise angeht, da haben wir so wie so kein Durchblick, was dort unten wirklich passiert und wer alles die wirklichen politischen und militärischen Strippenzieher sind. In den westlichen Massenmedien bekommen wir nur das zu hören und zu sehen, was man uns im Westen glauben lassen möchte.

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Re: Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgeh

Beitragvon Igor » 27.12.2015, 14:15

@Luka Filipp Kiriak
:guterbeitrag:
Bild
Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Re: Wie als orthodoxer Christ mit der Flüchtlingskrise umgeh

Beitragvon Elias » 27.12.2015, 14:37

Sehr guter Beitrag, lieber Luka! Danke dafür und eine gesegnete Fastenzeit noch für diejenigen, die das Hochfest der Geburt Christi noch vor sich haben.

D.Elias


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