"Orthodoxe Modernisten"?

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Petrus
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"Orthodoxe Modernisten"?

Beitrag von Petrus » 29.10.2007, 11:31

Liebe Schwestern und Brüder!

Kennt jemand von Ihnen/Euch diese Gemeinschaft?

http://mypage.bluewin.ch/apc-eur/d_1.htm

Zitate aus der Gründungserklaerung:

"Der orthodoxe Gottesdienst ist zu vereinfachen und vom byzantinischen Prunk zu befreien."

"Der Altarraum ist zwecks weitergehender Teilhabe der Glaeubigen am Gottesdienst zu öffnen."

Einer der Gründer ist der bekannte russische Priester und Politiker Gleb Jakunin.

Geht es hier um eine Art "orthodoxe Modernisten"?

Mit herzlichen Grüssen

Péter

danadoina_3
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Re: "Orthodoxe Modernisten"?

Beitrag von danadoina_3 » 29.10.2007, 12:36

Petrus hat geschrieben:
Geht es hier um eine Art "orthodoxe Modernisten"?
-es geht vielleicht um "modernisten" aber nicht orthodoxe.... :roll:
-soll man darüber lachen ode weinen ???

protopeter
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Beitrag von protopeter » 29.10.2007, 13:30

Lieber Péter !

Die Beantwortung der Frage ist durchaus nicht so einfach: Diese Bewegung entwickelte sich im Zuge der letzten 15 Jahre als eine - zugegebenermaßen fragwürdige - Reaktion auf die Tatsache, daß das Moskauer Patriarchat nach Ansicht einiger Repräsentanten dieser Gruppierung (hier ist an erster Stelle Gleb Jakunin zu nennen) die Möglichkeiten, die sich der Orthodoxen Kirche aus den staatspolitischen Umbrüchen nach Ende des Kommunismus hätten ergeben können, nicht oder nur sehr unzureichend genützt hätte.

Unter anderem wurde von diesen Kreisen immer wieder der Vorwurf gegen das Patriarchat erhoben, man würde der Versuchung der Macht erliegen und - so wie es vor 1917 war - wiederum auf das "staatskirchliche" Prinzip (mit allen Konsequenzen) in Rußland orientiert sein. Im Zuge der daraus entstandenen Differenzen bildete sich eine Art "innerkirchliche Oppositionsgruppe", die genau die in den Statuten dieser Gemeinschaft zusammengefaßten Forderungen deutlich machte.

Bei aller unbestreitbar fragwürdigen Zielsetzung dieser Organisation ist jedoch auch nicht darüber hinwegzugehen, daß einige der zur Diskussion gestellten Forderungen durchaus schon von namhaften Kreisen der Orthodoxen Kirche Rußlands - darunter eben auch seitens des im Text zitierten Kanonisten S. Troickij - erhoben wurden. Dies geschah in den Jahren 1905/1906, als man nach dem (zumindest formellen) Ende der zaristischen Autokratie auf größere Unabhängigkeit der Orthodoxen Kirche gegenüber staatlichen Einmischungen hoffte und gerade auch Teile der Hierarchie gewissen innerkirchlichen Reformen - die natürlich niemals das Wesen des Glaubens an sich in Frage gestellt hätten - durchaus offen gegenüberstanden.

Es ist auch bezeichnend, daß diese Vereinigung unmittelbaren Bezug auf die sogenannte Katakombenkirche nimmt, die während der Verfolgungszeit sich darum bemühte, die Orthodoxie von allen äußeren Einflüssen freizuhalten. Ursprünglich berief sich diese auf einige Hierarchen, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten bis etwa 1927 offen gegen den Sowjetstaat auftraten; während der Verfolgungen unter Stalin entwickelte sie vielfältige Untergrundaktivitäten.

Als nach dem Zweiten Weltkrieg dem Moskauer Patriarchat eine sehr eingeschränkte Wiederaufnahme seines Wirkens ermöglicht (und dazu vor allem auch eine der Staatsmacht loyal verpflichtete Haltung gefordert) wurde, versuchte die Katakombenkirche (zum Teil in kleinsten Kreisen), nach ihrem Selbstverständnis die "wahre, authentische Orthodoxie" zu erhalten. Bis heute ist nicht mit letzter Sicherheit geklärt, wie sich diese Strukturen in der Zeit zwischen 1945 und dem Ende der kommunistischen Diktatur genau entfalteten - die Angaben darüber sind sehr unterschiedlich.

In jedem Fall sind die Fragen, die sich aus der Existenz der sogenannten "Apostolischen Orthodoxen Kirche" ergeben, durchaus ernstzunehmen; gerade wenn man die Geschichte des russischen religiösen Sektenwesens betrachtet, ist festzustellen, daß die Entstehung dieser Sondergemeinschaften oftmals als ein Versuch zur Anmahnung von Reformen gelten sollten - und bei genereller Zurückweisung eben ein vollkommen partikulärer Irrweg daraus resultierte.

In der Liebe Unseres Herrn grüßt
Erzpr. Peter

Petrus
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Beitrag von Petrus » 29.10.2007, 14:22

Lieber Vater Peter,

vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Mit herzlichen Grüssen

Péter

stefan1800
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Beitrag von stefan1800 » 29.10.2007, 14:23

Lieber Vater Peter !

Ihre Antwort ist mir trotzdem unverständlich: Gerade die Strukturen der "Katakombenkirche" hätten doch Intresse an einer Authentizität der Orthodoxie haben müssen, statt modernistisch zu werden ?
Ich verstehe nicht ganz.

LG, Stefan

protopeter
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Beitrag von protopeter » 29.10.2007, 14:59

Lieber Stefan !

Um Mißverständnissen vorzubeugen - die im Text vorkommende Bezugnahme hat nun nichts mit einer Gleichwertung dieser Gruppierung und der Katakombenkirche zu tun; hier geht es eher darum, daß diese ihre geistige Legitimation selbst aus der Existenz der Katakombenkirche ableitet - um so zu untermauern, daß die "Apostolische Orthodoxe Kirche" vorgeblich der rechtgläubigen Überlieferung treu blieb (alles im Gegensatz zum Moskauer Patriarchat, das sich nach deren Ansicht dem Diktat des Sowjetstaates beugte und auch jetzt eher dazu geneigt sei, den "Weg des geringsten Widerstandes" zu beschreiten).

Mit Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter

IoannesProselytos
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Beitrag von IoannesProselytos » 29.10.2007, 16:30

Mir gefallen die Bilder auf der Homepage gar nicht - sieht irgendwie nicht gerade sehr orthodox aus, solche Dinge wie Handkommunion etc. oder solche Forderungen wie "den Altarraum für alle zu öffnen".
Ich hoffe, der Fehler wird von der Orth. Kirche nicht begangen, den die Kath. Kirche gemacht hat: Liturgischen (und pastoralen) Experimenten Tür und Tor zu öffnen ...

holzi
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Beitrag von holzi » 29.10.2007, 16:36

IoannesProselytos hat geschrieben:Ich hoffe, der Fehler wird von der Orth. Kirche nicht begangen, den die Kath. Kirche gemacht hat: Liturgischen (und pastoralen) Experimenten Tür und Tor zu öffnen ...
Hallo,

andererseits sollte auch der andere große Fehler der römischen Kirche nicht wiederholt werden - Vater Peter hat das ja bereits angedeutet - nämlich, evtl. berechtigte Anliegen und Aufrufe zu Reformen gänzlich zu ignorieren. Luther hatte ja seinerzeit einige Misstände angeklagt, die 50 Jahre später auch tatsächlich im Konzil von Trient angegangen wurden, da lag das Kindlein Reformation aber schon längst im Brunnen. (ich weiss, nicht alles was hinkt ist auch ein Vergleich ;) )

Grüße
Konrad

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Beitrag von IoannesProselytos » 29.10.2007, 17:20

Aber Handkommunion und u. ä. ist wohl eher reformbedürftig ... Reformen, die selbst reformiert gehören, das is' halt ... ja ...

Es erst gar nicht notwendig zu haben, reformiert zu werden, erachte ich für wesentlich besser, wie z. B. in der Röm.-Kath. Kirche, die Kartäuser ... (Cartusia numquam reformata, quia numquam deformata)

Ieromonach
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Orthodoxe Kirche

Beitrag von Ieromonach » 29.10.2007, 17:56

Erneuerer, weiter nichts. Diese haben auch schon in den zwanziger Jahren der Kirche gschadet . Eine Sekte. + P. Theodoros
Um Gott zu lieben muß man sich von sich selbst lossagen, und die Liebe Gottes läßt sich nur als Liebe des Herzens zu Gott wahrnehmen.

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Beitrag von IoannesProselytos » 29.10.2007, 18:35

Erneuerer, weiter nichts. Diese haben auch schon in den zwanziger Jahren der Kirche gschadet . Eine Sekte. + P. Theodoros
So kommt's mir auch vor ...

Milo
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Beitrag von Milo » 29.10.2007, 20:59

Guten Abend.

Ich schließe mich P. Theodoros auch an. Es hat einen Sektencharakter. Allein schon die Darlegung man würde im Jahr 2000 die , mir nichts dir nichts, die wahre "Apostolische Orthodoxe Kirche" gründen, spricht Bände :!:

Und wenn wir hier schon Überlegungen anstrengen manche Dinge und Sachverhalte in der Orthodoxie wieder ins Licht zu rücken, dann darf man auf gar keinen Fall von Reformation sprechen. Es ist "nur" die Rückkehr zu dem was man evtl. verlassen hat. Höchtens kann dies als Restauration deklariert werden. Jedoch betrifft es nie die Orthodoxie an sich im Ganzen, sondern nur einzelne Gebiete und Traditionen.


Übrigens, hier eine schöne plastische darstellung was die OK über die Jahrhunderte als die eine und einzige Kirche ausmacht:

www.antiochian.org/assets/asset.php?type=image&id=3801

Herzliche Grüße!

Milo

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Beitrag von protopeter » 30.10.2007, 15:37

Lieber Br. Milo !
Und wenn wir hier schon Überlegungen anstrengen manche Dinge und Sachverhalte in der Orthodoxie wieder ins Licht zu rücken, dann darf man auf gar keinen Fall von Reformation sprechen. Es ist "nur" die Rückkehr zu dem was man evtl. verlassen hat. Höchtens kann dies als Restauration deklariert werden. Jedoch betrifft es nie die Orthodoxie an sich im Ganzen, sondern nur einzelne Gebiete und Traditionen.
Volle Zustimmung zu dieser Aussage; sämtliche diesbezügliche Unternehmungen - inklusive der von mir erwähnte Ansatz von 1905/1906 - sind unter diesem Gesichtspunkt zu sehen.

Brüderliche Grüße sendet
Erzpr. Peter

danadoina_3
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Beitrag von danadoina_3 » 30.10.2007, 17:22

administrator hat geschrieben:

Übrigens, hier eine schöne plastische darstellung was die OK über die Jahrhunderte als die eine und einzige Kirche ausmacht:

www.antiochian.org/assets/asset.php?type=image&id=3801

Herzliche Grüße!

Milo


danke sehr dafür ! :D

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