Keine Epitimia mehr?

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christodoulos
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Keine Epitimia mehr?

Beitragvon christodoulos » 04.11.2011, 15:24

Hallo,

warum geben viele Priester keine Epitimia mehr? Oder täusche ich mich?

Es wäre so als würde man zum Arzt gehen und eine Diagnose erhalten aber keine Medizin zur Gesundung. Oder werden schon noch oft Epitimia angeordnet?

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Lazzaro
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Re: Keine Epitimia mehr?

Beitragvon Lazzaro » 05.11.2011, 00:01

Entschuldigt bitte!
Ich bin zwar kein Moderator, aber gehöhrt diese Frage wirklich in ein öffentliches Forum :?: :?: :?:
Meiner Ansicht nach geht das nur den Beichtenden und seinem Beichtvater etwas an.
Lazzaro
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christodoulos
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Re: Keine Epitimia mehr?

Beitragvon christodoulos » 05.11.2011, 00:07

Lazzaro hat geschrieben:Entschuldigt bitte!
Ich bin zwar kein Moderator, aber gehöhrt diese Frage wirklich in ein öffentliches Forum :?: :?: :?:
Meiner Ansicht nach geht das nur den Beichtenden und seinem Beichtvater etwas an.
Lazzaro


Hallo,

ja - sicher, wieso nicht? Es geht ja nicht um einen persönlichen Fall sondern generell um die Frage der Epitimia!

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Igor
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Re: Keine Epitimia mehr?

Beitragvon Igor » 05.11.2011, 09:31

christodoulos hat geschrieben:Hallo,

warum geben viele Priester keine Epitimia mehr? Oder täusche ich mich?


Dass es dazu eine Art Statistik gibt, kann ich mir nur schwer vorstellen - und auch, ob sich ein Trend ableiten lässt.

Das Vergeben hängt soch immer sehr von den jeweiligen Umständen ab, wie auch Lazzaro schon schrieb.
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

christodoulos
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Re: Keine Epitimia mehr?

Beitragvon christodoulos » 05.11.2011, 14:16

Igor hat geschrieben:
christodoulos hat geschrieben:Hallo,

warum geben viele Priester keine Epitimia mehr? Oder täusche ich mich?


Dass es dazu eine Art Statistik gibt, kann ich mir nur schwer vorstellen - und auch, ob sich ein Trend ableiten lässt.

Das Vergeben hängt soch immer sehr von den jeweiligen Umständen ab, wie auch Lazzaro schon schrieb.


Hallo,

nun ich war schon in vielen verschiedenen Kirchen und bei verschiedenen Vätern und Priestern beichten, hatte nie eine Epitimia bekommen. Habe auch mit anderen gesprochen - weil es mich interessiert hat und die haben mir das selbe berichtet. Jetzt würde mich das interessieren, welche Erfahrungen es dazu gibt.

Gehören Epitimia überhaupt zur Beichte? Ich mein ist es fester Bestandteil der Beichte? Welche Orientierungshilfen haben Priester?

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Igor
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Re: Keine Epitimia mehr?

Beitragvon Igor » 05.11.2011, 18:26

Lieber Christodoulos,

ich kenne Beispiele, dass eine Epitimios ausgesprochen worden ist. Sie kommt also durchaus zur Anwendung.

christodoulos hat geschrieben:Gehören Epitimia überhaupt zur Beichte? Ich mein ist es fester Bestandteil der Beichte?


Heitz schreibt dazu in "Christus in euch: Hoffnung auf Herrlichkeit" in der Antwort auf die Frage Nr. 104 „Wie wird die kirchliche Buße in der Orthodoxie vollzogen?“:

„Die Absolution geschieht korrekterweise in der Einzelbeichte. Dabei gilt jedoch zu beachten, dass das orthodoxe Verständnis der Beichte ein anderes ist als das römisch-katholische, wo dem Priester richterliche Funktion zukommt und er die Schwere der Sünden beurteilen muss, um das rechte Strafmaß aufzuerlegen. Die Orthodoxe Kirche kennt die Vorstellung nicht, dass der Büßer für die begangenen Sünden Satisfaktion (Genugtuung) zu leisten habe und er dies im Fegefeuer leisten müsse, wenn er sie auf Erden nicht vollständig erbringe. Zwar kann auch der orthodoxe Priester dem Beichtenden eine Buße (Epitimios) auferlegen, ihm z.B. für eine bestimmte Zeit die Kommunion verbieten. Aber er tut es aus seelsorgerlichen Gründen. Denn er ist nicht Richter an Gottes Statt, sondern als Repräsentant der apostolischen Kirche bevollmächtigter Fürbitter und Seelenarzt;…“

Es gibt also in dem Sinne kein „Orthodoxes StGB“, welches letztendlich in eine Sackgasse führen würde (in Europa gipfelte so etwas in den Ereignissen 1517). Dagegen ist es wichtig zu beachten, dass die Buße ein Mysterium ist (im hiesigen Sprachgebrauch auch „Sakrament“), bei dem der Priester lediglich der Zeuge oder der Mittler zwischen Gott und dem Büßenden ist.

Ich habe z.B. erfahren, dass ein Priester sich selbst darüber in einem Gespräch mit seinem geistigen Kind wunderte, was er ihm während der Beichte gesagt hatte. Nicht, dass er Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis hatte; nein, Gott sprach durch und mit ihm während des Mysteriums. Somit liegt es nicht am Priester allein, ob er eine Epitimios vergibt oder nicht.

Die Epitimios ist danach kein fester Bestandteil der Beichte, sondern wird als Hilfestellung für den Büßenden bei Notwendigkeit auferlegt.

christodoulos hat geschrieben:Welche Orientierungshilfen haben Priester?


Die Entscheidungen der ökumenischen Konzilien, die apostolischen Kanone dürften neben dem, was allgemein unsere Glaubensgrundlagen sind, als Orientierungshilfen dienen.

In der russisch-orthodoxen Kirche gibt es dazu das „Handbuch für den Priester“ (Настольная книга священнослужителя), welches auch dem Priester eine entsprechende Hilfestellung gibt.

In Christo
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Re: Keine Epitimia mehr?

Beitragvon christodoulos » 05.11.2011, 21:10

Lieber Christodoulos,

ich kenne Beispiele, dass eine Epitimios ausgesprochen worden ist. Sie kommt also durchaus zur Anwendung.


Hallo,

vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Ich habe mal einen Artikel gelesen über die Epitimia und die Orthodoxe Beichte. Man hat es so erklärt, dass es als Medizin verstanden wird, also so als würde man einen Arzt aufsuchen, ihm seine Krankheiten und Symptome "zeigen" und dann wird einem die passende Medizin dafür gegeben. Manchmal kann es ja sein, dass die Wunden noch länger versorgt werden müssen; mit Salben; Medizin etz..

Darum gibt es ja so viele Kanones der Hl. Väter - für jede Sünde.

Durch aufrichtige Reue, den Willen zur Umkehr und das anschließende Bekennen der Sünden werden diese vergeben (also nur die, die man bekennt). Bei der Beichte verodnet dann der Priester die entsprechende Medizin um die Wunden, die die Sünden hinterlassen haben, wieder zu heilen: Metanien, lesen von Akathistos, lesen der Hl. Schrift, Fasten, usw...Almosen. Manche Väter raten zB wenn eine Frau abgetrieben hat, soll sie sich als Epitimia um ein armes Kind kümmern oder eines unterstützen.

Dieser Artikel beschreibt auch, wie man sich richtig auf die Beichte vorbereitet. Viele bereiten sich auf die Hl. Kommunion vor aber nicht auf die Beichte. Wenn man zur Beichte gehen will sollte man sich durch fasten, Metanien, usw vorbereiten. Man sollte auch zur Beichte gehen unabhängig ob man zur Kommunion geht oder nicht. Wie man jede Sünde einzeln benennen und beichten soll.

Das Hl. Mysterium der Beichte:
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"Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von jeder Ungerechtigkeit."

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