Einige Fragen

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
Forumsregeln
Forumsregeln Impressum
MarkusK
Beiträge: 17
Registriert: 14.07.2015, 21:58
Religionszugehörigkeit: Orthodox

Einige Fragen

Beitragvon MarkusK » 03.08.2015, 06:34

Liebe Community,
ich habe ein paar allgemeine Fragen und hoffe, dass ihr sie mir beantworten könnt.

1. Wie genau darf man sich die Hölle vorstellen? Wirklich richtig mit Feuer oder ist es so, dass für jeden das schlimmste in die tat umgesetzt wird? Ich finde das niergens so richtig erklärt.
2. Darf oder bzw. sollte man alles was einem passiert auf Gott zurück führen? Wenn man ärger hat dann weil man etwas falsches getan hat und andersrum?
3. Es steht ja geschrieben: Gottes Wort steht immer über dem eines jeden Menschen. Bedeutet das, dass ein Priester keine Gesetze Gottes aufheben kann?
4. Wie genau ist das bei der Beichte? Kann der Priester wirklich alles vergeben oder wäre es auch im bereich des möglichen das der Priester einem vergibt, Gott sich aber denkt: "Nein, das wurde schon etliche male wiederholt ohne aussicht auf besserung und daher wird nicht vergeben"?
5. Was genau passiert wenn man mit einer Sünde und was bei Totsünde auf den Schultern stirbt?
6.
Spr 31, 10-31
10 Eine tüchtige Frau, wer findet sie? Sie übertrifft alle Perlen an Wert.
11 Das Herz ihres Mannes vertraut auf sie, und es fehlt ihm nicht an Gewinn.
12 Sie tut ihm Gutes und nichts Böses alle Tage ihres Lebens.
13 Sie sorgt für Wolle und Flachs und schafft mit emsigen Händen.
14 Sie gleicht den Schiffen des Kaufmanns: Aus der Ferne holt sie ihre Nahrung.
15 Noch bei Nacht steht sie auf, um ihrem Haus Speise zu geben [und den Mägden, was ihnen zusteht].
16 Sie überlegt es und kauft einen Acker, vom Ertrag ihrer Hände pflanzt sie einen Weinberg.
17 Sie gürtet ihre Hüften mit Kraft und macht ihre Arme stark.
18 Sie spürt den Erfolg ihrer Arbeit, auch des Nachts erlischt ihre Lampe nicht.
19 Nach dem Spinnrocken greift ihre Hand, ihre Finger fassen die Spindel.
20 Sie öffnet ihre Hand für den Bedürftigen und reicht ihre Hände dem Armen.
21 Ihr bangt nicht für ihr Haus vor dem Schnee; denn ihr ganzes Haus hat wollene Kleider.
22 Sie hat sich Decken gefertigt, Leinen und Purpur sind ihr Gewand.
23 Ihr Mann ist in den Torhallen geachtet, wenn er zu Rat sitzt mit den Ältesten des Landes.
24 Sie webt Tücher und verkauft sie, Gürtel liefert sie dem Händler.
25 Kraft und Würde sind ihr Gewand, sie spottet der drohenden Zukunft.
26 Öffnet sie ihren Mund, dann redet sie klug, und gütige Lehre ist auf ihrer Zunge.
27 Sie achtet auf das, was vorgeht im Haus, und ißt nicht träge ihr Brot.
28 Ihre Söhne stehen auf und preisen sie glücklich, auch ihr Mann erhebt sich und rühmt sie:
29 Viele Frauen erwiesen sich tüchtig, doch du übertriffst sie alle.
30 Trügerisch ist Anmut, vergänglich die Schönheit, nur eine gottesfürchtige Frau verdient Lob.
31 Preist sie für den Ertrag ihrer Hände, ihre Werke soll man am Stadttor loben.
Sind das feste vorgaben wie eine Frau sich benehmen muss oder sollte das eher eine Leitfaden sein nachdem die Frau zu streben hat? Und ist es eine Sünde das nicht zu versuchen?
7. Chrysostomus († 407) - Homilien über den ersten Brief an die Korinther
7.1
so sagt er auch vom Manne: „Es ist für ihn eine Schande, das Haupthaar lang wachsen zu lassen.
Das bedeutet doch, dass ein Mann keine langen Haare haben darf. Warum haben dann viele Priester und sogar Jesus auf den Ikonen lange Haare?
7.2
Wenn aber eine Frau sich nicht verschleiert, so mag sie sich scheeren lassen; wenn es aber für eine Frau Unehre ist, die Haare abzuschneiden oder kahl geschoren zu werden, so soll sie sich verschleiern.“
Wenn aber Jemand einwendet: Wie sollte es denn für das Weib schimpflich sein, wenn sie sich zu der Ehre des Mannes erhebt? so antworten wir: Sie erhebt sich nicht, sondern sinkt von ihrer eigenen Ehre herab; denn das ist keine Erhöhung, sondern Erniedrigung, wenn man seine Schranken überschreitet und die von Gott gegebenen Gesetze nicht achtet. Gleichwie nämlich, wer nach Fremdem gelüstet und raubt, was ihm nicht zukommt, dadurch sich nicht bereichert, sondern sogar an seiner Habe geschädiget wird, wie Dieses im Paradiese der Fall war, so gewinnt auch das Weib nicht die Würde des Mannes, sondern sie verliert auch die Würde des Weibes; und nicht nur Dieses gereicht ihr zur Schande, sondern auch ihre Anmaßung.
Bedeutet dies, eine Frau sollte ihre Haare wohl immer verschleiern?
7.2.1 Ich hatte mal gelesen, dass wenn eine Frau sich aufreizend anzieht sie damit Sündigt. Der Apostel Paulus schrieb ja weiterhin man darf die westliche Kultur nicht annhemen. Was ja dazu passen würde denn im osten verschleiern sich die Frauen ja komplett. (Ich meine irgendwo mal gelesen zu haben, dass der Rock/Kleid/Hose einer Frau über die Knie gehen muss). Auch ist es ja so, dass das Kopftuch eigentlich von den Orthodoxen und nicht dem Islam kommt. Auch auf Ikonen haben die Heiligen Frauen (außer Kinder) immer ein Kopftuch an und sind komplett verhüllt. Ist also doch eher eine komplette Verhüllung im Sinne Gottes?
7.2.2 Wie verhällt sich das dann am Strand/See/Schwimmbad? Sollte sich die Frau da womöglich trotzdem verhüllt halten statt Gottes Regeln zu brechen? (Im Osten gehen Frauen gar nicht schwimmen und wenn doch dann mit dieser Burka).
8. Im neuen Testament heißt es:
Eph 5, 20 Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles im Namen Jesu Christi, unseres Herrn!
21 Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.
22 Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn (Christus);
23 denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib.
24 Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen.
25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat,
26 um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen.
27 So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos.
28 Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst.
29 Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche.
30 Denn wir sind Glieder seines Leibes.
31 Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein.
32 Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche. 33 Was euch angeht, so liebe jeder von euch seine Frau wie sich selbst,
die Frau aber ehre den Mann.
Auch während der Hochzeit wird dem Manne wiederholt: Liebe die Frau wie dich selbst. Und der Frau: Ehre deinen Mann wie du Gott ehrst.
Ich hatte dazu mal gelesen, dass der Mann mit für die Sünden der Frau Rechenschaft ablegen muss. Ist es also so, dass eine Frau weniger für ihre Sünden bestraft wird wie ihr Mann oder doch gleich? Und haben Mann und Frau dann auch die Aufgabe sich gegenseitig die Fehler aufzuzeigen? Oder muss der Mann die Frau sogar versuchen im glauben zu halten bzw. zurück zu führen (falls abgewendet)?
8.1.1 Wird der Mann auch dann noch für seine Frau zur Rechenschaft gezogen, selbst wenn sie sich bereits abgewendet hat und Gott für sie größtenteils nurnoch Sonntags present ist aber er kein Platz im "normalen" Leben hat?
9. Warum werden Ikonen in richtung Osten ausgerichtet?

Ich glaube das waren erstmal alle. Falls mir weitere einfallen hoffe ich sehr, dass ich sie einfach weiter stellen kann :roll: .

lg Markus

Benutzeravatar
MariaM
Beiträge: 385
Registriert: 30.11.2013, 19:59
Religionszugehörigkeit: christlich-orthodox

Re: Einige Fragen

Beitragvon MariaM » 03.08.2015, 15:32

Hallo Markus,
entschuldige, aber manches was du schreibst, erscheint mir ziemlich "abgefahren" und an den Haaren herbeigezogen. Ich gehe jetzt nur auf ein paar Punkte ein...

Z.B. - von "totaler Verschleierung" ist/war doch im Christentum nie die Rede! (Zumindest meines Wissens...) Kopfbedeckungen ja - aber OK, das ist ja was anderes. Auch in Europa tragen manche "alten Omis" auf dem Land noch ein Kopftuch.

Aber das Gesicht ist einzigartig und soll bestimmt nicht verdeckt werden. Gesicht heisst auf Griechisch auch Person, Persönlichkeit - und Gott hat doch jeden Menschen als eigene Person geschaffen, ausgestattet mit einer Menge Gaben. u.a. Freiheit des Willens. Damit hat er, der Allmächtige, ja in gewisser Weise seine eigene Freiheit eingeschränkt, weil es bedeutet, dass er uns nichts einfach aufdrängt und lenkt. Er wollte explizit keine Marionetten (hätte er ja haben können, wenn er gewollt hätte, wie die Tiere mit ihren Instinkten etc.) sondern eben uns Menschen, die sich für eine Beziehung mit ihm frei entscheiden. Es heisst ja, dass Gott nicht in unser Leben kommt, wenn wir ihn nicht rufen - aber wenn wir nur einen, vielleicht zaghaften Schritt auf ihn zu machen, macht ER Hunderte von Schritten, und uns entgegenzukommen. Und das funkioniert echt! :-)

Auch dass wir im Gottesdienst stehen, ist Ausdruck unserer Würde und Freiheit. (Ich habe gehört, das Knien sei eine neuere Erfindung und bis auf Ausnahmen ursprünglich nicht orthodox - ?) Dass wir die Ehre geschenkt bekommen haben, mit Gott aufrecht, von Angesicht zu Angesicht zu kommunizieren, obwohl wir dies aufgrund unserer Sünden gar nict verdienen - das ist doch ein unglaubliches Geschenk! Das geht aber gar nicht zusammen mit Unterwerfung, Versklavung, wie es z.B. im Islaem propagiert und praktiziert wird!

Das Menschen -und v.a. Frauenbild im Christentum und im Islam ist absolut grundverschieden, das kannst du doch nicht in einem Atemzug nennen! Die Frau im Christentum ist nicht unterworfen wie eine Sklavin! Gott hat DEN MENSCHEN zu seinem Bilde erschaffen (nicht nur den Mann) - und zwar in "zweierlei Ausführung" ;-) - als Mann UND als Frau. Er befand, dass es nicht gut sei, wenn der Mensch alleine wäre - und so sollen Mann und Frau zusammen durchs Leben gehen, sich gegenseitig helfen, Gefährten sein. Das heisst nicht, dass sie GLEICH (identisch) sind, aber gleichwertig sehr wohl!

Die Hölle - so wie ich es am ehesten verstanden habe, ist es kein Ort, sondern eher ein Zustand - man "erstarrt" mit dem biologischen Tod (bis kurz vorher kann man umkehren, aber dann nicht mehr) quasi in dem Zustand, in dem man zu Lebzeiten war oder wohin man gestrebt hat. Wenn man im Leben weit von Gott entfernt war und ihn in allem, was man tat, negiert hat, abgelehnt hat, bleibt man auch nach dem Tod unendlich weit von seiner Liebe und Seligkeit entfernt. Diese ist da und strömt auf einen ein, aber man kann sie nicht geniessen, sondern es ist im Gegenteil eine Qual, brennend wie Feuer. (Daher, so hörte ich, der Vergleich mit Kesseln und Feuer etc., damit die Leute eine bildliche Vorstellung haben...)

Warum denkst du bzgl. der Beichte, Gott könne sich quasi "hintenrum irgendwas denken"...??? Warum sollte ER das tun? ER freut sich doch über jeden, der seine Sünden bereut und beichtet, und IHM damit näher kommt! Klar macht ER sich bestimmt keine Illusionen ;-), dass dieser Zustand lange anhalten werde, er kennt uns Menschen ja schliesslich... Aber ER erkennt jeden Schritt an, jede Bemühung, wenn sie ehrlich und aufrichtig ist. UNd darum geht es doch bei der Beichte. Warum machst du dich mit solchen Gedanken verrückt?

INsgesamt habe ich beim Lesen das Gefühl, als hättest du eine irgendwie sehr negative Einstellung zu vielem, und/oder Angst vor vielem (ich mag mich natürlich irren, es wirkt halt so). Warum? "Evangelium" bedeutet doch "gute Botschaft" :-)!

Hast du mal bei "Coffee with Sister Vassa" reingeschaut? Da wird sehr vieles aus der Orthodoxie sehr gut und verständlich vermittelt, und das mit einer positiven Einstellung und oft auch einer Prise Humor - was auch wichtig ist ;-))! Ist in sehr gut verständlichem Englisch und es gibt auch Untertitel. Hier z.B. die Folge zum zweifelnden Thomas... https://www.youtube.com/watch?v=u3CvV_kB-AQ

So und jetzt könnte dir noch jemand Fachkompetenteres antworten. ;-)
Alles Gute - Gruss, M.

Benutzeravatar
Lazzaro
Beiträge: 948
Registriert: 09.01.2011, 17:09
Kontaktdaten:

Re: Einige Fragen

Beitragvon Lazzaro » 03.08.2015, 22:37

Markus fragte:
9. Warum werden Ikonen in Richtung Osten ausgerichtet?
Schau mal bei Youhanna al Mansur / Johannes Damascenus nach:
https://www.unifr.ch/bkv/kapitel1691-11.htm
8. Ich hatte dazu mal gelesen, dass der Mann mit für die Sünden der Frau Rechenschaft ablegen muss. Ist es also so, dass eine Frau weniger für ihre Sünden bestraft ...
Wer sagt das? Der Apostel Paulus jedenfalls nicht, Du hast ja schon die entsprechende Bibelstelle vollständig und ausführlich zitiert, was selten vorkommt. Der Mann soll seine Frau lieben wie Christus die Kirche geliebt hat: ließ in den Evangelien wie ER es gemacht hat. Das nachzuahmen ist heftig genug und reicht völlig aus.
Lazzaro
Cantábiles mihi erant justificatiónes tuæ, * in loco peregrinatiónis meæ. - Ps.118:54

Nikolaj
Beiträge: 461
Registriert: 08.03.2011, 09:17
Religionszugehörigkeit: russisch-orthodox
Wohnort: Trier

Re: Einige Fragen

Beitragvon Nikolaj » 04.08.2015, 08:48

Lieber MarkusK,
auch wenn alle Fragen hier bei uns willkommen sind und wir gerne immer wieder antworten, ist es trotzdem kein Ersatz für ein Gespräch mit deinem Gemeindepriester oder geistlichen Vater.

Gruß
Nikoal

MarkusK
Beiträge: 17
Registriert: 14.07.2015, 21:58
Religionszugehörigkeit: Orthodox

Re: Einige Fragen

Beitragvon MarkusK » 04.08.2015, 12:08

Lieber MarkusK,
auch wenn alle Fragen hier bei uns willkommen sind und wir gerne immer wieder antworten, ist es trotzdem kein Ersatz für ein Gespräch mit deinem Gemeindepriester oder geistlichen Vater.

Gruß
Nikoal
Hallo,
das weiß ich ja, jedoch ist es leider so, dass ich hier von Priester Alexej oder anderen Mitgliedern vieles lese, was nicht mit dem zusammen passt, was unser Priester mir antwortet. Da ich bisher nur die katholische Taufe empfangen habe und quasi neu in der Orthodoxie bin möchte ich meine Fragen gerne so präzise wie möglich beantwortet haben.

LG Markus


Zurück zu „Orthodoxe Kirche“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: Bing [Bot], Google [Bot] und 2 Gäste