Maskenpflicht in der Liturgie

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DMITRIJ
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Maskenpflicht in der Liturgie

Beitrag von DMITRIJ »

Liebe Geschwister,

wie steht ihr eigentlich dazu, dass man eine Maske während der Göttlichen Liturgie tragen muss?

Seid ihr dafür oder dagegen?

Danke für eure Antworten.
In Christo,
DMITRIJ.
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Igor
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Re: Maskenpflicht in der Liturgie

Beitrag von Igor »

Grüß Gott!

Gesetzliche Vorgaben sind eindeutig einzuhalten.

Das ist auch die eindutige Position der Kirche, z.B. der Berliner Diözese des Moskauer Patriarchats (Hervorhebung durch mich):
Ich bitte Sie, liebe Väter, Brüder und Schwestern, auf die Vorsehung Gottes zu vertrauen und nicht in Verzweiflung und Panik zu verfallen. Es ist notwendig, eine betende und ruhige Verfassung der Seele aufrechtzuerhalten sowie die vorgeschriebenen Hygieneregeln strikt einzuhalten. Das kirchliche Leben soll heute auf dem Vertrauen zu Gott aufgebaut werden, dessen Grundlage die Teilnahme an den Sakramenten der Kirche und die rettende Kommunion der Heiligen Mysterrien Christi ist. Ohne diese verliert das irdische Leben für den Gläubigen seinen wahren Sinn, ohne diese wird der Gläubige der Impfung gegen den schrecklichen Feind beraubt – gegen die Sünde und den Tod, die der Teufel unseren Seelen einprägen möchte.
Quelle:
https://rokmp.de/de/deutsch-botschaft-d ... oronaviru/

bzw.
Der Heilige Synod hält es für wichtig, dass die sanitären und hygienischen Maßnahmen mit präventivem Charakter in den Pfarreien und Klöstern konsequent und streng eingehalten werden, insbesondere in den Regionen, in denen die epidemiologische Situation offiziell als schwierig anerkannt ist, einschließlich der breiteren Verwendung von sanitären Lösungen zur Desinfektion der Kivota der Ikonen, die bei den Gläubigen angewendet werden, der Verwendung von Einweggläsern zum Trinken.
Quelle:
https://rokmp.de/de/deutsch-erklarung-d ... marz-2020/

In Christo
Igor
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Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)
DMITRIJ
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Re: Maskenpflicht in der Liturgie

Beitrag von DMITRIJ »

Lieber Igor,

die Vorschriften sind mir bereits bekannt, trotzdem danke.

Glauben Sie aber nicht, dass es eine Beleidigung gegenüber Gott ist, eine Maske während der Göttlichen Liturgie zu tragen?

Einige dieser Vorschriften verlangen von uns, dass wir keine Ikonen küssen sollen. Soweit mir bekannt ist, wurde in einem der Konzilien festgelegt, dass wir genau dies tun müssen.

Was hat es wohl für Auswirkungen auf unsere Seele, wenn wir auf die Heilige Kommunion verzichten oder weder den Kelch noch den Löffel berühren, weil wir glauben, dass wir uns davon anstecken könnten?

Ist es nicht Christus unser Herr, der uns gesund macht?

Wären Sie bereit, einen Menschen aus der Kirche zu verweisen, nur weil er keine Maske im Heiligen Tempel trägt? Wenn ja, wem dienen sie damit - der Regierung oder Christus?

Ich wünsche Gottes Segen.
In Christo,
DMITRIJ.
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Igor
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Re: Maskenpflicht in der Liturgie

Beitrag von Igor »

Grüß Gott!
Glauben Sie aber nicht, dass es eine Beleidigung gegenüber Gott ist, eine Maske während der Göttlichen Liturgie zu tragen?
Nein.
Einige dieser Vorschriften verlangen von uns, dass wir keine Ikonen küssen sollen. Soweit mir bekannt ist, wurde in einem der Konzilien festgelegt, dass wir genau dies tun müssen.
Wir sollen sie verehren, das geht in der derzeitigen Situation auch ohne einen die Ikone berührenden Kuss.
Was hat es wohl für Auswirkungen auf unsere Seele, wenn wir auf die Heilige Kommunion verzichten oder weder den Kelch noch den Löffel berühren, weil wir glauben, dass wir uns davon anstecken könnten?
Die Kommunion wird unter bestimmten Vorkehrungen gespendet, es muss niemand darauf verzichten.
Ist es nicht Christus unser Herr, der uns gesund macht?
Das zweifelt doch keiner an!
Wären Sie bereit, einen Menschen aus der Kirche zu verweisen, nur weil er keine Maske im Heiligen Tempel trägt? Wenn ja, wem dienen sie damit - der Regierung oder Christus?
Wir haben in unserer Kirche für solche Fälle Ersatzmasken.

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Igor
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Marian
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Re: Maskenpflicht in der Liturgie

Beitrag von Marian »

Grüß Gott,
der Herr selbst stand vor dieser Frage:
Mt.4,6 "Wenn du Gottes Sohn bist, so wirf dich hinab! Denn es steht geschrieben: »Er wird seinen Engeln über dir befehlen, und sie werden dich auf den Händen tragen, damit du nicht etwa deinen Fuß an einen Stein stößt.« Jesus sprach zu ihm: Wiederum steht geschrieben: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.« "
Sollten wir aber diese Regelungen außer Acht lassen, ist das nicht gleichbedeutend als würden wir den Ungehorsam predigen? Welcher Bischof oder Vater sollte das segnen?
Und was denken unsere Brüder und Schwestern, wenn wir Infektionskrankheiten oder auch Gesetze ignorieren?
Mt.18,6 "Wenn aber jemand eines dieser Kleinen, die an mich glauben, zu Fall bringt, für den wäre es besser, dass ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde."
Ganz abgesehen vom Risiko der Kirchenschließung jetzt vor dem Osterfest.
Denken wir an den Herrn, der sorgar als Unschuldiger das Todesurteil ohne Widerstand annahm!
Joh.19,10 "Da spricht Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich loszugeben, und Macht habe, dich zu kreuzigen? Jesus antwortete: Du hättest keinerlei Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre; darum hat der, welcher mich dir überliefert hat, größere Sünde."
DMITRIJ
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Re: Maskenpflicht in der Liturgie

Beitrag von DMITRIJ »

Lieber Igor,
Wir sollen sie verehren, das geht in der derzeitigen Situation auch ohne einen die Ikone berührenden Kuss.
"Noch viele andere Auszüge aus den kirchenväterlichen Werken, ähnlich den angeführten, wurden auf den folgenden Konzilssitzungen verlesen. Als die Konzilsväter "sich den patristischen Zeugnissen gesättigt hatten", wie Patriarch Tarasios es ausdrückte, wurde eine hehre Ikone in die Mitte der Versammlung gebracht; alle die anwesenden Konzilsväter küssten sie und sprachen vor ihr zweiundzwanzig kurze Sentenzen aus, wobei sie jede davon dreimal wiederholten. Die hauptsächlichen ikonoklastischen Positionen wurden darin verurteilt und dem Fluch übergeben."

Quelle: Hl. Dimitrij von Rostov: Die Sieben ökumenischen Konzilien, Seite 141

"Wir verfügen, dass die heiligen und ehrenwerten Ikonen zur Verehrung genauso wie die Darstellung des erhabenen und lebensspendenden Kreuzes präsentiert werden, seien sie nun in Farbe gemalt, in Mosaikenplättchen oder aus irgendeinem anderen Material angefertigt, nur vorausgesetzt, dass sie wohlgestaltet sind und sich in den heiligen Kirchen Gottes, auf gottesdienstlichen Gefäßen und Gewändern, an Wänden und auf Plaketten befinden oder in Häusern und an Wegen, wobei es egal ist, ob diese Ikone unserem Herrn und Gott, dem Erlöser Jesus Christus, unserer Unbefleckten Gebieterin, der Heiligen Gottesgebärerin oder den hohen Engeln und allen Heiligen und Gerechten gelten. Je öfter diese Hilfe mit Ikonen Objekt unserer Anschauung werden, um so mehr werden die Betrachter der Ikonen an die göttlichen Urbilder erinnert, von Liebe zu ihnen erfüllt und bewegt, sie zu küssen, zu verehren und sich vor ihnen niederzuwerfen, aber dies ist durchaus nicht jener wahre Gottesdienst, der alleine dem Göttlichen Wesen im Glauben gebührt. Wenn man diese Ikone anschaut, fühlt man sich angeregt, ihnen Weihrauch darzubringen und Kerzen zu ihrer Ehre anzuzünden, wie dies in alten Zeiten geschah, denn die Verehrung, die wir der Ikone zeigen, gilt ihrem Urbild, und der die Ikone Verehrende betet in Wirklichkeit die Hypostasie des auf ihr Dargestellten an."

Und weiter heißt es:

"Jene, die jedoch anders zu denken oder zu lehren wagen, müssen, falls es sich um Bischöfe oder Kleriker handelt, abgesetzt werden, falls es sich um Mönche oder Laien handelt, sollen sie aus der Kirche ausgestoßen werden."

Quelle: Hl. Dimitrij von Rostov: Die Sieben ökumenischen Konzilien, Seite 143


Die Kommunion wird unter bestimmten Vorkehrungen gespendet, es muss niemand darauf verzichten.
Ich kenne diese Vorkehrungen und habe sie mit meinen eigenen Augen gesehen.

Im ersten Lockdown musste die Kirche schließen, daher haben einige Priester die Heilige Kommunion noch heimlich gespendet.
Andere wiederum haben am Anfang sehr wohl auf die Heilige Kommunion verzichtet.

Als die Kirche aber wieder öffnen durfte, fingen diese Vorkehrungen bezüglich der Heiligen Kommunion erst an:
- Rote Servietten, die später in einem Korb gesammelt werden
- Kleine Einweg-Trinkbecher
- Der Gläubige soll sein Kopf heben, damit er beim Empfang der Heiligen Kommunion nicht den Löffel berührt
- Das Küssen des Kelches ist verboten

Diese Geschehnisse sind nur meine eigenen, die ich mitverfolgt habe. In anderen Ländern gab es noch mehr Vorkehrungen. In Griechenland zum Beispiel wurden für die Heilige Kommunion verschiedene Plastiklöffel benutzt. Diese "bestimmten Vorkehrungen" sind Veränderungen der Heiligen Kommunion und eine Gotteslästerung.


Ist es nicht Christus unser Herr, der uns gesund macht?
Das zweifelt doch keiner an!
Die Hygienemaßnahmen und das Tragen einer medizinischen Maske in der Kirche drücken sehr wohl Zweifel und Bedenken aus. Es drückt aus, dass sich der Gläubige durch die Kirche oder durch seine Glaubensgeschwister in der Kirche infizieren könnte. Dieser Zweifel hat mit Glaube nichts zutun.

"Und eine Frau, die zwölf Jahre Blutfluss hatte und vieles erlitten hatte von vielen Ärzten und all das ihre aufgewandt und keinen Nutzen (davon) gehabt hatte, sondern vielmehr zum Schlimmeren gekommen war, kam, als sie von Jesus gehört, in der Volksmenge von hinten und berührte Sein Gewand; denn sie sprach bei sich: Wenn ich auch nur Seine Gewänder berühre, so werde ich gerettet werden. Und sogleich vertrocknete die Quelle ihres Blutes, und sie erkannte am Leib, dass sie von der Geissel geheilt war. Und sogleich erkannte Jesus in sich selbst die Kraft, die von Ihm ausgegangen war, wandte sich in der Volksmenge um und sprach: Wer hat meine Gewänder berührt? Und Seine Jünger sprachen zu Ihm: Du siehst, dass die Volksmenge Dich bedrängt, und Du sprichst; Wer hat mich berührt? Und Er blickte umher, um die zu sehen, die dieses getan hatte. Die Frau aber, da sie wusste, was bei ihr geschehen war, kam von Furcht und Zittern ergriffen, fiel vor Ihm nieder und sagte Ihm die ganze Wahrheit. Er sprach aber zu ihr: Tochter, dein Glaube hat dich gerettet. Gehe hin in Frieden und sei gesund von deiner Geissel."
Markus 5, Vers 25-34


"Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott."
Philipper 4, Vers 6

Wir haben in unserer Kirche für solche Fälle Ersatzmasken.
Meine eigentliche Frage war, ob Sie auch dazu bereit wären, jemanden aus der Kirche zu verweisen, der keine Maske tragen möchte.
Und wenn ja, wem dienen sie damit - der Regierung oder Christus?

"Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den ersten hassen und den zweiten lieben oder er wird zu dem ersten halten und den zweiten verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon."
Matthäus 6, Vers 24

"Suchet aber zuerst das Königtum Gottes und seine Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden."
Matthäus 6, Vers 33
In Christo,
DMITRIJ.
DMITRIJ
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Re: Maskenpflicht in der Liturgie

Beitrag von DMITRIJ »

Lieber Marian,
Sollten wir aber diese Regelungen außer Acht lassen, ist das nicht gleichbedeutend als würden wir den Ungehorsam predigen? Welcher Bischof oder Vater sollte das segnen?
Niemand will hier den Ungehorsam predigen, sondern viel mehr den Gehorsam gegenüber Gott.
Waren unsere Väter etwa ungehorsam, als sie sich weigerten die Götzen der heidnischen Mächte anzubeten oder sich dem atheistischen Kommunismus in der UdSSR nicht beugen wollten?

Wenn der Glaube an Gott eingeschränkt wird, so ist die Grenze des Gehorsams gegenüber der Regierung überschritten. Auch wenn es heißt, dass wir verfolgt werden und die Göttliche Liturgie heimlich hinter verschlossenen Türen abhalten müssen.

Eine Teilnehmeranzahl von mindestens 35-40 Personen in der Kirche ist eine Einschränkung für jeden Gläubigen von uns, der nicht nur an der Göttlichen Liturgie teilnehmen möchte, sondern auch an den Sonntagen an ihr teilnehmen muss; der zur Beichte muss; der das Kreuz und die Ikonen küssen muss und der im Gebet "mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn" anschaut (2. Korinther 3, Vers 18).


Und was denken unsere Brüder und Schwestern, wenn wir Infektionskrankheiten oder auch Gesetze ignorieren?
Und was denkt Christus von uns, wenn wir Seine Gebote ignorieren? Was wiegt mehr und sollte für einen Christen wichtiger sein - die Gesetze der Regierung oder das Gesetz Gottes?
Ignorieren wir etwa Infektionskrankheiten, nur weil wir glauben, dass wir uns an so einem Heiligen Ort, wie in der Kirche, nicht anstecken können?

Mir geht es auch nicht um die Hygienemaßnahmen außerhalb der Kirche, sondern innerhalb.


Ganz abgesehen vom Risiko der Kirchenschließung jetzt vor dem Osterfest.
Ganz abgesehen davon, dass sich die Heiligen sowieso nicht daran gehalten haben, wenn die Welt ihnen verboten hatte, in die Kirche zu gehen oder sie zwang, die Kirche zu schließen, mussten sie noch viel mehr in Kauf nehmen als wir in der heutigen Zeit. Sie wurden verfolgt und gemartert und gaben ihr Leben für Christus hin. Und wie du selbst schon geschrieben hast:
Denken wir an den Herrn, der sorgar als Unschuldiger das Todesurteil ohne Widerstand annahm!


Eine Erzählung aus der Bibel zeigt deutlich, wie Christus mit denen umgegangen ist, die versucht haben, das Haus seines Vaters zu entweihen:
"Und das Pas'cha der Juden war nahe, und Jesus ging nach Jerusalem. Und Er fand im Heiligtum die Ochsen- und Schafe- und Taubenverkäufer und die Münzenwechsler dasitzen. Und nachdem Er eine Geissel aus Stricken gemacht hatte, trieb Er alle aus dem Heiligtum hinaus, auch die Schafe und die Ochsen; und Er schüttete die Münzen der Geldwechsler aus und stiess die Tische um; und zu den Taubenverkäufern sprach Er: Nehmet dies weg von hier; machet das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhaus."
Johannes 2, Vers 13-16
In Christo,
DMITRIJ.
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Igor
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Re: Maskenpflicht in der Liturgie

Beitrag von Igor »

Grüß Gott!

Es ist für alle eine nicht einfache Situation und wirklich nicht einfach, in allen Dingen das rechte Maß zu finden.

Ich habe ja zu Dmitrijs Fragen bereits Stellung genommen. Daher hier nur einige Klarstellungen ergänzend dazu, ohne im Detail nochmals auf die einzelnen bereits von mir beantworteten Fragen einzugehen.

Zur Ikonenfrage: Wenn wir Ikonen verehren, dann hat das – wie in allen Dingen – eine innere und eine äußere Seite. Wir verehren sie vor allem im Geiste, im Gebet und das ist auch das zentrale dabei. Dazu kommt der äußere Aspekt, vor ihnen stehen, vor ihnen beten, sich vor ihnen zu verneigen und sie zu küssen. Lediglich ein Teil des äußeren Aspektes tritt für eine bestimmte Zeit in den Hintergrund. Das heißt aber nicht, dass damit die Ikonenverehrung negiert wird.

Zur Maskenfrage:
Meine eigentliche Frage war, ob Sie auch dazu bereit wären, jemanden aus der Kirche zu verweisen, der keine Maske tragen möchte.
Und wenn ja, wem dienen sie damit - der Regierung oder Christus?
Dieser Fall ist glücklicherweise in nun fast einem Jahr der Pandemie nicht vorgekommen. Wir versuchen diesen, wie schon dargestellt, durch das Vorhalten von Ersatzmasken und Erläutern der Vorgehensweise zu vermeiden. Wenn sich jemand nicht den Regeln fügt (hier als Beispiel die in unserer Gemeinde), dann muss er die Konsequenzen auch tragen. Hier geht es nicht um die Entscheidung, wem man dient:
"Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den ersten hassen und den zweiten lieben oder er wird zu dem ersten halten und den zweiten verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon."
Matthäus 6, Vers 24
Dieses Zitat ist völlig aus dem Kontext gerissen. Darin geht es um die Entscheidung des Menschen zwischen Mammon (Geld, Luxus) und Gott und hat mit dem hier Diskutierten gar nichts zu tun.

Die Entscheidung ist hier, was die richtigen Maßnahmen sind, um in der Spezifik der aktuellen Situation Gottesdienste durchzuführen und dabei niemandem durch falsches Verhalten zu schaden kommen zu lassen. Es ist eher die Situation nach Mt 4,7: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen.«

Es kommt dabei vor allem auf die innere Einstellung an, mit der wir alles tun und weniger auf die Äußerlichkeiten.

In Christo
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Re: Maskenpflicht in der Liturgie

Beitrag von Marian »

Grüß Gott,
natürlich bleibe ich Befürworter der Regel zur Eindämmung der Pandemie. Insbesondere auch, weil mein lieber geistlicher Vater zu mir gesagt hat, ich soll mir über krank oder gesund, Maske oder keine Maske und sogar tod oder lebend keine Gedanken machen.
Ich soll mich auf fasten, beichten und Kommunion konzentrieren. Und gerade weil die Kommunion, ohne die wir uns von Christus und seiner Kirche trennen, von Staats wegen derzeit nur mit Maskenpflicht in der Kirche möglich ist, deshalb muss die Maskenpflicht und die Abstandsregeln als zusätzliche Form der Askese und Demutsübung angesehen werden.
Und selbst für Leute, die sich mit einem Blitzbesuch zur "richtigen" Ikonenverehrung in der Kirche begnügen und es nicht übers Herz bringen zu beichten und das Allerheiligste zu empfangen, ist es ein Signal der Nächstenliebe. Sozusagen eine Verbeugung vor dem Nächsten, der ja auch in 100 J. heilig gesprochen werden könnte, zusätzlich zur Verbeugung vor der Ikone.

M

Stimmt es, dass in München die Polizei die Liturgie gestoppt hat und die Abstandsregeln kontrolliert? Wollen wir so etwas? Wer würde es übers Herz bringen, freiwillig und ohne Diskussion im heiligen Kirchenraum mit der Polizei vor die Tür zu gehen, seine Strafe zu bezahlen und der Liturgie vor der Tür weiter zu folgen?
Marian
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Re: Maskenpflicht in der Liturgie

Beitrag von Marian »

Grüß Gott Dimitrij und Gleichgesinnte,

das heißt aber nicht, dass dein Beitrag unverständlich oder ganz falsch wäre. Als ich es erstmals las, wusste ich sofort, das ist in tiefem Glauben und Überzeugung geschrieben.
Zudem sind der Stimmen viele, wie deine, und das nicht nur unter den Laien. Aber wo sind die Alternativen? Protest, Aufbegehren oder Querdenken gemeinsam mit definitiv Glaubensgegnern? Und in der großen Fastenzeit!
Gerade in dieser Zeit sollte die Demut siegen, der Gehorsam den Geistlichen- und Beichtvätern und den Bischöfen gegenüber.

Im Grunde ist alles verursacht vom Unglauben, dass das Leben endet. Wir aber sind angetreten, um das ewige Leben zu erlangen! "Wenn aber einer seinen Bruder Racker nennt, der hat sein Anrecht auf das Reich Gottes verspielt." (Ev. frei vom Gedächtnis)
Lasst uns mit Trauer und Nachsicht auf die Ungläubigen schauen und versuchen sie mit Sanftmut zu belehren - (wie z.B. meine komplette Verwandtschaft) - uns aber daber nie vom Weg anbringen lassen.



M
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