Darstellung von Gott Vater

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Sebastian
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Beitrag von Sebastian » 28.11.2007, 11:48

Avner hat geschrieben:Niemand kann Gott sehen und dennoch leben! Wie kann man nur wagen Gott Vater zu zeichnen :x
Milo hat geschrieben:Ganze ökum. Konzilien zur Christologie und Ikonologie haben scharf urteilen müssen was darstellbar/erlaubt ist. Und nun sowas!?
Ich kann euch und eure Reaktionen hier im vollen Umfang nachvollziehen ! Als wir vor kurzem in Griechenland waren, fragten wir uns ernsthaft, warum es so viele Kirchneubauten, mit unerlaubten Gottvaterdarstellungen gibt. Liegt auch hier der Grund, wie Vater Theodor zu einem anderen Thema behauptete, in fehlender Bildung örtlicher Geistlicher und Ikonographen (bzw Maler) ? Warum werden die strikten Anordnungen der Konzile zur Darstellung Gottvaters mißachtet? Aus künstlerischem Gutdünken ?

Gott zum Gruße Euer Sebastian

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Avner
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Beitrag von Avner » 28.11.2007, 11:50

holzi hat geschrieben:
Avner hat geschrieben:Hallo!

Joh. 1:18 "Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt. "

Niemand kann Gott sehen und dennoch leben! Wie kann man nur wagen Gott Vater zu zeichnen :x

LG
Lieber Avner,

die Darstellung Gottes als alter Mann hat u.a. seine Wurzeln auch in der Vision Daniels im Kap. 7. Dort sitzt in Vers 9 ein "Hochbetagter" auf dem Thron und hält Gericht. Vermutlich hat diese Vision einige Menschen für das Symbolbild Gott Vaters inspiriert.

Grüße
Konrad
Wie wir alle hoffentlich wissen kann Gott nicht altern. Also ich find das total daneben, wenn man sowas macht.

LG

nik
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Beitrag von nik » 28.11.2007, 12:00

Liebe Diskussionsfreunde!

Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, da ich mich nicht sehr tiefgehend mit Ikonografie beschäftige.

Soviel ich mir einbilde zu wissen, ist dass diese Gott-Vater-Darstellungen eben aus schon genannten Gründen teilweise geduldet sind, aber nur als Symbolische Darstellung auf z. B. Gottesmutter-Ikonen, Schöpfungsikonen oder eben auch auf manchen Taufe-Christi-Ikonen.

Sogenannte "neutestamentliche" Dreifaltigkeitsikonen sind meiner Meinung natürlich schon sehr nah an der Grenze, wenn nicht schon etwas drüber.

Gott-Vater-Abbildungen sind nur geduldet. Es ist eben der westliche Einfluss. Ob man solche Ikonen in der Wohnung hat ist für mich eine persönliche Sache. Und, wenn welche in einer Kirche sind, dann ist das eine Sache, die der Priester zu entscheiden hat.
Gr??e
Nik

prorokini
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Beitrag von prorokini » 28.11.2007, 12:14

Liebe Mitdiskutanten!
Ich habe so ein Kreuz:
http://www.historicimpressions.com/OrthodoxL.jpg
Ganz oben, das soll wohl eindeutig Gott Vater zwischen zwei Engeln sein.
Das Kreuz hatte wohl schon mehrere Vorbesitzer, aber ich habe es jetzt auch schon ein paar Jahre. Ich finde es sehr schön, aber die Darstellung von Gott Vater stört mich irgendwie.
Eure Prorokini.

Milo
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Beitrag von Milo » 28.11.2007, 12:44

Liebe Prorokini,

bist Du dir sicher das dies Gott Vater sein soll, und nicht der auferstandene und in Himmeln auferfahrene Sohn?
Bild

Gruß,

br. milo

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nika
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Re: Fenster zum Himmel

Beitrag von nika » 28.11.2007, 12:47

athikia hat geschrieben:Hallo NiKa,
Dein Begriff "Materie" ist falsch. Warum? Gott ist Geist. Die Dreieinigkeit/Dreifaltigkeit
ist "eines Wesens", Gott Vater und der Heilige Geist haben nicht Knechtsgestalt (sind nicht Mensch geworden) angenommen, der Heilige Geist ist auch nicht gezeugt/geboren Der Hl. Geist geht vom Vater aus. Da aber die zweite Person der Trias
(der Logos) Mensch wurde dürfen wir auch nur den Logos in Gastalt Seiner
Gestalt dartellen. Damit aber erkenntlich ist, der Dargestellte ist der Logos ist im Nimbus (Heiligenschein) immer aufgeschrieben " o on" das ist ".der Seiende" oder der "ich bin der ich bin" Das ist die Stimme die aus dem
brennenden Dornbusch Moses angesprochen hat. Da wir aus dem Evangelium nach Johannes wissen, daß das Wort (Logos) Gottes am Anfang war können und dürfen wir sagen aus dem brennenden Dornbusch sprach der Sohn Gottes der später Menschsgestalt (Fleisch annahm) angenommen hat. Nur diesen dürfen wir als Ikone darstellen. in der Liebe Jesu Christi + P.Theodoros

könnte man Materie mit Wesen ersetzen?
IC + XC
NI + KA

holzi
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Beitrag von holzi » 28.11.2007, 12:50

administrator hat geschrieben:Liebe Prorokini,

bist Du dir sicher das dies Gott Vater sein soll, und nicht der auferstandene und in Himmeln auferfahrene Sohn?
Hallo Milo, die Darstellung mit dem Reichsapfel in der Hand deutet zumindest in der westlichen Bildsprache immer auf Gott Vater, also scheint hier zumindest die Vermutung angebracht, es auch so zu sehen.

Grüße
Konrad

prorokini
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Beitrag von prorokini » 28.11.2007, 13:00

Liebe Mitdiskutanten!
Mittlerweile bin ich mir nicht mehr sicher, ob es Gottvater ist. Erst einmal ist mein Kreuz schon etwas abgerieben, die Darstellungen sind nicht so deutlich wie auf dem GIF. Ich hatte an die Worte Jesu gedacht: "Vater, in Deine Hände empfehle ich meinen Geist." Und ich dachte, das ist Gott Vater, der ihn auffängt. Wenn er einen Reichsapfel in der Hand hat, ändert das natürlich die Symbolik beträchtlich. Zudem bin ich nicht auf die Idee gekommen, daß Christus zweimal auf dem Bild sein könnte.
Aber mal was anderes: Ist auf der Ikone "Die Gastfreundschaft Abrahams" nicht auch Gott Vater zu sehen?

Milo
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Beitrag von Milo » 28.11.2007, 13:07

prorokini hat geschrieben: Aber mal was anderes: Ist auf der Ikone "Die Gastfreundschaft Abrahams" nicht auch Gott Vater zu sehen?
Nein :!:
:)

Gruß

M.

Ieromonach
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Fenster zum Himmel

Beitrag von Ieromonach » 28.11.2007, 13:11

Friede.
Die Darstellung des Mannes mit weißen Haaren (auch die oben auf dem Kreuz) ist eben aus Dan. 7 .Es ist der "Alte an Tagen". Es zeigt uns den Christos (Messias) den Sohn des Menschen und sein ewiges Reich, es umspannt die Weltgeschichte Gottes bis zum Endgericht.

+P. Theodoros
Um Gott zu lieben muß man sich von sich selbst lossagen, und die Liebe Gottes läßt sich nur als Liebe des Herzens zu Gott wahrnehmen.

prorokini
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Beitrag von prorokini » 28.11.2007, 13:21

administrator hat geschrieben:
prorokini hat geschrieben: Aber mal was anderes: Ist auf der Ikone "Die Gastfreundschaft Abrahams" nicht auch Gott Vater zu sehen?
Nein :!:
:)

Gruß

M.
Kannst Du das erläutern, lieber Admin? (Ich sehe gerade, Du hast das Bild als Avatar?)
Ich habe über die Geschichte aus dem AT schon mehrere Erklärungen gehört. Einmal habe ich gelesen, das war die heiligste Dreifaltigkeit bei Abraham, Vater, Sohn und heiliger Geist; wieder jemand sagte, das war Gott Vater und zwei Engel; wieder jemand sagt, das waren drei Engel. :|

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Avner
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Beitrag von Avner » 28.11.2007, 13:28

Hallo prorokini!

Es waren 3 Engel

LG

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Beitrag von prorokini » 28.11.2007, 13:34

Danke für Deine Antwort, Avner!

protopeter
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Beitrag von protopeter » 28.11.2007, 13:40

Lieber Sebastian !
Sebastian hat geschrieben:Ich kann euch und eure Reaktionen hier im vollen Umfang nachvollziehen ! Als wir vor kurzem in Griechenland waren, fragten wir uns ernsthaft, warum es so viele Kirchneubauten, mit unerlaubten Gottvaterdarstellungen gibt. Liegt auch hier der Grund, wie Vater Theodor zu einem anderen Thema behauptete, in fehlender Bildung örtlicher Geistlicher und Ikonographen (bzw Maler) ? Warum werden die strikten Anordnungen der Konzile zur Darstellung Gottvaters mißachtet? Aus künstlerischem Gutdünken ?
Wie schon des öfteren geschrieben, wurde die Darstellung Gottvaters - und zwar genau mit der von Vater Theodor genannten Begründung - zeitweise gestattet; als Folge verbreitete sich diese an und für sich unkanonische Ikonographie in einem geographisch relativ weiten Raum. Interessant ist auch, daß man die Möglichkeit der bildlichen Darstellung Gottvaters in gewissem Sinne wohl als Konsequenz kirchenrechtlicher oikonomia auffaßte: Zwar gibt es die dogmatische Definition des 7. Ökumenischen Konzils über die Erlaubtheit ikonographischer Darstellungen des Gottmenschen Jesus Christus, der Gottesgebärerin und der Heiligen - doch ist eine Anathematisierung der Abbildung Gottvaters in diesem Kontext ausdrücklich nicht erwähnt. In der byzantinischen Rechtsphilosophie (die ja mithin auch eine der Grundlagen des orthodoxen Kirchenrechtes ist) gibt es die Auffassung: "Alles, was nicht ausdrücklich untersagt ist, kann unter bestimmten Umständen gestattet werden" - es scheint, daß die Ikonographie Gottvaters auf diese Weise unter diese "Interpretationsbreite" fällt - wobei natürlich dies mehr als fragwürdig bleiben muß.

Mit Segenswünschen grüßt herzlich
Erzpr.Peter

rafailia_3
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Beitrag von rafailia_3 » 28.11.2007, 13:42

liebe Mitdiskutierende,

ich weiss bis jetzt, dass es sich um die Dreifaltigkeit handelt, Gott also! Der die Form drei Engel angenommen hat, um bei Abrahham zu erscheinen. Deswegen wird auch diese Ikone in Kirchen "benutzt", wenn man nicht Gott Vater als alten Mann darstellen moechte.

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