Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
Forumsregeln
Forumsregeln Impressum
Benutzeravatar
Priester Alexej
Priester
Beiträge: 1496
Registriert: 27.11.2008, 22:18
Religionszugehörigkeit: Russisch-Orthodox
Skype: AVeselov
Wohnort: Krefeld
Kontaktdaten:

Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Priester Alexej » 25.07.2010, 15:28

Liebe Freunde,

wie kürzlich schon erwähnt, mache ich in unserer Kirche Führungen. Zu diesen kommen entweder Menschen, die sich angemeldet haben, oder Schulklassen und Gruppen. Diese Führung wird nicht von unserer Kirche selbst organisiert, trägt also einen weltlichen Charakter, für die meisten ist es sowas wie ein touristischer Ausflug. Mein erstes Ziel, ist den Menschen zu erklären, was die Orthodoxie ist (Sind wir eine Sekte? Einmal fragte man mich, ob Buddhismus und Russische Orthodoxe Kirche dasselbe sei :book: ). Das zweite ist ein bisschen Missionierung.

Hier der Text meiner Führung. Wundert euch nicht über den Stil, den Hauptteil habe ich für eine 7. Klasse geschrieben, später für Erwachsene ergänzt, natürlich muss man sich an die Zusammensetzung der Gruppe orientieren und die Erzählung anpassen. Ich brauche eure Kritik, was sollte ich wegmachen, was ergänzen, was ändern? Was würdet ihr anders beschreiben?

L. Alexej
Dateianhänge
Führung.doc
Führung durch eine Orthodoxe Kirche, V. 2
(42.5 KiB) 269-mal heruntergeladen
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

Nassos
Beiträge: 4444
Registriert: 18.12.2008, 21:43

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Nassos » 25.07.2010, 18:04

Lieber Kollege,

sobald ich selber auch Erfahrungen gemacht habe, werde ich Dir mal Rückmeldung geben.

Vielen Dank für die Bereitstellung der Dokumentation.

Gruß,
Nassos

Sofi
Beiträge: 21
Registriert: 16.03.2010, 20:33
Religionszugehörigkeit: griechisch-orthodox
Wohnort: Stuttgart

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Sofi » 25.07.2010, 21:01

Hallo Alexej,

ich habs gelesen :-) ich finds sehr sehr informativ :-) hab auch einiges dazugelernt grad, wenn ich das mal so sagen darf!

Also bei der 7. Klasse wünsch ich dir gute Nerven :-)))


Lg

Sofi

Benutzeravatar
Priester Alexej
Priester
Beiträge: 1496
Registriert: 27.11.2008, 22:18
Religionszugehörigkeit: Russisch-Orthodox
Skype: AVeselov
Wohnort: Krefeld
Kontaktdaten:

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Priester Alexej » 25.07.2010, 22:25

Sofi hat geschrieben:Also bei der 7. Klasse wünsch ich dir gute Nerven :-)))
:flucht:

Aber, ehrlich gesagt, sind die immer ganz nett gewesen. Ich habe richtig gespürt, wie sehr die kindliche Seele für das Heilige geöffnet ist, wie die Kinder es ernst nehmen und die Umgebung ganz anders, als Erwachsene wahrnehmen.. Da kommen wenigstens keine Fragen zum Feminismus oder warum die Ikonostase die Gläubigen von Gott trennt. Übrigens, wer es mal brauchen sollte, auf die letzte Frage antworte ich halb scherzhaft, es gab nämlich in den ersten Jahrhunderten Häretiker, die in der Kirche nackt gebetet haben, damit die göttliche Gnade durch nichts aufgehalten wird :lol:
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

Nassos
Beiträge: 4444
Registriert: 18.12.2008, 21:43

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Nassos » 25.07.2010, 22:33

Hallo Alexej,

ich fände es bereichernd, wenn Du hier hin und wieder eine Anekdote zum besten geben könntest.

Demletzt wandte sich ein Kollege an mich (katholisch, weiß aber nicht, ob praktizierend). Er war mit seinem Vater in Potsdam und dort haben sie dir russisch-orthodoxe Kirche besucht.
Der Kollege meinte, sein Vater hätte die Führerin gefrat, wann die Wandlung stattfände. Nach dem dritten mal fragen hat die Gute nur mit einem "ja, ja" geantwortet. :oops:

Ich habe ihm dann ein paar Sachen für den Daddy aufgeschrieben. Aber ich habe nichts darauf gehört...

Hier ist mal der Text. Hoffe, ich habe nichts falsch gemacht

Zur Frage der Wandlung in der orthodoxen Kirche.

Der Gottesdienst der orthodoxen Kirche nennt sich "Göttliche Liturgie". Zwar wird sie oft - aus Unkenntnis - selber als "Messe" bezeichnet, ist es aber nicht.
Während das Ende der Messe mit "ite, missa est" erfolgt, geschieht dies in der orthodoxen Kirche "Durch die Fürbitten unserer Heiligen Väter...".

Die gewöhnliche Form der Liturgie ist die Chrysostomosliturgie (wir kennen auch die Basiliusliturgie sowie die Jakobusliturgie).

Sie ist im wesentlichen in zwei große Teilen strukturiert:

1.) Liturgie der Katechumenen - bestehend aus den Anfangsgebeten, dem kleinen Einzug (endet mit dem Trishagion), Lesung aus den Apostelbriefen und Evangelium, sowie den Litaneinen und Gebete für die Katechumenen. Dieser Teil endet mit der Entlassung der Katechumenen, die nicht an der Eucharistie teilnehmen dürfen (sie müssen erst die Taufe erhalten)
2.) Liturgie der Gläubigen - Eucharistiefeier, die die Wandlung enthält. Sie ist in sieben Teile aufgeteilt.

Cherubimhymnus mit den Großen Einzug
Bittlitanei
Glaubensbekenntnis (Nizänokonstantinopolitisches Bekenntnis, ohne "filioque")
Eucharistischer Kanon
Die Wandlung
Vater Unser
Kommunion

Beim Großen Einzug nimmt der Priester die auf den Rüsttisch stehenden Gaben und zieht von der linken (nördlichen) Tür der Ikonostase her aus dem Altarraum hinaus. (Beim kleinen Einzug im Katechumenenteil erfolgt dies mit dem Evangelium statt der Gaben).
Der Einzug endet damit, dass der Priester durch den Haupteingang in der Mitte der Ikonostase ("Schöne Pforte", "Königliche Pforte") wieder den Altarraum betritt.
Es folgt die Bittlitanei.
Es erfolgt der Ruf "Die Türen" Die Türen! In Weisheit wollen wir aufmerken!" (im Altertum wurden hier die Türen verschlossen. Wird heute nicht mehr praktiziert, aber man weiss, dass ab diesem Zeitpunkt die Kirche nun nicht mehr betreten oder verlassen werden darf. Dies soll die Würde der Eucharistie selber betonen!)

Nun folgt das Glaubensbekenntnis, gefolgt vom Eucharistischen Kanon, der den größten Moment der Liturgie und ihren Kernpunkt, die Eucharistie, einleitet.

Dabei steht der Priester vor dem Altar und betet leise (parallel zum Chor) - vom Volk weg und zu Gott (Richtung Osten) zugewandt.

Die Wandlung: der Priester betet weiter leise, dann ruft er laut "Wir bringen das Deinige von den Deinen für alle und alles". Der Chor singt leise, langsam und andächtig
"Dir singen wir, Dich preisen wir, Dir danken wir, o Herr, und beten zu Dir, unserem Gott."

Während des Gesanges verbeugen sich Priester und Diakon dreimal vor dem Thron und sagen leise: " Gott, sei mir Sünder gnädig und erbarme Dich meiner."

In den slawischen Kirchen werden vor der Wandlung Psalmenverse und ein Gebet an den hl. Geist gesprochen. In der griechischen Kirche geschieht das nicht. Nach den Gebeten sagt der Priester leise: "...und mache dieses Brot zum kostbaren Leib Deines Christus." Diakon (oder Priester): "Amen". Priester (leise): "...und was in diesem Kelch ist, zum kostbaren Blut Deines Christus." Diakon (oder Priester): "Amen". Dann spricht der Priester halblaut die Worte der Wandlung: "...sie durch Deinen Heiligen Geist verwandelnd."

Sowohl die römisch-katholische wie auch die orthodoxe Kirche glauben an die Realpräsenz nach Ende der Wandlung und die Konsekration durch Wirken Gottes. Die römisch-katholische Kirche betrachtet die Wandlung als vollzogen beim Nachsprechen der Herrenworte in persona Christi ("Dies ist mein Leib...") im eucharistischen Hochgebet (christologische Orientierung). Die orthodoxe Kirche sieht sie zusammen mit der Herabrufung des Hl. Geistes (pneumatologische Orientierung). Das wirkt sich aus auf den Zeitpunkt der Epiklese: vor oder nach den Einsetzungsworten. In der Westkirche wird sie wie gesagt im Hochgebet gesprochen, in der Ostkirche nach den Einsetzungworten. Die Epiklese selbst ist unverzichtbar.

Die Wandlung ist der wichtigste und heiligste Augenblick der Liturgie. Jetzt sind Brot und Wein durch die Wirkung des Heiligen Geistes in Leib und Blut Christi verwandelt. Wir kennen keinen speziellen Moment, in dem die Wandlung geschieht, wir wissen nur, dass nach den Wandlungsworten die Wandlung vollzogen ist - dies ist soteriologisch ausreichend.

Es folgen noch diverse Gebete vor dem Herrn für die Empfangenden der Eucharistie so wie Gedenken an die Heiligen, vornehmlich der Allheiligen Gottesgebärerin.

Schließlich folgt das Vater unser.

Kommunion: Daraufhin wird der Vorhang in der Königlichen Pforte zugezogen und die Geistlichkeit empfängt die Heilige Eucharistie (im Altarraum). Währenddessen werden die Kommunionsgebete vorgelesen oder es wird eine Hymne gesungen. Dann wird der Vorhang weggezogen, die Königliche Pforte geöffnet und der Priester erscheint in der Pforte mit dem Kelch. Die Gemeinde betet das Heilige Sakrament an.

Der Priester: "Mit Gottesfurcht, Glaube und Liebe tretet heran!"

Die Gläubigen treten nun vor und unter dem Beten der Kommunionsgebete empfangen sie den Leib und das Blut Christi in Demut. Hierbei wird aus dem Kelch mit der Lavida ("Löffelchen") als Mundkommunion verabreicht. Die Hl. Kommunion darf hierbei nicht verschüttet werden.

Nach der Kommunion werden Dankgebete gesprochen, der Kelch mit den Gaben kehrt auf den Altartisch zurück und die restlichen Heiligen Gaben werden verzehrt (Klerus).

Es folt noch die Predigt (falls diese nicht nach dem Evangelium gehalten wurde). Nach einigen Segnungen und Gebeten entlässt der Priester die Gemeinde ("Durch die Fürbitten unserer Heiligen Väter, Herr Jesus Christus, unser Gott, erbarme Dich unser und errette uns. Amen")

Die Gemeinde kann jetzt zum Empfang des Antidoron (=Ersatzgabe) vortreten. Das sind die jenigen Teile des Brotes (Prosphoron), die nicht konsekriert wurden (es wird nur das "Lamm" konsekriert). Da es sich hierbei um nicht konsekriertes Brot handelt, wird es an alle ausgeteilt. Eine Erinnerung an das Liebesmal der Urkirche.

Die heutige Form der Göttlichen Liturgie geht größtenteils bis ins 4. Jahrhundert zurück., in ihrer Grundstruktur wohl bis zum 1. Jahrhundert.


Bibber,
Nassos

Nassos
Beiträge: 4444
Registriert: 18.12.2008, 21:43

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Nassos » 25.07.2010, 22:38

Natürlich gedenke ich nicht, während einer Führung dermaßen ins Detail zu gehen. Ich gehe mal davon aus, dass die meisten Kollegen (solche werden vornehmlich geführt werden) nicht sehr viel Wissen haben werden.
Aber es kann mal vorkommen, dass jemand besser bescheid weiß. Aber selbst in solchen Momenten ist das kein Problem. Ich bin ja kein Theologe. Also kann ich etwas auch recherchieren und die Information nachliefern.

Lieber Alexej,
hattest Du schon mal Checker dabei, die dich forderten?


Lieben Gruß,
Nassos

Benutzeravatar
Priester Alexej
Priester
Beiträge: 1496
Registriert: 27.11.2008, 22:18
Religionszugehörigkeit: Russisch-Orthodox
Skype: AVeselov
Wohnort: Krefeld
Kontaktdaten:

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Priester Alexej » 25.07.2010, 23:30

Nassos hat geschrieben:Lieber Alexej,
hattest Du schon mal Checker dabei, die dich forderten?
Lieber Nassos,

dazu kommt es meistens nicht, weil die Führung zeitlich begrenzt ist und auch weil sie vom Charakter her längere Fragerei ausschließt. Es kommen aber immer wieder neue Fragen, auf die man leider nicht immer eine gute Antwort parat hat. Solche Fragen versuche ich nach der Führung durchzudenken, ggf. zu notieren, um beim nächsten mal gewappnet zu sein :)
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

Nassos
Beiträge: 4444
Registriert: 18.12.2008, 21:43

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Nassos » 25.07.2010, 23:47

Wie lange dauert die Führung bei Dir? Habt ihr noch Anschlussprogramm (gemeinsames Essen, Stadtbesichtigung, ...)?

Nassos
Beiträge: 4444
Registriert: 18.12.2008, 21:43

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Nassos » 16.02.2012, 20:56

Das mit der Kirchenführung wird langsam konkret. Jetzt bin ich schon langsam aufgeregt und habe natürlich das Gefühl, auf einmal alles vergessen zu haben.

Ich mache mir natürlich Gedanken über den Aufbau und der Struktur der Führung. Was sind meine primären Ziele und wer meine Zielgruppe. Was bedeutet das für den Inhalt meines Führungsvortrags. Vielleicht komme ich da noch mal hier darauf zurück, wenn ich mir meinen Vortrag zusammengetragen habe.

Was ich jetzt aber auch bräuchte wäre ein Brainstormin, welche Fragen ich zu erwarten habe?

Ich würde Euch um Eure Mithilfe bitten, wenn Ihr wollt. Vor allem möchte ich auf Fragen gut vorbereitet sein. Zwar rechne ich eher mit banaleren als hochtheologischen Fragen, aber ich möchte hier möglichst breit aufgestellt sein. Also, ich komme auf folgendes:

- Frauenordination
- Papst der Orthodoxen
- Unterschied zwischen gr.-orth., russ.-orth, serb.-orth, rum.-orth usw.
- Unterschied zwischen orthodox und röm-kath oder prot/ev
- Bibelkritik, Rationalität, Wissenschaft
- Zölibat
- die Seele nach dem Tod
- interkonfessionelle, interreligiöse Ehe
- Kirche und Politk
- orth. Weihnachten
- Datumsunterschied westl. <=> östl. Osterfest
- Fasten
- Sexualität, Verhütungsmittel
- Abtreibung
- Häresie, Schisma, Anerkennung von Taufen, Interkommunion
- orientalische Orthodoxie

Manche Themen wahrscheinlicher, manche unwahrscheilicher. Unmöglich ist keins.

Was meint Ihr, was könnte man an Fragen noch erwarten?

Ach ja, die Führung werde ich auf 2 Stunden ansetzen. Die Kirche ist nicht klein, und da möchte ich nicht nach ner halben Stunde die Leute schon heimschicken. Immerhin ist es auch eine Chance für offene Herzen.

Vielen lieben Dank. Wer hilft und irgendwann mal in ES auftaucht, der darf mit einer Einladung zu einem guten Kaffee im Starbucks rechnen. Oder einem Frapé beim Griechen ;-)

Lieben Gruß,
Nassos

Benutzeravatar
Igor
Hypodiakon
Beiträge: 2032
Registriert: 15.01.2010, 21:02
Religionszugehörigkeit: (russisch-)orthodox
Wohnort: Nordrhein-Westfalen
Kontaktdaten:

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Igor » 16.02.2012, 23:15

Sehr schön, Nassos! Gottes Segen und gutes Gelingen!
Nassos hat geschrieben:Was sind meine primären Ziele und wer meine Zielgruppe.
Genau - die Zielgruppe macht's, von der hängen wesentlich die Fragen ab.

Zusätzlich zu den von dir bereits gelisteten Fragen sind mir des öfteren folgende untergekommen:

- nach der Bedeutung der Ikonen,
- der den Kirchenraum vom Altarbereich trennenden (falsch, richtig ist natürlich: verbindenden) Ikonostase,
- dem häufigen Bekreuzigen,
- dem Stehen beim Gottesdienst,
- dem Kopftuch,
- den bärtigen Priestern,
- Ökumenismus, gemeinsames Abendmahl usw.

Meistens ist noch sehr viel Unwissen über das große Schisma zu bemerken, das sollte auf jeden Fall beleuchtet werden (das hattest du ja bereits gelistet).


In Christo
Igor

PS: Häufig halte ich den Vortrag "Orthodoxie - eine Einführung" vorher zur Einstimmung, den es auch online als Video gibt.

PPS: Danke für die Einladung - wenn's mal passt, gerne!
Bild
Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

Benutzeravatar
Mirjanin
Beiträge: 309
Registriert: 04.07.2009, 11:38

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Mirjanin » 17.02.2012, 06:49

Spontan fällt mir noch eine Frage ein, die auch hier im Forum häufig gestellt wird - nämlich wie werde ich Orthodox? (Konversion)

Vielleicht kommt ja interessehalber die Frage.

Viel Glück!
Was sie nicht verstehen können, ist das wir keine politische Partei bekämpfen, sondern die Mörder der spirituellen Kultur.

Ehemaliger
Beiträge: 218
Registriert: 21.07.2011, 22:35

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Ehemaliger » 17.02.2012, 08:23

Lieber Nassos,

ich wünsche dir viele interessierte Fragen von vielen Interessierten Menschen bei deinen Führungen und ich bin sehr sicher, du kannst das prima 'handeln'.

Ich finde die Zusatzfragen, die Igor anführt, sehr gut. Vor allem die Wendung: die Ikonostase ist verbindend NICHT trennend. In diesem Geist sich zu halten (also spirituelle Gadanken einzuführen) finde ich wichtig.

Themen wie Unterschiede zwischen den Konfessionen würde ich mit Vorsicht angehen. Zum Einen sind sie viel komplexer als dass sie in 2 Stunden passen (und es gibt ja noch vieles anderes zu erklären) und ich wäre eher unangenehm berührt, wenn mir bei der Führung bei VW die Unterschiede zu Toyota 'erklärt' würden. Das schmeckt allzuleicht nach 'Politik'. Aufgabe der Kirche, durch Menschen und Gebäude, ist die Verkündigung des Herrn,nichts anderes.

Ganz ähnlich stehe ich zu den Fragen im grossen Topf *Sexualität* oder auch Zölibat. Allzuleicht könnten Frontstellungen, je nach Vorverständnis der Fragenden, mit 'orthodoxen' Argumenten unterfüttert werden. Und eigentlich ist die Stellung unserer Kirche ja zum z.B. Verhütng einerseits sehr klar und andererseits nur mit viel 'Verstehen' drumherum zu verstehen.

Ich mache dir Mut, der Beantwortung von schwierigen Themen auch mit dem Verweis auf Literatur oder, noch besser, mit einer Einladung zu (vielleicht noch einzurichtenden) Gesprächskreisen in eurer oder auch anderen Kirchen, zu begegnen. Man kann sich bei einer Kirchenführung nicht die Aufgabe des eierlegenden Wollmilchschweins auferlegen. Igor macht das in dem Ihm ins net gestellten Vortrage sehr gut.

Liebe Grüsse
Benedikt

Nassos
Beiträge: 4444
Registriert: 18.12.2008, 21:43

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Nassos » 17.02.2012, 12:06

Lieber Igor, lieber Benedikt,

vielen Dank für Eure Unterstützung.

Das Thema Ikonen und Ikonostase ist natürlich ein Thema, das während der Führung schon durchgenommen wird, genau so wie das Beten etc.
Mir ging es ja schwerpunktmäßig hier um Fragen, die am Ende noch kommen könnten, losgelöst von der Führung selber.

Aus Deinem Vortrag (und anderen Quellen) werde ich natürlich zehren; ja ich möchte den Leuten auch einen Ausdruck mit einer Zusammenfassung geben von dem, was sie da hören und auch ein paar Internetlinks mit reintun, so zum Beispiel auch Deinen Vortrag bzw. Deine Präsentationsfolien.

Das Thema interkonfesionelle Beziehungen sind natürlich mit Vorsicht zu genießen, aber wenn diese Fragen nicht kommen sollten, dann würde mich das sehr wundern. Leider passt der Vergleich aus der Sicht eines interessierten Laien (hier nicht im theologischen Sinne) Toyota <=> VW nicht. Für ihn sind das vierrädrige automobile Fortbewegungsmittel mit Verbrennungsmotor.

Es gibt die verschiedensten Themen, an denen Leute Anstoß nehmen können. Der Hinweis auf Literatur ist gut, das gilt natürlich auch für die, die über die Führung hinaus sich selber schlauer machen wollen.

Also sind natürlich auch die Buchtipps mit dabei.

@Mirjanin: dass mir das selber nicht in den Sinn gekommen ist ... da muss ich mir auch Gedanken machen, wie viel ich selber sagen kann, bzw. auf unseren Priester verweisen werde.

Vielen Dank und in der Hoffnung auf noch mehr Input,
Nassos

peter
Beiträge: 440
Registriert: 01.08.2006, 13:58
Religionszugehörigkeit: (russisch-) orthodox
Wohnort: Berlin

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von peter » 17.02.2012, 14:13

Ihr Lieben,

da ich seit ca. 2-1/2 Jahren tagsüber als Senior im freiwilligen Kirchendienst Passanten, Interessierte, Heterodoxe und Orthodoxe durch die Kirche führe, möchte ich im Rückblick kurz resumieren. Wichtig scheint mir, die Besucher/innen nicht als Objekte der Mission zu betrachten, sondern als Menschen, denen es wert ist, außerhalb der Gottesdienste den Kirchenraum zu begehen. Deshalb ist die Stille und das Bekreuzigen beim Eintreten, das Herausreichen und Entzünden von Kerzen (an der Lampada der Christus-Ikone), das andächtige Verweilen vor der Ikonostase, vor bestimmten wichtigen Ikonen (Allheilige Gottesgebärerin, Hl. Nikolaus, Hl. Panteleimon u.a.), vor dem Altar der Entschlafenen, eine orthodoxe Vorbedingung der Führung. Grundsätzlich gilt, aufkommende Gespräche möglichst in einem Seitenraum zu führen, es sei denn bei Erklärungen zum Kircheninventar. Außerdem sollten die Besucher fragen, nicht die führende Person (es sei denn kurz nach dem Namen, der Herkunft, dem Grund des Besuchs). Wenn Leute nun gleich am Eingang losplatzen mit irgendwelchem Gerede, führe ich diese prinzipiell erst mal zum Nebenraum. Inhaltlich habe ich ganz allgemein festgestellt eine außerordentliche Unkenntnis über Kirchengeschichte, weshalb sich meist anbietet, erst einmal grundlegende Fakten über die Alte Kirche, das monophysitsche, römisch-katholische und protestantische Schisma aufzurollen. Hierauf aufbauend, gelang es oft, die spezifischen Eigenheiten christlicher Orthodoxie, die bischöflich-priesterliche Ordnung, die Göttliche Liturgie, ihre Mysterien, ihren Verlauf, die Bedeutung des Chors und der Ikonen, die Gebetshaltung orthodoxer Gläubiger in Kirche und Alltag, bestimmte Ausdruckweisen des Glaubens (Stehen, Bekreuzigen, Verbeugung, Knien), deutlicher darzustellen. Oft kommen, manchmal provokativ, die Fragen nach der Stellung der Frau in der Kirche, nach den Verhältnis der Orthodoxie zur "Ökumene" oder zu anderen "Religionen", nach dem Verhältnis der Orthodoxie zu Brennpunkten der Politik usw. Es empfiehlt sich, bei solchen Fragen ruhig und sachlich zu bleiben, oder, wenn nötig, Nichtwissen oder Privatmeinung vorwalten zu lassen. Oft wird man auch von Expertenwissen überrannt, z.B. bei kunsthistorischen Liebhabern, oder Gesangsspezialisten, oder selbsternannten Welthistorikern oder "Theologen". Ich habe mir angewöhnt, solche geistigen Ausflüge dankend anzuhören, aber sanft umzuleiten auf schlichte Glaubensfragen. Sehr bewährt hat sich das Ausgreifen vor der jeweiligen Ikone auf das zugehörige Heiligenleben, auf Märtyrerschicksale, Kirchenväter, Apostel usw., weil hieraus eine Verlebendigung des Gesprächs und eine Vergegenwärtigung kirchlicher Ereignisse resultiert. Abschließend wird meist Interesse an Geschichte und Leben der Gemeinde bekundet, aktuelle Ereignisse des Kirchenjahres werden benannt, sowie recht dezent die Einladung zur Teilnahme ausgesprochen. Nützlich ist auch, ein Besucherbuch zu führen, wo Namen und Datum, ggf, Adressen und Rufnummern, Gründe und Besonderheiten des Besuchs erfaßt sind. Ein Dank-, Bitt- oder notfalls Stoßgebet (in der Stille separat) sollte die Führung ausklingen lassen.

peter
"Selig sind die, die nicht gesehen und doch geglaubt haben" (Joh. 20,31)

Nassos
Beiträge: 4444
Registriert: 18.12.2008, 21:43

Re: Führung durch eine Orthodoxe Kirche

Beitrag von Nassos » 17.02.2012, 15:19

Lieber peter,

hab vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich weiß noch nicht, ob ich das genau so handhaben werde.

Was ich aber sicher weiß, ist mein primäres Ziel: ich möchte den Leuten - denn das ist eigentlich das, was mir immer am meisten weh tut, und daraus ist auch mein Wunsch nach einer Führung in der Kirche entwachswen - nahebringen, dass wir Orthodoxe Christen sind und was das Wort an sich bedeutet, damit falsche Assoziationen verschwinden.

Alles andere kommt praktisch dann dazu. Wenn jemand mehr will oder sich daraus etwas entwickelt - da vertraue ich auf den Parakleten. Ich bin dann gerne bereit, hierbei zu geleiten.

Alles Liebe,
Nassos

Antworten