Sterbehilfe/Sterbebegleitung

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Mary
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Re: Sterbebegleitung

Beitrag von Mary » 06.07.2012, 17:09

summseli hat geschrieben:Danke für die Schnelle Antwort.

Ich hatte mich an die Kirche in Zürich schon gewendet, diese äusserte momentan jedoch keine Zeit zu haben mir auskunft über meine Fragen zu geben... Daher meine frage hier, was man als angehörige macht wenn ein gläubiger stirbt.
Hallo, summseli,

ich bin die orthodoxe Zürcher Userin. :wink:
Welche Gemeinde hast Du denn angefragt?
Ich kann Dich in der russischen Gemeinde des Patriarchats Moskau (Narzissenstrasse) oder in der Gemeinde der russischen Auslandskirche (Haldenbachstrasse) einführen und Dir Kontakte herstellen, wenn Du das möchtest. Über Fragen der orthodoxen Glaubenspraxis kann ich Dir auch selbst Auskunft geben.
Melde Dich doch gerne per PN oder hier im Forum.
Lg Mary
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Igor
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Re: Sterbebegleitung

Beitrag von Igor » 06.07.2012, 21:20

Liebe Ana,

zuerst auch von mir herzlich willkommen hier im Forum.

Nun zu Deinem Thema: Auf der Webseite unserer Gemeinde ist ein Artikel, der Dir Ansatzpunkte liefern könnte: „Was im Falle einer orthodoxen Beerdigung zu bedenken und zu erledigen ist“.

In Ergänzung dazu einige relevante Slides aus einer Vorlesung, die ich vor angehenden Krankenschwestern und -pflegern hielt, die eine Modifikation des Vortrags „Einführung in die Orthodoxie“ ist:

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Ich hoffe, das hilft Dir schon mal weiter.

In Christo
Igor
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Re: Sterbebegleitung

Beitrag von Igor » 06.07.2012, 21:37

Noch kurz zu diesen Fragen:
summseli hat geschrieben:Ich habe eine Pat. betreut, welche im Sterben lag, den angehörigen war es sehr wichtig, dass sie in den eigenen Kleidern stirbt...

[...]

Ich habe auch gehört, dass man der Sterbenden etwas zu essen mitgeben soll, und dass man etwas persönliches für schon verstorbene der sterbenden mitgeben darf, ist das so? oder hat das eine andere bedeutung?
Beides hat nichts mit dem orthodoxen Glauben zu tun und ist eher dem Aberglauben zuzuordnen.
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summseli
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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von summseli » 06.07.2012, 22:04

Danke Igor für deine super hilfreichen Antworten.

Ehemaliger
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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Ehemaliger » 06.07.2012, 22:05

Liebe Ana,

mich wird ganz schwummerig vor Augen wenn ich bedenke, dass solcher Unfug wie der, den du angeführt hast, in einer Diplomarbeit über die Gewohnheiten der Orthodoxen stehen könnte. Danke, dass du dich hier erst mal erkundigen möchtest und darauf verzichtest hast, so etwas ungeprüft zu übernehmen.

Es stimmt schon, dass die 'Schwelle' zwischen Himmel und Erde oder auch Hier und Dort bei uns in der Orthodoxie eigentlich fast garnicht vorhanden ist (doch doch, wir wissen schon was es bedeutet, wenn jemand tot ist ;) ) aber so weit, dass wir 'stille Himmelspost' spielen mit Mitgeben von Sachen, die ein früher Verstorbener vielleicht noch gerne hätte ( was bitte sollte das denn sein können im Angesicht der Herrlichkeit Gottes? Ein Teddybär oder das geliebte Schnapsglas??) das geht nun mal garnicht. Und auch zu Essen braucht kein Mensch dort (Nahrungsknappheit (welcher Art eigentlich?) beim Herrn?).

Unser Gottesdienst würde dich vielleicht etwas verwirren, denn unser Augenmerk ist nicht so sehr auf den 'Toten' gerichtet sondern auf den 'ins ewige Leben Hinübergehenden'. Nicht Abschied steht im Vordergrund, sondern Fürbitte für den, der bald vor dem Herrn steht.

Ich möchte dich ermutigen,egal wozu du gehörst (bezüglich Kirche) mal daran teilzunehmen und vor allem, lass dich nicht abspeisen von 'beschäftigten Gemeinden'. Mary ist sicherllich bereit, dir Kontakt zu Menschen zu verschaffen, die diese Art des Totenbegleitens gehen und bereit sind, dich 'reinschauen' zu lassen. (Und ausserdem ist sie auch noch lieb und nett :)
)

LG
Benedikt

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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von summseli » 07.07.2012, 11:07

Danke Benedikt für deine Worte.

Ich bin konfesionslos aufgewachsen und sehr offen für Neues.
Mich haben eben die "Bräuche" der Familie selbst ein wenig verwundert und da ich nirgends in der Literatur etwas über diesen Aberglauben gefunden habe und diesen jetzt als solcher auch bestätigt bekommen habe, kann ich dies so in meiner Arbeit auch klar formulieren und mich der Richtigkeit zuwenden. Was ja eine grosse Erkenntnis im ganzen Prozess ist.

Ja mit Mary bin ich in Kontakt, hätte auch heute mit in die Liturgie können - musste jedoch Arbeiten :(

Wenn ich ja schon so tolle Antworten kriege noch eins zwei fragen mehr... :)

Ich habe gelesen, dass die Organentnahme von Verstorbenen nicht erlaubt ist, da man den Körper dessen 40 Tage nach dem eintritt ins Himmelreich nicht anrühren darf, stimmt das? Aber wie sieht es aus, wenn der Gläubige bei voller Genesung ein Organ einem anderen Menschen spenden will, und wie wenn er an einer Krankheit leidet und ein Organ benötigt?
Dürfen Gläubige Bluttransfusionen ohne weiteres erhalten?

Danke

Nassos
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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Nassos » 07.07.2012, 12:17

Forumsfunktion Suche (oben rechts): Organspende.
viewtopic.php?f=7&t=2823

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Mary
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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Mary » 07.07.2012, 15:51

summseli hat geschrieben:
Ja mit Mary bin ich in Kontakt, hätte auch heute mit in die Liturgie können - musste jedoch Arbeiten :(
Hallo, Du Liebe,

vielleicht gibt es ja später mal eine Gelegenheit... ich kann Dich "anpiepsen", wenn ich wieder dort bin.
Dani hat deine mail erhalten und ist dabei, dir eine umfangreiche Antwort zusammenzustellen!

summseli hat geschrieben:Ich habe gelesen, dass die Organentnahme von Verstorbenen nicht erlaubt ist, da man den Körper dessen 40 Tage nach dem eintritt ins Himmelreich nicht anrühren darf, stimmt das? Aber wie sieht es aus, wenn der Gläubige bei voller Genesung ein Organ einem anderen Menschen spenden will, und wie wenn er an einer Krankheit leidet und ein Organ benötigt?
Dürfen Gläubige Bluttransfusionen ohne weiteres erhalten?

Danke
Nassos hat Dir schon den link zur Organspende-Diskussion gegeben. Du siehst dort, dass rege ausgetauscht wird.

Dazu vielleicht etwas Grundsätzliches:
Es gibt in der Orthodoxie wenig Dinge, die ganz genau reglementiert sind. Wir sind da anders als bsp. die röm.kath. Kirche, die das Leben ihrer Gläubigen bis ins Letzte genau plant und vorschreibt (bsp keine Verhütung, keine Kondome, kein Sex vor der Ehe, keine Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene... keine Sterbehilfe, keine Abtreibung... und und... )
In der Orthodoxie ist es eher so, dass es Meinungen von Theologen und/oder Bischöfen und Vätern gibt zu verschiedenen Themen. Einige sind da ganz eindeutig, bsp wird Abtreibung, Homoehe oder aktive Sterbehilfe sicher abgelehnt. Zu anderen Themen wirst Du kontroverse Meinungen finden. Es wird auch manches dem Gewissen des Gläubigen überlassen, das dieser im Gespräch mit seinem geistlichen Begleiter schult.
Aus anderen religiösen Kreisen, bsp der Evangelikalen, kennst Du vielleicht die Frage: "What would Jesus do?". Da überlegt man sich also, was wohl Jesus in einer Situation, die man gerade erlebt, tun würde. Ähnlich versucht auch der orthodoxe Gläubige, Jesus nachzufolgen, so zu handeln, wie Er es vermutlich tun würde, so zu lieben, wie Er liebt...

Man kann also in vielen Bereichen garnicht klar sagen, "so wird es richtigerweise gemacht" oder "so nicht".
Es gibt Dinge, die man sicher beachten muss beim Hinscheiden eines orthodoxen Christen (diese Dinge hast Du schon bekommen oder bekommst Du schriftlich). Anderes ist im Ermessen der einzelnen Familie oder auch des begleitenden Priesters.

Für die Arbeit in der Sterbebegleitung würde ich sagen: Wichtig ist sicher das, was der Patient/die Familie wünscht, soweit es mit den Richtlinien in der entsprechenden Klinik vereinbar ist. Ich meine, dass es ja nicht an uns als Pflegenden liegt, die Leute über ihren Aberglauben aufzuklären, auch wenn Du von uns gehört hast, dass es Formen der - von Priestern oft auch zähneknirschend tolerierten - Volksfrömmigkeit sind... das wäre dann Aufgabe des Priesters!

Es gibt übrigens in der Schweiz auch ein orthodoxes (Sterbe-)hospiz, das man orthodoxen Gläubigen evtl anbieten könnte...
http://orthodoxie.ch/directory/fr/payerne_maurice.htm
Sicher kann man Dir auch weitere Informationen für Deine Arbeit geben !

Liebe Grüsse
Maria
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Nassos
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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Nassos » 07.07.2012, 16:57

Hallo summseli,

ein verspätetes "Willkommen"! :oops:

Bei den Griechen ist es u.a. so, dass wenn der Sarg abgesenkt wurde, der Priester in Kreuzesform Koliva und Wein über den Sarg ausschüttet. Die Koliwa (gekochter Weizen,welcher bei Beerdigugnen und dann bei den Gedenktagen nach dem Tod des Entschlafenen zur Speise angeboten wird) stehen hierbei - wenn ich das richtig weiß - für die Auferstehung des Entschlafenen (wie wir im Glaubensbekenntnis bekennen): der Weizen kommt in die Erde und aus ihm entsprießt dann das Leben (in diesem Fall das ewige Leben).
Die Bedeutung des Weines kenne ich nicht, werde mich aber informieren und nachtragen.

Viele Orthodoxe kennen diese Bedeutung nicht, sie denken, dass es sich um eine Art "Wegzehrung" handelt (wie Benedikt schon schreibt ein uralter Brauch, der noch in den Köpfen der Leute ist) - aber das ist es definitiv nicht.
In Griechenland wird man auch oft sehen, dass man den Toten ein Stück Ziegelstein auf die Augen legt. Ich halte das auch für einen traditionellen aber nicht christlichen Brauch. Das lebt in der heutigen Form noch so weiter dass man anstatt "wenn ich eines Tages nicht mehr bin" sagt: "wenn man mir eines Tages den Ziegel auf die Augen legt". Auch danach werde ich mich nochmal erkundigen und hier nachtragen.

Wichtig ist es auch, dass der Sterbende noch die Möglichkeit hat, die letzte Beichte abzulegen, um möglichst nicht im Zustand des Falls zu entschlafen. Überhaupt spielt der Gedanke an den Tod (als Vergegenwärtigung der Vergänglichkeit dieses Lebens und als Chance sich rückzubesinnen auf Gott und wie man sein eigenes Leben führt) in der orthodoxen Kirche eine große Rolle. Man hört in der Göttlichen Liturgie am Sonntag bei den Ektenien die Bitte um ein christliches Ende - genau das ist gemeint.
In den Gebeten bittet man u.a. auch an das Gedenken des Todes. Der Heilige Basilios der Große war der Meinun, dass stete Gedanken an den Tod (dreimal am Tag, glaube ich sagte er) uns dabei hilft so einige Dummheit von vornherein zu vermeiden. Da mag er nicht ganz Unrecht gehabt haben, wenn man die heutige Thanatophobie und ihre Auswüchse in unserer Gesellschaft beobachtet. Das führt dazu, dass unsere Einstellung zum Leben an Natürlichkeit einbüßt.


****


Aber eine Frage habe ich auch an dieser Stelle: wie ist es mit den Koliva und dem Wein in den anderen Jurisdiktionen? Kennt man das dort auch?

Vielen Dank und lieben Gruß,
Nassos

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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Stephanie » 07.07.2012, 18:28

Nassos hat geschrieben: In Griechenland wird man auch oft sehen, dass man den Toten ein Stück Ziegelstein auf die Augen legt. Ich halte das auch für einen traditionellen aber nicht christlichen Brauch. Das lebt in der heutigen Form noch so weiter dass man anstatt "wenn ich eines Tages nicht mehr bin" sagt: "wenn man mir eines Tages den Ziegel auf die Augen legt". Auch danach werde ich mich nochmal erkundigen und hier nachtragen.
:shock:

Nassos hat geschrieben:Aber eine Frage habe ich auch an dieser Stelle: wie ist es mit den Koliva und dem Wein in den anderen Jurisdiktionen? Kennt man das dort auch?
Das würde mich jetzt allerdings auch brennend interessieren. Als Konvertitin kenne ich mich ja noch nicht so mit den Begräbnisritualen aus.
Welche Landesbräuche gibt es denn so? Also bitte, liebe russische, rumänische, georgische, bulgarische, serbische und arabische Geschwister vortreten... :lol:
Bin ganz gespannt. :book:

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Igor
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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Igor » 08.07.2012, 17:05

Grüß Gott!

Bevor wir uns möglicherweise allzu sehr damit auseinandersetzen, welche spezifischen Speisen oder Getränke bzw. sonstige Dinge in welchem Land den Entschlafenen 'mitgegeben' werden etc., hier ein paar Hinweise zu den Texten der Begräbnisriten und deren Erläuterung.

Eine gute Erläuterung des Ritus ist im Band „Begräbnissritus und einige Specielle und alterthümliche Gottesdienste der Orthodox-Katholischen Kirche des Morgenlandes“ der Edition von Erzpriester Alexios Maltzew enthalten. Im Vorwort zu den eigentlichen Gebetstexten des Ritus gibt es da z.B. eine „Vergleichende Übersicht über das Ritual der orientalischen und occidentalischen Kirche bei den Begräbnis- und einigen anderen Riten.“

Weitere Links auf die Gebetstexte:
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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Nassos » 08.07.2012, 17:35

Lieber Igor,

bitte denk auch daran, dass durch Anführung von solchen Bräuchen ausgeschlossen werden kann, dass diese als orthodox angenommen werden.Eine reine Verlinkungskultur fördert eine Diskussion nicht gerade.
Aber Du hat recht, wir sollten nicht den Fokus verlieren.

Das mit dem Ziegel ist ein lokaler Brauch, der aber inzwischen ausgestorben ist. Man legte ihn nicht auf die Augen (wie früher mal Münzen) sondern man bettete den Kopf darauf.
Vergessen wir nicht, wie es überall solche Bräuche gab und gibt, die aus dem Aberglauben kommen (Vampirismus) oder aus der Antike stammen.

Zum Wein: er hat eine geistlich reinigende Wirkung, wohl angelehnt an die Kommunion. Wein spielt eine wesentliche Rolle in der Orthodoxie, das wäre ein eigenes Thema wert.

Eines noch summseli: man muss das ganze im Gesamtkontext betrachten. Was denkt die OK über den Tod, die Seele nach dem Tod, aber auch über unser Sein in diesem Leben. Wir gehen ja immer in verschiedene Stadien über, die durch unsere Mysterien “gekennzeichnet“ werden, sei es die Taufe, die Ehe, der Tod etc. Alles dreht sich um den ureigentlichen Sinn der Orthodoxie, berührt ihren Kern.

Hört sich nach viel an, was es auch ist. Aber wenn sich die Möglichkeit ergibt, mit Maria darüber zu sprechen, dann hat Du in ihr eine kompetente Ansprechpartnerin für all diese Themen.
Die Gebete, wie durch Igor verlinkt, beinhalten auch wesentliches.
Ich werde versuchen, mir selber auch noch mehr Info zu holen.

Lieben Gruß,
Nassos

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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Lazzaro » 08.07.2012, 21:27

Hallo Summseli!
Auch von mir ein herzliches Willkommen.

Nur der Vollständigkeit halber:
Es gibt die Reihe: "Liturgie im Angesicht des Todes":
Becker, Hansjakob / Ühlein, Hermann (Hg.)
Liturgie im Angesicht des Todes
Judentum und Ostkirchen:
Band 1: Texte und Kommentare
(1996), 1536 S.
Band 2: Übersetzungen, Anhänge und Register (1996)

Siehe bitte hier: http://www.liturgie.kath.theologie.uni-mainz.de/109.php
und hier: http://www.rok-wuerzburg.de/fileadmin/t ... 0Plank.pdf

In dieser Reihe, im 10. Band findest Du auch eine Vollständige Übersetzung der Sterbegebete (eine sehr schwehre Kost!) und des Begräbnisgottesdienstes. Dazu eine komplette Liturgische Analyse. Die wird warscheinlich den Rahmen Deiner Diplomarbeit sprengen. Auch ist sie auf sehr hohem theologischem Niveau. Wenn du aber Dir die Zeit nehmen kannst, wirst Du einiges über unseren Umgang mit Sterben und Tod lernen (und Du hast eine super Angabe in Deinem Quellenverzeichnis, mit der Du Eindruck machen kannst :) !)

Wenn Du weitere Infos benötigst, melde Dich bitte per PN.
Lazzaro
Cantábiles mihi erant justificatiónes tuæ, * in loco peregrinatiónis meæ. - Ps.118:54

Nassos
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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Nassos » 08.07.2012, 21:35

Nein, bitte nicht über pn, das interessiert auch andere.
Danke!!!

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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Priester Alexej » 12.07.2012, 18:42

Liebe Ana,

ich danke wir als orthdoxe können zwischen Bräuchen und der geistlichen Begleitung eines Menschen unterscheiden. Bräuche - Etwas Mitgeben, eigenen bzw. eine bestimmte Kleidung, gehören in erster Linie zu einer kulturellen Tradition, und variiren in verschiedenen Ländern und auch in verschiedenen Teilen Russlands.

Dann gibt es aber die gesitliche Begleitung des Menschen durch die Kirche bzw. den Priester. Sobald es dem Menschen schlecht geht und die Möglichkeit des Todes besteht, sollte sofort ein orthodoxer Priester gerufen werden. Dieser nimmt dem Gläubigen die Beichte ab und spendet eine Krankenkommunion. Damit wird der Mensch noch nicht ins Jenseits geleitet, man betet durchaus für seine Gesundheit, der Seele und des Leibes. Ab diesem Moment setzt der Kontakt zwischen dem Menschen / seiner Familie und dem örtlichen Priester ein, und dieser sollte alles weitere arrangieren.

es gibt viele Menschen, welche die Kirche sehr selten besuchen, und nur einen Geistlichen in so einem Fall aufsuchen. Diese Menschen werde auch nicht klar zwischen den kirchlichen Tradition und den genannten Bräuchen unterscheiden können. Sie wünschen in einem solchen Moment eine Leitung durch einen Priester.

Was du immer tun kannst - einem orthodoxen Christen eine Ikone und eine Öllampe/Kerze anbieten. Es wird dir niemand übel nehmen, wenn du den kranken Menschen fragst, ob du eine Ikone in sein Zimmer stellen sollst. Einige werden sich über diesen Trost freuen, auch wenn sie vorher nicht in das christliche Leben integriert waren. Vielleicht würde auch ein Buch zum Ausleihen auf der Station eine Idee sein.

IC
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

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