Spiritualität im Alltag

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Mary
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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Mary » 11.06.2012, 22:38

Hallo,
wir wollen uns in unserer Gesprächsgruppe mit einem Kapitel des "Buchs vom Leben in Christus" von Nikolaos Kabasilas beschäftigen. Bei der Lektüre ist mir ein Abschnitt wichtig geworden, der, wie ich meine, auch ins Thema passt:
Kabasilas spricht da darüber, wozu wir alle als Christen Gott gegenüber verpflichtet sind...(im 6.Buch)
Denn niemand wird wohl behaupten, dass es sich jeweils um dieselbe Tugend handeln muss, ob nun einer ein öffentliches Amt verwaltet oder ob er eigenen Geschäften nachgeht, ob einer nach der Taufe sich Gott gegenüber zu nichts Besonderem verpflichtet hat oder ob er das Mönchsleben, Jungfräulichkeit und Besitzlosigkeit gewählt hat, wonach er weder über äusseres Gut noch auch über sich selbst mehr verfügen will. Die Pflicht aber, die allen Christen gemeinsam ist - so wie auch ihre Bezeichnung allen gemeinsam ist - , die muss auch von allen gleicherweise erfüllt werden.
Und was immer man auch vorschützen mag, es gibt nichts, was unser Versäumnis entschuldigen könnte: weder Alter noch Gewerbe oder irgendein Geschick, keine örtliche Entlegenheit und keine Einsamkeit, nicht die Stadt mit ihrer Unruhe, auch nichts von alledem, worauf sich Getadelte zu berufen pflegen, da ja nichts dem entgegensteht und alle die Möglichkeit haben, dem Willen Christi nicht zu widerstreiten, sondern die von ihm erlassenen Gesetze auf jede Weise zu halten und ihre Leben so einzurichtetn, dass es ihm gefallen kann. Auch kann man nicht sagen, dies übersteige das Menschenvernögen, denn dann wäre ja keine Strafe gesetzt gegen die Gesetzesübertreter. Unter den Christen aber gibt es keinen, der nicht um seine Pflicht wüsste, alles in die Tat umzusetzen. Denn als sie sich am Anfang ihm anschlossen, haben sie gelobt, ihm in allem zu folgen, sie alle gleicherweise. Und erst nachdem sie sich durch diesen Vertrag gebunden hatten, erhielten sie Anteil an den heiligen Mysterien. So gelten also die Anordnungen des Heilandes für alle Gläubigen ohne Ausnahme und sind erfüllbar für alle Willigen und streng verpflichtend.
Ohne das kann es nicht zur Vereinigung mit Christus kommen, weil sie sonst im wichtigsten und schönsten Teil von ihm getrennt sind: im Willen und in der Gesinnung. Denn wenn wir in Blutsgemeinschaft mit ihm stehen, müssen wir auch Gesinnungsgemeinschaft mit ihm haben. Wenn wir aber einerseits mit ihm verbunden sind und ihn so lieben, andererseits aber von ihm getrennt sind und ihm damit widerstreiten, wenn wir also zwar Kinder sind, jedoch tadelnswerte, und wenn wir Glieder sind, aber tote, dann nützt es uns gar nichts, mit ihm zusammengewachsen und geboren worden zu sein. Es wird den Getrennten ergehen wie jenem Rebzweig am wahren Weinstock, dessen Ende es ist, dass er, hinausgeworfen, verdorrt und ins Feuer geworfen wird.
Welch strenge Worte! Sie gehen mir mitten ins Herz...

>Nachfolger Christi, Menschenfischer, Vorbild, also ein "richtig gefährlicher Erwachsener" zu werden<

Was für eine grosse Aufgabe und doch... unsere Pflicht, nicht mehr und nicht weniger.

Maria
Let Your mercy, O Lord, be upon us, as we hope in You.

Ehemaliger
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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Ehemaliger » 12.06.2012, 14:39

Liebe Geschwister,

alle, die wirklich etwas erreichen wollen tun 'es'. Fussballer und Langläufer, Schifahrer und Sänger, Schachspieler und 'normale' Menschen. Sie verlassen den Alltag und nehmen sich Zeit für besondere Konzentration auf das, was sie erreichen wollen. Ob das nun Trainingslager oder Exerzitien heisst ist nicht so wichtig. Aber dass es geschieht, das ist wichtig. Fussballspieler, die das als Beruf haben trainieren wirklich viel, aber von Zeit zu Zeit gehen sie ins Trainingslager um etwas besonders intensiv, auf neue Weise oder wie auch immer zu üben.

Und wir haben die Fastenzeiten!

Raus aus dem Normaltrott rein in die 'besondere' Zeit, unser geistliches Trainingslager. Dass wir das mit dem Verzicht auf Essen begleiten ist nur logisch, denn nur dadurch werden wir freier, sowohl zeitlich als auch körperlich. Ein voller Bauch studiert nunmal nicht gerne.
Genau so haben es unsere 'Athleten Christi' gemacht, allerdings sehr gründlich. Die Mönche der frühen Jahrhunderte sind in die Wüste gegangen 'ins Trainigslager' und haben dort das geübt, was sie Christus näher brachte. Und NUR das, nichts anderes. Wenn etwas nicht beitrug, sie Gott näher zu bringen, dann haben sie es nicht getan. Ob das nun viel Essen war oder viel Schlaf, Lüste oder Ablenkungen, Computer oder Kino (Ooops, jetzt bin ich im Jahrhundert verrutscht . . . Entschuldigung).

Als Programm hatten sie 1. Tim 4, 7: "Übe dich vielmehr darin, den Willen Gottes zu tun!" Oder auch Hebr. 12, 1 "Darum lasst uns durchhalten in dem Wettlauf, zu dem wir angetreten sind, und alles ablegen, was uns dabei hindert, vor allem die Sünde, die uns so leicht umgarnt!" Und immer im Sinn: "Durch ihn hat für mich alles andere seinen Wert verloren, ja, ich halte es für bloßen Dreck (Im Griechischen steht da ein noch viel drastischeres Wort. Fängt mit Sch... an). Nur noch Christus besitzt für mich einen Wert." (Phil 3,8).

Und klar war und ist: "Ein Sportler, der an einem Wettkampf teilnimmt, kann den Preis nur gewinnen, wenn er sich streng den Regeln unterwirft." (2 Tim 2,5)


Nehmt euch einen kleinen Moment Zeit zum Nchdenken:
Woran denken wir also wenn wir uns vorstellen, körperlich in Kraft und Ausdauer zunehmen zu wollen?
Was sind denn die Vorteile davon?
Und was sind denn die Vorteile geislicher Kraft und Ausdauer?
Welche Übungen dafür kommen uns denn in den Sinn?

Es kann sein, dass wir an dieser Stelle ächzen und stöhnen (natürlich nur im Verborgenen), weil wir doch schon genug zu tun haben in unserem Alltag. Nun kommen also auch noch geistliche Gymnastik und Ausdauertraining dazu . . .
Nun, ich denke, das ist nicht so. Sie, die spirituellen Übungen, sind eher eine Art und Weise des Herangehens als Zusätzliches. In Hebr 12, 1 steh ja: Lasst uns ablegen, was uns behindert. Also es wird einfacher für uns, wenn wir üben, wenn wir Disziplin entwickeln. Dieses Wort kommt von discipulus und das heisst Schüler, Jünger. Im Griechischen wird dieses Wort oft mit Askesis wiedergegeben. Also: Der Jünger übt sich durch/in Askese. UInd dabei legt er alles weg was ihn auf dem Weg zu seinem Ziel behindert. Er gewinnt Stärke durch diese Übung und das heisst, dass es in Zukunft leichter werden wird und der Jünger konzentriert sich auf ein Ziel. Disziplin hilft uns also, unsere Kraft und Aufmerksamkeit zielgerichtet einzusetzen. Bislang ist nichts dazugekommen sondern im Gegenteil es ist etwas weggenommen, unnütze Kraftanstrengung, unnötige Umwege oder Zeitverschwendung usw. Dazugekommen sind Kraft, Ausdauer, Gotteszentriertheit. Und das ist doch schon mal was, oder?

Vielleicht können wir uns in dieser Fastenzeit helfen, uns in der Askese zu üben, um Dinge leichter und zielgerichteter zu tun. Mehr mit dem Ziel auf den Herrn hin.

Und das hat sehr wohl etwas mit Verzicht auf z.B. Käse zu tun. Nicht weil der Käse was Falsches wäre, nein wir üben an diesem einfachen Beispiel, wie wir die Lust auf ... (hier setze jeder ein, was ihn so plagt) loslassen und wie den Käse eben NICHT nehmen. Und das konsequent, sonst betrügen wir uns um den Erfolg. Und was mit dem Käse können, das können wir noch mit ganz anderen Sachen.

Habt eine schöne Zeit bei der Askese :) (Ich meine das im Ernst)
Benedikt

Ehemaliger
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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Ehemaliger » 12.07.2012, 18:07

Liebe Geschwister,

mir geht schon seit Wochen dieser kleine Satz nicht aus der Seele: 1. Tim 4, 7: "Übe dich vielmehr darin, den Willen Gottes zu tun!"
Mittleweile kenne ich ihn auswendig . . . und er mich auch, so glaube ich. Er kommt mir immer häufiger sowohl zu Hilfe als auch in die Quere. Auf jeden Fall in den Sinn, wie auch (immer häufiger ungefragt) ins Leben.
Ich habe garnicht gewusst, dass es sooo viel zu üben gibt.

Das geht damit los, rechtzeitig (zum Morgengebet) aufzustehen, KEIN Morgenmuffel am Tisch zu sein, auf dem Weg zum Bus über ein Schriftwort nachzusinnen, die Busfahrerin freundlich zu begrüssen, usw usw usw. NA, und manchmal kam ich mir schon richtig als Gutmensch vor: Also als richtig toller, guter Mensch, weil ich ja so tolle Sachen mache, die andere nicht machen ... ... und so ... fand ich, steht mir zu . . . und so . . .

Bis dann dieser Satz mich wieder angefasst hat: Dort steht nicht: Übe dich darin, toll zu sein, sondern 'Gottes Willen zu tun'. Und das eben nicht als Verdienst sondern weil es so sein soll. Gottes Willen als Normalprogramm des Christen.
THEO-sis nicht BENEDIKTO-sis.

Mit Üben verbinde ich Klavier. Als ich ca 10 Jahre alt war hat mich die Familie meines Freundes in ein 'richtiges' Klavierkonzert mitgenommen. Damals ein unerhörter Luxus. Ich habe da gesessen und wurde von der Musik mitgenommen, weit über mich hinaus. Ich war ganz still auf der Rückfahrt. Und dann sagte mir die Mutter meines Freundes: "So wie der Pianist kannst du auch spielen, du musst dazu aber üben."
Mir war ab da das Üben immer mit diesem Versprechen, dieser Aussicht und Hoffnung verbunden. Und ich habe es gerne getan.

Und nun stelle ich mir mal vor, ich 'Christus-übe' wieder irgendetwas mitten im Alltag und (m)ein Engel käme mir an die Seite und sagte: "So wie Christus kannst du auch sein, du musst nur üben!" JA, sowas macht der kleine Satz mit mir. Er zeigt mir, dass es im Christus-üben um MICH und um IHN geht. Also nicht, wer toller ist, sondern ob der Herr was mit mir anfangen kann.

Seit der kleine Vers mir das gesagt hat, übe ich viel lieber.

Liebe Grüsse
Benedikt

Nassos
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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Nassos » 12.07.2012, 18:57

Lieber Benedikt,

Dein Beitrag - wie übrigens auch sein Vorgänger! - hat bei mir ein Klicken ausgelöst.
Meine Signatur ist: “Ich glaube, hilf meinem Unglauben“ (ich weiß, wovon ich spreche...) geht einher mit dem Üben. Dessen eingedenk, was Er für uns auf sich genommen hat, erlitten hat, um uns wieder die Tore des Paradieses zu öffnen, den Hades für uns in Schutt und Asche gelegt hat (wie wunderbar Thujas heutige Frage nach der Auferstehungsikone dazu passt!) - wenn wir uns Zeit nehmen und uns darüber mal tiefere Gedanken machen und uns im Endeffekt dem Geist öffnen, dann können wir (zumindest für eine kurze Zeit) spüren, dass wir so sein wollen, dass wir etwas für Ihn tun wollen. Nämlich Mimisis, üben.

Der Gedanke hilft bei der Selbstreflexion, um den Blick von, was weiß ich, den ZJ auch mal wieder auf uns und in uns selber zu richten. Das ist kein Selbstläufer. Und was gibt es schöneres, als am Ende Liebe (von mir aus standing ovations), Verherrlichung im richtigen Sinne zu erreichen?

Danke für den Denkanstoß, mein lieber Benedikt, ich habe ihn gebraucht.

Noch eines: unseren Geschwistern, die heute ihr Fasten beendet haben: frohes Fest der Hll. Apostel und möge sich Eure Übung auszahlen ;-).

Lieben Gruß,
Nassos

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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Igor » 12.07.2012, 20:16

Nassos hat geschrieben:Noch eines: unseren Geschwistern, die heute ihr Fasten beendet haben: frohes Fest der Hll. Apostel und möge sich Eure Übung auszahlen ;-).
Danke für die Wünsche, lieber Nassos! Schließe mich gerne an!
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Thuja » 12.07.2012, 22:31

Lieber Benedikt,

danke für den Anstoß!
Er tippt genau das an, was mir Mutter Maria, die Klosteroberin aus dem Skit in Buchendorf, so "en passant" bei einem Gespräch mit ihr bei meinem letzten Aufenthalt dort "mitgegeben hat", was mir seitdem immer wieder durch den Kopf geht und im Alltag wirklich wichtig ist:
"Tust du das, was du tust, für dich oder zum Lobe Gottes?"
Da hab' ich auch noch viiiiiiel zu üben!!!!!

Liebe Grüße
Thuja
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!

Beitrag von Ehemaliger » 12.07.2012, 23:07

Danke ihr alle, die ihr überhaupt eine Rückmeldung gebt.

Es ist nicht leicht, ins Blaue hinein zu schreiben, aber ihr Schweigsamen... Ich schreibe etwas von mir. Ist das etwas für euch?
BITTE habt Mut. Ich warte sehr auf eure kurzen Zeilen oder auch Geschichten, oder...
Habt Mut. Wir wollen uns doch helfen auf dem Weg.
Lasst miteinander Blumen blühen lassen, lasst uns wissen,dass wir miteinander auf dem Weg sind. Viele Blumen

Benedikt

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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Thuja » 13.07.2012, 00:06

Und das Üben beinhaltet, auch immer wieder (neue) Fehler zu machen... und die auch machen zu dürfen, das gehört dazu, aber auch immer wieder ganz genau hinzugucken/-hören, diese Stellen nochmal und nochmal "auseinanderzunehmen", um sie immer wieder zu verbessern... wie am Klavier! Solange, bis die Musik ohne "falsche Töne" erklingt und dann auch noch nicht irgendwie nach "Holz", sondern nach Musik und deren innere "Konstruktion" auch klar ist und 'rüberkommt, damit's der Zuhörer auch "kapiert", die Darbietung überzeugend ist...

Und danke für Gottes Vergebung immer wieder, wenn wir 'mal wieder ein bisserl unkonzentriert "vor uns hinspielen", aber die "eigentliche" Stimme/Partitur nicht genau beachten...
Ein guuuuter Vergleich mit der Klaviermusik... danke!!!

Lächelnde Grüße
Thuja (die noch viiiiiiiel üben muss, sowohl am Klavier als auch überhaupt!!!)
Господи помилуй мя!

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Aramis
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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Aramis » 13.07.2012, 03:08

Lieber Benedikt,
so zu spielen wie der Konzertpianist mag nach vielen Anstrengungen und vielem Üben möglich sein. Wie Christus zu sein, halte ich jedoch für mich absolut für unmöglich. Egal, wieviel ich bete und faste, das geht einfach nicht. Ich glaube, das ist auch gar nicht der Anspruch, den ich an mich stellen muss. Für mich ist wichtig, dass ich mir ziele stecke, die ich auch realistisch erreichen kann, sonst würde ich angesichts der Perfektion Christi einfach aufgeben.
Ich versuche, mein Bestes zu geben.

Liebe Grüße in Christo
Thomas
28 Thomas antwortete ihm: „Mein Herr und mein Gott!“

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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Nassos » 13.07.2012, 09:48

Hallo Thomas,

da hast Du recht. Es ist für uns unmöglich.
Wenn wir es alleine angehen, von uns heraus.

Wir hoffen und erfahren aber in der Orthodoxie die Synergie, d.h. wir machen das nicht alleine sondern mit Gott. Erst mit Seiner Hilfe wird dies Unmögliche möglich. Das ist die Gnade, die wir meinen; deshalb muss er im Mittelpunkt unserer Anstrengungen stehen, nicht unser “ich“.

Sergius Heitz beschreibt das sehr schön in seinem Buch. Ich werde das nachschlagen und hier zitieren.

Genau dieses Ermöglichen des für uns an sich unmöglichen ist das Heil, mit dem wir Gottes Söhne der Gnade nach werden, das meinen wir mit Theosis, Theopoiesis bzw. Vergöttlichung (nicht: Vergottung).
Hab Vertrauen und mach das, was Dir schwer fällt (mir auch): Ihm das nicht nur im Verstand sondern von und mit dem Herzen zutrauen. Es geht. Auch für Dich!!!

Lieben Gruß,
Nassos

Ehemaliger
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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Ehemaliger » 13.07.2012, 16:30

Aramis hat geschrieben:Lieber Benedikt,
so zu spielen wie der Konzertpianist mag nach vielen Anstrengungen und vielem Üben möglich sein. Wie Christus zu sein, halte ich jedoch für mich absolut für unmöglich. Egal, wieviel ich bete und faste, das geht einfach nicht. Ich glaube, das ist auch gar nicht der Anspruch, den ich an mich stellen muss. Für mich ist wichtig, dass ich mir ziele stecke, die ich auch realistisch erreichen kann, sonst würde ich angesichts der Perfektion Christi einfach aufgeben.
Ich versuche, mein Bestes zu geben.

Liebe Grüße in Christo
Thomas

Lieber Thomas,

ich verstehe, so meine ich, deinen Einwand gegen die Aussage sehr gut. Sie klingt einfach gar zu vermessen und unmöglich. Aber, die stammt nicht von mir sondern ich habe da nur zitiert.

Es ist uns als Aufgabe gegeben, heilig zu sein. Und das steht schon im AT. Für uns ausdrücklich in Stellen wie Hebr 12, 14 "Strebt nach Heiligung ohne die niemand den Herrn sehen wird" Oder "Seid heilig, denn Gott ist heilig (sinngemäss 1 Petr.)".

Und dazu gehört dann, dass Gott Selber als "Der Heilige Israels" im AT benannt wird und die Dämonen erkennen den Herrn als den "Heiligen Gottes" und rufen es heraus.
Und der heilige Paulus fordert uns auf, ihn zu imitieren, wie er den Herrn imitiert. Und wir werden nicht zwei verschiedene Begriffe von Heiligkeit zulassen dürfen, wenn wir so etwas lesen. Unsere Kirche bestätigt ja im Vorgang der Kanonisierung nur eben genau das, was im Leben schon "da" war, nämlich, das jemand 'heilig' ist.

Na, hier sehe ich schon, dass wir werden 'wie Gott'. Der heilige Basilius schrieb es mal so: "Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch göttlich werden kann". Wir benennen das als Theosis, die Schrift wendet gerne den Ausdruck 'hagiasmos' = Heiligung an. Uns Christen ist also eben diese Heiligung als Lebensstil anbefohlen (nicht als Wahlmöglichkeit angeboten. Da steht: SEID HEILIG! und nicht: ihr solltet mal versuchen, heilig zu sein.)

Dass unser Bemühen das ist, was wir geben können, unser ernsthaftes Streben und unser 'Üben' das ist natürlich wahr. Dass es aber trotzdem darum geht, nach dem Gebot des Herrn heilig zu sein, das bleibt bestehen. Die Kirche ist dazu da, Heilige zu 'produzieren'. So ist sie gemeint. Da dürfen wir nicht aus Kleinglaube weniger draus machen wollen. Ich glaube, Herr hilf meinem Unglauben. Oder im 7. Abendgebet: Bewahre mich vor ... Kleinmut.

Lieber Thomas, das ist es ja, was der kleine Satz mit mir gemacht hat. Er hat mir dieses 'Gutmenschen-Gehabe', so im Sinne von: Will auch immer 'lieb und brav sein', vorgehalten und als meine Flucht vor Ihm klar gemacht . Und hat mich damit konfrontiert: Setze dich Gott GANZ aus, also tu Seinen Willen GANZ und IMMER, ohne wenn und aber und ohne eigene Beurteilung der Sachlage. Nicht mehr ich sondern Er.

Liebe Grüsse
Benedikt

Nassos
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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Nassos » 14.07.2012, 10:51

Nassos hat geschrieben:Sergius Heitz beschreibt das sehr schön in seinem Buch. Ich werde das nachschlagen und hier zitieren.
Also, im Buch wird gesagt, dass das Fernhalten von Gottes Liebesgebot die Sünde ist. Darauf basierend schreit Heitz:

"...Wir können, einmal in die Sünde verstrickt, durch eigene Anstrengungen nur tiefer ins Sündigen hineingeraten, da wir unsere Selbstsucht und unsere Lieblosigkeit nicht einfach wie ein Kleid abzulegen vermögen! Nur wo Gott Selbst, der in Jesus Christus um unsertwillen Mensch geworden ist, uns einen neuen Anfang gibt, bekommen unsere Anstrengungen [Üben] neu Sinn und wird die Theosis neu ermöglicht als ein Geschenk der Gnade Gottes zum Heil für uns und unsere Umwelt."

"Und unsere Umwelt". Das weißt auf den kosmischen Charakter der Sünde und des Übens hin. Wir tun das im Endeffekt nicht für uns alleine, sondern auch für die gesamte Schöpfung. Schluck.

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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Ehemaliger » 14.07.2012, 11:18

"Ja, liebe Freunde, wir sind Gottes Kinder, wir sind es hier und heute. ´Und das ist erst der Anfang!` Was darin alles eingeschlossen ist, ist uns vorläufig noch nicht enthüllt. Doch eines wissen wir: Wenn Jesus in seiner Herrlichkeit erscheint, werden wir ihm gleich sein"
Lieber Thomas, so ist das. Die Stelle ist aus dem 1. Brief des heiligen Johannes Kap 3

@ Nassos. JA, das tun wir für die gesamte Schöpfung, unser Üben. Du für mich und ich für Dich und wir für den Hund von Meiers oder die Bäume.

Oder . . . . . wir tun es nicht

LG
Benedikt

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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Ehemaliger » 31.07.2012, 23:07

Wir sollten uns nicht JETZT für etwas schämen oder darüber verstört sein, wofür wir uns in der Stunde unseres Todes ganz gewiss NICHT schämen werden.

Unserer Liebe zu Gott!

ALSO, Gott es zu sagen: Ich liebe Dich!
Ohne Dich will ich nicht leben und auch nicht sterben.

LG
Benedikt

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Re: Spiritualität im Alltag

Beitrag von Ehemaliger » 01.08.2012, 15:20

Was es kostet, Christ zu sein.

Liebe Geschwister, das Gottesmutterfasten hat heute begonnen. Das mit dem Fasten ist ja nicht immer eine leichte Sache. Zum Einen kann es 'ungelegen' kommen, weil z.B. gerade Urlaubszeit, oder es kann zu einem 'Lebensmittelscanwettkampf' verkommen i.S.v. ist da noch ein Molekül Tier drin oder "darf" ich das?
Das Sinn des Fastens ist ja das Besiegen unserer Leidenschaften, nicht das fehlerfreie Essen!

Und um das leichter zu begreifen habe ich mir mal überlegt was es eigentlich 'kostet' Christi Nachfolger zu sein. Es ist schon erstaunlich viel

1. Es kostet uns unsere Selbst-gerecht-igkeit, denn ich muss all meine hohe Meinung über mich und über mein eigenes Gutsein fahren lassen und mich damit begnügen, dass ich als sündiger Mensch allein auf Grund der Liebe und Gnade Gottes zu Ihm kommen darf. All mein Vertrauen in meinen hohen moralischen Standard, mein Ansehen oder Geld, mein Gebet und Gottesdienstbesuch, mein Bibellesen oder meine Arbeit in der Kirche; alles nichts worauf ich mein Vertrauen setzen kann. Vertrauen einzig und allein auf den Herrn!
2. Es kostet uns unsere Sünden, Christ zu sein, denn ich muss bereit sein, alle Gewohnheiten oder Praktiken, die in Gottes Augen falsch sind, aufzugeben. Egal ob klein oder gross, egal ob fast schon niedlich oder abscheulig. Wir müssen alle unsere Sünden zu (im wahrsten Sinn des Wortes) Tod-feinden erklären. Das klingt hart, aber Jesus benennt nicht umsonst solche drastischen Sachen wie Hand abhacken oder Auge ausreissen, wenn es um Sünden geht. Es kann keine Duldung von Sünden(chen) geben. ER hat sie nicht geduldet.
3. Es kostet uns unser angenehmes Leben. Etwas stimmt nicht, wenn wir ohne Schmerzen und Schwierigkeiten durch unser Christenleben gehen. ER sagte: Kreuz auf sich nehmen. ER trug das der Welt, wir ein jeder sein eigenes. Und das ist schwer, nicht sonderlich angenehm, auch wenn es viel kleiner ist als Seins. Wir müssen jede Stunde auf unser Verhalten Acht geben, zuhause und am Arbeitsplatz, in der Öffentlichkeit und privat, es geht darum verantwortungsvoll mit unsrer Zeit, unserer Zunge, unserem Geld, unseren Gefühlen, unseren Schwächen umzugehen. Da gibt es Schwierigkeiten und wer keine erlebt ist nicht auf dem engen Weg, sondern, wenn ihm so wenig entgegekommt, dann läuft er Richtung grosses Tor.
4. Es wird uns die Gunst der Welt kosten. Wir müssen damit zufrieden sein, dass Menschen es als abartig einstufen, gottgefällig oder gar gottesfürchtig zu sein. Wir sollten uns keinesfalls wundern, wenn man über uns spottet, uns verfolgt oder gar offen ablehnt. So wie sie Ihn als Spinner und Fanatiker benannt haben so werden sie es mit uns machen. "Der Knecht ist nicht grösser als der Herr". Na klar, wollen wir bei unserem Nachbarn einen guten Ruf haben und es geht ja nicht darum den NICHT zu haben, sondern uns sollte klar sein, was zählt, ist Seine Meinung, nicht die des Arbeitskollegen oder sonstwem. Wir müssen nicht danach streben, unbeliebt, ungeachtet oder verspottet zu sein, aber wir sollten daran denken, dass sie Ihn angespuckt haben, ihn misshandelt und gegeisselt haben wie den allergeringsten Verbrechen und ich auf die schändlichste Art zu Tode gebracht haben!

Vielleicht ist diese Fastenzeit geeignet dafür, mal 'die Kosten' zu überschlagen, die uns das 'Christsein' verursacht, damit wir mehr Luft unter die Flügel bekommen könnten.

LG
Benedikt

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