Ikonen-Frage

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Thuja
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Ikonen-Frage

Beitragvon Thuja » 12.07.2012, 10:59

Ihr Lieben,

wieder 'mal eine Frage, diesmal zu dieser Ikone:
Bild
Sie stellt die Auferstehung dar, zweifelsohne... und da sind etliche Personen dabei:
Mittig schön hell Christus, links vorn Adam, dahinter wie gewöhnlich König Salomo und König David oder umgekehrt (kann man sagen, welcher welcher ist?), rechts Eva, dahinter der Malweise nach zu urteilen Johannes der Täufer/Vorläufer und vermutlich ein Apostel... nur welcher - Paulus oder Petrus, oder Johannes (wg. des Buches?) - oder wer wird da üblicherweise mitdargestellt, ist ja leider nicht beschriftet?

Vielen Dank vorab für Eure Bemühungen!

Liebe Grüße, s Bogom
Thuja
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Nassos
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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon Nassos » 12.07.2012, 12:00

Schwierige Frage...
Normalerweise sind die Propheten David und Jesaja abgebildet, haben sie doch die Zertrümmerung des Hades prophezeit.
(Streng genommen müsste die Ikone Höllenfahrt Christi heißen, denn das eigentliche Mysterium Seiner Auferstehung - und damit im Gegensatz zum Wunder der Auferstehung des Lazarus - in der Ostkirche nicht dargestellt wird).
Rechts sollte es sich um Johannes den Täufer handeln, der auf Christus zeigt. Ein anderer Typus zeigt Petrus und Johannes vor dem leeren Grab oder die Myrrhophoren.

Schwer zu sagen, wer das ist, aber ich glaube nicht, dass es Paulus ist. Tippen würde ich auf Johannes den Evangelisten.

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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon Nassos » 12.07.2012, 17:54

Hier noch eine Ikone
Bild

Hier hält Christus mit Seiner Rechten Adam und mit der linken das Zeichen des Sieges, das Kreuz. Hinter Adam Eva, die Gerechten und auch Abel, der als erster den Tod kostete.

Links die Könige und Propheten David, Solomon (also genau wie in der Ikone Thujas!), Moses, Hl. Johannes der Vorläufer auf Christus zeigend...

In der zweiten Ikone sieht man die Kombination der zwei Typoi der Auferstehungsikone. Während die Höllenfahrt das Ereignis vor der eigentlichen Auferstehung zeigt, zeigt die Darstellung des verkündenden Engels und der Myrrhophoren das Ereignis nach der Auferstehung:

Bild

Schlielich noch die Darstellung, in der er sowohl Adam und Eva herausführt, die Engel das Kreuz bzw. den Speer und den Schwamm haltend und der Teufel (oder der Tod) im Hades gefesselt. Um ihn herum die zerbrochenen Schlüssel und Scharniere der Unterwelt.

Bild

Liebe Thuja, danke für Deine Frage nach der Ikone, die (zumindest für mich) wichtigste Ikone der Orthodoxie. I EIS ADOU KATHODOS.

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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon Igor » 12.07.2012, 20:14

Nassos hat geschrieben:Tippen würde ich auf Johannes den Evangelisten.


:arrow: Joh 19,26-27

u. vergl. a. http://days.pravoslavie.ru/Images/ii962&1120.htm
Bild
Als der Höchste hernieder fuhr, verwirrte Er die Sprachen, zerteilte Er die Völker, nun, da Er Feuerzungen ausgeteilt, ruft Er alle zur Einheit: Einmütig preisen wir deshalb den Heiligen Geist. (Pfingstkondakion im 8. Ton)

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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon Thuja » 12.07.2012, 22:41

Danke, Ihr Lieben,

Johannes hatte ich ja auch "in der engeren Auswahl", dann wird's wohl er sein...
Für mich ist diese Ikone auch sehr wichtig, lieber Nassos!

Liebe Grüße
Thuja
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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon ikonograph » 14.07.2012, 11:01

Es kann weder Johannes noch Petrus sein. Christus steigt hinab in den Hades - also muss es ein Vertreter des alten Bundes sein (Mose? oder ein Prophet).

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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon Nassos » 14.07.2012, 11:08

Moses wird in der Hadesfahrtikonen Steintafeln tragend dargestellt, so weit ich das mitbekommen habe.

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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon ikonograph » 14.07.2012, 11:10

Ich bin für Jesaja :lol:
aus dem Nikodemusevangelium über die Höllenfahrt des Herrn: "Der Prophet Jesaja, der dort anwesend war, sprach:
Dieses Leuchten kommt vom Vater und vom Sohn und vom Heiligen Geist."

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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon Nassos » 14.07.2012, 11:12

Das würde passen, da er ja auch auf die Zertrümmerung des Hades hingewiesen hat.

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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon Igor » 14.07.2012, 13:17

ikonograph hat geschrieben:Ich bin für Jesaja :lol:
aus dem Nikodemusevangelium über die Höllenfahrt des Herrn: "Der Prophet Jesaja, der dort anwesend war, sprach:
Dieses Leuchten kommt vom Vater und vom Sohn und vom Heiligen Geist."



Ist vielleicht auch möglich; die Darstellung des Propheten auf anderen Ikonen passt aber nicht ganz so gut im Vergleich zur oben von mir referenzierten des Evangelisten:

:arrow: http://days.pravoslavie.ru/Images/ii1109&1850.htm
Bild
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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon ikonograph » 15.07.2012, 21:24

Johannes kann es nicht sein (und auch sonst kein Evangelist). Im Hades sind nur Vertreter des alten Bundes dargestellt. Was die Darstellung (Ikonographie) auf der besagten Ikone betrifft: na ja ..... da schaut keiner so aus, wie es die Tradition erfordert .....

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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon Nassos » 15.07.2012, 21:34

Liebe Freunde,

Thuja bat mich um eine Übersetzung eines Textes über die Bedeutung der Auferstehungsikone. Ich denke, wir sollten uns nun nicht all zu sehr in eine Diskussion verlieren, welche Person das sein könnte (wenn Ihr wollt), so interessant das auch sein mag.

"Die Auferstehungsikonen stimmen überein mit den Auferstehungstroparien der Kirche , die das unerklärliche Mysterium der Auferstehung unterstreichen und es mit der Geburt des Herrn durch die Jungfrau parallelisieren „Du kamst aus dem Grabe, als Du aus der Theotokos geboren wurdest“. Die orthodoxen Ikonen, die die Auferstehung Christi beschreiben, offenbaren die Geschenke, die die Auferstehung der Welt brachte. „Nun ist aber Christus auferstanden von den Toten und der Erstling geworden unter denen, die da schlafen.“ (1. Kor 15,20). Die Ikone der Herabstiegs Christi in den Hades führt uns zum inneren Sinn des Ereignisses und gibt uns die Möglichkeit damit in ein persönliches Verhältnis zu treten.

Christus erscheint als der Herr des Lebens und der Schöpung. Er steht uns im Angesicht, aufrecht, mit einer heftigen Bewegung, schon fast bezeichnend explodierend und damit Seinen Sieg über den Tod und den Verfall ausdrückend. Christus stieg als Gott in den Hades hinab während Sein Leib drei Tage im Grabe lag. Christus kam auf die Erde, um Adam zu erretten. Ihn nicht vorfindend, stieg er bis zum Hades hinab, um ihn dort zu finden. Somit wird die Darstellung auf der Geburtsikone mit der dunklen Höhle und Christus in einer Krippe liegend und eingewickelt wie die Toten, fortgesetzt mit der tiefen Dunkelheit des Hades, so dass der Plan Gottes realisiert wird.

Die Darstellung wird durch Berge eingerahmt, die wie wirken wie wenn das Innere der Erde aufgegangen ist. Der Hades stellt sich in der Form eines Abgrund dar. Die Dunkelheit des Hades wird von Licht durchdrungen, durch die Strahlung der Herrlichkeit des Gottmenschen (Theanthropen), der bis in seine Tiefen hinabstieg. Die Pforten des Hades liegen zertrümmert und in kreuzförmig darnieder. In der Dunkelheit liegen überall Schlüssel, Scharniere, Ketten, Schlösser und leere Marmorkrippen herum. Dort befindet in Ketten gelegt ein oder sehr oft auch zwei alte Männer. Es ist die jeweils Personifizierung des Hades und des Todes, die ihre Macht und ihren Wert verloren haben. „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle (Hades), wo ist dein Sieg?“ (1. Kor 15, 55). Nun hat Gott eine Brücke der Kommunikation mit dem Menschen aufgebaut. Er zieht ihn und weckt ihn aus der Lethargie des Todes auf, indem er ihn in das Licht und in das Leben bringt.
Die Ikone spricht von einem dynamischen Herabstieg Christi in den Hades. Sein Gewand ist aufgebauscht, um die Abwärtsbewegung auszudrücken. Der verherrlichte Leib Christi wird gewöhnlich in einer Gesamtheit aus drei oder vier konzentrischer Kreise, welche das Göttliche Licht bedeuten, dargestellt. Somit nimmt jeder Kreis eine etwas dunklere Färbung an und gehen ins Blaue über. Christus trägt ein strahlendes Kleid, und so wie es aufgebauscht über den Kopf ist, trägt es den Wind des Sieges. Sein Antlitz ist streng aber mit mit einem Ausdruck der Menschenliebe. Seine Hände und Füße tragen immer noch das Mal der Nägel.

In Seiner linken Hand trägt Christus die Schriftrolle als Symbol der Predigt der Auferstehung (Kerygma Anastaseos) für jene, die im Hades waren. Auf anderen Ikonen trägt er statt dessen das Kreuz. Es ist das Symbol des Sieges, das Mittel mit dem er den Menschen vom Tod befreite und „loskaufte“ (Gal 3, 13).
Mit der ganzen Lebendigkeit der Bewegung und mit göttlicher Pracht reißt er die Erstgeschaffenen in das Himmlische Königreich mit. Er nimm Adam und Eva nicht bei der Hand sondern am Handgelenkt und mit Schwung und Kraft zieht er sie aus den Gräbern heraus. Adam sieht müde vom Tod aus. Die Hand Adams, schwach, sieht aus, als ob sie sich in der Hand Christi erholt. Die Bewegung der rechten Hand Adams, eine autonome Bewegung, drück seinen persönlichen Willen aus und neigt sich Christus wie im Gebet zu. Mit dieser gegensätzlichen Bewegung Adams Hände öffnet sich mystisch die Wiederbelebung des Menschen, die aus der Auferstehung quellt, die vollkommene Abschaffung des Todes, die innere Kraft der Seele, die zu Gott strebt. Eva wir in manchen Hagiographien stehend neben Adam gezeigt, und sie hebt auch ihre Hände in Richtung des Herrn. Auf anderen wiederum kniet sie und hebt in Bescheidenheit ihre verhüllten Hände in Gebetshaltung und Empfang, angezogen von ihrem Gott. Die Symbolik der Darstellung drückt aus, dass Christus Adam aus dem Hades zieht, aber mit ihm auch das ganze menschliche Geschlecht. Sogar auf den Ikonen, auf denen Eva hinter Adam steht, wird sie errettet wie jede Frau, da sie gleichwertig aus dem Leib Adams erschaffen wurde. Die Auferstehung Christi ist der Beginn der Erlösung der gesamten Menschheit.

Rechts und links neben Christus befinden sich zwei Gruppen Gerechter aus dem Alten Testament. Man erkennt die Könige David und Salomon, gekleidet in königlicher Kleidung und Kronen auf dem Haupt tragend. Die Propheten Hesekiel und Jesaja, weil sie die Auferstehung der Toten prophezeit haben. Unter den Gerechten wird auch Abel gezeichnet. Er ist jung, ohne Bart und unterscheidet sich dadurch, dass er einen Hirtenstab hält. Es war der erste Mensch, der durch den Brudermord des Kain die Bitterkeit des Hades erfuhr. Vor ihm steht Johannes der Vorläufer, der letzte Prophet, der den Weg für das Kommen Christi auf Erden öffnete. Johannes der Vorläufer stieg durch die Enthauptung durch Herodes in den Hades hinab, um den Toten das Kommen Jenes zu predigen, den sie als Erlöser und Erreter erwarteten. Denjenigen, Den Gott den Ersterschaffenen versprach. Mit der Bewegung seiner Hand bestätigt er das, worüber die Menschheit über Jahrtausende hinweg sprach. Gerecht also auch die Hymnographie, die den Heiligen Johannes den Vorläufer als „auch denen im Hades Christi Vorkündiger“ war (τοις εν Άδη, Χριστού Προάγγελος).

Der Gläubige, der die Ikone anschaut und diese WAHRHEIT lebt, wirft die Beklemmung des Todes ab. Um den Tod abzuschaffen, muss die Sünde abgeschaffen werden, die das Zentrum des Todes bildet. Es bedarf also jedes Menschen Mitkreuzigung mit Christus, um mit Ihm aufzuerstehen. Wer in Christus die Sünde besiegt, hat Anteil am Sieg Christi über den Tod. Die Sieger in Christo über den Tod sind die Heiligen. Wer die Heiligen Reliquien unverwest und wundertätig sieht, versteht, was der Sieg über den Tod und den Verfall bedeutet. Das einfache biologische Ereignis des Todes ist nicht mehr der Tod mit seiner ontologischen (wesenhaften) Bedeutung, sondern die Einpflanzung des vergänglichen Leibes in die Erde um mit unverfallenen und unsterblichen Leib zu sprießen wie der Weizen (das ist ja auch die Bedeutung der Kolywa, wie im Strang über Sterbebegleitung schon erwähnt!!!), wenn der Herr dies entscheidet. Dann und nur dann wird der Mensch im Paradies leben, so wie es vor dem Fall war.
"

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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon Thuja » 15.07.2012, 22:03

Lieber Nassos,

danke sehr für die Übersetzung!
Ist sehr spannend, insbesondere, da wir in Dogmatik mit unserem Erzbischof die letzte Zeit ja uns auch mit dem Hades befasst haben - Fügung?!?!
Und die Ikone gefällt mir trotzdem, selbst mit der "unklaren" Person!


Lieber Ikonograph,

gut, dann bleibt diese "letzte" Person "unbekannt", vermutlich stellvertretend für alle nicht-dargestellten zu verstehen...
Was die Darstellung (Ikonographie) auf der besagten Ikone betrifft: na ja ..... da schaut keiner so aus, wie es die Tradition erfordert .....

hmmm, das ist mir jetzt wirklich nicht aufgefallen, magst Du mir das etwas näher erläutern?

Sehr interessierte Grüße
Thuja
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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon Nassos » 15.07.2012, 22:15

Liebe Thuja,

es ist generell immer sehr hochinteressant, wenn eine Ikonendarstellung erklärt wird, ebenso wie Inschriften auf Rollen/Büchern die die Abgebildeten tragen!
Das ist der große Unterschied zum Versuch der Mysteriumdarstellung der Ikonographie des Westens: es geht nicht um Theologie sondern um Historie. Diese Ikone, obwohl in orthodoxen Kirchen anzutreffen ist nicht kanonisch:

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Lieben Gruß,
Nassos

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Re: Ikonen-Frage

Beitragvon Nassos » 15.07.2012, 22:30

Hier noch der andere Typus der Auferstehungsikone:

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