Hl. Ikonen immer und überall?

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Stephanie
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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon Stephanie » 08.08.2011, 20:07

Benedikt hat geschrieben:Nun, das Kreuz erhälst du bei der Taufe als Zeichen dafür, "dass du Christus angezogen hast" (stammt aus der Taufliturgie). Als Zeichen wem du gehörst, unter wessen Herrschaft du stehst, als Mahnung und Aufgabe. Warum das einmal Sitte wurde zu tragen weiss ich auch nicht und ich kann daher dazu nichts sagen, aber das macht mir weniger aus, denn die Erklärung,die ich dir hier schreibe ist die, die mir mein Priester bei der Aufnahme (also in der Jetztzeit) gegeben hat. Er hat es sogar mit dem 'Brandzeichen' der texanischen Rinder verglichen. Ich hoffe, das klingt dir nicht zu banal. Von ihm stammt auch der Gedanke, es sei eben 'mein Kreuz, das ich um Christi willen trage' und auf das Er mich (sogar MICH!) mitgenommen hat. Ich kann es also gar nicht ablegen.


Danke. Das habe ich jetzt verstanden. Da ich mir mein Kreuz selbst gekauft habe (also nicht von meiner damaligen Taufe stammt) war mir eben nicht ganz klar, warum das Heilige Kreuz einen Unterschied zur Heiligen Ikone machen sollte... Aber jetzt leuchtet es mir ein.

Eine Ikone ist aber kein schmückendes Ding wie ein edler Stein oder schön getriebenes Metall. Sie ist 'ein Fenster zum Himmel' das zum Beten dient und zu nichts anderem. Daher wird sie verehrt und geschmückt, geküsst und zuweilen bei Prozessionen herumgetragen, da sie eben auch Bekenntnis/Symbolum der Gegenwart der Heiligen/des Herrn ist. Die Ikone ist kein Bild und schon garnicht ein Bildchen, das funktionalisiert werden kann, sie ist eine spirituelle Realität. Weder "dien"-lich zum Schön-Aussehen oder zum Aufsehen wecken (diese Sünde heisst Eitelkeit) noch als Bekenntnis oder Erkennensmöglichkeit. Der Herr sagte: "An unseren Taten sollen wir erkannt werden", nicht am brand-Zeichen. Das rückt die Ikone in die Nähe des Krokodils oder CK & Co.


Ok. Ich gebe es zu, ich fühle mich...ertappt :oops: und bin betroffen... Ich habe darüber nie nachgedacht, dass ein Bekenntnis ("Erkennungszeichen") auch Eitelkeit ist... :cry:


Das gilt für mich auch für die Ringe, die mich an den Ring der Macht aus dem Herrn der Ringe erinnern.

:shock: Das musste ja kommen :lol:

Wer diese Ringe als Eheringe tragen will sollte sich überlegen, die Inschrift auf die Innenseite gravieren zu lassen und eine Ehe zu führen, dass Menschen nachfragen und nicht per Ring 'zeigen' dass man orthodox ist.

War ja nur als Beispiel angeführt...weil mir ja die Unterscheidungen was ok/was nicht ok, nicht klar war und ich diese Ringe schon öfters gesehen habe...

ich gebe es zu, meine Antworten waren polemisch gemeint

Und ich gebe zu, dass ich auch ziemlich...mmh...ärgerlich darüber war,:oops:
bitte verzeih mir

Welches Zeugnis von 'Spiritualität' gibt eine Allheilige auf einer Kaffeetasse ?

Thema verfehlt, darum ging es mir nicht :wink: :lol:
Nein, ganz ihm ernst. Ich weiß es nicht. Ist es nicht vielleicht eine Art kindliche Begeisterung die dahinter steckt? Man ist so begeistert, dass man dieser Freude Ausdruck verleihen möchte, und es am liebsten überall sichtbar machen möchte?
ICH habe übrigens witziger und unfreiwilliger Weise von einer Nonne Tassen mit einem Maria-Aufdruck geschenkt bekommen, weil sie ins Kloster gegangen ist und diese dort natürlich fehl am Platze gewesen wären und wegwerfen wollte sie diese auch nicht und ich habe mich das auch nicht getraut, obwohl ich nicht gerade Fan von ihnen bin. Und so stehen sie im Schrank und werden mich vermutlich überleben...
Manchmal schafft man sich die Probleme halt selbst...

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Stephanie
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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon Stephanie » 08.08.2011, 20:18

songul hat geschrieben:
5-o-clock-tea hat geschrieben:Nein, stimmt nicht. Es gibt jede Menge Buddha-Krimskrams (u nicht nur von Westlern), Allah-Schriftzug-Armbänder/Ketten, Hand der Fatima, Teppiche/Kugeln u weißnichtwas von/mit Moscheen usw. usw.

Du hast recht, allerdings weisst du nicht die ganze Wahrheit.
Buddhisten, egal welcher Couleur (Theravada, Mahayana, Zen, etc.), die selbst Asiaten oder gläubige Westler sind, werden sich von solchen Dingen fernhalten, denn sie wissen, dass das unwürdige Umgehen mit heiligen Abbildern oder Sutren ihnen Unheil bringt, in verschiedener Weise.
Moslems werden nie - und ich betone nie - den Schriftzug von Allah oder Mohammed oder bei Schiiten noch andere in niederer Position (z.B. an der Hand) tragen. Gerade mal am Hals ist zulässig oder bei Kindern auch an der Kleidung, immer oberhalb der Gürtellinie.
Es geht ja nicht um dass es solchen Religions-Nippes nicht gäbe, gab es immer schon, nur wie sowas verwendet wird - darum geht es.
Es gibt eine menge Moslemkitsch zur Deko aber eben nur als Hausschmuck und immer an erhobener Stelle.
Was du sonst an arabischen Schriftzügen an Armbändern gesehen hast, wenn es den der Allah-Schriftzug war, wird dann zum Schutz am Oberarm getragen; die Hände dienen der Körperreinigung oder anderer Tätigkeiten und dürfen nicht mit dem Heiligen geschmückt sein.
Diese Verhaltensweise gilt auch für Christen in asiatischen/orientalischen Ländern.
Nonnen in Indien tragen kein Kreuz unterhalb der Gürtellinie, auch wenn ihr Orden das im Westen tut - dort wäre das ein Sakrileg und jeder Christ würde damit Disrespekt seinem Gott gegenüber kundtun.
Es gibt Ausnahmen: Gurus, Sadhus, Derwische und Ähnliche die haben manchmal auf ihren Gewändern heilige Symbole drauf, aber wie gesagt, nichts unterhalb der Gürtellinie.
Ein Jesus-T-Shirt das dann mal mit der anderen Schmutzwäsche in die Maschine kommt oder ein Jesusbecher der mit in die Spülmaschine kommt oder Schlüsselanhänger die mit dem Bund mal schnell irgendwohin geschmissen werden; nicht zu reden von Ikonenarmbändern (sehr trendy) mit denen man dann mal in den Abort geht oder auf die Party....na ja, wir denken halt in unserer allwissenden Art dass sei ja jetzt nicht so wichtig, aber gerade der so sorglose Umgang mit heiligen Symbolen lässt uns immer mehr das Gefühl dafür verlieren...
5-o-clock-tea hat geschrieben:Und in diesem Zuge dann eben auch die Frage, wie sieht es denn dann mit diesen Ringen aus:
Bild

Auf diesen Ringen steht:
Herr, rette und erlöse mich!
Zumindest steht da mal nicht direkt der Name für Gott oder Christus oder ein anderer heiliger Name drauf; und solche Ringe sollten auch nur solche Leute tragen die ein religiöses Leben führen.
Aber es ist schwer zu viel darüber zu schreiben... wir haben hierzulande schon sehr viel an Sensibilität diesen Dingen gegenüber verloren als dass das alles so schnell verständlich ist... aber es ist immerhin schon mal gut sich darüber auszutauschen.


Liebe Songul

naja...ich habe diese Dinge durchaus schon bei gläubigen Moslems gesehen und bei Hindus auch, bei Kindern am Arm/Handgelenk - allerdings hier in Deutschland. Aber eigentlich ist das ja auch gar nicht soo wichtig. Weshalb sollten sie auch weniger von diesen Entwicklungen betroffen sein als wir. Ich wollte darüber ja auch wahrlich nicht philosophieren. Ich hatte eben den Unterschied zwischen Heiliges Kreuz ja/Heilige Ikone nein nicht verstanden. Als Gebrauchsgegenstand finde ich das auch nicht so dolle.
Da fällt mir ein...ich habe noch nie orthodoxe Weihnachtskarten gesehen...wie sehen die denn aus? Findet ihr weihnachtliche Motive auf Karten auch anstößig? Dann lieber neutral winterlich?

Menno...ich bin halt wirklich ein echtes Westkind :cry:

Es tut mir wirklich leid, wenn ich für euch unmögliche Fragen stelle, aber ich frage, weil ich das wirklich nicht weiß und offensichtlich mir da tatsächlich das Gespür dafür fehlt... Also sollte ich hier irgendwas äußern, was ihr total daneben findet, dann bitte großzügig drüber hinwegsehen und erklären, nicht gleich den Holzhammer rausholen...

Lieben Gruß
5-Uhr-Tee

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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon christodoulos » 08.08.2011, 20:28

Hallo,

ich hatte selber so einen russischen Ring, habe ihn aber um den Hals an einer Kette getragen. Also wenn so ein Ring mit Glauben und Ehrfuchrt getragen wird, ist sicher nichts dagegen einzuwenden. Es gibt auch richtig schöne Ringe mit Ikonen von Juwelieren:

Von einem Beldgrader Juwelier:

Bild

Aber auf einem Plastiksackerl, oder einer Verpackungsschachtel, Einkaufstasche, Mousepad, Schlüsselanhänger, Zündholzschachteln (hab ich auch schon gesehen) T-Shirt, - also das geht gar nicht!

Blumenvase:

Bild

Thermoskanne:

Bild

Flaschen mit Ikonen:

Bild

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Priester Alexej
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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon Priester Alexej » 08.08.2011, 21:57

Ich würde auch sagen, dass es darum geht, warum man etwas trägt. Ich trage an meiner Halskette (ebenfalls unter der Kleidung) ein Kreuz (an dem bei Orthodoxen immer eine Ikone Christi ist), ein Medalion mit der Gottesgebärerin und meinen Ehering. Wenn ich mich schlafen lege, lese ich Gebete zum Kreuz und zur Gottesmutter und Küsse die ersten beiden Gegenstände. Ein Ring oder einen Gürtel (ein Band, das man ebenfalls unter der Kleidung an der Talie trägt) mit einer Aufschrift oder einem Gebet finde ich auch in Ordnung - wenn man aber ein entsprächendes Leben führt. Es dient dann als eine Erinnerung an die Frömmigkeit, an Gott. Wenn ich an meiner Hand einen solchen Ring trage, werde ich mit dieser Hand auch nichts tun, was dieses Ringes nicht würdig ist.
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon christodoulos » 08.08.2011, 22:09

Alexej hat geschrieben:Ich würde auch sagen, dass es darum geht, warum man etwas trägt. Ich trage an meiner Halskette (ebenfalls unter der Kleidung) ein Kreuz (an dem bei Orthodoxen immer eine Ikone Christi ist), ein Medalion mit der Gottesgebärerin und meinen Ehering. Wenn ich mich schlafen lege, lese ich Gebete zum Kreuz und zur Gottesmutter und Küsse die ersten beiden Gegenstände. Ein Ring oder einen Gürtel (ein Band, das man ebenfalls unter der Kleidung an der Talie trägt) mit einer Aufschrift oder einem Gebet finde ich auch in Ordnung - wenn man aber ein entsprächendes Leben führt. Es dient dann als eine Erinnerung an die Frömmigkeit, an Gott. Wenn ich an meiner Hand einen solchen Ring trage, werde ich mit dieser Hand auch nichts tun, was dieses Ringes nicht würdig ist.


Hallo,

sehe ich eigentlich genau so. Es gibt auch Zeugnisse darüber, dass dieser Brauch "uralt" ist:

Byzantinischer Ring aus dem 7Jh.

Bild

Byzantinischer Ring mit Büste der Gottesgebärerin: (oft mit Aufdruck: Theotoke boethe me- Gottesgebärerin schütze mich)

Bild

Bild

Es kommt auf die Einstellung drauf an. Aber natürlich ein Verpackungskarton oder ein Sackerl sollte NIE eine Ikone als "Dekoration" aufgedruckt haben. Genauso ein Mouse Pad, Schlüsselanhänger oder ein Kissen usw...

Wenn man Ikonen im Auto anbringt bzw. eine Gebetsschnur um ein Auto zu segnen - finde ich auch ok. Man kann ja auch Autos weihen lassen - bzw. ein Moleben lesen lassen, dass Gott einen Unfall verhindern möge.

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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon Nassos » 08.08.2011, 23:28

Ich trage auch einen Ring. Bei der Arbeit erinnert er mich hin und wieder an das Jesusgebet, wenn ich auf meine Hände schaue.

Gemäß so mancher Aussage hier, der ich zugeneigt bin abzüglich der Schärfe, müsste dann auch das Komboschin/chotki auch verschwinden. Ich kann jedoch nicht verhehlen, dass es mich IMMER mit Freude erfüllt, wenn ich jemanden die Gebetsschnur tragen sehe.

Natürlich ist das wie mit den Kreuzen im Auto (bzw. auch den Rosenkränzen, die man hier inzwischen recht of in Autos sieht). Müssen sie weg? Darf ich in einer Zeit wie heute nicht den Herrn bekennen? (Ist das die falsche Frage?).

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Igor
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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon Igor » 09.08.2011, 07:16

Hallo miteinander,

Antworten auf einige der hier gestellten Fragen könnt ihr im folgenden MP3 von Priester Vadim Korzhevskij "Liturgik - Die Mysterien der Taufe und Myronsalbung" (so ab der 60. Minute) finden. Ist allerdings in russisch (http://www.predanie.ru).

In wenigen Worten zusammengefasst: Solange das, was man trägt, nicht als Talisman (oder ausschließlich zu dekorativen Zwecken) dient, ist es in Ordnung. Ein Bild, wie die Darstellung der Kreuzigung Christi auf einem Gold- oder Silberkreuz, macht z.B. nur dann Sinn, wenn es auch offen getragen wird (wie bei den Priestern). Wird das Kreuz unter der Kleidung getragen, dann sollte es ein einfaches sein.

Einige der oben dargestellten "Souvenirs" sind einfach unakzeptabel, da schließe ich mich den Vorschreiber(innen) an. Ob man hier Unwissenheit oder Kommerz der Hersteller/Vertreiber annehmen soll, sei dahin gestellt.

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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon Ehemaliger » 09.08.2011, 20:13

Lieber Igor, du schreibst als Zusammenfassung:

In wenigen Worten zusammengefasst: Solange das, was man trägt, nicht als Talisman (oder ausschließlich zu dekorativen Zwecken) dient, ist es in Ordnung.

Ich bin mit der Antwort nicht zufrieden.

Einigen werden wir uns sicher bei den 'dekorativen Zwecken' wenn wir beide an das T-Shirt denken. Oder an die Warmhaltekanne oder anderes. Bei mir bleibt das Unwohlsein deswegen, da ich es schwierig finde einigermassen zufriedenstellend darstellen zu sollen was ein 'dekorativer Zweck' ist.
Um es an dem Ring festzumachen. Ich sehe für einen Ring keinen anderen Zweck als zu 'dekorieren'. Ausgenommen der Ehering, aber auch da stelle ich etwas da, nämlich, dass ich verheiratet bin. Nun, wir wollen kaum in die Haarspalterei abgleiten, aber die etwas pauschale Aussage klärt eigentlich nichts.

Ein Ring ist in unseren Zeiten ein Schmuckstück und kaum etwas anderes, denn als Träger des Siegels, um Botschaften o.a. zu beglaubigen benutzen wir ihn nicht mehr. Als Zeichen, um eine Stellung aufzuzeigen, wie bei einem Herrschaftsring sehe ich keinen Gebrauch mehr, es sei denn als Übernahme als Tradition wie bei einem Bischofsring oder dem 'Petrusring' des regierenden Papstes. "Brauchen" tut den Ring niemand mehr in irgendeiner anderen Funktin als der des Schmückens, oder?
Bitte hilf mir wenn ich da etwas übersehe oder falsch einschätze.

Bei einem Handband wird das noch deutlicher, denn dafür gibt es noch nicht mal in der Geschichte eine andere Funktin als die des Schmuckes.

Meine kritische Anfrage ist die: Ist es dem Inhalt, der Aussage und dem 'Geist' einer Ikone gemäss, sie als Schmuckstück zu tragen? Wenn denn ein Ring ein Schmuckstück ist, ist es dann der Würde/dem Inhalt einer Ikone gemäss, sie auf einem Schmuckstück zu plazieren?
Und auch wenn wir dann die Ikone mit einem Segensspruch ersetzen bleibt mir die gleiche Frage: Ist ein Segen ein Gegenstand des Schmückens?
Ist die Chotki, an sich ja nur ein Zählinstrument, für die Öffentlichkeit bestimmt? Oder gehört sie nicht ganz woanders hin?

Also, wenn wir die Frage herumdrehen, sozusagen danach fragen: Warum denn ist es gut, das Bild des Erlösers an der Hand zu tragen?, dann müssen wir schon den 'Segensaspekt' anführem oder den 'Verkündigungsaspekt' wenn wir an dem 'dekorativen Aspekt' vorbeikommen wollen.
Ich gehe, wohl wie wir alle hier, mit meinen Ikonen sehr sorgfältig um. Achte darauf, dass sie nicht mit Profanem 'so einfach' in Kontakt kommen. Ebenso verfahre ich mit dem geweihten Wasser, dem Antidor dem Öl und auch mit dem Salz. Ich käme nicht auf die Idee, mir in einem ikonendekorierten kleinen Salzfass dies Salz mitzunehmen, um mir (bitte entschuldigt die schludrige Erzählweise) meinen Salat im Restaurirant zu segnen oder über das Aussehen dieses Salzfässchens in ein evangelistisches Gespräch zu kommen. Ihr? Ich könnte mir ähnliche Sonderlichkeiten für das Antidor usw ausdenken..
Es mag ja daran liegen, dass diese Dinge aus der Kirche kommen (oder einem Kloster) und uns damit 'klar ist' was man damit NICHT macht.

Was unterscheidet aber einen (hoffentlich geweihten, ansonsten wird es ja noch peinlicher) Ring mit Ikone von geweihtem Antidor? AUSSER unserem Verständnis? Liegt da nicht das eigentliche Problem?

Ich hatte es in einem Satz an 5-0-clock erwähnt (und habe dafür eine glatte 6 erhalten ;) ): Was zeigt es über das Umgehen mit Heiligem,mit Spiritualität wenn wir Heiliges dem eigentlichen Umgehen entfremden?

Und dazu eben noch mal die Frage: Wozu das Ganze? Gewiss kann man die Blumen in der Ikonenecke (und wenn schon, dann hoffentlich nur dort)in eine Vase stellen, die ein Abbild der Allheiligen trägt, aber wozu? Werden die Blumen heiliger? erhöht das die Konzentration des Gebetes? Bringt uns das Gott näher? ODER ist es Schmuck? Also: Dekoration.

UND: Birgt das nicht eher die Gefahr, Heiliges zu profanisieren als die Chance Profanes zu heiligen?

Ich wünsche mir eine intensive und friedliche Gesprächsrunde, auch über des Talismanaspekt, der meiner Meinung ein blinder Fleck sein könnte bei uns Orthodoxen

Lieben Gruss Benedikt

P.S. Christodoulos,ich werde dich doch nicht etwa in puncto Radikalität übertreffen ? ;)

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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon christodoulos » 09.08.2011, 20:35

Benedikt hat geschrieben:
UND: Birgt das nicht eher die Gefahr, Heiliges zu profanisieren als die Chance Profanes zu heiligen?

Ich wünsche mir eine intensive und friedliche Gesprächsrunde, auch über des Talismanaspekt, der meiner Meinung ein blinder Fleck sein könnte bei uns Orthodoxen

Lieben Gruss Benedikt

P.S. Christodoulos,ich werde dich doch nicht etwa in puncto Radikalität übertreffen ? ;)


Hallo,

schmunzelnd muss ich sagen - anscheinend schon! Obwohl ich eben auch befürchte, dass durch solche "Dinge" die Hl. Ikonen entweiht werden und dass es nicht dem Verständnis der HL. Väter entspricht.

Ich würde aber nicht sagen, dass ein Ikonenring NUR Dekoration ist. Das Kreuz um den Hals ist das Zeichen der Christen. Wir wissen dass dieser Brauch so alt wie das Christentum selbst ist. Auch die Apostel heißt es, haben kleine Reliquien mit sich getragen - ja es heißt sogar die Gottesmutter habe ihnen diese kleine Reliquien angefertigt.

Aus vielen Geschichten der Heiligen wissen wir, dass diese kleinen Kreuze, Medaillons, Reliquien, usw. den Trager beschützen und behüten. Ja, viele Dämonen haben bei Austreibungen gesagt, sie könnten sich den Christen nicht nähern - wenn sie dieses "Ding" um den Hals tragen.

Wenn ich eine Ring trage mit einem Kreuz oder einer Ikone - und dieses mit Ehrfurcht tue - sehe ich nichts Unrechtes darin. Aber wie gesagt, ich folge dir absolut wenn es um die Vermeidung von Profanisierung und Entweihung geht. Hier im Westen geht es ja so weit - dass man Bilder der Heiligen auf Flip Flops trägt. Habe ich wirklich schon gesehen - ich habe heftig protestiert. Ich habe der Person gesagt, dies sei eine furtchtbare Blasphemie und würde eine schwere Sünde darstellen. Dies ist aber eine andere Geschichte, denn die Produzenten machen das ja mit Absicht um den Heiligen zu spotten und Christen zu verhöhnen.

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Stephanie
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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon Stephanie » 09.08.2011, 22:03

Also...ich muss ja gestehen, dass mein Hauptanliegen tatsächlich das "öffentliche" Bekenntnis war/ist :oops:
Ich weiß natürlich, dass wir Christen durch unser LEBEN(sweise) Zeugnis ablegen sollen.
Dennoch ist es ja so, dass das Christentum immer weniger in der Öffentlichkeit (positiv) präsent ist, die Verunglimpfung des Christentums dagegen omnipräsent ist (naja...vielleicht kommt es ja auch nur mir so vor) und irgendwie habe ich das Bedürfnis da demonstrativ und plakativ etwas dagegen zu halten. Eben nicht verschämt sein usw.
Ich habe ja inzwischen verstanden, dass es sich dabei um Eitelkeit handelt...obwohl sich da in mir immer noch hartnäckig ein Stück Trotz hält. *seufz*

@Benedikt: Die 6 hast du nur bekommen, weil ich nicht nach den häuslichen Dekoartikeln und deren spirituellen Aussagegehalt gefragt hatte, sondern meine Frage sich auf die Unterscheidung zwischen Ikonetragen dürfen und Kreuztragen dürfen bezog...gelle! Keine Beschwerden über die Benotung, sonst gibt's Strafarbeit :wink: :lol:

Eine kleine Ikone im Auto anzubringen ist aber doch dann nicht zweckentfremdet, wenn ich vor dem Losfahren zu dieser bete...?!

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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon songul » 10.08.2011, 06:59

Vorab:
Ich wollte keinem zu nahe treten oder eins drüber wischen; nur manchmal muss man halt über Themen klare und vor allem direkte Worte wählen und das kommt dann persönlich genommen an.
Ist aber nicht so gemeint.
5-o-clock-tea hat geschrieben:Eine kleine Ikone im Auto anzubringen ist aber doch dann nicht zweckentfremdet, wenn ich vor dem Losfahren zu dieser bete...?!

Prinzipiell:
Ikonen oder sonstige Heiligenabbilder (Hl. Christopherus, die wunderbare Medallie, Rosenkränze in unseren Breiten oder orth. Pendants) die in Autos, Kutschen oder anderen Gefährten zu Wasser, zu Lande oder in der Luft angebracht werden, dienen nicht der Deko sondern sind schon für einen heiligen Zweck da.
Sie sollen schützen, man spricht zu Anfang der Reise/Fahrt ein Gebet; hat also eine ganz andere Intention von Beginn an.
Selbiges gilt auch für Ikonen die im ganzen Haus angebracht werden (natürlich nicht im Klo oder Bad aber durchaus im Stall, in der Scheune, in der Speis etc.), die haben den Zweck die Orte zu schützen und werden dort auch nicht einfach so angebracht, sondern vorab gesegnet.
Das ist beste alte Tradition in Ost und West.
Man sieht also, Ikonen begleiten den Orthodoxen überall hin. Durch die Kommerzialisierung ist aber heutzutage vieles banalisiert worden und die Unbildung der Leute tut das ihrige hinzu...
Auch diese Ringe (es gibt ja hier auch Rosenkranzringe oder Bruderschaftsringe) sind in der Regel von Leuten getragen, die das auch in Ehren halten...
Sollte jedenfalls so sein...
Es gibt ja auch bei der Haussegnung die Möglichkeit in jedem Zimmer (mit Ausnahme des Bades) kleine Plaketten mit dem Kalvarienkreuz anzubringen die dann von dem Priester auch gleich gesegnet werden.
Ich trage auch ein Kreuz, nur man sieht es nicht, da es unter der Kleidung ist; ich trage ein Komboskiniarmband und da gab es Zeiten wo ich mir überlegt habe, wenn ich das jetzt nur trage und nicht benütze (ich habe ja ein "richtiges" Kombuskini/Tschotki auch) ob das dann nur zur Schau ist oder nicht...
Ich hab's dann auch eine Zeitlang weg gelegt aber dann gemerkt, dass immer wenn ich es an meinem Arm sehe ich an meinen Glauben denke und so trage ich es wieder.
Ich persönlich finde, immer wenn Ikonenbilder sich an solchen Gegenständen befinden, also: Ringe, Holztschotki mit Ikonen, Arbänder mit Ikonen und anderes, dann besteht einfach die Gefahr der Unaufmerksamkeit, die wir uns ja bei "normalen" Ikonen nie erlauben würden.
Das Beispiel vieler Orthodoxer, die, genau wie viele Katholiken, mit Lust und Modebewusstsein dem Nachgehen muss nicht unbedingt richtig sein...
Aber das soll jeder für sich entscheiden.

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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon Igor » 10.08.2011, 07:16

Danke Songul, für die Erläuterung!

Das war im Prinzip das, was ich mit meinem vorherigen kurzen Beitrag auch meinte (ich bin eben kein Freund längerer Abhandlungen).

Letztendlich muss schon jeder seinen Kopf (manchmal auch das Herz) dabei gebrauchen, wenn er das eine oder andere tut, oder – wie hier in Diskussion –, wie er mit den Abbildern von Heiligen und religiösen Symbolen umgeht.

Kleine historische Anmerkung noch dazu: Zu Zeiten Basilius des Großen wurde die Verwendung von Abbildern Heiliger als Talisman etc. mit einer Verweigerung der Kommunion für 3 Jahre bestraft. (Quelle: das oben von mir erwähnte MP3).

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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon christodoulos » 10.08.2011, 12:49

Hallo,

was ist dann mit Ikonen auf Fahnen? Bzw. wurden ja Ikonen auch auf Kriegsfahnen und römischen und byzantinischen Standarten angebracht.



Ja, in Byzanz - waren Ikonen auf MÜNZEN UND GELD!

Christus Pantokrator -

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Theodora (1055-1056), Solidus, Konstantinopolis, Gold - die Gottesmutter krönt die Hl. Theodora

Byzantinische Münze mit Ikone der Gottesmutter von Blacherne:

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Hier mit Christus Pantokrator Vorderseite und Gottesmutter Orante auf Rückseite!

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Gottesmutter Brephokatousa - Byzantinische Goldmünze

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Aber irgendwie kommt einem das schon komisch vor - Ikonen auf Geldmünzen. Aber ich glaube man muss bedenken, dass die Leute einfach extrem fromm waren. Das byzantinische Reich ware eben ein "Heiliges Reich". Das heißt Christus war immer und überall.

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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon Nassos » 10.08.2011, 18:01

5-o-clock-tea hat geschrieben:Also...ich muss ja gestehen, dass mein Hauptanliegen tatsächlich das "öffentliche" Bekenntnis war/ist :oops:
Ich weiß natürlich, dass wir Christen durch unser LEBEN(sweise) Zeugnis ablegen sollen.
Dennoch ist es ja so, dass das Christentum immer weniger in der Öffentlichkeit (positiv) präsent ist, die Verunglimpfung des Christentums dagegen omnipräsent ist (naja...vielleicht kommt es ja auch nur mir so vor) und irgendwie habe ich das Bedürfnis da demonstrativ und plakativ etwas dagegen zu halten. Eben nicht verschämt sein usw.
Ich habe ja inzwischen verstanden, dass es sich dabei um Eitelkeit handelt...obwohl sich da in mir immer noch hartnäckig ein Stück Trotz hält. *seufz*

@Benedikt: Die 6 hast du nur bekommen, weil ich nicht nach den häuslichen Dekoartikeln und deren spirituellen Aussagegehalt gefragt hatte, sondern meine Frage sich auf die Unterscheidung zwischen Ikonetragen dürfen und Kreuztragen dürfen bezog...gelle! Keine Beschwerden über die Benotung, sonst gibt's Strafarbeit :wink: :lol:

Eine kleine Ikone im Auto anzubringen ist aber doch dann nicht zweckentfremdet, wenn ich vor dem Losfahren zu dieser bete...?!

Hallo 5-o-clock-tea,

Benedikt ist ein Nordeuropäer, ich als Grieche stehe da voll hinter Dir. Ich bekenne das mal mit einem Foto:

Bild

Spaß beiseite.

Lukas 12, 8 lehrt uns etwas über das Bekennen. Kann Bekennen nur dann sein, wenn ich vor die Wahl gestellt werde? Ich denke nicht. Wobei Du den Punkt, wie Christentum heute in der (deutschen, westeuropäischen ?) Gesellschaft aufgefasst wird, sehr richtig anführst: es ist auch ein Bekennen (denn u.a. in Griechenland ist das anders - zumindet heutzutage).
Wir müssen hierbei aber stets differenzieren, ob wir von einem respektlosen Tragen sprechen oder von Sachen, die von vornherein respektlos sind. Auf letztere beziehe ich mich jetzt nicht.
Bei ersterem spielt es immer eine Rolle, wer es in welchem Geiste trägt.

Ich sage es hier gerne nochmal: ich freue mich prinzipiell immer, wenn ich jemanden sehe, der sichtbar ein Kreuz um den Hals trägt; egal ob ich nicht weiß, ob das nur Schmuck oder Glaube ist (egal wie stark oder schwach).

@Benedikt: bevor jetzt ich von Dir eine 6 bekomme: Dein Beitrag hat mir auf jeden Fall das Bewusstsein geschärft, und ich werde darauf achten, dass ich entsprchend handele, denn es gibt Verbesserungsbedarf.

Lieben Gruß,
Nassos

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Re: Hl. Ikonen immer und überall?

Beitragvon Igor » 10.08.2011, 20:36

Ja Nassos, ich denke auch, dass die Diskussion hilft, über die richtige Anwendung von religiösen Symbolen nachzudenken.

Ich habe noch einen Hinweis zu der 'historischen Anmerkung' in meinem letzten Beitrag bekommen: Besser formuliert sollte es - um Missverständnisse auszuschließen - heißen, dass "... zu Zeiten Basilius des Großen die Verwendung von Talismanen etc. mit einer Verweigerung der Kommunion für 3 Jahre bestraft wurde."

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