Orthodoxie in Amerika / Nord wie Süd

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Sebastian
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Orthodoxie in Amerika / Nord wie Süd

Beitrag von Sebastian » 29.01.2007, 22:50

Guten Abend !

Kurzes Anliegen.

Kann mir vielleicht jemand helfen ein wenig besser die Verhältnisse der einen Orthodoxen Kirche in den USA und Kanada zu verstehen.

Bei Überfliegen mehrerer Internetseiten fiel mir auf, dass es anscheinend mehrere Lokalkirchen vor Ort gibt, die alle den Titel "Orthodox Church of USA (+ Canada)" ( oder "Northamerica") tragen. Eine dieser Ortskirchen wurde anscheinend mit dem Segen des Moskaue Patriarcharts. gestiftet, eine andere trägt teilweise die Bezeichnung "Greek" im Namen "Orthodox Church of America".

Hmm... OCIC ... blicke nicht durch...

Vielleicht könnte jemand auch etwas über die Zustände der OK in Südameika schreiben.

Liebe Grüsse
Sebastian

holzi
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Re: Orthodoxie in Amerika / Nord wie Süd

Beitrag von holzi » 30.01.2007, 09:07

Sebastian hat geschrieben:Vielleicht könnte jemand auch etwas über die Zustände der OK in Südamerika schreiben.
Hallo,

es gibt die Site http://www.ecclesia.com.br wo zumindest die Orthodoxen Kirchen in Brasilien beschrieben ist. (Hat übrigens eine recht umfangreiche patristische Literaturauswahl! - auf Portugiesisch und teilweise auch Spanisch). Von der Liste der Pfarreien her fällt auf, daß in Brasilien ein auffallend hoher Anteil an Pfarreien der Kirche von Antiochien im Bundesstaat Sao Paulo besteht. Auch die Pfarreien der Ukrainisch-autokephalen Kirche (Ökum. Patriarchat) sind besonders im Süden des Landes verhältnismäßig zahlreich. Dies hängt mit der Einwanderungsgeschichte zusammen. Gerade in Sao Paulo leben heutzutage schon fast so viele christliche Libanesen und Syrer wie in Libanon und Syrien zusammen! Diese kamen, zusammen mit nochmal ebenso vielen römisch-unierten Maroniten um 1900 nach Brasilien und auch Ecuador und Kolumbien (z.B. die Sängerin Shakira ist syrisch-stämmig!), um den Christenverfolgungen im zerfallenden osmaischen Reich zu entgehen. Daher heissen diese Orientalen in Südamerika nach wie vor "Turcos", ohne jetzt Türken im ethnischen Sinn zu sein.

Für weitere detaillierte Rückfragen, auch zu Übersetzungen aus Portugiesisch und Spanisch stehe ich gerne zur Verfügung, aber jetzt ruft die Arbeit und ich kann sie nicht länger schreien lassen!

Grüße
Konrad

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Sebastian
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Re: Orthodoxie in Amerika / Nord wie Süd

Beitrag von Sebastian » 30.01.2007, 15:39

holzi hat geschrieben:
Sebastian hat geschrieben:Vielleicht könnte jemand auch etwas über die Zustände der OK in Südamerika schreiben.
Hallo,

es gibt die Site http://www.ecclesia.com.br wo zumindest die Orthodoxen Kirchen in Brasilien beschrieben ist.
Bild

Lieber Konrad !

vielen Dank für diesen äusserst interessanten Link ! Ich verstehe zwar nur Bruchteile (durch ein wenig Spanischkenntnisse), aber die Bilder sind teilweise sehr beeindruckend.

Freue mich auf weitere Stimmen und Erklärungen.

Euer
Sebastian

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Beitrag von protopeter » 01.02.2007, 00:26

Lieber Sebastian !

Das von Dir zur Diskussion gestellte Thema ist äußerst interessant, allerdings - wie die schon erstellten Beiträge zeigen - nicht mit einem Wort abzuhandeln. Zum guten Anfang gestatte ich mir daher einige Literaturhinweise, die vor allem die Entwicklung der Orthodoxen Kirche in Nordamerika gut zur Darstellung bringen:

M. Stokoe/L. Kishkovsky, Orthodox Christians in North America, Washington 1995

J.H. Erickson, Orthodox Christians in North America, Oxford 1999

A. Bogolepov, Toward an American Orthodox Church, Crestwood NY 2001

G.C. Michalopoulos/H. Ham, The American Orthodox Church. A History of Its Beginnings, Salisbury MA 2003

Demnächst folgt Weiteres zum Thema !

Brüderliche Grüße und Segenswünsche sendet
Erzpr. Peter

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Beitrag von holzi » 01.02.2007, 13:05

Hallo,

hier nochmal ein Link zu einem Artikel aus 30giorni: http://www.30giorni.it/te/articolo.asp?id=12100
Darin werden nocheinmal die von mir oben erwähnten Einwanderungsbewegungen der Syrischen und Libanesischen Christen nach Brasilien skizziert. Es steht aber auch drin, dass die meisten der orthodoxen Einwanderer aus dem Orient im Laufe der Zeit von der katholischen Kirche assimiliert wurden und eben nur in den großen Handelszentren wie São Paulo ihre eigene geistliche Infrastruktur bewahren konnten.

Ich muss wieder an die Arbeit,
Mahlzeit!
Konrad

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Orthodoxe Kirche in Nordamerika - einige Anmerkungen

Beitrag von protopeter » 01.02.2007, 16:10

Liebe interessierte Diskussionsteilnehmer !

An dieser Stelle möchte ich versuchen, einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Orthodoxen Kirche auf dem nordamerikanischen Kontinent, wo sie mit Kirchenstrukturen seit dem Jahre 1794 präsent ist, zu geben. Um Klarheit über die gegenwärtigen kirchlichen Verhältnisse zu erhalten, sollte zunächst einmal ein Blick auf die vorhandenen Jurisdiktionen geworfen werden; diese sind:

1. Erzdiözese des Ökumenischen Patriarchates (inklusive einer mit halbautonomem Status ausgestatteten ukrainischen Synode und einer karpatorussischen Diözese)

2. Erzdiözese des antiochenischen Patriarchates mit innerer Autonomie (dazu gehören auch einige Dutzend Gemeinden, die als "westlich-orthodox" nach abendländischer Tradition ausgerichtet sind)

3. Exarchat des Moskauer Patriarchates

4. Metropolie und einige Diözesen der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland

5. Metropolie und mehrere Diözesen in Gemeinschaft mit dem Patriarchat von Serbien

6. Metropolie des bulgarischen Patriarchates

7. OCA (Orthodox Church in America), die ehemalige "amerikanische Metropolie" des Moskauer Patriarchates; sie erhielt im Jahre 1970 die (einigermaßen umstrittene und von Konstantinopel bis heute nicht anerkannte) Autokephalie. Diese Kirche sollte eigentlich als "amerikanische Lösung" gelten und sämtliche orthodoxe Traditionen in sich aufnehmen; gleichwohl in der Mehrzahl der Gemeinden Englisch als gottesdienstliche Sprache Verwendung findet, sind dieser Jurisdiktion auch albanische, bulgarische und rumänische Gemeinden (mit jeweils eigenen Bischöfen) eingegliedert - zudem gehört der Kirche auch eine Diözese in Mexiko (im Exarchatsrang), die von einheimischen Klerikern betreut wird, an

8. darüberhinaus bestehen auch (unkanonische) Jurisdiktionen diverser Altkalendarier, ukrainischer Autokephalisten und der kanonisch nicht anerkannten Makedonischen Orthodoxen Kirche


Zunächst wurde die Orthodoxe Kirche Nordamerikas seit ihrer Gründung Ende des 18. Jahrhunderts - die ersten Niederlassungen fanden sich in Alaska und sind mit dem Wirken des Hl. German (+ 1837) und des Hl. Innokentij (+ 1879; der erste orthodoxe Bischof auf dem amerikanischen Kontinent, späterhin Metropolit von Moskau) eng verbunden - seitens der russischen Orthodoxie betreut und entwickelt. So ergab es sich, daß Laufe des 19. Jahrhunderts sämtliche orthodoxe Geistliche und Gemeinden - ungeachtet ihres ethnischen Hintergrundes - von der russischen Synode verwaltet wurden, gleichzeitig jedoch ihre innere Eigenständigkeit bewahren konnten.

Einen wesentlichen Beitrag zur Verselbständigung einer amerikanischen Orthodoxie leistete der zwischen 1898 und 1907 wirkende Erzbischof Tichon (1917-1925 Patriarch von Moskau; als Bekenner kanonisiert). Nach seinen Vorstellungen sollte möglichst rasch eine eigenständige (autonom oder autokephal strukturierte) Orthodoxe Kirche ins Leben gerufen werden - alleine, die veränderte politische Situation Rußlands nach dem Ersten Weltkrieg machte die Verwirklichung dieser Pläne im Wesentlichen zunichte. Stattdessen folgte eine nahezu fünf Jahrzehnte dauernde Periode, die durch Entstehung und Entwicklung "national" begründeter Kirchenstrukturen gekennzeichnet war - die obengenannten diversen Jurisdiktionen sind dafür ein klarer Beweis.

Nach 1945 entwickelte sich in der damals in Gemeinschaft mit dem Moskauer Patriarchat stehenden, doch mit innerer Autonomie ausgestatteten "Metropolie von ganz Amerika und Kanada" eine deutliche Tendenz zu vollkommener Selbständigkeit - dies wurde unter anderem auch durch die politische Situation des Kalten Krieges zusätzlich gefördert: Die Kirche wollte nicht im Ruf stehen, wegen ihres "russischen" Hintergrundes als potentieller Unterstützer der sowjetkommunistischen Politik zu gelten - solche Verdächtigungen gab es zur damaligen Zeit nicht selten ! So wurde in den sechziger Jahren die Frage der Autokephalie diskutiert; schließlich verlieh sie das Moskauer Patriarchat im Juni 1970 der nordamerikanischen Lokalkirche, die sich von da an "Orthodox Church in America" nannte.

Doch gab es infolge dieser Entwicklungen auch Widerstände: Zwei Jahre nach den genannten Ereignissen erklärte das Ökumenische Patriarchat den Schritt für unkanonisch, da es sich bei der Frage der Autokephalieverleihung übergangen fühlte. Diese internen Konflikte sind zwar heute im Wesentlichen entschärft, doch scheint der Weg zu einer - ursprünglich intendierten - amerikanischen Gesamtjurisdiktion noch weit zu sein; ein erster Schritt dazu ist die immerhin schon seit 1960 bestehende gemeinsame Kommission der kanonischen Jurisdiktionen.

In der Hoffnung, fürs erste nicht allzusehr verwirrt zu haben, grüßt in der Liebe Christi,

Erzpr. Peter

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Beitrag von holzi » 03.02.2007, 16:06

Liebe Freunde,

zu der von Erzpriester Peter eingestellten Nachricht passt auch folgende Meldung von Radio Vatikan:
USA: Orthodoxe im Aufwind
Die russisch-orthodoxe Kirche ist die am raschesten wachsende christliche Kirche in den USA. Die mit dem Moskauer Patriarchat verbundenen "Orthodox Church in America" (OCA) zählt nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur Kathpress heute eine Million Gläubige. Die OCA geht auf die Missionstätigkeit der russisch-orthodoxen Kirche zurück. Nach der bolschewistischen Machtergreifung in Russland war die amerikanische Orthodoxie zunehmend auf sich selbst gestellt. 1970 gewährte das Moskauer Patriarchat seinen amerikanischen Kirchengebieten als "Orthodox Church in America" die Autokephalie (Selbständigkeit). Diese Maßnahme wurde aber von den anderen orthodoxen Kirchen bisher nicht anerkannt.
(kap 03.02.07 mc)
Quelle: http://www.oecumene.radiovaticana.org/t ... p?c=115974

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Sebastian
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Re: Orthodoxe Kirche in Nordamerika - einige Anmerkungen

Beitrag von Sebastian » 05.07.2007, 21:36

Hallo V. Peter!
protopeter hat geschrieben: 2. Erzdiözese des antiochenischen Patriarchates mit innerer Autonomie (dazu gehören auch einige Dutzend Gemeinden, die als "westlich-orthodox" nach abendländischer Tradition ausgerichtet sind)
Kennst Du auf Anhieb eine Gemeinde, die nach abendländisch - orthodoxen Ritus zelebriert? Wenn ja, bitte eingeben und weitersagen :wink: . Vielleicht auch mit Fotos? Schließlich sind wir Orthodoxe allen voran "Schauende" 8) ...

Schöne Grüße

protopeter
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Beitrag von protopeter » 06.07.2007, 11:55

Hallo Sebastian !

Geh mal auf diesen Link:

http://www.westernorthodox.com/directory

dort sind Adressen von etwa 20 westlich-orthodoxen Gemeinden verzeichnet; gleichwohl gesagt wird, daß es sich hier um eine vollständige Auflistung handle, sind allerdings nicht alle heute bestehenden Gemeinden inkludiert.

Brüderliche Grüße von
Erzpr. Peter

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Beitrag von Sebastian » 07.07.2007, 01:30

Bild
I will go unto the altar of God: Even unto the God of my joy and gladness. (Aus der Göttlichen Liturgie)

Liebe Väter, Schwestern, Brüdern und Interessierte!

Ich habe zum (Unter-)Thema "Westlich - Orthodoxer Ritus in Nordamerika" Dank Verlinkung von V. Peter eine kleine Bilder und Literatursuche vorgenommen und bin dabei auf für mich höchst Interessantes gestossen.

Die Gemeinde St. Mark finde ich gleich aus mehreren Gründen interessant: Bild

Auf den ersten Blick scheint es sich in diesem Kirchengebäude um einen Mix aus anglikanischen und byzantinischen Elementen zu handeln. Etwas verwirrend: Das Fahnengewirr, dass wohl auf anglo - amerikanischen Ursprung zurückgeführt werden kann. Ebenso für mich "neu": Die Liedertafel ganz rechts und die in den Kirchenbankablagen befindlichen Gesangsbücher: Ist es im westlichen Ritus üblich aus Gesangsbüchern zu Singen? Nicht das dies etwas Schlechtes sei (die Texte stimmen wohl mit der unverfälschten, orthodoxen Überlieferung überein), aber es ist ungewohnt :)

Die Kirchenausmalung der St. Columba Church ist auch interessant. Der thronende Heiland samt der Engelschaar erinnert mich, im Stil und in der Farbwahl, an "moderne" koptisch/afrikanische Ikonographie.

Die Fotogallerie der St. Andrew the Apostle Gemeinde finde ich ebenfalls spannend! Weiss jemand, warum am Palmsonntag alle Ikonen und Kreuze mit violetten Tüchern verdeckt werden?

Bild

Die Gemeinde St. Paul hat ein schönes Video gemacht. Ansehnlich und bemerkenswert welche Akzentuierung die hier oft beschriebene "Einheit in Vielfalt" durch die Sprecher erfährt.

Interessant auch die Ausführungen des Bischofs Basil zum Thema Westlicher Ritus. Darin bezieht der Bischof ausdrücklich Stellung und macht deutilch, dass der westliche Ritus innerhab seiner Jurisdiktion keine Verwischung zu nichtorthodoxen, westlichen Bekenntnissen darstellt:
Bischof Basil hat geschrieben:Bild

Orthodox who are of the Byzantine Rite know that the way one worships is not a proof of anything. We have been in churches, and some of us have relatives who attend these churches, that look like ours, and they smell like ours, and if you would go to communion it would probably taste like ours. When you eat the holy bread it tastes like ours. The music sounds like our music. The accents that the people have are the same accents that we have, but it?s not the Church.
---
Hier noch ein paar Impressionen zum Abschluß. Gute Nacht :wink:

Gemeinde der Hl. Dreieinigkeit

Bild

Bild

Bild
Bischof Thomas und die Kinder

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Beitrag von protopeter » 07.07.2007, 13:58

Lieber Sebastian !

Zunächst einmal freue ich mich über den offensichtlichen Enthusiasmus, der Deinen Nachforschungen zugrunde liegt; ich möchte auch versuchen, auf einige offene Fragen Deinerseits zu antworten.
Ist es im westlichen Ritus üblich aus Gesangsbüchern zu Singen?
Als die Gemeinden abendländischer Tradition in der Jurisdiktion des antiochenischen Patriarchats eingerichtet wurden, bemühte man sich, auch Volksgesang miteinzubeziehen; wie Du richtig sagst, entsprechen die Texte der kanonischen Überlieferung. In anderen "westlichen" Gemeinden, etwa jenen, die der (ehemaligen) ROKA in Australien angehören, blieb man nach wie vor beim Chorgesang.

Weiss jemand, warum am Palmsonntag alle Ikonen und Kreuze mit violetten Tüchern verdeckt werden?
Hier wurde offensichtlich der im römischen Ritus übliche - spätestens seit dem 12. Jahrhundert nachgewiesene - Brauch übernommen, während der Großen Woche (Karwoche) das Kreuz (analog dazu eben auch die Ikonen) zu verhüllen. Als Begründung dieses Tuns gilt in der Tradition die allegorische Interpretation der Schriftstelle Jo 8,59 - das "Verbergen" von Christi Göttlichkeit in der Zeit des Leidens.


Für weitere Informationen - auch bezüglich gottesdienstlicher Texte - sei dieser Link empfohlen:

http://www.stmichaelwhittier.org/

Herzliche Grüße und Segenswünsche sendet
Erzpr. Peter

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Beitrag von Sebastian » 07.07.2007, 20:46

Lieber Vater Peter!
Sebastian hat geschrieben:
Die Gemeinde St. Paul hat ein schönes Video gemacht. Ansehnlich und bemerkenswert welche Akzentuierung die hier oft beschriebene "Einheit in Vielfalt" durch die Sprecher erfährt.
Als Aleksandra und ich uns heute das Video ansahen, kam bei einer Szene eine Frage auf: Bei der Eucharistieszene fiel uns auf, das die Heiligen Gaben, der Leib und das Blut Christi, seperat (Oblate & Kelch) an die Gläubigen verteilt wird. Wurde diese Form der Kommunionsausteilung schon in den ersten Jahren der Kirche bezeugt, sprich ist sie im gleichen Maße am Ursprung, wie die östliche?

Gruß!
Sebastian

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Beitrag von Walter » 07.07.2007, 21:37

Sebastian hat geschrieben:Wurde diese Form der Kommunionsausteilung schon in den ersten Jahren der Kirche bezeugt, sprich ist sie im gleichen Maße am Ursprung, wie die östliche?
Ich habe gar nicht gesehen, dass den Gläubigen auch der Kelch gereicht wurde, sondern nur die Hostie vom Priester direkt in den Mund gelegt, wie auch in der römischen Kirche seit dem Mittelalter üblich ist. Diese Form ist aber genauso wenig ursprünglich wie unsere Kommunion mit dem Löffel, die es zudem m.W. im Westen nie gab.

In den ersten Jahrhunderten haben wohl im Osten wie im Westen sowohl Priester als auch Laien den Leib Christi auf die Hand gelegt und anschließend den Kelch gereicht bekommen, so wie es heute auch in einigen röm.-katholischen und in den meisten protestantischen Gemeinden wieder üblich ist. Der Löffel wurde in der byzantinischen Kirche zuerst nur für Kleinkinder und Kranke zu Hilfe genommen, hat aber auch bei Erwachsenen den Vorteil, dass nichts vom Leib und Blut Christi verloren gehen kann.

LG
Walter
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Beitrag von protopeter » 07.07.2007, 22:54

Lieber Sebastian, lieber Walter !

Die genannte Form der Eucharistiespendung geht tatsächlich auf die frühkirchliche Praxis zurück und ist überdies heute noch in den altorientalischen Traditionen der Armenier, Kopten und Syrer durchaus üblich. In sämtlichen abendländisch-orthodoxen liturgischen Überlieferungen (darunter römischer, ambrosianischer, gallikanischer oder mozarabischer Ritus) wurde die Kommunionspendung auf eben dieselbe oder ähnliche Weise vollzogen.

Herzliche Grüße von
Erzpr.Peter

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Beitrag von Sebastian » 08.07.2007, 10:37

Lieber Walter, lieber Vater Peter !

Habt vielen Dank für die Antworten! Orthodoxe Gemeinden mit westlichen Ritus sind eine Besonderheit und daher im Rahmen einer Beleuchtung der Gegebenheiten unserer Kirche im (nord)amerikanischen Raum wichtig. Persönlich freue ich mich über die Entwicklung hinsichtlich des Wiederauflebens westlicher orthodoxer Riten, bin aber selber im byzantinischem Ritus zu Hause. Im Westen denke ich , sollten daher sowohl der byzantinisch östliche als auch der westliche Ritus ihre Berechtigungn haben. Es ist schön und ein Zeichen von Vielfalt, wenn es den Gläubigen ermöglicht wird zu wählen welchen Ritus man annehmen möchte, immer im Bewusstsein das man sich (egal welcher Ritus) im Leib Christi befindet.

Grüße vom erkälteten
Seb.

Ps: @ Walter und Interessierte. Im Eucharistiethread noch eine Frage bezüglich des Kommunionsempfanges

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