Eucharistie

Orthodoxe Kirche und Gesellschaft, Theologie
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Milo
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Eucharistie

Beitrag von Milo » 11.08.2006, 11:47

v. Peter segnen Sie!

Ich wollte Sie auch noch etwas fragen, was sicher auch die anderen hier interessiert.

Wie sehen Sie es; dürfte man strenggenomen, eine heilige Liturgíe zelebrieren, in der nur der Klerus die Hl. Gaben empfängt? Den Gläbigen wird nahe gelegt sich nur wärend der großen Fastenzeiten dem Hl. Kelch zu nähern.
Ich denke da zB. oft an die Stelle, wo der Vorsteher ruft "Mit Gottesfurcht, Glaube und Liebe tretet heran!" Und dann...kommt keiner, bzw. er dreht sich um und geht wieder!?

Mir ist das nicht nachvollziehbar.

Mit Dank und Gruß,

ihr milo
Zuletzt geändert von Priester Alexej am 06.10.2006, 07:05, insgesamt 1-mal geändert.

protopeter
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Beitrag von protopeter » 11.08.2006, 16:14

Lieber Bruder Milo !

Mit Ihrer Frage liegen Sie durchaus richtig - in der Tatsache, daß in vielen Gemeinden die Gläubigen nur zu den Fastenzeiten zum Eucharistieempfang kommen (oder unter Umständen von Seiten des Priesters zu anderen Zeiten überhaupt nicht zugelassen werden!), erweist sich eine (zumindest unbewußte, jedoch der orthodoxen Überlieferung in jedem Fall fremde) "Klerikalisierung" der Kirche, dergemäß alleine die Geistlichkeit zu jeder Zeit "würdig" wäre, die Kommunion zu empfangen (darüber sprachen wir ja schon an anderer Stelle !).

Zwar gilt als allgemeine Regel - gemäß dem Wort Unseres Herrn: "Wo zwei oder drei in Meinem Namen versammelt sind, dort bin Ich mitten unter ihnen" - die Anwesenheit dieser Anzahl Gläubiger als "kanonisches Minimum", um eine Liturgie überhaupt feiern zu können; doch ist tatsächlich zu fragen, ob nicht die kirchliche Fülle erst durch die Teilhabe der Gläubigen an Leib und und Blut Unseres Herrn in besonderer Form zum Ausdruck gelangt.

Es ist bekannt, daß die kanonischen Vorschriften zum Empfang der Eucharistie nach bestimmten Voraussetzungen - wozu das Fasten und (je nach Gegebenheit) die Beichte zählen - orientiert sind; als Konsequenz ergibt sich daraus für die Gläubigen das Problem, einzig während der vier Fastenzeiten der Orthodoxen Kirche die Möglichkeit des Kommunionempfangs zu haben. Daraus entsteht nun für die Betroffenen in der Praxis zuweilen der falsche Eindruck, es sei für Laien geradezu "anstößig", außerhalb der Fastenzeiten zu kommunizieren, da sie dazu doch kein "Recht" hätten.

Gelangt man auf diese Weise zu einer gleichsam "juristischen" Auffassung des Eucharistieempfangs, ist es klar, daß der Sinn der Teilhabe an diesem - wie die Kirche sagt - "lebenschaffenden Mysterion" vollends verkannt ist; all das verkommt dann zu einem Akt bloßer Gewohnheit und oberflächlicher Kirchendisziplin (da es dem orthodoxen Gläubigen andererseits ja doch geboten ist, zu den Fastenzeiten zu kommunizieren!). Wie schon einmal gesagt, ist der Empfang der Heiligen Mysterien des Leibes und des Blutes Unseres Herrn eine Grundvoraussetzung des geistlichen Lebens, die Basis, sich in Seine Kirche zu integrieren, aus der Kraft der Mysterien zu leben und so - nach der Lehre der Heiligen Väter - zu einem "Christusträger" zu werden.

Mit meinen besten Segenswünschen in der Liebe Christi,
Erzpr. Peter

Milo
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Beitrag von Milo » 14.08.2006, 11:49

Lieber v. Peter,

leider habe ich es wieder erleben dürfen. Auch diesen Sonntag, vor Fasten beginn, wurde individuell vorbesprochen, das ein Baby zu Kommunion herantrit. Das war sozusagen ein kurzer Akt neben her, das die anderen Gläubigen garnicht richtig warnehmen konnten, jetzt gilt es nach vorne zu gehen! Das ganze geschah vor dem Ruf "Mit Gottesfurcht, Glaube und Liebe tretet heran!" Nach dem Ruf hat man sich bekanntlich wieder umgedreht.
Am Ende der Liturgie, hörten dann die Gläubigen eine Predigt über das Fasten, das sich "Vorbereiten" auf die Kommunion, damit sie sich das nächstes Wochenende (nach dem man 1 Woche - was als das formale Minimum gesehen wird- gefastet hat) an der Kommunion beteilgen dürfen.

Mein Unvermögen zu der ganzen Vorgehensweise, stimmt mich sehr traurig.
Es erinnert mich an die Stelle im Evangelium bei Mt 23,13.

Vielleich bin ich aber auch nur sehr kritisch und irre mich.

Euer unwürdiger,

milo

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Sebastian
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Beitrag von Sebastian » 14.08.2006, 14:07

Lieber Milo,

ich heisse zwar nicht v. Peter Huber, möchte dir aber folgendes vorschlagen:

Such doch mal das Gespräch mit dem zuständigen Priester. Vielleicht wurde dies so zur Routine, dass sich - ausser dir - keiner mehr über diese Seltsamkeit wundert.

S.

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Beitrag von protopeter » 15.08.2006, 09:42

Lieber Bruder Milo !

In Iher Haltung kann ich Sie nur unterstützen - alleine die Tatsache, dass der Kommunionempfang eines kleinen Kindes (das ja auf keinen Fall den kanonischen Fastenvorschriften unterworfen werden kann !) gewissermassen der Billigung durch den zelebrierenden Priester bedarf, gibt mir einigermassen zu denken. Gerade in der Teilhabe an der Eucharistie gelangt ja das Wesen der Kirche in besonderer Weise zum Ausdruck; bereits das Wort "Kommunion" ("communio" - "Gemeinschaft") deutet ja mehr als deutlich auf diese Tatsache hin.

Das erwähnte Schriftzitat bringt die von Ihnen beschriebene Situation durchaus auf den Punkt - das oberflächlich-sklavische Festhalten an bestimmten Vorschriften ohne tieferes Bedenken daraus resultierender innerer Zusammenhänge ist in jedem Fall ein grosses Problem; wenn dies allerdings innerhalb der Kirche zu einer festgefügten Geisteshaltung wird, sehe ich durchaus den uns vom Herrn Selbst überantworteten Sendungsauftrag ernsthaft gefährrdet.

In diesem Sinne ist die Haltung eines Priesters, der die Frage der Kommunionspendung gleichsam als "Disziplinierungsmassnahme" begreift, mit der kirchlichen Traditionskontinuität keinesfalls auch nur annähernd in Einklang zu bringen. Es ist bekannt, dass die Orthodoxe Kirche in der Anwendung kanonischer Bestimmungen immer zwischen zwei Möglichkeiten - der strengen Interpretation ("akribeia") und einer milderen Auslegung ("oikonomia") - zu wählen vermag; angesichts einer mehr als notwendigen Vermittlung der Wahrheit des Gottmenschlichen Erlösungsmysteriums ist gerade auch Milde und Menschenliebe in dieser Hinsicht gefordert.

Darüberhinaus noch das: Es wäre mehr als verderblich, die Vorbereitung auf die Teilhabe am Mysterion der Eucharistie alleine auf "äussere" Vollzüge zu begrenzen, dabei jedoch die "innere" geistliche Haltung vollends zu vernachlässigen: In den Gebeten zur Vorbereitung auf den Kommunionempfang richtet sich ein Gebet an Christus Selbst; darin bittet der Gläubige :"...mögen mir diese Heiligtümer (Leib und Blut Unseres Herrn, Anm.) als Unwürdigem nicht zum Gericht, sondern zur Reinigung und Heiligung von Seele und Leib gereichen...". Die Erkenntnis der menschlichen Nichtigkeit und Unwürdigkeit erfordert dementsprechend eine möglichst häufige Teilhabe an den - wie unsere Kirche lehrt - "vergöttlichenden Mysterien"; eine jegliche rationale, nach "menschlichem Standard" orientierte Betrachtungsweise sollte in diesem Kontext keinen Platz finden.

Möge der Herr Sie und Ihr Wirken segnen !
Erzpr. Peter

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Sebastian
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Beitrag von Sebastian » 15.08.2006, 18:19

Lieber Erzpr. Peter!

Ihr Beitrag war - wie immer - äusserst hilfreich! Sie haben meine vollste Zustimmung. Schließlich ist Jesus selbst nicht nur ein Christus der Strenge, sondern auch der Milde ("Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken." Vgl. Matthäus 11,28 ). Von der Gemeinschaft auszugrenzen, als eine Art, wie Sie es schrieben "Disziplinierungsmaßnahme" halte ich ebenfalls für sehr bedenklich.

Deshalb:

Lieber Milo,

es gibt in Deutschland einen lustigen, aber mit ernstem Hintergrund bekannten Spruch:

"Das in Kirchen gepredigt wird macht einen Blitzableiter an ihnen nicht überflüssig!"

Auch dieser Priester muss sich ständig selbst überprüfen. Es kann nicht angehen, anderen zu predigen, wie sie Würdigkeit erlangen, durch die eigene Vorgehensweise aber in einem Umfang unwürdig die Gemeinde zu behandeln. Wenn du mit seiner Vorgehensweise nicht einverstanden bist, schlage ich nach wie vor vor, den betr. Priester zu kontaktieren (In einem liebevollen, aber bestimmten Ton!)

meint

Sebastian

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Beitrag von Milo » 15.08.2006, 20:59

Danke lieber v. Peter, danke br. Sebastian.

Ich werde mir eure Sugestionen zu Herzen nehmen, vor allem muss ich Mut sammeln.

Vom HErrn alles Gute euch wünschend,

milo
+

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Tamira
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Beitrag von Tamira » 27.09.2006, 12:40

Grüß Gott alle zusammen,

ich weiß jetzt zwar nicht, ob ich in diesem Thread richtig bin, aber es betrifft das Thema.

In der römisch-katholischen Kirche ist Jesus im Tabernakel immer gegenwärtig. Wie ist es in der Orthodoxen Kirche? Gibt es dort auch einen Tabernakel, in dem Jesus immer wohnt? Wenn ja, wo ist dieser?

Liebe Grüße und vergelts Gott schon vorab für die Antwort.

Tamira
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Beitrag von protopeter » 27.09.2006, 12:56

Liebe Tamira !

In der Orthodoxen Kirche gibt es das sogenannte "Artophorion" (wörtlich: "Behältnis des (Heiligen) Brotes"), das auf dem Altartisch steht; darin befinden sich konsekrierte Partikel, die vor allem für die Krankenkommunion verwendet werden.

Allerdings existiert in der orthodoxen Tradition - im Gegensatz zum römischen Katholizismus - keine gesonderte "Anbetung des Altarsakramentes"; der unmittelbarste Ausdruck der gottmenschlichen Gemeinschaft ist die Teilhabe der Gläubigen an der Eucharistie, die in Form gesäuerten Brotes und in beiderlei Gestalt gespendet wird.

In der Hoffnung, Ihre Frage beantwortet zu haben, grüßt mit den besten Segenswünschen
Erzpriester Peter

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Beitrag von Tamira » 29.09.2006, 08:50

Vergelts Gott für Ihre Antwort und den Segen. Wie spreche ich Sie eigentlich richtig an?

Sie haben mir mit der Antwort weiter geholfen.
Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen, sondern das Licht des Lebens haben. (Joh 8,12)

Ehre sei Dir oh Herr

Beitrag von Ehre sei Dir oh Herr » 02.10.2006, 18:19

Lieber Vater Peter,
Darf ich noch eine Frage nachreichen?
Worauf geht der verwendete Wein (Blut) zurück?
Hintergrund ist, dass in hiesigen römisch katholischen Kirchen wohl Weißwein Verwendung findet... da gibt es ja die merkwürdigsten Erklärungen für den weißen Wein...
Ist die Analogie der Farbe des Blutes die einzige Begründung?

Vorab meinen herzlichsten Dank für die Mühe.

In Christo
René

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Beitrag von protopeter » 02.10.2006, 21:14

Lieber René !

Ihre Vermutung stimmt - die Verwendung von Rotwein für die Eucharistie hat Symbolcharakter in der Erinnerung an das Blut Christi, an dem nach der Konsekration der Heiligen Gaben dann die Kommunikanten in der Tat eben teilhaben; auf diese Symbolik beziehen sich gleichfalls die entsprechenden Liturgieerklärungen.

In Christi Liebe grüßt
Erzpr. Peter

holzi
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Beitrag von holzi » 03.10.2006, 11:37

Ehre sei Dir oh Herr hat geschrieben:Lieber Vater Peter,
Darf ich noch eine Frage nachreichen?
Worauf geht der verwendete Wein (Blut) zurück?
Hintergrund ist, dass in hiesigen römisch katholischen Kirchen wohl Weißwein Verwendung findet... da gibt es ja die merkwürdigsten Erklärungen für den weißen Wein...
Ist die Analogie der Farbe des Blutes die einzige Begründung?

Vorab meinen herzlichsten Dank für die Mühe.

In Christo
René
Grüß Gott!
Das mit dem Weisswein in der römischen Kirche ist keine Vorschrift. Es ist nur vorgeschrieben, reinen Traubenwein zu verwenden. Der Weisswein hat sich eingebürgert, da dieser keine Flecken macht - im Gegensatz zu den hartnäckigen Rotweinflecken. Da sieht man mal wieder, wie Haushälterinnen Liturgiegeschichte schreiben :D

Gottes Segen
Konrad

Milo
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Beitrag von Milo » 03.10.2006, 20:28

Grüß Gott miteinander!

Wenn wir schon beim Thema sind...

am Sonntag ging ich an einer Ev. Kirche vorbei, und was sahen da meine Augen?

In ihrem Gottesdienstplan stand: 1 mal im Monat Abendmahlfeier (alkoholfrei)!

Ehrlich gesgat , wusste ich nicht in diesem Moment ob ich trauern oder lachen sollte.

unwürdiger milo

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Beitrag von Sebastian » 03.10.2006, 20:36

Hallo Milo,

schön, dass du wieder da bist! Sowas habe ich auch schonmal gelesen. Ich find's lustig... 8)

dein Br.
Sebastian

p.s. Was für Jahrgänge verwenden denn die Evangelen? und Art? Bordeaux? (Ich mache nur Spaß!)

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