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Psalter

Verfasst: 29.10.2019, 11:00
von Osthugo
Liebe Freunde,

zu meiner (zum Leidwesen meiner Frau) nunmehr schon überquellenden Bibliothek zur Orthodoxie hat sich nunmehr auch der Psalter des hl. Klosters Hiob v. Potschajew dazugesellt. Ich habe die Psalmen seit meiner Studienzeit geliebt und freue mich über deren hohen Stellenwert in Gebetsleben und Liturgie der Orthodoxie. Nach meinen Recherchen bin ich nun darüber im Bilde, dass sich der Psalter in Kathismata aufteilt, wobei die wiederum in drei Unterabschnitte geteilt werden, die Stasis genannt werden. Soweit so gut.

Bei der Unterscheidung zwischen normalen und poetischen Kathismata steig ich aber derzeit noch aus. :roll: Auch ist mir nicht klar, wie der Psalter in der Gebetsordnung der Laien gebetet werden soll bzw. kann. Gibt es dazu überhaupt Richtlinien? Das Beten der Psalmen in Sinne eines "Stundengebets" ist ja (aus praktischen Gründen) eher eine Angelegenheit des monastischen Standes. Es würde mich aber doch interessieren, wie manche von Euch den Psalter in ihr eigenes Gebetsleben integrieren.

Ich hoffe, diese Frage ist nicht zu privat. Sonst ignoriert sie bitte einfach.

Alles Liebe!
Johannes

Re: Psalter

Verfasst: 30.10.2019, 18:54
von Ambrosius
Ich lese diesen Psalter (fast) täglich, gemeinsam mit meiner Frau. Jeden Tag ein Kathisma.
Keine Ahnung wie man das richtig macht, wir lesen das einfach (laut).
Die Übersetzung der Psalmen ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, wenn man mit der Nicht-orthodoxen Einheitsübersetzung aufgewachsen ist, aber es wird immer besser.
Es ist ein schönes Gefühl mit den Psalmen immer vertrauter zu werden. Am schönsten finde ich aber die Schlußgebete nach jedem Kathisma.
"Richtige" Orthodoxe können Dir deine Frage vermutlich besser beantworten.

Ambrosius ( das ist der den Du aus Salzburg kennst :wink: )

Re: Psalter

Verfasst: 31.10.2019, 09:12
von Osthugo
Lieber Ambrosius,

schön, dass Du's ins Forum geschafft hast. :)

Ja, wenn man das mit seiner Frau so machen kann ist das sehr wertvoll und etwas sehr Schönes. Mit meiner wird das so in dieser Form mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gehen. Ich werde mir halt eine eigene Form überlegen und es wahrscheinlich ähnlich halten, wie ihr.

Viele liebe Grüße
Johannes

Re: Psalter

Verfasst: 04.11.2019, 23:23
von Lazzaro
Zum Poetischen Kathisma:
In der Utrenja werden je nach Jahreszeit 2 oder 3 Kathismata gelesen. Die werden jeweils in eine Art "Paket geschnürt." Man liest das Kathisma, dann folgt die kleine Ektenie mit einem Gebet und dann ein Gesang. Das Gebet entnimmt man dem Stundenlob, den Gesang entnimmt man dem Oktoich oder wenn etwas anderes vorgeschrieben ist, auch den Triodien oder dem Minäon. Dieser Gesang ist das Poetische Kathisma. Das ist alles.

Die Tropare im Psalter sind eine Art Poetisches Kathisma, das in diesem Fall Bezug auf die Psalmen nimmt und nicht Bezug auf das Heilsgedächtnis oder die Tagesheiligen wie es im Orthros gemacht wird. Daraus schließe ich folgendes: Die Tropare / Poet. Kathismata im Psalter sind für die monastische Zellenregel gedacht. Traditionell soll ein Mönsch den Psalter einmal in der Woche gelesen haben. Es gilt aber die Regel, daß berufstätige Laien nur soviel des monastischen Pensums übernemen, daß sie Ihre Verpflichtungen in Beruf und Familie (sic!) nicht darunter leiden. Damit ist alles gesagt.

Ich persönlich schätze die kotninuierliche Lesung des Psalters sehr, schaffe sie aber nur in der großen Fastenzeit. Wir lesen in der Gemeinde den Psalter täglich, jeder ein Kathisma, so daß man ihn in den 40 Tagen zweimal betet. In meiner Praxis bete ich sonst nur Stationspsalmen, passend zur Tageszeit oder zum Fest. Das ist zwar nur ein minimaler Teil des Psalters, aber ich nehme mir lieber wenig vor und schaffe es, als daß ich mir ein großes Pensum vornehme und deswegen gar nicht erst beginne, weil es so viel ist. Da muß jeder selber sehen, wie er beten möchte und was praktisch erreichbar ist.

Lazarus

Re: Psalter

Verfasst: 05.11.2019, 16:27
von Osthugo
Lieber Lazarus,

vielen Dank für Deine sehr einleuchtenden Erklärungen. Dein umfangreiches liturgisches Wissen fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

Viele liebe Grüße
Johannes