"Orthpedia"-Standarts

Wie sollen Wörter ins Deutsche übersetzt und orthodoxe Realien ausgedrückt werden?
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Priester Alexej
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"Orthpedia"-Standarts

Beitragvon Priester Alexej » 10.03.2009, 19:14

Liebe Väter, Brüder und Schwestern!

Da es die Orthodoxie in der deutschen Sprache noch nicht so lange gibt (zumindest nicht in ihrer heutigen Form), gibt es noch keine wirkliche sprachliche Tradition. Früher ist das Christentum meistens nur aus einer Kirche in ein Gebiet eingeflossen, oder zumindest hat sich eine Tradition durchgesetzt. In Deutschland herrscht heute jedoch eine ganz andere Situation - es gibt viele Bistümer, viele verschiedene Traditionen. Es muss ein gemeinsamer Weg gefunden werden.

An dieser Stelle möchte ich den Vorschlag machen, gemeinsam gewisse Richtlinien und Normen zu entwickeln - für Begriffe, Namen, Bezeichnungen etc., und für verschiedene Sprachen. Natürlich ist eine Sprache etwas dynamisches und wird selbst einen Weg einschlagen, doch da wir nicht alle an einem Ort leben, sondern im ganzen Land verteilt sind, und es selbst unter Gemeinden in einer Stadt oft kein Gespräch gibt, muss etwas nachgehofen werden. Diese Standarts sollen von allen gemeinsam im Forum ausgearbeitet und nach Möglichkeit von allen benutzt werden (unabhängig von der Jurisdiktion). Sie könnten u.A. auf Orthpedia veröffentlicht und auf dem neuesten Stand gehalten werden.

Ich möchte alle bitten, sich dieser Sache anzuschliesen und einen Beitrag zu machen!

Euer Bruder in Christo,

Alexej
Apostolischer Kanon 39 (32): Priester und Diakonen sollen ohne Wissen und Willen des Bischofs Nichts thun: denn dieser ist's, welchem das Volk des Herrn anvertraut worden, und von welchem Rechenschaft über ihre Seelen gefordert werden wird.

Nassos
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Re: "Orthpedia"-Standarts

Beitragvon Nassos » 26.01.2010, 22:28

Hallo Alexej,

das ist nichts Kleines, das Du Dir da vorgenommen hast.

Da ich hier neu bin und mir vielleicht das eine oder andere noch entgeht, erlaube mir eine Frage: wie stellst Du Dir das mit dem hier eine Richtlinie zu entwickeln vor?

Vielen Dank und Gruß,
Nassos

ElvisVrinic
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Re: "Orthpedia"-Standarts

Beitragvon ElvisVrinic » 10.09.2010, 22:05

nun ja ich denke hierbei das es eine art Deutsche ausdrucksweise entwickelt werden soll, da ja nicht alles vor dem schisma hergetragen worden ist bzw. z. t. auch vergessen wurde z. B. das wort Komboskini etc.

Wie ja schon erwähnt gibt es viele ähnliche traditionen, die aber nur ähnlich sind :wink:.

Dadurch das es hier griechen, serben, russen, Rumänen und natürlich auch Deutsche gibt fliessen viele traditionen ja in einander wie da dir denken kannst.

Dabei muss ich auch erwähnen, dass ich natürlich auch mit griechischen wörtern wie gerontas (jetzt weiss ich was es heisst) nicht klar komme, um jetzt die situation zu verdeutlichen.

Jetzt zu den Richtlinien (falls ich das auch richtig verstanden habe)

Gerontas, Starac = Altvater

Brojanica, tschotki, komboskini = Gebetsschnur

Metanie = Niederwerfung, Kniefall

hat jemand eine idee wie der rhason übersetzt werden kann bzw. liturgischen kleidung oranion, epitrachelon usw. Ist es überhaupt möglich????
(meine damit des anstandswegen :mrgreen:)

orthodox= rechtgläubig etc. ( ich glaube unter dem begriff rechtgläubig versteht jeder was die orthodoxie ist)

Hoffe es findet anklang. Hat jemand weitere vorschläge - nassos du hast doch sicher was auf lager 8) .

LG

Elvis
Am Anfang war das Wort und das Wort war bei GOTT und GOTT war das Wort. Dieses war im Anfang bei GOTT. Alles ist durch es geworden, und ohne es ist nichts Geworden. Was geworden ist - in IHM war das Leben, und das Leben war das Licht des Menschen und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht ergriffen (begriffen, erfasst). (EVANGELIUM nach Johannes)

Ehre Sei dem Vater und den Sohn und den Heiligen Geist.
Jetzt und immerdar und in alle ewigkeit. Amen

IC XC
NI KA

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Re: "Orthpedia"-Standarts

Beitragvon Nassos » 14.09.2010, 21:49

Klar, Junge.

Athanasios <=> Immortalius.

Nassos
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Re: "Orthpedia"-Standarts

Beitragvon Nassos » 14.09.2010, 21:53

Metanoia ist ureigentlich das Bereuen. Warum die Prostration Metanie genannt wurde, vermag ich nicht zu erklären. Es mag ein Akt der Reue sein, aber den Akt selber als Reue zu bezeichnen hatte in meinen Ohren immer etwas Irritierendes. :oops:

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Re: "Orthpedia"-Standarts

Beitragvon Mops » 14.09.2010, 22:04

Umkehr, dachte ich heißt es... gibts da mehrere Bedeutungen?

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Re: "Orthpedia"-Standarts

Beitragvon Nassos » 14.09.2010, 22:19

Umkehr hätte ich jetzt als Epistrophe übersetzt. Aber das mag im Altgriechischen etwas anders gewesen sein, daher möchte ich mich nicht festlegen.
Auch unter wikipedia (ja, ich weiß) wird Metanie als Reue übersetzt (als Buße würde ich es jedoch nicht übersetzen. Die Buße setzt ja eine Reue voraus).

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Re: "Orthpedia"-Standarts

Beitragvon Bruder Damian O.S.B. » 16.09.2010, 07:15

Guten Morgen,
Nassos und alle anderen hier. Auch bei uns Benediktinern wird Metanoia mit Umkehr übersetzt und verstanden.

Habe ich noch aus meinem Noviziatsunterricht behalten :)

Und Rhason dazu sagen wir Benediktiner Kukulle

in Christo

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Re: "Orthpedia"-Standarts

Beitragvon Andromachi » 16.09.2010, 17:47

Ich überlege mir auch die ganze Zeit, was Metanoia genau bedeutet. Also μετά heißt "danach" und νοώ "denken". Wenn ich eine Tat begangen habe und es mir später nochmal überlege und finde, dass ich falsch gehandelt habe, das ist wohl Meta-noia. Übrigens, eine Stelle im Alten Testament erklärt uns auf dieselbe Weise das Wort, denn es wird auch auf Gott übertragen: "μετανοεί επί κακίαις ανθρώπων". Die Übersetzung: Joel 2,13 "Denn er ist gnädig und barmherzig, / langmütig und reich an Güte / und es REUT ihn, dass er das Unheil verhängt hat". Das heißt also, dass Gott manchmal Sein Urteil ändert, weil Er sich das Ganze später anders überlegt.
Ich hoffe, dass Er in Seinem Urteil über die Sünderin Andromachi μετανοεῖν (Infinitiv) wird.

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Re: "Orthpedia"-Standarts

Beitragvon Nassos » 16.09.2010, 18:40

Ich muss mich korrigieren:

Epistrophe wäre nicht die Umkehr, sondern das Zurückkommen.

Dennoch habe ich den Eindruck, dass die Metanoia und die Umkehr (also der Wendepunkt, bei dem ich den bisher gegangenen Weg wieder anfange zurückzugehen) nicht ganz deckungsgleich sind. Andromachi weißt auf, dass es ein "danach denken" ist. Somit wäre die Reue die Voraussetzung für die Umkehr.

Also wäre Metanoia nicht ganz deckungsgleich mit Umkehr. Jedoch macht eine Reue ohne Umkehr (zum Richtigen) auch nicht gerade viel Sinn (d.h. die Reue wird von der Leidenschaft oder vom Irrtum besiegt). Tja, dann wars das sowohl mit der Reue wie auch mit der Umkehr. Das wiederum würde heißen, dass die Reue nur dann "vollkommen" ist, wenn ich umgekehrt bin. Und dann wäre die besondere Anwendung des Wortes Metanoia für die geistige Umkehr sehr wohl angebracht.

Das ist jetzt aber alles selbst abgeleitet. Man müsste hierzu mal auch den "Werdegang" der Übersetzung ins Deutsche nachlesen.

Und, lieber Bruder Damian, betrachte dies nicht als Hinweis, Dein Unterricht wäre falsch gewesen. Einen Fehler vermute ich viel eher bei mir!

Gruß,
Nassos

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Re: "Orthpedia"-Standarts

Beitragvon Bruder Damian O.S.B. » 17.09.2010, 07:25

+ Grüß Gott Lieber Nasssos,
Keine Angst ich verstehe das schon richtig,und außerdem bin auch ich hier um zu lernen. :book:

Gruß Damian


P.S. Nur weiter so ! Das soll als ermutigung gedacht sein.

Mops
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Re: "Orthpedia"-Standarts

Beitragvon Mops » 17.09.2010, 09:29

nun, es geht ja auch darum, sein Leben - wieder neu auszurichten - zurück auszurichten auf Gott - wie ich es verstehe.
Jetzt wäre der Rat von Pater Martinos teuer :D

Bruder Damian O.S.B.
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Re: "Orthpedia"-Standarts

Beitragvon Bruder Damian O.S.B. » 17.09.2010, 10:00

Lieber Mops,

dem kann ich nur zustimmen!!

damian


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