nicht richtig orthodox

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Lazzaro
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nicht richtig orthodox

Beitrag von Lazzaro » 11.07.2014, 10:00

Thuja hat an an anderer Stelle einen russischen Filmbeitrag übersetzt:
viewtopic.php?f=13&t=2824&start=15
... und Bonifatius, aus England stammend, nach einer Reise nach Rom bei der Christianisierung Deutschlands eine bedeutende Rolle gespielt hat und als Märtyrer starb, und Bonifatius die hl. Lioba (es wird noch kurz über ihr Leben berichtet und ihre Frömmigkeit!) und ihren Einsatz für die Mission sehr schätzte und beide in Fulda nebeneinander begraben wurden. Und beide damit eigentlich "deutsche Heilige" der orthodoxen Kirche sind.
Nikolai sagte dazu:
Da die westlichen Heiligen, welche vor der Kirchenspaltung lebten, ja auch zum Leib Christi gehören, sind diese Heiligen orthodox.
Hier wird die Orthodoxie von alten Römer, Franken und Angelsachsen verteidigt, während ein moderner Deutscher orthodoxen Bekenntnisses, der "aus Liebe zur Russischen Kirche ... die kyrillische Schrift und im Rahmen des Möglichen - die russische Sprache und Kultur" * übt, sich als "nicht richtig orthodox" beschimpfen lassen muß.

Ich verstehe das einfach nicht. Wo ist da der qualitative Unterschied?
Lazarus

* Quelle: http://www.prophet-elias.com/die-geschi ... eschichte/
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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von Igor » 11.07.2014, 19:52

Grüß Gott!
Lazzaro hat geschrieben:während ein moderner Deutscher orthodoxen Bekenntnisses, der "aus Liebe zur Russischen Kirche ... die kyrillische Schrift und im Rahmen des Möglichen - die russische Sprache und Kultur" * übt, sich als "nicht richtig orthodox" beschimpfen lassen muß.

Ich verstehe das einfach nicht. Wo ist da der qualitative Unterschied?
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* Quelle: http://www.prophet-elias.com/die-geschi ... eschichte/
Die da geschilderten Ereignisse sind ja nun schon eine Weile her. Das Thema hatten wir ja auch schon hier mehrmals von vielen Seiten beleuchtet und dabei - so meine ich, mich zu erinnern - keinen "qualitativen Unterschied" erkennen können.

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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von Lazzaro » 18.07.2014, 22:23

Lieber Igor, liebe Geschwister der russ. Kirche!
Wenn es nun keinen "qualitativen Unterschied" gibt heißt das nun , daß die alten Römer, Franken, Angelsachsen gemeinsam mit den modernen Deutschen
a) richtig orthodox sind
b) nicht richtig orthodox sind
oder
c) zum Leib Christi gehöhren aber keine orthodoxe Kultur haben. :?:
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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von Priester Alexej » 19.07.2014, 00:32

Lieber Lazzaro,

du hast in deinem Beitrag bemängelt, dass ein "moderner Deutscher orthodoxen Bekenntnisses,... sich als "nicht richtig orthodox" beschimpfen lassen muß".

Was meinst du damit? Den Artikel über Vater Mitrofan http://www.prophet-elias.com/die-geschi ... eschichte/ ?
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von Lazzaro » 19.07.2014, 08:48

Lieber Vater Alexej, Christus ist unter uns!

Den Artikel über Vater Mitrofan habe ich lediglich als Quelle des Zitates
"aus Liebe zur Russischen Kirche ... die kyrillische Schrift und im Rahmen des Möglichen - die russische Sprache und Kultur"
hinzugefügt, um einen Nachweis meiner ehemaligrn russophilen Einstellung führen zu können. (Abgesehen davon bedeutet das nicht, daß V. Mitrofan mit diesem Vorwurf nicht konfrontiert worden ist.)

Allerdings würde ich gerne von russ. Seite gerne wissen wollen, was der Unterschied zwischen "orthodox" einerseits und "richtig orthodox" bezw. "nicht richtig orthodox" ist.

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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von Priester Alexej » 19.07.2014, 09:51

Er ist und wird es sein!

Danke für die Klarstellung! Im Artikel über V Mirofan gibt es nämlich auch eine entsprechende Stelle: "Manche sagen, dass der Pfarrer nicht genug russisch-orthodox ist, die anderen jammern, dass er den Russen zu sehr entgegenkommt".

Ich denke, man muss hier zwischen zwei Sphären unterscheiden - 1) orthodox als rechtgläubig und der kanonischen Orthodoxen Kirche angehörend und 2) orthodox als Träger einer Orthodoxen (Landes)Kultur.

Im ersten Fall ist jeder "richtig orthodox", der Mitglied der Orthodoxen Kirche ist, Ihren Glauben und ihre Morallehre ausnahmslos annimmt und regelmäßig (mindestens alle drei Wochen) zur Heilgen Kommunion geht. Das ist zweifellos das einzig entscheidende Maß, wenn es um Religionszugehörigkeit und Errettung geht.

Im zweiten Fall müsste man statt "richtig orthodox" doch "richtig russisch-orthodox" sagen. Wie oben zitiert haben manche Gemeindemitglieder über V. Mitrofan gesagt, er sei "nicht genug russisch-orthodox". Das ist aber durchaus möglich, denn er ist ja kein Russe. In dem Fall wäre aber auch griechisch-orthodoxer Priester "nicht richtig russisch-orthodox", denn er ist ja ein Grieche:)
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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von Quinni » 19.07.2014, 11:56

Vielen Dank für die Erklärung. Das ist für mich einleuchtend. Und was nun richtig russisch-orthodox ist, ich denke, das ist für jeden etzwas anderes, darüber gibt es bestimmt viele Meinungen. Aber was richtig orthodox ist, dafür gibt es ja zum Glück die Grundlagen der orthodoxen Kirche.

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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von Lazzaro » 06.08.2014, 22:06

Lieber Vater Alexeij!
Erst einmal vielen Dank, daß es nach über 20 Jahren ein Russe geschafft hat (Ich hoffe es war nicht all zu schwer) , den Begriff "richtig orthodox" mit Nichtrussen in eine positive Verbindung zu bringen.

Die Sache mit den beide Sphären bedeutet also, daß mit dem Begriff ORTHODOXIE zwei völlig verschiedene Dinge Bezeichnet werden:

Zum einen ist ORTHODOXIE eine Form des Christentums zu der alle Menschen ungeachtet ihrer Nationalität, ihrer Würdigkeit oder anderer Merkmale eingeladen sind, an der Gnade Gottes teilzunehmen. Ich schlage mal den Terminus Technicus "christliche Orthodoxie" vor.

Zum anderen ist ORTHODOXIE eine nationale Ideologie, die zwar durch christlichen Inhalte vermittelt wird, wobei die christl. Inhalte selbst aber völlig irrelewand und jederzeit ersetzbar sind: Zum Beispiel durch "Peterchens Mondfahrt" oder Homers "Odysee". Das deckt sich auch mit dem, was mir ein russ. Gewährsmann sagte: Die Leute kämen ...
... nicht einmal auf die Idee daß ORTHODOXIE eine theologische Dimension haben könnte.
Ich schlage mal den Terminus Technicus "nationale oder kulturelle Orthodoxie" vor. (Wobei die Begriffe Nationalität und Kultur bei mir sowieso fast deckungsgleich sind.)
Das heißt die Leute gehen in die Kirche, weil sie an die russ. Kultur und nicht aber an die Existenz Gottes glauben? (Deshalb fühle ich mich in der russ. Kirche ständig wie in einer anderen Religionsgemeinschaft) +

Aus Sicht der christlichen Orthodoxie muß ich allerdings feststellen, daß hier die allgegenwärtige Panhäresie des Ethnophiletismus durch Nationalismus, verdeckt durch eine hauchdünne Fassade Christentum, noch getoppt wird.
Oder anders ausgedrückt: Für die Nationale Orthodoxie ist die christliche "nicht richtig orthodox" - und - Für die Christliche Orthodoxie ist die nationale "nicht richtig orthodox". Kan man das irgendwie auflösen?
______

Wie kann man nun christliche und nationale Orthodoxie in der Praxis unterscheiden? Und wie kann ich als Nichrusse, -grieche, -et cetera sicher sein, daß man mir gegenüber vom christl. Orthodoxie redet, aber eigentlich doch die nationale meint / praktiziert?

Wie soll man mit nationaler Orthodoxie umgehen, wenn man Patriotismus als ethnophiletistische Häresie verurteilt und Nationalismus als einen Verstoß gegen das Erste Gebot: Du wirst keine Götter neben mir haben! verabscheut?

Lazarus

+ Ironiemodus an: In diesem Falle müßte ich die Frage, ob ich orthodox sei entschieden und stolz verneinen, denn ich bin ja schließlich Christ unter dem Omophor des ökum. Patriarchates. :lol: Ironiemodus aus.
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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von Igor » 08.08.2014, 17:14

Grüß Gott!
Lazzaro hat geschrieben: Erst einmal vielen Dank, daß es nach über 20 Jahren ein Russe geschafft hat (Ich hoffe es war nicht all zu schwer) , den Begriff "richtig orthodox" mit Nichtrussen in eine positive Verbindung zu bringen.
Diese eingangs getroffene Aussage ist schon bei nur oberflächlicher Betrachtung offensichtlich nicht stichhaltig. Allein die Tatsache, dass es seit Jahren bzw. Jahrzehnten mehrere deutschsprachige Gemeinden vornehmlich in der ROK in Deutschland gab bzw. gibt, dürfte sofort klarstellen, dass diese Aussage lediglich – ich formuliere es mal äußerst vorsichtig – Polemik ist.
Lazzaro hat geschrieben:Die Sache mit den beide Sphären bedeutet also, daß mit dem Begriff ORTHODOXIE zwei völlig verschiedene Dinge Bezeichnet werden:

Zum einen ist ORTHODOXIE eine Form des Christentums zu der alle Menschen ungeachtet ihrer Nationalität, ihrer Würdigkeit oder anderer Merkmale eingeladen sind, an der Gnade Gottes teilzunehmen. Ich schlage mal den Terminus Technicus "christliche Orthodoxie" vor.

Zum anderen ist ORTHODOXIE eine nationale Ideologie, die zwar durch christlichen Inhalte vermittelt wird, wobei die christl. Inhalte selbst aber völlig irrelewand und jederzeit ersetzbar sind: Zum Beispiel durch "Peterchens Mondfahrt" oder Homers "Odysee". Das deckt sich auch mit dem, was mir ein russ. Gewährsmann sagte: Die Leute kämen ...
... nicht einmal auf die Idee daß ORTHODOXIE eine theologische Dimension haben könnte.
Ich schlage mal den Terminus Technicus "nationale oder kulturelle Orthodoxie" vor. (Wobei die Begriffe Nationalität und Kultur bei mir sowieso fast deckungsgleich sind.)
Das heißt die Leute gehen in die Kirche, weil sie an die russ. Kultur und nicht aber an die Existenz Gottes glauben? (Deshalb fühle ich mich in der russ. Kirche ständig wie in einer anderen Religionsgemeinschaft) +
Hier beginnt das Missverständnis: Wenn „1) orthodox als rechtgläubig und der kanonischen Orthodoxen Kirche angehörend“ hier noch richtig dargestellt wird, liegt bei „2) orthodox als Träger einer Orthodoxen (Landes)Kultur“ mit Verlaub eine völlig falsche Interpretation des von Vr. Alexej Ausgeführten vor.

Wie ist es also denn richtig zu verstehen? Ich sehe das so:

Sphäre 1) umfasst alle rechtgläubigen Christen.

Sphäre 2) ist immer eine Untermenge oder Teilmenge von Sphäre 1) und somit Bestandteil von Sphäre 1). Das ist schließlich darin begründet, dass es eine Vielzahl orthodoxer Völker/Länder/Regionen/Ortskirchen gibt, welche quasi diese „Untermengen“ bilden und die alle ihre speziellen Traditionen in die Gesamtheit der orthodoxen Kirche einbringen – damit aber der Orthodoxie nicht entgegenstehen. Die Aussage, dass „die christl. Inhalte selbst aber völlig irrrelevant und jederzeit ersetzbar“ wären, ist somit falsch, denn in so einem hypothetischen Falle wäre 2) nicht als „orthodox“ zu bezeichnen und damit zwangsläufig nicht zu 1) zugehörig. Und, wenn „Leute […] nicht aber an die Existenz Gottes glauben“, dann sind sie folglich außerhalb von 1) und von 2)!

Mehr Details dazu auch im Vortrag von Priestermönch Paisios :arrow: „Einheit in der Vielfalt“, in dem dieses Thema ausgezeichnet abgehandelt wird und dessen Rezeption ich unbedingt ans Herz legen würde (dauert ca. 50‘).
Lazzaro hat geschrieben:Aus Sicht der christlichen Orthodoxie muß ich allerdings feststellen, daß hier die allgegenwärtige Panhäresie des Ethnophiletismus durch Nationalismus, verdeckt durch eine hauchdünne Fassade Christentum, noch getoppt wird.
Oder anders ausgedrückt: Für die Nationale Orthodoxie ist die christliche "nicht richtig orthodox" - und - Für die Christliche Orthodoxie ist die nationale "nicht richtig orthodox". Kan man das irgendwie auflösen?

______

Wie kann man nun christliche und nationale Orthodoxie in der Praxis unterscheiden? Und wie kann ich als Nichrusse, -grieche, -et cetera sicher sein, daß man mir gegenüber vom christl. Orthodoxie redet, aber eigentlich doch die nationale meint / praktiziert?

Wie soll man mit nationaler Orthodoxie umgehen, wenn man Patriotismus als ethnophiletistische Häresie verurteilt und Nationalismus als einen Verstoß gegen das Erste Gebot: Du wirst keine Götter neben mir haben! verabscheut?
Diese Fragestellung(en) sowie die vorangestellte Feststellung mit den daraus folgenden Ableitungen resultieren aus der oben offengelegten falschen Interpretation von 2).

Sie erübrigen sich offensichtlich von selbst durch die oben dargestellte bzw. richtiggestellte Tatsache, dass 2) immer eine Teilmenge von 1) ist.

Wenn jmd. im Rahmen von 2) innerhalb der Orthodoxie – also 1) – ist, dann kann er nicht gleichzeitig außerhalb der Orthodoxie sein und damit gibt es diesen „konstruierten“ Gegensatz nicht.

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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von Lazzaro » 09.08.2014, 00:55

Grüß Gott!
Lieber Igor, erst vielen Dank für die saubere und (fast mathematisch 8) ) klare Herleitung. Um die Ausgangssituation nicht zu verlieren ergeben sich volgende Fragen:

Frage1)
Ist der Satz: "Nur ein Russe kann richtig orthodox sein." im Sinne der oben beschriebenen Sphäre 1) als theologisch richtig oder als häretisch zu beurteilen?
Frage2)
Ist der Satz: "Nur ein Russe kann richtig orthodox sein." im Sinne der oben beschriebenen Sphäre 2) als theologisch richtig oder als häretisch zu beurteilen?
Frage 3) + 4)
Ist der Satz: "Orthodoxie ist die russische Variante des Christentumes." jeweils im Sinne der oben beschriebenen Sphären 1)+2) als theologisch richtig oder als häretisch zu beurteilen?

Und zusätzlich die Frage 5)
Meine oben mit dem Terminus Technicus "nationale oder kulturelle Orthodoxie" gefundene Definition bezieht sich weniger auf Vater Alexeijs Beitrag sondern auf diejahrelange (sic!) Beobachtung meinerseit und auch anderer Leute in der russ. Kirche.
Wieso gibt es niemanden, der den systematischen Mißbrauch der Religon durch den Nationalismus beim Namen nennt, daß einem Außenstehenden keine andere Interpretation mehr übrig bleibt?
Wieso ist die orth. Teologie zwar einerseits recht überzeugend, die Gemeindepraxis leider das genaue Gegenteil der selbigen?

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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von songul » 09.08.2014, 07:24

Mein Lazzaro, warum gehst du nicht einfach in die Kirche und lässt die Leute Leute sein.....?
Was ist dir wichtiger: deinen Glauben zu leben oder deine nationalistischen Interessen durchboxen zu wollen?
Du bist immerhin in einer Gemeinde in der das nicht so zu tragen kommt....
Wenn du wirklich was ändern möchtest, dann gründe eine deutsche Vereinigung deutsprachiger Orthodoxer die die Orthodoxie hier in unserer Sprache propagiert.....

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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von Priester Alexej » 10.08.2014, 21:07

Lieber Lazzaro!

Die ganze Diskussion resultiert doch letztlich aus folgendem:
Meine oben mit dem Terminus Technicus "nationale oder kulturelle Orthodoxie" gefundene Definition bezieht sich weniger auf Vater Alexeijs Beitrag sondern auf die jahrelange (sic!) Beobachtung meinerseit und auch anderer Leute in der russ. Kirche.
Es gibt in der Russischen Orthodoxen Kirche Menschen, welche die Sätze "Nur ein Russe kann richtig orthodox sein" oder "Orthodoxie ist die russische Variante des Christentumes" vertreten. Beide Sätze sind sicherlich in beiden Sphären falsch. Und beide Sätze sind weder in der Theologie, noch im Selbstverständnis der Russischen Kirche verankert. Menschen, die solche Sätze vertreten, sind meistens theologisch wenig gebildet und nicht wirklich in die Kirche integriert, sodass sie wohl kaum die Kirche repräsentieren können. Mit anderen Worten - es zählt, was der Bischof, die Synode oder der Priester sagt, und nicht, was man von einer Oma und einem Gemeindemitglied zu hören bekommt, dass grade mal fünf Jahre zur Kirche geht.

Ich kenne eine andere Russische Orthodoxe Kirche, als du sie beschreibst. Ich kenne eine Kirche, die als erste die Orthodoxie nach Deutschland bringt. Als erste die göttliche Liturgie in Deutsche übersetzt. Eine, die mannigfaltige Bücher und Periodika auf Deutsch herausgibt, mehr, als alle anderen zusammengenommen. Eine Diözese, in der deutschsprachige Gemeinde, Pfarrer und Gläubige eine Regel, und keine Ausnahme sind. Komm und siehe! Fahre nach Berlin, München, Düsseldorf, Frankfurt, Mainz, Würzburg, Hamburg, Köln, Stuttgart, Nürnberg usw. - überall wirst du von deutschen Priestern, Klerikern, Gemeindemitgliedern empfangen. Überall ist die die Deutsche Sprache zu hören, überall dort sind Deutsche genauso willkommen in der Kirche, wie alle anderen Völker.

Du hast eine andere Statistik? Lege die Karten auf den Tisch. Es gibt Deutschland 4 Russische Orthodoxe Bischöfe, über 100 Gemeinde und Priester, in Russland über 30 Tausend. In wie vielen bist du nicht willkommen? In wie vielen davon vertreten die Priester, Kirchenältesten und Lehrer die oben genannten Thesen? In welchen?
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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von Quinni » 10.08.2014, 22:03

Ich sage: Kommt ins Saarland und ihr werdet das gleiche erleben wie Lazzaro es beschreibt. Und das trotz eines sehr engagierten Priesters, der gerne deutsch als 2. Sprache integrieren möchte. Aber die Gemeinde lehnt es einfach ab. Zum Akathistos auf russisch sind fast 20 Mitglieder da. Fast nur Frauen und Kinder. Wenn ein Deutscher Konvertit dort ist, habe ich wenigstens jemanden, der mir etwas erklärt.Wenn er es sich wagt Teile des Akathists auf deutsch zu lesen, sieht man in den Gesichtern den Unmut. Sogar die älteren Mädchen schauen inzwischen missbilligend, wenn er auf deutsch liest.

Im Anschluss verließen alle bis auf 4 die Kirche, bevor díe deutschsprachige Vesper begann. Die 4 waren der Priester, ich und besagter Deutscher mit seiner russischen Frau.

Beim letzten Mal ist dem Priester etwas dazwischen gekommen, der andere Deutsche Mann nicht da. Die Frauen sprachen sich kurz auf russisch ab und bevor ich etwas fragen konnte, begannen sie mit dem Akathist. Danach sammelten sie die Texte wieder ein und gingen, ohne mir etwas zu sagen oder mich auch nur wahrzunehmen. Es wurden einfach die Kerzen gelöscht und alle machten sich fertig zum Gehen. Das war das letzte Mal, dass ich in der Kirche war. Zum einen weil ich viel arbeiten musste, zum anderen, weil man mir wohl definitiv zu verstehen gegeben hat, dass ich da nichts zu suchen habe.

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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von Thuja » 10.08.2014, 22:49

Ich will ja nicht sagen, dass das alles immer einfach ist... und für nicht Russisch-sprechende erst Recht...
Und gut, ich tue mich einfacher, da ich in beiden Sprachen recht "zuhause" bin...
Manchmal müssen sich die Priester mit Lesungen auf Deutsch etc. zwischendrin auch einfach "durchsetzen" und ihren Russisch-Muttersprachlerinnen erklären, weshalb das wichtig ist... der Inhalt ist doch derselbe, egal, in welcher Sprache...
Aber ich wünsche Euch sooo sehr, dass Ihr trotzdem auch einmal (und öfter!!!) diese unglaubliche intensive Fülle, die ich in den letzten Tagen wieder in den Gottesdiensten im Frauenkloster in Buchendorf erleben durfte und heute in der Kathedrale in München, spüren dürft, das ist so erfüllend und nährend für die Seele. Das lässt mich sozusagen "von innen her leuchten"... und das sehen und spüren auch andere... und tut so gut!!! Gut, die Hauptsache ist Kirchenslawisch, aber es gibt immer wieder deutsche Einschübe in den Gottesdiensten... und die Gesänge sind sooo toll, von wirklich super Sängerinnen - da haben die Engel im Himmel sicher mitgesungen... da kriege ich immer wieder Gänsehaut zwischendrin, so sehr rührt mich das an... und die Heiligen der Ikonen sind anwesend, das alles ist eine Atmosphäre, spürbare Fülle, ein solcher Reichtum, ich kann das mit Worten nicht ausdrücken...und auch heute die Predigt war wirklich gut... und natürlich sind die Menschen, also die Gemeinde, Menschen und es "menschelt" zwischendrin, trotzdem, alles zusammen "passt"...

Immer noch ganz glückliche sehr gebetsgestimmte und erfüllte Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!

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Re: nicht richtig orthodox

Beitrag von Igor » 11.08.2014, 06:32

Grüß Gott!
Quinni hat geschrieben:Ich sage: Kommt ins Saarland und ihr werdet das gleiche erleben wie Lazzaro es beschreibt. Und das trotz eines sehr engagierten Priesters, der gerne deutsch als 2. Sprache integrieren möchte. Aber die Gemeinde lehnt es einfach ab. Zum Akathistos auf russisch sind fast 20 Mitglieder da. Fast nur Frauen und Kinder. Wenn ein Deutscher Konvertit dort ist, habe ich wenigstens jemanden, der mir etwas erklärt.Wenn er es sich wagt Teile des Akathists auf deutsch zu lesen, sieht man in den Gesichtern den Unmut. Sogar die älteren Mädchen schauen inzwischen missbilligend, wenn er auf deutsch liest.
Hinter der schlechten Nachricht (der „Akathistos-Vorfall“) verbergen sich doch eigentlich sehr gute: Es gibt einen Priester, der die deutsche Sprache im Gottesdienst fördert. Er werden nicht nur, wie in anderen Gemeinden, Teile der Liturgie in Deutsch gehalten, sondern sogar Vespern und Akathiste.

Und jetzt möchtest Du – ich überspitze mal ein wenig – die Bemühungen des Priesters torpedieren, indem mit Deinem Weggang quasi 50 % der Deutschen die Gemeinde verlassen (so entnehme ich es Deinem Beitrag). Das wird seinen Bemühungen einen Rückschlag versetzen.

Es braucht halt oft Zeit, bis so etwas Frucht bringt. Es gibt Beispiele in Russland und anderswo (ich meine, Metropolit Hilarion berichtete mal so etwas), wo Priester über Jahrzehnte mit ein, zwei Gemeindemitgliedern alleine die Liturgie zelebrierten – bis dann endlich mehr Leute in die Kirche kamen.

Natürlich steht es Dir frei, eine Gemeinde zu suchen, in der Du vielleicht Dich wohler fühlst, doch ist so ein Wechsel zumeist ein ziemlicher Einschnitt.

Im Übrigen stehe ich voll hinter dem, was Priester Alexej, Songul und Thuja hier schreiben.

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