Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Stephanie
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Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Stephanie » 10.06.2012, 09:01

Beiträge aus dem Strang zur Organspende abgetrennt und diesen Strang hierfür eröffnet.
Nassos, Mod.


Auch wenn es nicht ganz direkt zum Thema Organspende ist, so finde ich diesen Artikel zum Thema Sterben, Sterbehilfe doch sehr interessant. Noch sehr viel interessanter finde ich, dass dieser Arzt der täglich mit dem Sterben in sicherlich all seiner qualvollen Varianten (er arbeitet ja im Palliativbereich) selbst eine gänzlich andere Haltung hat als wohl die Mehrheit der Bevölkerung:

" Borasio: Die tägliche Beschäftigung mit Tod und Sterben kann belasten, genau wie der Arztberuf insgesamt, aber das Bewusstsein um die eigene Endlichkeit ist vor allem ein großes Geschenk. Es hilft, die eigenen Prioritäten zurecht zu rücken. Durch den Austausch mit unseren Patienten haben wir die großartige Chance, von ihnen das Leben zu lernen. Ich habe nie einen Sterbenden getroffen, der sagte: Ich wünschte, ich hätte mehr gearbeitet. Ein arabisches Gedicht hat es so formuliert: 'Die Menschen schlafen, solange sie leben. Erst wenn sie sterben, erwachen sie.'

Welt am Sonntag: Bei Vorträgen fragen Sie Ihre Zuhörer gerne, wie sie sterben wollen: Plötzlich und unerwartet, mittelschnell durch eine schwere Krankheit wie Krebs oder langsam, etwa durch Demenz. Wie würden Sie entscheiden?

Borasio: Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann keinen plötzlichen Tod. Sondern einen Tod, auf den ich mich vorbereiten kann."

Quelle: http://www.welt.de/vermischtes/article1 ... ommen.html

Ehemaliger
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Beitrag von Ehemaliger » 10.06.2012, 13:21

Liebe Stephanie,

da haben wir jetzt aber ein richtig grosses Fass herumstehen und du hast den Deckel gelüftet. :shock:
Fragen von menschlichem Handeln in den Grenzbereichen unseres Lebens: Geburt und Sterben, sind es wirklich wert, bedacht und behutsam besprochen zu werden. Ich habe bewusst 'menschlichen' Handels geschrieben, denn wir Ärzte tun das ja nur auf 'Auftrag' hin und weil wir mit der 'Methodik und dem Wissenshintergrund' vertraut sind. Die Tatsache aber, dass ich weiss wie und warum ein Herz schlägt macht mich nicht zum Experten für den Tod/Sterben.
Wir sollten diese Fragen keinesfalls an die 'Experten', weder die naturwissenschaftlichen noch die philosophisch-ethischen oder sonstwelche abgeben. Immerhin ist der Tod kein medizinisches oder ethisches Problem, sondern ein menschliches: Und da haben wir alle was zu meinen, zu sagen und zu entscheiden.

Ich finde wir könnten erst mal konkret werden bevor wir über das Leben an sich und die Sterbehilofe im Besonderen sprechen. Ich finde, wir sollten es uns leisten, uns in die Position zu versetzen:

Frau Meier liegt im Sterben und es ergibt sich die Situation die Herr Borasio so beschreibt:
"Borasio: Physische Schmerzen fürchten vor allem die Gesunden. Am Ende des Lebens spielen sie nur eine untergeordnete Rolle bei den Ursachen für Wünsche nach Lebensverkürzung, das zeigen viele Untersuchungen. Es sind vielmehr die psychosozialen Leiden, die den Menschen zusetzen, vor allem der Verlust des Lebenssinns. Oder der subjektive Verlust der Würde. Das Gefühl, anderen zur Last zu fallen. Die Menschen leiden also vor allem an der eigenen Existenz, und das manchmal fürchterlich."

Was also nehmen wir in unsere Überlegungen hinein, wie bewerten wir es?

Ich bin gespannt.

Ich finde übrigens, dass dieses Thema einen eigenen Strang verdient hat, denn mit Sterbehilfe/-begleitung UND Organspende platzt dieser hier ansonsten.

Benedikt

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Igor
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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Igor » 10.06.2012, 19:05

Grüß Gott!
Stephanie hat geschrieben:Borasio: Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann keinen plötzlichen Tod. Sondern einen Tod, auf den ich mich vorbereiten kann."
Ja, Stephanie, das ist auch genau das, um was wir während der Liturgie in den Ektenien (Litaneien) bitten:

"Ein christliches Ende unseres Lebens, ohne Schmerz, ohne Schande, in Frieden und eine gute Rechenschaft vor dem furchtbaren Richterstuhle Christi lasset uns erflehen."

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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Igor » 10.06.2012, 19:50

Grüß Gott!

Ein wenig Hilfestellung bei diesem komplexen Thema geben uns die "Grundlagen der Sozialdoktrin der Russisch-Orthodoxen Kirche":
Wenn sich die aktive Therapie nicht mehr als wirksam erweist, soll sie durch palliative Hilfe (Anästhesie, Pflege, soziale und psychologische Unterstützung) abgelöst werden und ebenso durch pastorale Fürsorge. Dies zielt insgesamt auf die Sicherung eines natürlichen und von Barmherzigkeit und Liebe begleiteten wahrhaft menschlichen Lebensendes.

Das orthodoxe Verständnis von einem ehrenhaften Tod beinhaltet die Vorbereitung auf den Lebensabschluß, der als eine geistig gewichtige Etappe im Leben eines Menschen angesehen wird. Der von christlicher Liebe umgebene Kranke kann in den letzten Tagen seines irdischen Daseins unter dem Eindruck eines erneuten gewissenhaften Nachdenkens über den zurückgelegten Lebensweg und der reuigen Rechenschaft vor der Ewigkeit segensreiche Änderungen in sich verspüren. Für die Angehörigen des Sterbenden sowie die medizinisch Tätigen hingegen bedeutet die mit Nachsicht und Geduld getragene Sorge für den Kranken die Gelegenheit, Gott Selbst zu dienen, gemäß den Worten des Erlösers: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25.40). Das Verheimlichen von Informationen über den schweren Zustand des Patienten unter dem Vorwand, dessen seelisches Wohlbefinden zu erhalten, nimmt dem Sterbenden nicht selten die Möglichkeit, sich bewußt auf das Lebensende vorzubereiten und aus der Teilnahme an den Kirchensakramenten geistigen Trost zu schöpfen; darüber hinaus sät es auch Mißtrauen in seinen Beziehungen zu den Angehörigen wie den Ärzten.

Die dem Tod vorausgehenden physischen Leiden werden durch den Einsatz schmerzmindernder Methoden nicht immer effektiv beseitigt. Im Bewußtsein dessen wendet sich die Kirche in solchen Fällen an Gott mit der Bitte: „Erlöse deinen Knecht von diesem unerträglichen Leiden und der bitteren Ohnmacht, schenke ihm die ewige Ruhe und versammle ihn, wo die gerechten Seelen sind“ (Trebnik [Meßbuch]: Gebet für den Schwerstleidenden). Allein Gott ist der Gebieter über Leben und Tod (1 Sam 2.6). „In seiner Hand ruht die Seele allen Lebens und jeden Menschenleibes Geist“ (Ijob 12.10). Deshalb lehnt es die Kirche – in Treue zu Gottes Gebot „Du sollst nicht morden“ (Ex 20.13) – ab, die heutzutage in der Gesellschaft weitverbreiteten Versuche der Legalisierung der sogenannten Euthanasie, d.h. der vorsätzlichen Lebensverkürzung von unheilbar Kranken (einschließlich auf deren Verlangen), als moralisch vertretbar anzuerkennen. Das Ersuchen des Kranken um Sterbehilfe ist unter Umständen durch einen momentanen depressiven Zustand bedingt, in welchem der Kranke zu einer richtigen Beurteilung seiner Lage nicht imstande ist.

Die Anerkennung der Legalität der Euthanasie würde die Herabsetzung der Würde und die Vernachlässigung der professionellen Pflichten des Arztes mit sich bringen, der berufen ist, das Leben zu erhalten und nicht zu verkürzen. Das „Recht auf Tod“ kann leicht in eine Bedrohung des Lebens derjenigen Patienten umschlagen, denen es für eine medizinische Betreuung an den erforderlichen finanziellen Mitteln fehlt.

Insofern stellt die Euthanasie eine Form des Mordes oder Selbstmordes dar, je nachdem, ob der Patient daran mitwirkt. Im letzteren Fall unterliegt die Euthanasie den geltenden kirchenrechtlichen Regeln, nach denen die mutwillige Selbsttötung, desgleichen die Beihilfe bei deren Durchführung als schwere Sünde gelten. Dem vorsätzlichen Selbstmörder, der „sich zu diesem Schritt aus menschlicher Verletzung oder aus anderen, im Kleinmut wurzelnden Gründen entschlossen hat“, wird weder eine christliche Beisetzung noch eine Seelenmesse zuteil (Regel Nr. 14 Timotheos von Alexandrien). Sollte der Selbstmörder sich in einem Zustand „außer sich“ das Leben genommen haben, mit anderen Worten während eines Anfalls von seelischer Krankheit, liegt die Entscheidung über das kirchliche Gebet für ihn – entsprechend der Klärung des Falls – im Ermessen des amtierenden Bischofs. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, daß die Schuld des Selbstmörders nicht selten auch seine Angehörigen trifft, die nicht imstande waren, tätiges Mitleid und Barmherzigkeit zu zeigen. Die Kirche ruft zusammen mit den Aposteln dazu auf: „Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6.2).
Quelle: http://orthpedia.de/index.php/Datei:Kas ... 4-1-30.pdf bzw. http://orthodoxeurope.org/page/3/16.aspx

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Stephanie
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Re: Sterbehilfe

Beitrag von Stephanie » 11.06.2012, 09:16

Vielen Dank fürs Einstellen lieber Igor.
Aber ich hatte eigentlich auch keinen Zweifel über die Haltung unserer Kirche gegenüber der Sterbehilfe.

Was mich an diesem Artikel aus der "Welt" viel mehr fasziniert hatte war, dass ein Mediziner (ob er gläubiger Christ ist, dazu hat er sich nicht geäußert und es spielt im Rahmen des Interviews auch keine Rolle) dessen tagtägliches Brot es ist, sich mit diesen Themen des Sterbens und Leidens zu befassen eine andere Haltung einnimmt, als es so viele in unserer Gesellschaft leichtfertig tun. Er spricht sich dafür aus, dass man sich dem Tod stellt und dass es vielmehr nötig wäre, für die Sterbenden und Leidenden da zu sein. Dass die humane Aufgabe unserer Gesellschaft nicht darin besteht, das Sterben zu erleichtern (im Sinne des Todes herbeizuführen) sondern darin, dass wir uns um die Menschen kümmern, sie nicht allein lassen.
So. Und das gilt für mich genauso für das Thema schwerer Krankheiten oder Krankheiten, die evtl. Organspenden benötigten. Mir gefällt unser Umgang mit diesen Themen nicht, der Ansatzpunkt sozusagen. Anstelle uns ständig auf materieller Ebene um vermeintlich schnelle Lösungen zu bemühen, muss es eigentlich die Aufgabe sein, sich um die Menschen zu kümmern, sie nicht allein zu lassen (oder die Hinterbliebenen). Dafür wollen wir aber a) kein Geld und b) schon gar keine Zeit zur Verfügung stellen. Und das ist meiner bescheidenen Meinung nach alles andere als human und christlich schon gar nicht.

Im Grunde ist das ja auch das Grundproblem, das sich durch alle unsere Bereiche der Existenz zieht. Objektiv betrachtet geht es uns (materiell) so gut, wie kaum je zuvor, allem Gejammer zum Trotz. Wirklich existenzielle Not, wie das in früheren Jahrhunderten der Fall war, haben wir nicht: Es muss niemand verhungern, Kleidung bekommt man im Zweifelsfall bei der Kleiderkammer etc. Die medizinische Grundversorgung ist gewährleistet. Woran es aber mangelt, das ist menschliche Zuwendung. Den Menschen ernst zu nehmen, sich gegenseitig auszuhalten und ertragen, zuzuhören, Zeit zu verbringen etc. etc.

Ich fasse mich da durchaus an der eigenen Nase: Wann habe ich denn das letzte Mal 2 Std. in der Woche dafür "geopfert", dass ich Menschen im Krankenhaus oder Altenheim besucht habe (Angehörige ausgenommen)? Es ließen sich noch jede Menge anderer Beispiele anführen.
Für unsere Heiligen oder auch die Christen der ersten Tage war das ein selbstverständlicher (!) Dienst und die haben sicherlich nicht weniger Arbeit und Sorgen ums tägliche Überleben gehabt als wir - nur weniger Zeit für Internet, Kino, Kaffeetrinken, Rumphilosophieren etc.
Warum fällt es uns (in Anbetracht der Tatsache, dass ein offensichtlicher Mangel vorliegt, erlaube ich mir von meiner Person auch auf andere zu schließen) so schwer, diese Aufgaben als selbstverständlichen Teil unserer christlichen Nächstenliebe zu sehen? Wenn auch dem Rest der Gesellschaft offensichtlich das Interesse oder der Sinn für diese Überlegungen fehlt oder abhanden gekommen ist, so können wir uns doch nicht einfach dieser Mehrheit anschließen.
Ich schlafe und das stelle ich ganz ernsthaft und beschämt zu Beginn dieser Fastenzeit fest.
Die Ideen sind da, die Vorsätze auch und dann...?

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Igor
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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Igor » 12.06.2012, 06:26

Stephanie hat geschrieben:Vielen Dank fürs Einstellen lieber Igor.
Aber ich hatte eigentlich auch keinen Zweifel über die Haltung unserer Kirche gegenüber der Sterbehilfe.
Liebe Stephanie, mein Hinweis hatte die Intention, einen Hinweis für alle an diesem Thema Interessierten zu geben (ich war mir sicher, dass Du keinen Zweifel an der Haltung unserer Kirche hattest).
Stephanie hat geschrieben:Mir gefällt unser Umgang mit diesen Themen nicht, der Ansatzpunkt sozusagen. Anstelle uns ständig auf materieller Ebene um vermeintlich schnelle Lösungen zu bemühen, muss es eigentlich die Aufgabe sein, sich um die Menschen zu kümmern, sie nicht allein zu lassen (oder die Hinterbliebenen). Dafür wollen wir aber a) kein Geld und b) schon gar keine Zeit zur Verfügung stellen. Und das ist meiner bescheidenen Meinung nach alles andere als human und christlich schon gar nicht.
[...]
Ich schlafe und das stelle ich ganz ernsthaft und beschämt zu Beginn dieser Fastenzeit fest.
Die Ideen sind da, die Vorsätze auch und dann...?
Genau, dass ist der Punkt. Das, was Du hier beschreibst, deckt sich sehr gut mit dem, was in unseren parallelen Diskussion :arrow: "Spiritualität im Alltag" aktuell besprochen wird: Wie steht es mit unserem Glauben - leben wir ihn im Alltag?

Im Jakobusbrief ist eine schöne Stelle dazu (Jak 1,22-25):
Hört das Wort nicht nur an, sondern handelt danach; sonst betrügt ihr euch selbst. Wer das Wort nur hört, aber nicht danach handelt, ist wie ein Mensch, der sein eigenes Gesicht im Spiegel betrachtet: Er betrachtet sich, geht weg und schon hat er vergessen, wie er aussah. Wer sich aber in das vollkommene Gesetz der Freiheit vertieft und an ihm festhält, wer es nicht nur hört, um es wieder zu vergessen, sondern danach handelt, der wird durch sein Tun selig sein.
Viel Erfolg, Kraft und Gottes Segen beim Umsetzen der Ideen und Vorsätze wünscht
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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Nassos » 12.06.2012, 11:00

Igor hat geschrieben:Grüß Gott!
Stephanie hat geschrieben:Borasio: Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann keinen plötzlichen Tod. Sondern einen Tod, auf den ich mich vorbereiten kann."
Ja, Stephanie, das ist auch genau das, um was wir während der Liturgie in den Ektenien (Litaneien) bitten:

"Ein christliches Ende unseres Lebens, ohne Schmerz, ohne Schande, in Frieden und eine gute Rechenschaft vor dem furchtbaren Richterstuhle Christi lasset uns erflehen."

In Christo
Igor
Vielen Dank Igor für diese Anführung. Das ist eine Stelle in den Ektenien, bei der sich viele in der Liturgie bekreuzigen.
Ich persönlich habe Angst davor, in einem schwachen Moment zu sterben. Wir beten um das Gedenken an den Tod. Letzte Woche habe ich einen Freund beerdigt. Und doch verdrängen wir das alles wieder.

Ich finde daher diese Diskussion sehr wichtig, die Hinweise auf Textstellen und die Problematisierung. Danke an alle Beitragenden hierfür. Es beschäftigt mich sehr!

In Christo,
Nassos

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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Nassos » 12.06.2012, 11:29

Ich weiß, dass das sehr privat ist was jetzt kommt.

Ich habe soeben meine Frau angesprochen, was sie darüber denkt, wenn ich mich für Bedürftige engagieren würde (Krankenhaus/Altersheim). Ich rechnete mit Stirnrunzeln, aber ihre Antwort hat mich echt umgehauen.
Sie denkt seit geraumer Zeit daran, selber in einem Waisenhaus zu helfen. Sie möchte auch unseren kleinen Sohn mitnehmen, damit er sieht, wie es anderenKindern gehen kann.
Ich bin nun sehr beflügelt und möchte daher nochmal meinen Dank an alle Diskutanten aussprechen, denn Ihr habt den Stein ins Rollen gebracht.

Warum ich das hier schreibe? Vielleicht motiviert es den einen oder anderen den nächsten Schritt zu tun.

In Christo,
Nassos

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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Igor » 13.06.2012, 07:07

Nassos hat geschrieben:Warum ich das hier schreibe? Vielleicht motiviert es den einen oder anderen den nächsten Schritt zu tun.
Lieber Nassos, viel Kraft und Gottes Segen bei der Umsetzung dieses Vorhabens! Vielleicht ist Deine Initiative wirklich Ansporn für den einen oder andern (bzw. die eine oder andere), dem gleich zu tun.

Wenngleich es viele Möglichkeiten gibt, Gutes zu tun und jeder die ihm von Gott gegebenen Talente nutzen sollte, um dieses (auch im Hinblick auf die eigene Errettung) zu tun (vergl. Mt 25,14-30).

Das kann auf durchaus unterschiedliche Art und Weise geschehen, wie auch schon der Hl. Apostel Paulus in seinen Briefen schrieb:
Ihr aber seid der Leib Christi und jeder Einzelne ist ein Glied an ihm. So hat Gott in der Kirche die einen als Apostel eingesetzt, die andern als Propheten, die dritten als Lehrer; ferner verlieh er die Kraft, Wunder zu tun, sodann die Gaben, Krankheiten zu heilen, zu helfen, zu leiten, endlich die verschiedenen Arten von Zungenrede.
(1 Kor 27-28)

Und:
Und er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi. So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen. Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, ein Spiel der Wellen, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen, dem Betrug der Menschen ausgeliefert, der Verschlagenheit, die in die Irre führt. Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir ihn erreicht haben. Er, Christus, ist das Haupt.
(Eph 4, 11-15)

In Christo
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PS Vielleicht sollten wir dem Strang einen anderen Namen verpassen: „Sterbebegleitung“ wäre vielleicht angemessener, oder?
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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von Allons » 13.06.2012, 11:35

Nassos hat geschrieben:Ich weiß, dass das sehr privat ist was jetzt kommt.

Ich habe soeben meine Frau angesprochen, was sie darüber denkt, wenn ich mich für Bedürftige engagieren würde (Krankenhaus/Altersheim). Ich bin nun sehr beflügelt und möchte daher nochmal meinen Dank an alle Diskutanten aussprechen, denn Ihr habt den Stein ins Rollen gebracht.
Hallo Nassos, die Malteser haben eine qualitativ sehr gute Ausbildung & Begleitung Ehrenamtlicher für die Hospizarbeit, da unten im katholischen sollte es keine Mühe bereiten, Ansprechpartner zu finden.
Siehe http://www.die-malteser.de/kurse-und-se ... egleitung/

Grüße, Allons!

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Re: Sterbehilfe/Sterbebegleitung

Beitrag von songul » 14.06.2012, 08:23

Nassos hat geschrieben:Ich weiß, dass das sehr privat ist was jetzt kommt.

Ich habe soeben meine Frau angesprochen, was sie darüber denkt, wenn ich mich für Bedürftige engagieren würde (Krankenhaus/Altersheim). Ich rechnete mit Stirnrunzeln, aber ihre Antwort hat mich echt umgehauen.
Sie denkt seit geraumer Zeit daran, selber in einem Waisenhaus zu helfen. Sie möchte auch unseren kleinen Sohn mitnehmen, damit er sieht, wie es anderenKindern gehen kann.
Ich bin nun sehr beflügelt und möchte daher nochmal meinen Dank an alle Diskutanten aussprechen, denn Ihr habt den Stein ins Rollen gebracht.

Warum ich das hier schreibe? Vielleicht motiviert es den einen oder anderen den nächsten Schritt zu tun.

In Christo,
Nassos
Hi Nassos,
es gibt in Stuttgart ein Projekt fast aller orthodoxen Kirchen und den Diakonissinnen in ihrem Altersheim Bethanien (Möhringen) eine orthodoxe Kapelle einzurichten und in der die verschiedenen orth. Kirchen Gottesdienste halten werden.
Man sucht orthodoxe Menschen die sich an der Pflege alter Mitgeschwister beteiligen wollen oder sogar eine Ausbildung machen wollen und andere ähnlich ausgerichtete Tätigkeiten.
Die suchen noch freiwillige Mithelfer.
Melde dich doch bei V. Zacharias Batzakakis Tel. 0711 6076564 oder einer der anderen orthodoxen Kirchen dort.
LG Songul

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Sterbebegleitung

Beitrag von summseli » 06.07.2012, 14:47

Hallo,

Ich schreibe meine Diplomarbeit über die russisch-orthodoxe Religion. Ich bin in der ausbildung zur pflegefachfrau und arbeite in einem geriatrischen spital, da werde ich oft mit verschiedenen Kulturen konfrontiert, auch ist das thema sterben bei uns ein grosses thema.
Dazu finde ich spärlich oder überhaupt keine Infos über verschiedene Themen.

Dazu meine fragen:
Ich habe eine Pat. betreut, welche im Sterben lag, den angehörigen war es sehr wichtig, dass sie in den eigenen Kleidern stirbt...
Gibt es bestimmte Rituale Bräuche die die Angehörigen bei einem Sterbenden Gläubigen durchführen, wenn ja welche und welche bedeutung haben sie?
Ich habe auch gehört, dass man der Sterbenden etwas zu essen mitgeben soll, und dass man etwas persönliches für schon verstorbene der sterbenden mitgeben darf, ist das so? oder hat das eine andere bedeutung?


Wie leben orthodoxe Gläubige ihre Trauer nach einem Verlust?
Wie wichtig sind die Fastenzeiten für einen orthodoxen gläubigen?

Danke schon im Voraus.

Ana

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Re: Sterbebegleitung

Beitrag von songul » 06.07.2012, 15:41

Hallo Ana,
herzlich willkommen hier im Forum.
Gleich vorab: die russisch-orthodoxe Religion hat die gleichen Glaubensinhalte wie die anderen orthodoxen Kirchen; z.B. Griechen, Serben, Rumänen ....
Nur die Sprache ist anders und ein paar lokale Sitten.
Wenn du wegen deiner Diplomarbeit Informationen brauchst ist es am Besten, dass du dich an eine, oder noch besser, an die russisch orthodoxe Kirche in Zürich wendest, die können dir die besten Auskünfte geben.
Wir haben hier auch eine Userin die in der Schweiz lebt und selbst orthodox ist; vielleicht kann sie dir helfen.
Die russisch orthodoxe Kirche in Stuttgart ist in einem Projekt, dass sich zusammen mit der evangelischen Kirchen um eine orthodoxe Altenpflege bemüht, da könnte man auch nachfragen.

summseli
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Re: Sterbebegleitung

Beitrag von summseli » 06.07.2012, 16:00

Danke für die Schnelle Antwort.

Ich hatte mich an die Kirche in Zürich schon gewendet, diese äusserte momentan jedoch keine Zeit zu haben mir auskunft über meine Fragen zu geben... Daher meine frage hier, was man als angehörige macht wenn ein gläubiger stirbt.

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Re: Sterbebegleitung

Beitrag von songul » 06.07.2012, 16:47

summseli hat geschrieben:Danke für die Schnelle Antwort.

Ich hatte mich an die Kirche in Zürich schon gewendet, diese äusserte momentan jedoch keine Zeit zu haben mir auskunft über meine Fragen zu geben... Daher meine frage hier, was man als angehörige macht wenn ein gläubiger stirbt.
Was man als Angehöriger macht, wenn jemand stirbt der orthodox war; na ja, der muss sich dann schon mit der Kirche in Verbindung setzen, wenn ein kirchliches Begräbnis erwünscht ist. In der Regel geht man da zu der Kirche hin aus der man stammt.
Die meisten Orthodoxen in der Schweiz als auch in Deutschland oder Österreich kommen aus osteutropäischen Ländern. Es ist also nicht üblich einen Griechen durch Russen beerdigen zu lassen.
Auch müssen die Angehörigen bestimmen oder wenn es der Wunsch des Verstorbenen war wo die letzte Ruhe sein soll.
Hier oder im Heimatland.
Ich weiss nicht wie die Friedhofssituation in der Schweiz geregelt ist; hier in Deutschland gibt es orthodoxe Friedhöfe oder orthodoxe Abteilungen in anderen.
Das die Kirche in Zürich so unwillig war finde ich Schade, denn es ist eigentlich nur in ihrem Interesse das es Menschen gibt die sich auf dem Gebiet engagieren.
Vielleicht solltest du deine Diplomarbeit darum erweitern, dass es sich nicht nur um die russische Kirche handelt, denn in der Diaspora gibt es ja die verschiedensten Orthodoxen und die einzelnen Kirchen schliessen sich auch inzwischen mehr zusammen.
Gerade als Altenpfleger/in in der Sterbebegleitung hat man ja wohl nicht nur mit Russen zu tun sondern auch mit anderen und so ist die allgemeine Kenntnis über den Glauben oder der letzten Dinge wichtig. Das kann man auch in anderen Kirchen lernen.
Nicht nur in der russischen.
Hier ein Link:
http://orthodoxie.ch/directory/de.htm

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