Nationale Kirchen und Patriotismus

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Elias
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Elias » 20.09.2012, 13:22


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Lazzaro
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Lazzaro » 20.09.2012, 22:38

Durch die nationalsozialistische Geschichte Deutschlands im XX. Jahrhundert ist hier im Land die Gefahr bzw. die Versuchung einer „Entnationalisierung“ der Kirche besonders groß.
Na dann mache ich mal was dagegen:



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songul
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von songul » 21.09.2012, 04:45

Lazzaro hat geschrieben:Durch die nationalsozialistische Geschichte Deutschlands im XX. Jahrhundert ist hier im Land die Gefahr bzw. die Versuchung einer „Entnationalisierung“ der Kirche besonders groß.
Nur um meinen Wissensdurst zu stillen:
Woher stammt dieses Zitat?

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Thuja
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Thuja » 21.09.2012, 18:44

Lieber Lazzaro,

hmmm, jetzt habe ich schon wieder ein Verständnisproblem...
Du schreibst einerseits:
ist hier im Land die Gefahr bzw. die Versuchung einer „Entnationalisierung“ der Kirche besonders groß
und andererseits:
Na dann mache ich mal was dagegen:
und ich steh' nun wieder auf'm Schlauch, was Du damit sagen willst...

Denn das "Ich bete an die Macht der Liebe" ist eine hierzulande sehr bekannte Komposition, ihr Verfasser ist nicht ganz so bekannt: der russische Komponist Dmitrij Bortnjanskij... guckst Du hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Dmitri_Ste ... ortnjanski

Also "Entnationalisierung der Kirche"... in Deutschland - Bundeswehr - Großer Zapfenstreich mit einer eigentlich russischen Komposition (also doch "multinational"!) - was hat diese Musik mit einem Gegenpol zur "Entnationalisierung" der Kirche zu tun?
Ich bitte um Erklärung, damit ich besser "durchblicke"!
Danke im voraus!

Liebe Grüße
Thuja
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Lazzaro
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Lazzaro » 21.09.2012, 21:23

Meine Damen, es folgt die Erklärung:

Der Beitrag sollte eine gewisse satirische Tendenz haben, was aber beim schreibenkurz Mitternacht nicht unbedingt geschickt war.
Das Zitat stammt von Vater Alexeij, einige Beiträge vorher: viewtopic.php?f=7&t=2969&start=15
Der Verfasser der "Macht der Liebe" ist Gerhard Tersteegen († 3. April 1769 in Mülheim an der Ruhr), ein Kirchenlieddichter und Mystiker des reformierten Pietismus. Das ganze ist weder russisch noch orthodox, wird aber in Rusland gerne unter "Orthodoxe Kultur" vereinnamt, ist aber genau wie Thuja richtig bemerkt sehr international und eben nur bedingt "patriotisch" weder aus der Sicht des dt. militärischen Zeremoniells noch aus der Sicht der rus. Kulturorthodoxie.
Da andere gerne ihren Patriotismus zu schau stellen, wollte ich halt auch mal was "patriotisches" posten. Wie ernst dieser "Patriotismus" gemeint ist sieht man an der ital. Unterschrift.

Anderseits gebe ich gerne zu, daß ich weder verstehe, was eine "Entnationalisierung der Kirche" sein soll, geschweige den nwas daran eine "Gefahr" oder eine "Versuchung" sein soll. Ich habe halt meine Nationalität, mein Nebenmann in der Kirche die Seinige; das ist halt so. Vielleicht können mich andere über dieses gefährliche Wesen :dinosaurier04: aufklären, das da in dt. Landen sein Unwesen treibt. Mir ist es jedenfalls völlig unbekannt.

Lazarus
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Thuja » 21.09.2012, 22:45

Aha, lieber Lazzaro, danke, jetzt ist's klarer...
Also, in Zukunft einfach "Satire-Modus an" und ggf. wieder "aus"-schalten, und ich weiß Bescheid... :lol:

Dieses "gefährliche Wesen" hier :dinosaurier04: finde ich jedenfalls geradezu süüüß!!

Liebe Grüße
Thuja
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Christ7777777 » 22.09.2012, 18:38

:mrgreen: :up:
Die Liebe macht dich närrisch. Im Guten Sinne jetzt. ;)
Dum Didl dei Dum dum dum.

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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Lazzaro » 27.09.2012, 08:45

Ich las die Tage folgenden sehr interessanten historischen Roman. "Kreuz und Schwert" von Kaga Otohiko, einem japanisch-katholischen Professor.
Nähere Infos gibt es hier:
http://www.histo-couch.de/kaga-otohiko- ... hwert.html
Dieser Roman bemüht sich bewußt alle historischen Tatsachen möglichst genau wiederzugeben.
Für mich erschreckend war, wie man hier schwarz auf weiß lesen kann, welch fatale Folgen für die Kirche entstehen, wenn sich ausländische Missionare ausschließlich den Kolonialinteressen ihrer Heimatländer dienen.
Für unser Thema hier heißt das, daß die Existenz solcher Hirten wie Nikolai von Japan hierzulande gerne vergessen wird. (kirchliches Alheimer? das Z hab ich schon vergessen.)
Lazarus
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Lalumeju

Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Lalumeju » 05.10.2012, 18:45

Als Außenstehender würde ich keinen Sinn in Nationalisierung der Kirchen sehen.

Vor allem weil wie es heißt Gott doch die ganze Erde erschaffen hat. Soll man doch an alle denken.


Gruß, euer Dämönchen
(Im übrigen: Den kleinen mag ich :dinosaurier04: )

nein, ich beiße nicht sondern sage nur

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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Lazzaro » 08.11.2012, 16:22

Vater Alexeij hat in diesem Strang
viewtopic.php?f=2&t=2067&p=33666&sid=fb ... 91c#p33666 gefragt
Re: Deutschsprachige russ-orthod. Gottesdienste in Berlin
von Diakon Alexej » 08.11.2012, 06:52
Lazzaro hat geschrieben:Du hast vollkommen recht. Aber will man den wirklich "mehr Menschen ansprechen" ? Und wenn ja welche? Eine Antwort auf diese Frage könnte der Artikel von Vater Alexeij geben:
Der universelle Charakter der Orthodoxie vs. Patriotismus?
Immer wieder hört man ...
in: viewtopic.php?f=7&t=2969&start=15
In welcher Weise gibt denn der Ausschnitt eine Antwort auf diese Frage?
Vater Alexeij hat in seinem Beitrag ein Missions- und Kirchenkonzept der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland vorgestellt. Von den Einheimischen ist nirgens die Rede. Die Deutschen werden lediglich zu Beginn kurz wegen ihres mangelhaften patriotismus negativ erwähnt:
Durch die nationalsozialistische Geschichte Deutschlands im XX. Jahrhundert ist hier im Land die Gefahr bzw. die Versuchung einer „Entnationalisierung“ der Kirche besonders groß.
Welche Menschen man wie ansprechen möchte sagt folgender Abschnitt:
Der nationale Charakter ist somit einer der wichtigsten Aspekte sowohl beim Erhalt, wie auch bei der Verbreitung des orthodoxen Glaubens. Der Patriotismus gibt einem Volk die notwendige Kraft und moralische Grundlage, um sich selbst vor äußeren Einflüssen zu schützen. Dabei ist der orthodoxe Glaube für die Menschen das wichtigste Gut, der Stolz eines Landes, und wird deshalb vom patriotischen Gefühl mit erfasst. Auch bei der Verbreitung der Orthodoxie wird der Patriotismus als christliche Tugend weitergegeben, und kann auch als Trägeridee bei der Mission dienen.
Lazarus
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Priester Alexej » 08.11.2012, 23:45

Lieber Lazarus, du hast mich leider nicht ganz verstanden bzw. die falsche Schlussfolgerung gezogen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Orthodoxie, wie auch andere religiösität, unter Deutschen so wenig verbreitet ist, weil es eben keinen Patriotismus gibt. Beziehe doch mal den von dir zitierten Abschnitt auf Deutschland.
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Lazzaro » 10.11.2012, 09:06

Lieber Vater Alexeij!
Ich beziehe diesen Artikel also auf Deutschland.
Hier die Theorie. Es gibt bekanntlich zwei Lösungsmöglichkeiten, daher der / Schrägstrich:

Der norddeutsche / bayerische Charakter ist somit einer der wichtigsten Aspekte sowohl beim Erhalt, wie auch bei der Verbreitung des evangelischen / katholischen Glaubens. Der Patriotismus gibt seinem Landesteil die notwendige Kraft und moralische Grundlage, um sich selbst vor äußeren Einflüssen zu schützen. Dabei ist der evangelische / katholische Glaube für die Menschen das wichtigste Gut, der Stolz Norddeutschlands / Bayerns, und wird deshalb vom patriotischen Gefühl mit erfasst. Auch bei der Verbreitung des Protestantismus / Katholizismus wird der Patriotismus als christliche Tugend weitergegeben, und kann auch als Trägeridee bei der Mission dienen.

Hier die Praxis:
Ein Herr besucht die evangelische Lukaskirche in München.
Nach dem Gottesdienst fragt er den Pfarrer: „Wieso sind sie eigentlich evangelisch? Als Bayer haben Sie katholisch zu sein!“
„Fragt der Pastor zurück: „Sind Sie evangelisch?“
„Nein, ich glaube nicht an Gott, aber ich bin (wenigstens) Norddeutscher.“ …

Ist nur ein katholischer Bayer ein richtiger Bayer? Und wie konnte ein evangelischer Innenminister Beckstein die bayrisch-katholischen Werte schützen, da er sie als Lutheraner gar nicht vertritt? Ist das spirituelle Zentrum aller norddeutschen Katholiken in Altötting?

Lazarus sus borussicus
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Lazzaro » 10.11.2012, 10:28

Nachtrag:
Lieber Vater Alexeij!
Stelle Dir doch mal vor, Du wärest in Bayern geboren und aufgewachsen, liebtest die dazugehöhrige Blasmusik und würdest auch bei passenden Anlässen in Lederhose herumlaufen. Gleichzeitig wärest Du aber der der angesprochene evangelische Pfarrer.
Was würdest Du antworten?
Lazarus, immer noch ein sus borussicus
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Nassos
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Nassos » 10.11.2012, 18:15

Hier steht u.a. auch etwas über Phyletismus, Umgang mit Minderheiten etc.

http://alexandros.papaderos.org/Documen ... lethik.pdf

Insbesondere ab Seite 93, 94, 95.

Das Buch mag auch dahingehend interessant sein, als dass es sich auch mit der Sozialethik der Katholiken und Protestanten befasst (daher auch drei Autoren).

Ehemaliger
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Re: Nationale Kirchen und Patriotismus

Beitrag von Ehemaliger » 11.11.2012, 00:24

Lieber Vater,

ich finde deine Version von 'Patriotismus' sehr sehr unreflektiert, geradezu romantisch, das ist keine Verunglimpfung, das ist eine Beschreibung. Begriffe leben nicht aus sich selbst, sie brauchen eine begründende Grundlage, sonst sind sie Ideologie.

Das ist keine Kritik an dir sondern eher eine Aufforderung dazu, den Begriff mal etwas zu hinterfragen. Das scheinen sie dir auf der Akademie nicht nahegebracht zu haben.
Und das finde ich geradezu . . . ärgerlich ist der mindest ärgerliche Ausdruck

Vater: Wo lehrt Jesus, unser Herr und Gott, den Patriotismus?

Sei sehr lieb gegrüsst
Benedikt

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