Welche apostolische Zeugnisse sind authentisch?

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Milo
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Welche apostolische Zeugnisse sind authentisch?

Beitragvon Milo » 15.09.2006, 21:42

Ehre sie Vater , Sohn und Hl. Geist!

Grüß Gott miteinander.

Wie ihr sicher wisst, es gibt da ein paar Dokumente, welche die heilige Lehre /Überlieferung der lob- und ehrwürdigen Apostel, bezeugen sollen.
Die heilige, katholische und apostolische Kirche hat diese entsprechend anerkannt und bestätigt, bzw. stützt sich auch auf diese.
Bekannteste sind wohl:
-Didache
-Apostelische Kanones
-Apostolischen Tradition
(des Hl. Hippolyt von Rom)
-Apostolischen Konstitutionen

Intersesant ist jedoch das von den aufgeführten eins ausdrücklich von einem heiligen ökumenischem Konzil verworfen wird als häretisches und verfälschtes Werk.
Nämlich die Apostolischen Konstitutionen hat das 5-6 ökumenische Konzil von Trulllo (692) in seinem 2. Kanon, so wie es heißt "mit Grund verworfen, nicht zulassend das diese der reinen und vollkomenen Lehre der Apostel hinzugefügt werden".

Stellt sich die Frage nun, darf man sich dennoch auf so ein Dokument stützen? Aus meiner Sicht, meine ich nein.
Einfach deshalb schon, da in der orthodoxen Kirche die Entscheidungen der versammelten Väter einen heiligen, also für den rechten Glauben bindenden Charakter haben. Nicht weil sie (Väter) die Autorität haben, sondern weil der Heilige Geist der Hüter der Wahrheit ist, bzw. Er selbst ist der Geist der Wahrheit (Joh 14.16-17). Er bleibt in der Gemeinschaft derer welche die offenbarte Wahrheit wiederum nicht verlassen (vernachlässigen).

Wie sagte Johannes der Theologe:
1.Joh 4.6 Wir sind von Gott, und wer Gott erkennt, der hört uns; wer nicht von Gott ist, der hört uns nicht. Daran erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.

Will heißen, es muss sich alles rückwirkend stützen auf die apostolische Überlieferung, da sich jene selbst auf den Erlöser unser stützen - auf niemanden sonst!
Die schriftliche Überlieferung ist immer eine Folge von lebendiger mündlicher Überlieferung. Die Hl. Überlieferung besteht kontinuierlich in der lebendigen aber kontinuierlichen, einen Gemeinschaft - der orthodoxen Kirche. In ihr wird alles was das Glaubensdogma betrifft, geprüft und gemessen, da sie selbst den Auftrag des HErrn dafür bekommen hat (Mt 28.20).
Nicht anderes hat das Konzil in Trullo, der heiligen Nachfolger der Apostel, getan.
Wie seht ihr das?

Euer nichtnütziger br. milo

protopeter
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Beitragvon protopeter » 15.09.2006, 23:28

Lieber Br. Milo !

In die Frage der Überlieferung und Kontinuität, die als eine Koryphäe der Rechtgläubigkeit der Hl. Irenäus von Lyon durch den Traditionsbegriff zum Ausdruck bringt, werden zuallererst die dogmatischen Wahrheiten der Theologie (Gotteslehre im eigentlichen Wortsinn) und der Heilsökonomie mit eingebracht; sie haben Offenbarungscharakter und sind auf diese Weise als absolut zu sehen.

Nun scheint die Behandlung kirchenrechtlicher Vorgaben - und dabei handelt es sich bei den von Ihnen genannten Schriften wohl - jedoch nicht unbedingt den vollkommen identen Maßgaben entsprechen zu können; hier ist unter anderem die Frage der Interpretation (zum wiederholten Male: "akribeia" und "oikonomia" !) nicht unerheblich, zudem gab es im Lauf der Zeit gewisse Nuancierungen, die für sich gesehen allerdings der allgemein erfaßten Autorität dieses Schrifttums keinen substantiellen Schaden zufügte.

Das Konzil "im Trullo" 692 verurteilt die sogenannten "Apostolischen Konstitutionen" in dem Maße als sie - wie Sie schon sagten - nicht als von den Aposteln selbst verfaßte, (historisch) authentische Zeugnisse gelten konnten; es ist indessen vorauszusetzen, daß dieses Regelwerk etwa um das Jahr 400 entstand - ein Zweck mochte wohl sein, gewisse kontinuierliche Entwicklungen mit entsprechender Autorität abzustützen. Dennoch ist nicht zu bestreiten, daß die "Apostolischen Konstitutionen" vor (und zum Teil auch noch nach) dem Trullanum einen nicht unbeträchtlichen Einfluß auf die kirchliche Praxis ausübten - ohne daß jedoch dadurch häretische Bewegungen Nahrung erhalten hätten.

Was nun die nach chronologischen Maßstäben berechtigte Authentizität anbelangt, so ist unbestritten die "Didaché (ton dodeka Apostolon)" (="Zwölfapostellehre") von besonderer Autorität: Ihre Niederschrift dürfte zu Ende des 1. Jahrhunderts erfolgt sein; in ihr sind die Grundlagen des christlichen Lebens vorgezeichnet, sie reflektiert darüberhinaus gewisse Praktiken des kirchlichen Lebens (darunter Taufe oder eucharistische Synaxis), wie sie in ihrem Wesensinhalt bis heute überliefert und erhalten geblieben sind.

In der Liebe Christi grüßt
Erzpr.Peter

Milo
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Beitragvon Milo » 16.09.2006, 00:27

Lieber v. Peter,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre "Muse zur späten Stund' "
:)

Gedenken Sie meiner morgen.

ihr schüler milo

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Sebastian
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Beitragvon Sebastian » 11.12.2007, 11:44

Lieber Milo, Ihr Lieben alle !

Zur Zeit beschäftige ich mich mit dem Didache. Dabei fiel mir eine Stelle besonders auf:

Didache, Die Zwei-Wege-Lehre (Kap. 1-6) hat geschrieben:3.(...)
[Sectio Evangelica (1,3b - 2,1): evtl. aus einer alten Logienquelle, ähnlich Q. Relativ alte Überlieferung.]
Segnet die, die euch verfluchen, und betet für eure Feinde; fastet aber für die, die euch verfolgen. Denn welche Gunst (habt ihr), wenn ihr (nur) die liebt, die euch lieben? Tun das nicht auch die Heiden? Ihr aber: Liebt die, die euch hassen, und ihr werdet keinen Feind haben


Die zu segnen, die einen verfluchen - verstanden (meine ich jedenfalls) ! Beten für die Feinde o.k. ! Was bedeutet bzw. was bewirkt es jedoch konkret für seine Verfolger zu fasten ? Sollte man das Fasten hier nicht seperat betrachten, sondern nur im Kontext des Gebets (der Fürbitte), oder besiege ich etwa indem ich meine Leidenschaften bekämpfe auch gleichzeitig die meines Verfolgers ? Besonders verwundert hat mich dieser Satz, da man oft hört: "Du fastest nicht für andere" (also im pharisäerischen Sinne) ... Nun hat dies alles mit der Liebe, speziell der Feindesliebe zu tun, doch ich kann es nicht richtig verstehen - helft mir doch bitte mal beim einordnen ;-)

Gespannt auf Eure Gedanken hierzu grüsst aus dem verregnetem Norden Deutschlands - Sebastian

holzi
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Beitragvon holzi » 11.12.2007, 11:57

Hallo Sebastian,

ich verstehe das so, dass durch das Fasten auch für die Verfolger unsere Leidenschaften und unser Hass abgetötet werden sollten, also als echt aszetische Übung.

Grüße aus dem mindestens genau so verregneten Süden
Konrad

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Beitragvon rafailia_3 » 11.12.2007, 12:12

LIeber Sebastian,

die Liebe fuer unsere Feinde ist natuerlich ein charakteristisches Merkmal eines wahren Christen. Die Liebe kann auch durch das Gebet fuer unsere Feinde ausgedrueckt werden. Das Gebet kann mit dem Fasten verstaerkt und unterstuetzt werden. All diese Taten finden natuerlich im Geheimen statt.

Evlogite

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Sebastian
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Beitragvon Sebastian » 11.12.2007, 12:37

:D

Liebe Alexia, evlogite !

Das Gebet kann mit dem Fasten verstaerkt und unterstuetzt werden


D.h. das das Fasten hier nur in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Gebet betrachtet werden kann !?

Lieber Konrad,

ich verstehe das so, dass durch das Fasten auch für die Verfolger unsere Leidenschaften und unser Hass abgetötet werden sollten, also als echt aszetische Übung.


Wie faste ich für Verfolger? Oder soll ich Dich simpel so verstehen, dass durch das Fasten unser Hass gegenüber unseren Feinde abgetötet wird und die Liebe in einem zunimmt ? Dies wäre in der Tat eine gute Erläuterung.

Entschuldigt mich Euch mit einer solch trivialen Frage zu belästigen, aber für mich war dies etwas undeutlich. Danke für Eure Mühe

rafailia_3
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Beitragvon rafailia_3 » 11.12.2007, 12:43

Lieber Sebastian,

Das Fasten ist ja soundso mit dem Gebet verbunden, ausserdem ich glaube beide Erklaerungen treffen zu, auch Konrads Erklaerung ist sehr schoen und richtig.
Ich glaube, diese Frauge und dieses Thema sind gar nicht trivial, wir sollten uns alle besinnen und auf diese wunderschoene Art handeln, wie Jesus Christus es uns zeigt.
Danke, dass Du uns an diese schoene Bibelstelle erinnert hast.

EN CHristo


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