Die Bibel

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aled1911
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Re: Die Bibel

Beitragvon aled1911 » 18.05.2015, 12:29

Du bewertest die Probleme die bei einer Übersetzung entstehen können über, wie ich finde.
Denn die Septuaginta an sich ist eine Übersetzung und war über Jahrhunderte der anerkannte Text der Christenheit.
Es wäre aber sicher spannend mal nachzuforschen, was Kyrill, Method und die anderen Übersetzer dazu gesagt haben.
Das wäre in der Tat mehr als interessant.
Gruß

Kai
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Re: Die Bibel

Beitragvon Kai » 18.05.2015, 19:42

Du bewertest die Probleme die bei einer Übersetzung entstehen können über, wie ich finde.
Nun, ich finde, genau das tue ich eben nicht, aber seis drum. Warten wir auf die Experten, welche die Aussagen der Väter zu diesem Thema kennen.
Grüße,
Kai

Nikolaj
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Re: Die Bibel

Beitragvon Nikolaj » 19.05.2015, 08:33

Als Nichtexperte, gebe ich trotzdem meinen Senf mal dazu...

Die Septuaginta hat natürlich Elemente, die eher Auslegung als Übersetzung sind, z. B. "...eine Jungfrau wird empfangen...", wobei im hebräischen Text von der "jungen Frau" - was ja auch Jungfrau bedeuten kann, aber eben nicht muss - gesprochen wird. Hierbei haben die Übersetzer eben den Auspruch des Propheten in ihrer Zeit nach ihrem Verständnis ausgelegt. Also, ist bei jedem Studium der Texte wichtig zu verstehen, was wurde dabei wirklich gemeint.

Aber, so viel die moderne Bibelforschung auch an wichtiger Arbeit leistet, sollte man diese trotzdem durch das Prisma der altkirchlichen Auslegung betrachten. Denn, die Kirche hat in den frühchristlichen Jahren schon viele der heute auftauchenden Fragen ja durchgearbeitet und dann kommen wir mit unserem reformatorischen Denken und überlegen, ob die Kirchenväter wirklich Ahnung hatten, von was sie sprachen. Ich meine, es sind 2.000 Jahre nach Christus vergangen und 1.800 (?) vom Zeitpunkt der Festlegung des heute anerkannten Bibelkanons (beim alten Testament dann noch ein paar Jahrtausende mehr)... nicht nur die Sprache hat sich geändert sondern auch die Redewendungen, Ausdrücke, Umgangssprache der damaligen Zeit.

Betreffend Bibelübersetzung ist es doch für den Alltagsgebrauch nicht wirklich so wichtig, ob die Übersetzung zu 95% oder zu 90% genau ist. Wir haben ja heute den Vorteil, dass wir über das Internet auch an verschiedene Auslegungen und Deutungen von Bibelstellen kommen können. Somit, Luther oder Einheitsübersetzung oder was sonst noch gibt, für den täglichen Gebrauch und eine Auslegung oder Deutung für die schwierigeren Stellen.

Gruß
Nikolaj

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Re: Die Bibel

Beitragvon holzi » 19.05.2015, 12:31

Dazu passen hier einige Gedanken des frühchristlichen Übersetzers Hieronymus (*347, +420), der u.a. die bis heute gültige lateinische Vulgata-Übersetzung erstellt hatte: https://www.unifr.ch/bkv/kapitel3348-7.htm
Das Christentum nimmt den Menschen, wie er ist, und macht ihn zu dem, was er sein soll. (Adolph Kolping 1813-1865)

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Lazzaro
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Re: Die Bibel

Beitragvon Lazzaro » 19.05.2015, 19:17

Hallo aled1911 !

Nun wenn die Übersetztungen als solche schon so problematisch sind, wirst Du wohl Griechisch (und Hebräisch) lernen müssen. Dann hat sich das Thema erledigt.
Als Väterlektüre kann ich Dir das Exameron und den Lukaskomentar des Heiligen Ambrosius von Mailand empfehlen.

Es gibt sie, die konfessionell gut orthodoxe, absolut modernismenfreihe und kirchenväterorientierte Bibelübersetzung: Es ist die gute alte Vulgata des Hironymus. Ich benutze sie in der berühmten zweisprachigen Ausgabe nach Allioli. Da habe ich bei unbekannten Vokabeln den Paralleltext nebenan.

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Re: Die Bibel

Beitragvon Stephanie » 23.05.2015, 18:35

Grüß dich Lazarro,

kurze Frage, wo hast du denn deine Allioli Bibelausgabe herbekommen? Bei Amazon gibt es zwar Ausgaben, aber zum einen teilweise nur in dt. Übersetzung und vom Datum her daher recht jung oder ziemlich teure Originalware aus dem 19.Jh.
Ich hätte ganz gerne als Ergänzung zu meiner englischen Orthodox Study Bible und der dt. Lutherbibel noch diese dt-lat-Variante.

Herzliche Grüße!
Stephanie

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Re: Die Bibel

Beitragvon Quinni » 24.05.2015, 00:46

Stefanie, ich habe eine Ausgabe in Altdeutscher Schrift auf ebay ersteigert. Das ist noch eine originale Übersetzung. Die in normaler deutscher Schrift wurde inzwischen von jemand anderem "nachgebessert"

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Re: Die Bibel

Beitragvon Lazzaro » 24.05.2015, 19:39

Liebe Stephanie,
schau mal in Dein PN-Postfach.
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aled1911
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Re: Die Bibel

Beitragvon aled1911 » 26.05.2015, 10:06

Hallo aled1911 !

Nun wenn die Übersetztungen als solche schon so problematisch sind, wirst Du wohl Griechisch (und Hebräisch) lernen müssen. Dann hat sich das Thema erledigt.
Als Väterlektüre kann ich Dir das Exameron und den Lukaskomentar des Heiligen Ambrosius von Mailand empfehlen.

Es gibt sie, die konfessionell gut orthodoxe, absolut modernismenfreihe und kirchenväterorientierte Bibelübersetzung: Es ist die gute alte Vulgata des Hironymus. Ich benutze sie in der berühmten zweisprachigen Ausgabe nach Allioli. Da habe ich bei unbekannten Vokabeln den Paralleltext nebenan.

Lazarus
Ehrlich gesagt, hab ich schon mit dem Gedanken gespielt Koine zu lernen, aber da ich nie sonderlich sprachbegabt war, weiß ich nicht ob ich das wirklich packen würde :o
Hat es denn schon mal jemand von euch autodidaktisch auf ein gutes Niveau gebracht? Und welche Lehrbücher habt ihr benutzt?

In die Väterlektüre werde ich später intensiver reinsehen - :thanks:

Von Allioli hab ich mir nun das Neue Testament aus dem Jahre 1837 erworben. Laut Beschreibung soll der Zustand gut sein. Ich hoffe nur, dass das auch wirklich heile ankommt :book:

Gruß

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Re: Die Bibel

Beitragvon Alf » 27.05.2015, 00:39

Hat es denn schon mal jemand von euch autodidaktisch auf ein gutes Niveau gebracht? Und welche Lehrbücher habt ihr benutzt?
Bibelhebräisch kann man sehr gut mit dem "Lehrbuch der hebräischen Sprache des Alten Testaments" von Ernst Jenni lernen; eine Neubearbeitung eines klassischen Lehrbuchs von Hollenberg, Budde und Baumgartner. Man lernt damit aber wirklich nur altphilologisch. Der Wortschatz ist entsprechend der Worthäufigkeiten in der Bibel ausgewählt. Was man mit diesem Lehrbuch lernt, hilft also nicht, wenn man in einem Jerusalemer Restaurant ein Schnitzel bestellen will. :chef:
Weil Hebräisch überhaupt nicht verwandt ist mit unseren indogermanischen Sprachen, ist es sehr interessant, welche Ausdrucksmöglichkeiten es einerseits gibt und andererseits nicht gibt. Außerdem ist die Bibel des AT voller Wortspiele und Mehrdeutigkeiten.

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Re: Die Bibel

Beitragvon birnbaum » 17.02.2016, 09:59

Ich schalte mich mal freimütig ein in die Diskussion über Bibelausgaben, nachdem ich über die kürzlich erschienene »Orthodoxe Schulbibel« auf dieses Forum aufmerksam wurde.
Ohne auf die verschiedenen Textfamilien der neutestamentlichen Schriften näher eingehen zu wollen, geht wohl jeder Orthodoxe davon aus, dass die Übersetzungen aus der byzantinischen Textfamilie der Orthodoxie am nächsten stehen, nicht die aus der alexandrinischen oder der westlichen Manuskriptsammlung.
Als ich die neue »Orthodoxe Schulbibel« (leider nur Evangelien, Apostelgeschichte und 26 Psalmen) auf ihren Grundtext hin untersuchte, war ich etwas überrascht, eigentlich enttäuscht, dass man die NT–lichen Texte nicht eigens aus dem Griechischen übersetzt hat, sondern die zuletzt 2005 revidierte Herder–Bibel hergenommen hat, um sie mit den zusätzlichen Lesarten des Textes receptus (byzantinische Textfamilie) zu verheiraten. Die Psalmenauswahl stammt aus einer 1989 von Heribert Tilmann nach der LXX bearbeiteten Allioli– Ausgabe. Eine eigenartige Zusammenstellung, finde ich.
Wer nun ein Neues Testament sucht, das durchweg nach dem byzantinischen Griechisch (=Textus receptus oder Mehrheitstext) übersetzt ist, der braucht nicht auf eine römisch–katholische Version auszuweichen, etwa V. Hamp & M. Stenzel (fürs AT) und J. Kürzinger (fürs NT) [=Pattloch Bibel], sondern kann neben der Schlachter 2000 noch folgende Ausgaben in Betracht ziehen: Die NeueLuther Bibel AT & NT (=überarbeitete Luther 1912), die Version von Herbert Jantzen (NT) und Thomas Jettel (Psalmen), das kürzlich neu überarbeitete NT von Manfred Roth („NTR“) aus der Schweiz und das von Karl–Heinz Pesch und Charalampos Pokas herausgegebene Christianismos NT.
Letzteres ist zwar vom buchtechnischen nicht so bibliophil hergestellt wie die vorher beschriebenen Ausgaben, hat aber den Vorteil, dass man es auch zweisprachig haben kann, nämlich griechisch / deutsch interlinear. Es gibt die Christianismos– Ausgabe auch mit Psalmen und Sprüchen und als Vollbibel. Hier haben die Herren Pesch & Ποκας das 1905er Elberfelder AT nach der Septuaginta bearbeitet (ich finde, dass das mit dem AT nicht wirklich funktioniert hat). Nachteil dieser Gesamtbibel ist ihre Größe und das Gewicht, man kann sie eher als Altarbibel bezeichnen. Das Christianismos NT samt Psalmen und Sprüchen ist eine gute Wahl. Man muß sich darüber im Klaren sein, dass diese Übersetzung nicht ziel– sondern ausgangssprachlich orientiert ist, also recht formtreu übersetzt, aber eben nicht „easy–to–read“.
Das NT & Psalmen von Jantzen ist sehr schön aufgemacht und hat einen informativen sprachlichen Anhang, worin auch der TR gegen die kritischen Ausgaben (Nestle/ Aland) verteidigt wird. Die Schlachter 2000 ist ja hinreichend bekannt, hat aber, wie auch die NeueLuther Bibel, dem AT den masoretischen (=hebräischen) Text zugrunde gelegt.
Das NTR von M. Roth kommt in kartonierter Großausgabe (nicht Großdruck) und ist eher zielsprachenorientiert übersetzt (heißt heutzutage dynamisch–äquivalent).

Es gibt übrigens eine (mittlerweile nur noch antiquarisch verfügbare) römisch– katholische Ausgabe, die sogar den nur in der LXX vorhandenen 151. Psalm mitgibt. Das ist eine sprachlich sehr herausfordernde Version, 1926 zum erstmal erschienen und ab 1952 bis zuletzt (1969) in Antiquadruck (nicht Fraktur = altdeutsch) herausgebracht. Paul Rießler war für das AT, Rupert Storr für das NT verantwortlich. Diese Bibel hieß „Mainzer–“ bzw. „Grünewald–Bibel“. Ich mag Rießler sehr gerne lesen, weil er sprachlich herausfordert (das Gegenteil von Gute Nachricht–Bibel oder Hoffnung für alle).

Wer also nicht warten will, bis es irgendwann mal eine originäre Orthodoxe Gesamtausgabe geben wird, hat mit diesen fünf TR- Varianten ja eine beachtliche Auswahl. Insgeheim hege ich die Hoffnung, dass Dimitri74 mit seiner Evangelien–Übersetzung nicht bei Matthäus haltgemacht hat, sondern weitermacht (wo ist er abgeblieben?) ...
Was ein AT nach der Septuaginta anbelangt: Da gibts leider zur Zeit nur die »Septuaginta deutsch« oder den “Christianismos“ Zwitter. Wer Englisch kann, ist besser dran, der hat die Auswahl von ca. fünf Ausgaben.
Wer weitere Infos braucht, z. B. mitgegebene Kommentierungen, Verlag, ISBN usw., kontaktiere mich einfach.


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