Unerwartete Seelsorge

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Blago Vest
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Unerwartete Seelsorge

Beitrag von Blago Vest » 06.12.2014, 08:41

Ιησούς Χριστός Νικά

Liebe Forumsmitglieder,


ein Freund bat mich um geistliche Hilfestellung.
Er arbeitet tagsüber in einer Stadtkirche, hält sie für Besucher und Gläubige offen und steht ggf. erklärend und beratend zur Verfügung. Er ist von Beruf her jedoch Kunsthistoriker, kein Geistlicher. In letzter Zeit häufen sich Seelsorgefälle, bei denen kein Geistlicher spontan zur Verfügung steht. Solchen Begegnungen steht er ziemlich ratlos gegenüber...
Wie kann man verzweifelten Menschen weiterhefen, die eine Kirche aufsuchen? Wie trösten? Wie kann man ein gutes Gespräch führen? Sollte man sie gleich wegschicken? Was tun, wenn sie Geld wünschen?

Ich freue mich über Eure Antworten und Meinungen!
Vielen Dank,
εν Χριστώ
Blago Vest

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Igor
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Re: Unerwartete Seelsorge

Beitrag von Igor » 06.12.2014, 22:38

Grüß Gott!

Das ist wie bei Krankheiten:

Ist man krank – geht man zum Arzt zur Sprechstunde. Liegt etwas Akutes vor, hilft ein Notfallhelfer, wenn der nicht reicht, kommt der Notarzt.

Übertragen auf die Fragestellung:

Ja, eine „Erstversorgung“ des Bedürftigen kann durch im Glauben erfahrene Christen in der Kirche erfolgen. Ein gemeinsames Gebet ist bestimmt auch nicht verkehrt. Dabei sollte (im Normalfall) auch auf den Besuch des Gottesdienstes und des da i.d.R. im Anschluss möglichen Gesprächs mit einem Geistlichen verwiesen werden. Für den Notfall ist sicherlich auch der Priester direkt telefonisch erreichbar.

Zum Thema Geld geben hatten wir schon mal :arrow: eine Diskussion hier.

In Christo
Igor
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Nikolaj
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Re: Unerwartete Seelsorge

Beitrag von Nikolaj » 08.12.2014, 09:42

Guten Morgen,
ich denke nicht, dass Blago Vest mit der Bitte um Geld, die Frage nach einer privaten Gabe an Bedürftige gesprochen hat. Wenn ich richtig verstehe, geht es hier um Leute, die in eine Kirche kommen, ihre geistlichen und materiellen Probleme schildern und dann meinen, dass die Kirche beide befriedigen solle. Da sollte man natürlich ganz klar darauf hinweisen, dass die Kirche für den geistlichen Teil zuständig ist. Um dies in Anspruch zu nehmen reicht der Gottesdienstbesuch und die anschließenden Gespräche mit dem Priester.
Bei materiellen Fragen ist die Kirche nicht die wirklich richtige Stelle. Klar, können reiche Gemeinden Bedürftigen Menschen helfen, jedoch sind die orthodoxen Gemeinden in Deutschland oft nicht einmal in der Lage ihren Klerus zu bezahlen und ein eigenes Kirchengebäude zu erwerben. Daher kann man jemandem in der Kirche erklären, dass in der orthodoxen Kirche die meisten Aufgaben ehrenamtlich sind. Die Einnahmen reichen nicht für die Gemeinde selbst.

Zur Seelsorge, ist vielleicht das Allerwichtigste das Zuhören und nicht versuchen, den anderen zu "übermissionieren". Jeder hat seinen Weg um zu Gott zu kommen. Viele ganz klar auch über materielle Schwierigkeiten.

Wenn sich der Bekannte es leisten kann und will, kann er natürlich privat etwas an die Person geben, sollte sich aber nicht ausnehmen lassen...

Gruß
Nikolaj

Blago Vest
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Re: Unerwartete Seelsorge

Beitrag von Blago Vest » 10.12.2014, 20:08

Gelobt sei Jesus Christus!


Vielen Dank zunächst für die Antworten.
Mein Kollege arbeitet an einer evangelischen Stadtkirche. Er sieht besonders die Gefahr, dass es sich herumsprechen könnte: "Ah! Dort bekommt man Geld" bzw. "Wieso bekomme ich kein Geld?"
Die Gemeinde ist finanziell leider auch nur sehr knapp aufgestellt.
Ist den Menschen mit Geld geholfen? Vielleicht vorrübergehend...
Ich denke auch, dass es nicht gut wäre, Geld ohne Zweckbindung auszuteilen. Ein zweckfreie Geldabgabe hat immer etwas von "freikaufen"...

Einen gesegneten Abend!

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