Bibel und Alltag

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Lazzaro
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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Lazzaro » 02.04.2012, 09:33

... und auch bei uns auf der Internetseite:
http://orthpedia.de/index.php/Ehre_sei_ ... %BCr_alles
Lazarus
Cantábiles mihi erant justificatiónes tuæ, * in loco peregrinatiónis meæ. - Ps.118:54

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Igor
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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Igor » 02.04.2012, 18:06

Lazzaro hat geschrieben:... und auch bei uns auf der Internetseite
Tatsächlich! "Warum in die Ferne schweifen..." :wink:
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

Ehemaliger
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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Ehemaliger » 06.04.2012, 13:24

Und stellt euch nicht dieser Welt gleich (also: Passt euch nicht der Welt an), sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.Röm 12, 2


Wie soll das, liebe Geschwister, vor sich gehen? Solch eine Erneuerung? Das griechische Wort anakaiosis (Erneuerung) wird nur 2 mal im NT gebraucht. Hier und in Titus 3,5. Dort stehrt es im Zusammenhang mit der 'Erneuerung im Heiligen Geist', hier in Römer eher aktiv: tut das!
Was ist unser Anteil in dieser Synergie? Dass wir es von alleine könnten ist ausgeschlossen, dass 'es' einfach so, durch Bitte darum geschieht, auch.

Sich nicht der Welt anzupassen geschieht ja nicht dadurch, dass wir unsere Haare wachsen lassen, sie zum Zopf zusammenbinden, einen Bart bekommen und schwarz gekleidet, die Chotki am Handgelenk herumlaufen. Von Äusserlichkeiten redet der heilige Paulus hier nicht. Der "Sinn" (der, der erneuert werden soll) oben in dem Zitat ist der 'nous', dieses uns fremd gewordene Wort. Die Augen des Herzens; die sollen wir ändern. Unseren inneren, meditierenden Blick, unser inneres Erfassen der Welt. Gott darin erkennen. Sein Gutes, Wohlgefälliges und Vollkommenes.

Wann haben wir das letzte Mal das Gute gesehen und nicht erst im Nachhinein theologisierend erkannt, das sei Gottes? Wann haben unsere 'Augen des Herzens' das wirklich "gesehen"? ES begegnet uns tagtäglich und das Herz bleibt allzu oft stumm.

In dieser kommenden Hohen und Heiligen Woche wird der Herr den Lazarus vom Tode erwecken. Beten wir darum, dass auch unsere toten Augen erweckt werden. Der Herr wird nach Jerusalem einziehen. Beten wir darum, dass Er auch in uns Einzug hält und unser Herz belebt. Stellen wir uns mit Palmen in den Händen und mit offen gehaltenen Augen des Herzens an Seinen Weg und hoffen darauf, dass wir bereit sein werden, Ihm zu begegnen, unser Herz von Ihm berühren und verwandeln zu lassen.

Habt eine gesegnete Woche
Benedikt

Christ7777777
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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Christ7777777 » 07.04.2012, 10:47

Also mir hat dein Beitrag geholfen, danke. :)
Die Liebe macht dich närrisch. Im Guten Sinne jetzt. ;)
Dum Didl dei Dum dum dum.

Ehemaliger
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Christliche Meditation

Beitrag von Ehemaliger » 13.04.2012, 11:04

Psalm 118 (119 nach westlicher Rechnung) v 27 heisst:
"Lass mich den Weg begreifen, den deine Befehle mir zeigen, dann will ich nachsinnen über deine Wunder."

Dieser Vers ist mir über den Weg gelaufen, allerdings auf englisch (OSB) und dort steht das Wort: "meditate". Im Hebräischen haben wir zwei Worte, die an den entsprechenden Stellen mit "meditieren" Übersetzt werden. "Hagah" und "siah".

'Hagah' steht beispielsweise in Jos 1, 8 "Über dieses Gesetzbuch sollst du immer reden und Tag und Nacht darüber nachsinnen, damit du darauf achtest, genau so zu handeln, wie darin geschrieben steht. Dann wirst du auf deinem Weg Glück und Erfolg haben."

Das Wort Meditation löst in orthodoxen Kreisen immer ein wenig Unruhe aus. Ist das nicht was Heidnisches? Haben nicht die Römer sowas angefangen mit der Begenung oder gar Übernahme von Zen-Methoden?

Beides stimmt und Beides stimmt nicht. Es stimmt, dass Meditation im Hinduismus oder im Buddhismus weitaus mehr praktiziert wird als im Christentum. Bei uns ist es ziemlich verschwunden, leider so meine ich. In den letzten Jahrzehnten haben sich viele Menschen Bewegungen wie Transzendentrale Meditation oder den Methoden von Bhagwan (Osho) wie 'dynamische Meditation' zugewandt weil sie verstanden hatten, dass spirituelle Inhalte nicht nur über 'verstehen, begreifen, erklären oder kritischer Duchleuchtung' erfasst werden können. So wie die Liebe ist Spiritualität etwas, was wir als eine der 'Grundbedingungen' menschlichen Lebens kennen, etwas was uns das Leben erst ermöglicht und doch sind sie uns unfassbar. Wer nie geliebt hat, weiss nicht worüber geredet wird. Aber, glücklicherweise haben wir ja alle mal 'den Kopf verloren' und uns 'Hals über Kopf' verliebt. Und wir haben ebenso spirituelle Erfahrungen gemacht. Wie auch immer sie ausgesehen haben mögen.

Warum ist das 'Lieben' ok, aber bei der Meditation sind wir verstört?
Diese Menschen, die sich der östlichen Praxis der Meditation zugewandt haben sind Menschen, die auf der Suche waren. Die haben wir als Mönche und Nonnen und auch Laien, als geistliche Menschen, die uns spirituell anleiten können verloren. Schade, oder? Unsere Kirche hat aber an sich einen reichen Schatz von Meditation.
Vater Michael Keiser schreibt davon in seinem Buch " A Beginner's Guide to Prayer" (wird gerade auf deutsch übersetzt und erscheint hoffentlich bald). Ein ganzes Kapitel ist der Meditation, der Stille vor Gott, den 'Pausen' zwischen den Gebeten' in Kontemplation gewidmet. Und er zeigt dort auch Methoden auf zu diesem 'gebetserfüllten Nachsinnen'.

Wie steht es damit bei uns?
Praktizieren wir das? Hat jemand Erfahrung, Anleitung? Ist jemand bereit, uns zu erzählen?

Liebe Grüsse
Benedikt

Ehemaliger
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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Ehemaliger » 13.07.2012, 18:21

"Jeden Morgen lässt Er mich aufwachen mit dem Verlangen Ihn zu hören. Begierig horche ich auf das, was Er mir zu sagen hat. Er hat mir das Ohr geöffnet und mich bereit gemacht, auf Ihn zu hören."

Liebe Geschwister.
Also, ehrlich gesagt, so sehen (sagen wir es mal für mich freundlich ausgedrückt) nicht alle meine Morgen aus. Dass ich ein Verlangen habe, Ihn zu hören. Dass ich begierig bin, zu horchen.
Meine Morgen sehen eher durchschnittlich langweilig, unbegierig aus. Eher verschlafen und unwirsch. Mit dem Aufstehen und allzu vielem was danach kommt.

Jesaja, von ihm stammen die Zeilen da oben, hat das anders erlebt. Dabei ging's ihm viel dreckiger. Er wurde verachtet, verfolgt, angemacht, beschimpft und verspottet. Er musste sich vor Königen und Feldherrn verstecken. Niemand wollte hören was er zu sagen hatte. Und was er zu sagen hatte, das hatte er von Gott.

Und dennoch war er morgens (j e d e n Morgen sagt er) begierig, verlangend, bereit für Gott.

Wie ist das eigentlich bei uns?
Gott spricht kaum mit uns in Gesichtern wie zu Jesaja. Er spricht zu uns durch die Gebete, die Schrift, die Gottesdienste. Aber, wann war das denn das letzte Mal, dass wir Gott 'gehört' (also wir haben da NICHTgesprochen) haben? Wann haben wir Ihm denn mal eine Chance gegeben, uns etwas zu sagen. Wann haben wir zum letzten Mal wirklich "ein Verlangen gehabt, Ihn zu hören? Haben begierig hingehorcht? Uns klar gemacht, dass Er unser Ohr geöffnet hat, aber haben wir am 'anderen Ende' des Ohres zugehört?

Im Psalm 19 wird davon erzählt, dass ein Tag es dem anderen sagt, eine Nacht es der nächsten zuruft. Es wird 'kein Wort' gesprochen, kein Laut hört man; und doch geht der Ruf von Gottes Schöpfermacht weit hinaus in die ganze Welt. (Heute schon gehört?)

Und in einem anderen Psalm heisst es: Und aus der Mitte des Schweigens ertönte, Gott, Dein Wort. (Still genug gewesen?)

Solch ein Schweigen, Herr, möchte ich lernen; will begierig sein beim Aufwachen. Mein Ohr als geöffnet wahrnehmen und bereit werden, auf Dich zu hören. Danach den Tag hindurch verlangen.

LG
Benedikt

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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Thuja » 13.07.2012, 18:51

Da geht's mir wie Dir, lieber Benedikt!

Morgens - oh je, begierig zu hören??? Nee, nee, üblicherweise zäh und langsam beim "aufwachen" und aufstehen... erst mal in mir und dem Tag "ankommen" (wieso will da noch wer 'was von mir, jetzt schon???) - und dannnnnn, gut, können wir laaangsam anfangen...
Doch abends (wohl im Gegensatz zu den "Lerchen") krieg' ich dann "nicht genug" und es wird später, bis ich in's Bett komme...
Gleicht sich das wieder aus?
"Herr, öffne meine Lippen, damit mein Mund Dein Wort verkünde"... auch so ein Morgen-Spruch... für die Nachteulen genauso schwierig erst mal...
Vielleicht dann doch eher das hier: http://www.youtube.com/watch?v=XFO1c_iI8s4 am Anfang und dann alles Weitere!!?

Liebe Grüße
Thuja
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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Priester Alexej » 14.07.2012, 00:34

Es bedarf wirklich enormer Disziplin, morgens die Gebete zu sprechen. Es ist wirklich nicht leicht.
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

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Igor
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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Igor » 14.07.2012, 07:56

Thuja hat geschrieben:Morgens - oh je, begierig zu hören??? Nee, nee, üblicherweise zäh und langsam beim "aufwachen" und aufstehen... erst mal in mir und dem Tag "ankommen" (wieso will da noch wer 'was von mir, jetzt schon???) - und dannnnnn, gut, können wir laaangsam anfangen...
Ja, das geht vielen so, ich kenne das auch nur allzu gut.

Der Smiley wartete schon lange darauf, ans Tageslicht zu kommen: :morgaehn:

Aber im Ernst, die :arrow: Gebetsregel des Hl. Seraphim von Sarov kann bei Zeitmangel eine gute Hilfe sein, dann doch das Gespräch mit Gott nicht abreißen zu lassen.
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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Thuja » 14.07.2012, 09:59

Lieber Igor,

danke für den netten Smiley! :loveit:
Nun, im Ernst, diese Gebetsregel ist für mich auch hilfreich.
Und auf dem Weg zur Arbeit, erst mal zur U-Bahn hin, als auch in der U-Bahn, gibt es bei mir immer Gebete, ist nicht so, dass da was "abreißt", nur der "Anlauf" ist halt ein bisserl langsamer.
Aber es ist beruhigend, dass es anderen ähnlich geht!

Liebe Grüße
Thuja
Господи помилуй мя!

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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Nassos » 14.07.2012, 10:09

Ich spreche manchmal auf der Fahrt zur Arbeit die Einleitungsgebete, Herrengebet, Credo und die Ausschnitte aus dem letzten Starzengebet von Optina.
Habe mir überlegt, die Morgengebete auf einer CD ins Auto mitzunehmen, auf die Idee hat mich ein lieber Diakon gebracht.

Gruß,
Morgenmuffel (und Vergesserle)

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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Igor » 14.07.2012, 10:18

Thuja hat geschrieben:Aber es ist beruhigend, dass es anderen ähnlich geht!Thuja
Ja, liebe Thuja, vor allem Männern und jungen Menschen (und ist wohl sogar wissenschaftlich bewiesen). :mrgreen:
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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Nassos » 14.07.2012, 10:30

Wow, echt? Da möchte ich bitte die Analyse mit den dazugehörigen Gauß'schen Normalverteilugen, aufgelistet nach Ländern, Alter, Geschlecht, Berufszugehörigkeit, mit der Herleitung von μ uns σ :mrgreen:

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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Igor » 14.07.2012, 10:49

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Re: Bibel und Alltag

Beitrag von Nassos » 14.07.2012, 10:52

"Glaube keiner Statistik, die du nicht selber erstellt hast."
Ns 1, 1 ;-)

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