Apostolin Junia????

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Elias
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Apostolin Junia????

Beitrag von Elias » 11.12.2007, 22:27

Hallo!
Ich habe eine Frage an die geistlichen in unserem Forum! Im Römerbrief ist von Junia die Rede die unter den Aposteln Berühmt sei. Zudem habe ich auch eine Ikone gesehen....Befürworter der Frauenordination sehen dies als Beweiß das auch Frauen zu Priestern geweiht werden können! Wie sieht die (unsere) Orthodoxe Kirche die Junia? Als Apostolin? Würde mich echt Interessieren...

Gottes Segen Ilia

protopeter
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Beitrag von protopeter » 11.12.2007, 23:42

Lieber Ilia !

Bei Ihrer Frage sind zweierlei Dinge auseinanderzuhalten:

1. In der Orthodoxen Kirche ist es durchaus üblich, daß manche heilige Frauen mit dem Ehrentitel Apostelgleiche bezeichnet werden - dazu zählen unter anderem Maria Magdalena, Nino von Georgien und Olga von Kiev. Der besondere Titel bezieht sich in allen genannten Fällen grundsätzlich auf die "Haupteigenschaft" apostolischer Tätigkeit - Verkünder und Sendbote der in Christus realisierten gottmenschlichen Erlösungswahrheit zu sein; diese Aufgabe ist vollkommen geschlechtsunabhängig, da alle Christen zur lebendigen Zeugenschaft gerufen sind.

2. Nach einer frühkirchlichen Tradition wird Junia (analog einer anderen Mitarbeiterin des Paulus, Phoebe) als Diakonin bezeichnet; es ist nicht unwahrscheinlich, daß sie tatsächlich diese Funktion bekleidete. Allerdings - darüber wurde ja schon ausführlich diskutiert - ist das diakonale Weiheamt nach orthodoxem Verständnis in keinem Fall mit der Frage, ob Frauen das hierarchische Weiheamt eines Priesters ausüben könnten, in Beziehung zu setzen.

Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter
Zuletzt geändert von Anonymous am 11.12.2007, 23:43, insgesamt 1-mal geändert.

prorokini
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Beitrag von prorokini » 11.12.2007, 23:42

Lieber Elia!
Ich kann nur für mich selber sprechen: Wir wissen nicht genau, welche Funktion diese Frau innehatte. Auch in der heutigen Welt kann eine Frau Apostel sein, Apostolat und Priestertum ist nicht dasselbe. Auch in den Evangelien steht, daß Jesus außer dem 12 Aposteln noch andere Jünger hatte.
Prorokini

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Elias
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Beitrag von Elias » 12.12.2007, 09:11

Danke für die schnelle Antwort :)

Gibt es denn auch Diakonin in der Orthodoxie heute? Ich habe mal gehört das das Jerusalemer Patriarchat die Diakonin Weihe für Frauen erlaubt hat aber keine Frau Interesse zeigte. Kann sein das ich etwas schwammige Infos habe. Ich frage deshalb da wir in einem Ökumenischen Zusammenschluss der drei christlichen Kirchen (Römisch-Katholisch, Evangelisch und wir) in einem Gespräch befinden bezüglich der Frauenordination und ich würde gerne wissen was genau jetzt dagegen spricht(Theologisch)?

Gesegnete Fastenzeit....

Илиа

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Beitrag von IoannesProselytos » 12.12.2007, 11:27

Dominus tecum

Es gibt schon einen Strang über Frauenordination ...

Bzgl. "Apostelgleiche" dürfte ja auch schon einiges stehen.

Die Wendung "unter den Aposteln berühmt" impliziert für mich noch lange nicht, dass sie selbst so etwas wie eine Apostelin gewesen wäre, sondern eben nur, dass sie (wohl wegen ihrer Heiligkeit, nehme ich an) einfach unter den Aposteln bekannt und berühmt war. Wenn Vater Peter meint, dass sie Diakonin war, dann halte ich das für durchaus korrekt. Dagegen gibt es ja auch nichts einzuwenden.

Ah ja, es gibt aber durchaus Theologen, die die Annahme vertreten, dass es sich doch um einen Mann handeln würde (von der Endung alleine z. B., lässt sich die Sache ja noch nicht ausmachen; Lukas endet auch mit -as ...).

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Sebastian
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Beitrag von Sebastian » 12.12.2007, 11:40

Hallo Ioannes !
Die Wendung "unter den Aposteln berühmt" impliziert für mich noch lange nicht, dass sie selbst so etwas wie eine Apostelin gewesen wäre, sondern eben nur, dass sie (wohl wegen ihrer Heiligkeit, nehme ich an) einfach unter den Aposteln bekannt und berühmt war.
Sagen wir mal so. Begreifen wir unter dem Begriff "Apostel" im engeren Sinne einen "Sendboten", so können wir dies geschlechtsunabhängig betrachten. Schau auf die Hl. Nino (V. Peter erwähnte sie bereits), sie brachte Georgien das Evangelium. Eine Botin Christi. Von einer Weihe der Hl. Nino ist (zumindest mir - man möge mich korrigieren) nichts bekannt. Daher könnte man den Begriff Apostel/Apostelgleiche sogar unabhängig einer Weihe betrachten.

Es grüßt dich der Sebastian

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Beitrag von IoannesProselytos » 12.12.2007, 11:59

Xpristos anesti!

Na ja, man kann das Wort auch trennen, wie du hier auch meinst; das ist auch eine Möglichkeit.

Wörtlich als Bote zu verstehen und im weiteren, übetragenen bzw. vlt. auch "fachspezifischen Sinne", als die mit göttlicher Vollmacht und Weisung ausgestatteten Zwölf, die auch dazu bevollmächtigt waren, Entsprechendes weiterzugeben. Das wäre dann eben der Ursprung der Weiheämter (zumindestens einmal des Bischofs und Priesters) - sehe ich das so richtig?

protopeter
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Beitrag von protopeter » 12.12.2007, 12:38

Lieber Ioannes !
Ah ja, es gibt aber durchaus Theologen, die die Annahme vertreten, dass es sich doch um einen Mann handeln würde (von der Endung alleine z. B., lässt sich die Sache ja noch nicht ausmachen; Lukas endet auch mit -as ...)
Dagegen gibt es allerdings etwas zu sagen: Der Name Junia war ein in der griechisch-römischen Welt durchaus gebräuchlicher Frauenname; ein "Junias" ist indessen vollkommen unbekannt. In früheren Zeiten wurde vor allem von r.-k. Seite immer wieder versucht, aus der Mitarbeiterin des Paulus einen Mann zu stilisieren, um auf diese Weise besonders das von ihr bekleidete Diakonsamt zu rechtfertigen. Ähnliches geschah übrigens mit der Diakonin Phoebe, deren vom Apostel selbst gebrauchte Bezeichnung diakonos mitunter als "Dienerin Gottes" und nicht im Sinne des Weiheamtes übertragen wurde...

Es grüßt
Erzpr. Peter

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Beitrag von Milo » 12.12.2007, 12:40

Grüß Gott!

Mein Beitrag noch zu dem Gesagten....

Laut Vita des hl. Apostel Andronik (einer von 70), war seine Gehilfin eben Junija. Beide haben das Wort verkündet, beide hatten die Macht böse Geister auszutreiben, beide erlebten Märtyrertodt. Jedoch, und jetzt kommts...
nur Andronik wurde zum Bischof von Panonia (Nordbalkan) aufgestellt, und Junija blieb siene Gehilfin. Diakonisse?

Euer "besserwisser" Milo

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Beitrag von protopeter » 12.12.2007, 12:45

Lieber Br. Milo !
administrator hat geschrieben: Jedoch, und jetzt kommts...
nur Andronik wurde zum Bischof von Panonia (Nordbalkan) aufgestellt, und Junija blieb siene Gehilfin. Diakonisse?
Ja, das ist mehr als wahrscheinlich ! :D

Herzlichen Gruß von Erzpr. Peter

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Beitrag von protopeter » 12.12.2007, 13:14

Lieber Ilia !
Elia hat geschrieben:Danke für die schnelle Antwort :)

Gibt es denn auch Diakonin in der Orthodoxie heute? Ich habe mal gehört das das Jerusalemer Patriarchat die Diakonin Weihe für Frauen erlaubt hat aber keine Frau Interesse zeigte. Kann sein das ich etwas schwammige Infos habe. Ich frage deshalb da wir in einem Ökumenischen Zusammenschluss der drei christlichen Kirchen (Römisch-Katholisch, Evangelisch und wir) in einem Gespräch befinden bezüglich der Frauenordination und ich würde gerne wissen was genau jetzt dagegen spricht(Theologisch)?

Gesegnete Fastenzeit....

Илиа
Vor einigen Jahren entschied die Synode der Kirche von Hellas, das Diakoninnenamt zu reaktivieren - besonders auch im Hinblick auf die Initiative des Heiligen Nektarios von Ägina, der 1911 diese Weihe an zwei Nonnen erteilte.

Die generelle Frage der Frauenordination kann aus orthodoxer Sicht vor allem mit Hinweis auf die Entwicklung der frühkirchlichen Tradition dargelegt werden - wenn die Institution des bischöflichen (und damit des priesterlichen) Amtes auch an Frauen übertragen worden wäre, hätte es innerhalb der Kirche von allem Anfang dafür entsprechende Zeugnisse gegeben. Es ist indessen bekannt, daß in einigen gnostischen Bewegungen des 2. und 3. Jahrhunderts durchaus "Bischöfinnen" und "Priesterinnen" tätig waren; diese Entwicklung dürfte in erster Linie auf den synkretistischen Einfluß antiker Mysterienkulte zurückzuführen gewesen sein.

Wenn nun orthodoxerseits die geistlichen Ämter als Institution göttlichen Rechts verstanden werden, so ist die Treue zur entsprechenden Überlieferung eine wesentliche Grundbedingung; die Basis dafür ist eben in den biblischen Offenbarungsschriften zu finden, die einzig das Diakonsamt als auf Frauen übertragen bezeugen.

Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter

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