Altar und Weihrauch

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Sebastian
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Altar und Weihrauch

Beitrag von Sebastian » 16.08.2006, 19:18

Grüß Gott in die Runde, die nicht vom "Sommerloch" erfasst wurde! :D

Seit Längerem stelle ich mir die Frage, was das Beweihräuchern des Altares für eine Bedeutung hat!?

Ich stelle immer einen Bezug zu Weihnachten her, als dem Sohn Gottes als Geschenk Weihrauch dargebracht wurde. Nun, der Altar soll den Leib Christi darstellen, wahrscheinlich stelle ich deswegen den Bezug zur Gabendarbringung her, aber liege ich mit der Vermutung richtig, oder gibt es eine andere, präzisere Bedeutung? Warum wird der Altar beweihräuchert?

eine diletantische Frage, ich weiss... :oops:

Dank im Vorraus für die Antworten!

Sebastian

protopeter
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Beitrag von protopeter » 17.08.2006, 10:26

Lieber Sebastian !

Die Beweihräucherung des Altares in den Gottesdiensten der Orthodoxen Kirche verweist auf seine besondere Bedeutung - in der kirchlichen Terminologie wird der Altar in der Tat "Thron" (Thron Gottes) genannt; als "Altar" bezeichnet man indessen den (hinter der Ikonostase befindlichen) gesamten Altarraum.

Was nun den Beweihräucherungsakt selbst betrifft, so liegen Sie mit Ihrer gedanklichen Verbindung zu den Gaben der Weisen durchaus nicht unrichtig - Weihrauch gilt als Symbol des Gebetes, wie auch in Psalm 140 (141) zum Ausdruck gebracht wird: "Aufsteige mein Gebet wie Weihrauch vor Dein Angesicht...". In diesem Sinne umfasst die Beweihräucherung eine zweifache Dimension - die Verehrung Gottes als Herrscher des gesamten Alls und die im Gebet offenbar werdende Hinwendung zu Ihm.

Mit meinen besten Segenswünschen,
Erzpr. Peter

Milo
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Beitrag von Milo » 17.08.2006, 20:08

Grüß Gott,

v. segnen Sie.


Ich gestatte mir noch eine Anmerkung.
Mit dem Weihrauch wird auch der unreine Geist zurückgewiesen von diesem Ort, eben so wie es die Glocken tun, wenn sie laut erklingen. Noch hat der Weihrauch, meistens, einen Wohlgeruch und bringt den Menschen dazu, sich leichter und konzentrierter dem Gebet zu Gott hinzugeben.

Nichts desto trotz hat v. Peter Recht, wenn er sagt, das Weihräuchern bereits alttestamentlicher gottesdienstlicher Akt war, und die Symbolik somit nicht auf die drei Hl. Könige zurück zu führen ist.

Euer unwürdiger,

milo

Marypoppins
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Beitrag von Marypoppins » 20.06.2007, 20:17

Hallo Sebastian,

fast ein Jahr ist seit Ihrer Frage vergangen und ich erzähle noch gerade was ich einmal dazu gelernt habe.

In der Antike war Weihrauch etwas ganz Besonderes.
Er wurde mit Gold aufgewogen.
Geerntet durften die Weihrauchharze nur vom sehr tugendhaften, religiösen Menschen, denen man nichts schlechtes nachsagen konnte.
Nur Könige, Fürsten und überaus reiche Menschen konnten sich Weihrauch leisten.
Bei den Juden jedoch war es bei Todesstrafe verboten, daß Priwatleute, einschließlich Könige Weihrauch besaßen, oder gar verwendeten.
Nur die entsprechenden Priester im Tempel durften Weihrauch verwenden, denn er bedeutete die direkte Gegenward Gottes.

Deshalb habe ich mich oft gefragt, wenn es hieß das wenn die Juden das Bundeszelt errichteten und die Wolke des Herrn sich darauf sichtbar niederlies - ob es der Weihrauch war, den die Menschen ja als Gegenward Gottes betrachteten, den sie als Wolke sahen.

Wenn man nun die alte Tradition , das Weihrauch Gegenward Gottes beseutet, bedenkt, kann ich mir schon gut vorstellen, warum bei Gottesdiensten geräuchert wird.

Beste Grüße
Mary

protopeter
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Beitrag von protopeter » 20.06.2007, 20:59

Liebe Mary !

Zur Verwendung des Weihrauchs noch eine zusätzliche Anmerkung: In der frühen Kirche war sein Gebrauch gerade in der hellenistisch-christlichen Welt nicht unumstritten; einige Kirchenväter - unter ihnen vor allem Johannes Chrysostomos - verbanden dies mit dem Weihrauchopfer, das zur Zeit der Christenverfolgungen vor dem Bild des Kaisers als Zeichen der quasi göttlichen Verehrung des Imperators dargebracht werden mußte. Erst als durch die allmähliche Verwurzelung des Christentums in der antiken Welt seine diesbezüglich umfassende "Inkulturation" abgeschlossen war, fand Weihrauch auch im christlichen Gottesdienst seinen ihm zukommenden Platz.

In der Liebe Christi grüßt
Erzpr. Peter

Marypoppins
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Beitrag von Marypoppins » 20.06.2007, 21:29

Hmmm, das ist eine wirklich interessante Information, die mir übrigens fehlte!

Vielen Dank dafür!

Lieber Protopeter,

mit Johannes Chrysostomos sollte ich mich wohl mal näher beschäftigen.

Das bringt mich darauf zu fragen wie glaubensverbindlich die Aussagen der Kirchenväter für die orthodoxen Gläubigen sind.
Zählen nur einige wichtige Lehrsätze dazu oder alles, was die Kirchenväter verlauten ließen?

Außerdem bezüglich des Weihrauchs : In der heutigen Zeit ist es ja bei vielen Menschen üblich Weihrauchstäbchen oder Mischungen zur Verbesserung des Raumklimas oder im Rahmen der sogenannten "WELLNES" zu verbrennen.
Wie steht die orthodoxe Kirche zu solchen Handlungen?

Danke für Ihre Geduld
Mary

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Beitrag von protopeter » 20.06.2007, 21:52

Liebe Mary !

Da kann ich Ihnen nur beipflichten - die Schriften des Johannes Chrysostomos haben gerade im Hinblick auf eine aus dem Glauben kommende Ethik nichts an ihrer Aktualität und Bedeutung verloren !

Die Kirchenväter gehören zur lebendigen Tradition unserer Kirche; sowohl ihr Leben als auch ihr Wirken gilt als Manifestation der Rechtgläubigkeit - dabei ist allerdings zu bedenken, daß sie doch auch als "fehlbare" Menschen erfaßt werden. Gerade darum geht von diesen Persönlichkeiten auch eine eine große Vorbildwirkung zur Lebensgestaltung nach christlichen Prinzipien aus. Was nun die Lehrmeinungen betrifft, so sind diese vor allem in dem Maße als verbindlich zu erfassen, wie sie sich auf die orthodoxen Dogmen beziehen, sie grundlegen und erläutern - darunter Christologie, Trinitätslehre und gottmenschliche Heilsökonomie.

Vom orthodoxen Standpunkt erscheint das Verbrennen von Räucherstäbchen in gewissem Maße mehr als absurd: Einerseits geben sich viele Nichtorthodoxe als sogenannte "aufgeklärte Menschen", die alles "Überflüssige" - darunter auch Weihrauch - vor allem aus dem sakralen Bereich verbannen wollen; andererseits ergeht man sich dann in solchen ritualisierten Vollzügen, die - wie sie richtig sagen - vorgeblich der "Wellness" dienen sollen. Etwas überspitzt könnte man hier aber auch sagen: Der Mensch beweihräuchert sich selbst ! :wink:

Herzlich grüßt
Erzpr. Peter

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Beitrag von Marypoppins » 20.06.2007, 23:08

Lieber Protopeter,

danke für die Information. Sie erklären sehr gut, man kann alles wunderbar verstehen.
Ist Johannes Chrysostomos eigentlich der bedeutenste Ihrer Kirchenväter?

Jetzt wäre es interessant folgendes zu wissen:
Bei uns sind Kirchenväter Menschen ( Heilige),
die in dern ersten paar Jahrhunderten Aussagen zum Christentum gemacht haben, die das Christentum entscheident geprägt haben.
Dazu kommen dann noch so Feinheiten, ob sie bei einem Konzil mitgewirkt, oder dort von Päpsten zitiert wurden u.s.w.
Dann kennen wir aber noch Menschen , die "Kirchenlehrer" genannt werden. das sind auch Heilige, deren Aussagen die Kirche ebenso geprägt haben,
Darunter gibts sogar Frauen.

Kennen die Orthodoxe Kirche nur Kirchenväter oder auch Kirchenlehrerund Lehrerinnen?

Liebe Grüße
Mary

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Beitrag von protopeter » 21.06.2007, 00:20

Liebe Mary !

Was die Persönlichkeit des Johannes Chrysostomos anbelangt, so zählt er sicher zu den meistverehrten und seiner Bedeutung nach herausragenden Kirchenvätern - ohne Frage; ich würde allerdings mit absoluten Superlativen ("größte", "bedeutendste") generell sparsam umgehen.

Zur Charakteristik der Kirchenväter nur noch dies: Im Gegensatz zur römisch-katholischen Auffassung, dergemäß die Zeit der Kirchenväter im 8. Jahrhundert endet, kennt die Orthodoxe Kirche eine solche definitive Einschränkung nicht. Die Tatsache, wer als Kirchenvater erkannt ist, hängt nach unserem Verständnis nicht davon ab, wann er gelebt hat, sondern ob sein Leben und Wirken als vom Heiligen Geist inspiriert gelten können. So gibt es eben auch Väterpersönlichkeiten, die im 19. und 20. Jahrhundert lebten.

Dementsprechend gibt es zwei Kriterien, die für das orthodoxe Kirchenväterverständnis bedeutsam sind: 1. Heiligkeit des Lebens und 2. Rechtgläubigkeit der Lehre. Man spricht außerdem auch vom sogenannten Konsens der Väter - daran ist zu ersehen, daß die Lehrmeinung in wesentlichen Fragen als einander ergänzend oder gar deckungsgleich gilt; gleichgültig, ob das entsprechende Väterzeugnis nun aus dem 2. oder aus dem 20. Jahrhundert stammt.

In der Orthodoxen Kirche gibt es dann auch keinen Unterschied zwischen "Kirchenvätern" und "Kirchenlehrern" - diese Unterteilung entstand im Katholizismus eben deshalb, weil man die Väterzeit schon im Frühmittelalter theologie-, und kirchengeschichtlich begrenzte. In unserer Tradition zählen ebenso Frauen zu den Kirchenvätern; das mag etwas seltsam klingen, aber wenn eine weibliche Heilige den obengenannten Kriterien entsprach, die das kirchenväterliche Wesen bestimmen, wurde sie den "Vätern" zugezählt.

Herzliche Grüße,
Erzpr. Peter

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Beitrag von danadoina_3 » 21.06.2007, 08:04

protopeter hat geschrieben:Etwas überspitzt könnte man hier aber auch sagen: Der Mensch beweihräuchert sich selbst ! :wink:
Lieber Vater Peter sie haben einen feinen Humor und das fand ich seeehr gut ! wie man i deutschen sagt: den Nagel auf den Kopf getroffen! :)

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Beitrag von Marypoppins » 21.06.2007, 23:27

Lieber Protopeter,

"Es gibt nichts in der Natur, was nicht durch Nichstun verdirbt: Ein Gewässer ohne Bewegung fault;
ein Eisen, dessen man sich nicht bedient, rostet; das Feld,
das man nicht bebaut, bedeckt sich binnen kurzem mit Dornen und
Unkraut."
Sagt Johannes Chrysostomos

So habe ich, damit ich nicht "faule und roste", den Abend mit "Johannes Chrysostomos " verbracht, bzw. mit dem, was ich bisher über Googel herausgefunden habe.
Lebensbeschreibung von wikipedia

Johannes Chrysostomus über Unterschiede und Gemeinsamkeiten
der vier Evangelien (Johannes Chrysostomus: In Matthaeum I, 2f)

Die Paulusrethorik des J.

Aufstellung der Handreliquie des hl. Bischofs und Kirchenlehrers

Johannes Chrysostomus im Regensburger Dom am 13. September 2002.
Die Osterpredigt des Johannes Chrysostomus.

Mehr zum Lesen hab ich noch nicht gefunden. Dafür aber noch ein paar Bilder.

Gibt es etwas Vorraniges, was ich von, oder über ihn lesen sollte?

Liebe Grüße
Mary

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Beitrag von protopeter » 22.06.2007, 22:43

Liebe Mary !

Ihr Interesse an diesem Kirchenvater freut mich wirklich außerordentlich; ich würde Ihnen wirklich raten, einige Werke zu lesen. Anbei darf ich Sie auf folgende Links verweisen:

http://www.ccel.org/c/chrysostom/?show=worksBy
http://www.unifr.ch/bkv/awerk.htm unter Chrysostomus nachsehen

hier finden Sie Abhandlungen des Johannes Chrysostomos sowohl in englischer als auch in deutscher Übersetzung. Es ist schwer zu sagen, welche Werke dieses Kirchenvaters als "wichtig" zu klassifizieren sind - seine Grundgebdanken sind in allen Texten zu finden. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine erbauliche Lektüre ! :)

Mit herzlichen Segenswünschen grüßt
Erzpr. Peter

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Beitrag von Marypoppins » 22.06.2007, 23:35

Lieber Protopeter,

Herzlichen Dank für die Links, werde sie nacheinander lesen und mal nach einem entsprechenden Buch schaun.
Mir gefällt es sehr, daß Johannes Chrysostomos so auf der Seite der Armen war, egal ob man ihm das verübelte oder nicht.
Er war nicht käuflich für die Reichen und Mächtigen und hat darauf bestanden, das Christentum auch in tätiger Weise gelebt werden muß.

Ein Mensch mit Zivilcourage.

Liebe Grüße
Mary

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Igor
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Re: Altar und Weihrauch

Beitrag von Igor » 08.01.2011, 10:52

Hallo zusammen,

um auf den Weihrauch zurückzukommen:

Einen hörenswerten Radiobeitrag zum Thema hat der Deutschlandfunk gebracht.

Viel Spaß beim Nachhören! :headset2:
Igor
Bild
Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Weihrauch

Beitrag von Ukrainer » 05.06.2014, 12:02

Hallo liebe gemeinde,

Ich farge mich warum der Pastor in unserer kirche mit dem Weihrauchscwenker herumgeht und dabei betet?

Was hat der Weihrauch für eine Bedeutung?

liebe grüße aus Cernivtzi ,- Ukraine

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