Мытарства

Wie sollen Wörter ins Deutsche übersetzt und orthodoxe Realien ausgedrückt werden?
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Alexandra
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Мытарства

Beitrag von Alexandra » 27.01.2011, 08:49

Ihr Lieben, hier noch eine Frage: wie wollen wir "мытарства" übersetzen?

"Zollämter" wäre zu wortwortlich und unverständlich, oder?
"Postmortale Prüfungen" vielleicht? Oder "überirdische Prüfungen"?

LG udn vielen Dank wie immer

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Hermann
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Re: Мытарства

Beitrag von Hermann » 27.01.2011, 10:17

Am ehesten würde ich noch die Zollämter nehmen. In "Prüfung" schwingt möglicherweise ein zu aktiver Kontext mit. Es ist ja nur mehr eine passive Prüfung, indem von gewissen Mächten Ansprüche an die Seele geltend gemacht werden.
Sucht zuerst das Reich Gottes, alles andere wird euch hinzugeschenkt.

Matwej
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Re: Мытарства

Beitrag von Matwej » 27.01.2011, 13:32

also das "Kleine Wörterbuch der kirchenslavischen Sprache" sagt:
Мытарствo = Zoll(dienst), Himmelsstation, Plackerei
Viele Grüße
Matwej

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songul
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Re: Мытарства

Beitrag von songul » 27.01.2011, 16:18

In dem Buch Seraphim Rose's ist ganz konkret von Zollübergängen (Tollhouses im Original) die Rede. Zollstationen wäre auch möglich.
Postmortale Prüfungen oder -Übergänge umschreibt das Ganze recht treffend aber ist keine direkte Übersetzung.
Dadurch dass das Buch des oben genannten Autors schon übersetzt ist, hat sich auch der von ihm verwendete Ausdruck bei uns so ziemlich durchgesetzt.
Zollamt ist definitiv ein Ausdruck aus der Amtssprache und beinhaltet eindeutig einen irdischen Vorgang; wobei ich jetzt nicht behaupten möchte, dass es im Himmel nicht auch eine Form der Bürokratie gäbe. :angle:

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Alexandra
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Re: Мытарства

Beitrag von Alexandra » 27.01.2011, 21:00

danke danke danke für die schnelle und treffende Hilfe
dann bleiben wir eben bei "Zollübergängen"

Andromachi
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Re: Мытарства

Beitrag von Andromachi » 27.01.2011, 21:38

Das griechische Wort "τελώνιo" hat tatsächlich eine Ähnlichkeit mit dem Wort "τελωνεία", das die Zollübergänge bezeichnet. Außerdem muss für die Seele, wie beim Zoll, an jeden dieser Geister Geld abgegeben werden, damit die Seele von der betreffenden Sünde befreit wird.
Dieser Glaube gehört aber nicht zum Dogma unserer Kirche, nicht?

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songul
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Re: Мытарства

Beitrag von songul » 27.01.2011, 22:01

Andromachi hat geschrieben:Das griechische Wort "τελώνιo" hat tatsächlich eine Ähnlichkeit mit dem Wort "τελωνεία", das die Zollübergänge bezeichnet. Außerdem muss für die Seele, wie beim Zoll, an jeden dieser Geister Geld abgegeben werden, damit die Seele von der betreffenden Sünde befreit wird.
Dieser Glaube gehört aber nicht zum Dogma unserer Kirche, nicht?
Naja liebe Andromachi, wenn das mit dem Geld an die Geister wirklich so sein soll, dann kann sich eigentlich auch kein Orthodoxer über den Ablasshandel in der römischen Kirche aufregen. (Den es schon lange nicht mehr gibt.)
@Alexandra:
Habe gerade in einem anderen Altkirchenslawischen-Wörterbuch für das Wort auch "Zollstätte" gelesen.
Grüsse

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Re: Мытарства

Beitrag von Andromachi » 27.01.2011, 23:17

Nein, nein, es ist nicht so gemeint. Ich habe im entsprechenden Büchlein gelesen, dass man das erforderte Geld "sammeln" kann, indem man während seines Lebens Gottes Willen folgt, dass nach dem Tod der Person die Verwandten mit Almosen Litourgien helfen können und - das Wichtigste - der Beichtvater des Verstorbenen kann das durch seine Gebete abzahlen.

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Sinaitis
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Re: Мытарства

Beitrag von Sinaitis » 28.01.2011, 01:27

Es sollte nicht übersehen werden, daß mit dem Tod Raum und Zeit enden. Die menschliche Seele ist nicht raumzeitlich und die Ewigkeit Gottes ist es auch nicht. Nur können wir uns das hier in Raum und Zeit nicht vorstellen. So bleiben alle Versuche ungenau, vorläufig, unverbindlich, unzutreffend und letztlich unwahr.
Wahr ist, daß Gott uns liebt und uns VIELE Wohnungen bereitet hat und uns zum Hochzeitsmahl erwartet, wenn wir mit sauberen Taufkleidern kommen. Darum sollten wir uns hier und jetzt bemühen und nicht darauf spekulieren, nachher noch irgendetwas retten zu können. Den reichen Prasser hat nichts retten können.
Natürlich ist es eine wichtige Frage, was mit den vor uns Entschlafenen geschieht und was wir für sie tun können: Sie der Barmherzigkeit Gottes und seiner Liebe anvertrauen. Wir gedenken ihrer, vor allem in der Göttlichen Liturgie, geben symbolisch Brotkrümel in das kostbare Blut unseres Herrn und vereinen sie sozusagen mit ihm. Und so hoffen wir, dass sie auch in der Ewigkeit mit ihm vereint sein mögen. Beten wir für sie ohne Quantität, ohne an Leistungen zu denken, ohne zu spekulieren, aber beten wir für sie. Denn sie können nichts mehr für sich tun. Aber vertrauen wir auch auf Gott. Er liebt sogar mich, den größten Sünder, wie wird er dann nicht die Anderen, die viel Besseren etwa nicht lieben?

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Re: Мытарства

Beitrag von Loukia » 02.04.2011, 14:27

Pater ich muss mich bei Ihnen dafür bedanken!
Ἡ χάρις τοῦ Κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ μεθ' ὑμῶν. 1. Korinther 16,23

Nassos
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Re: Мытарства

Beitrag von Nassos » 02.04.2011, 15:52

Oh ja, es ist gut, dass Du das wieder hervorgearbeitet hast, liebe Loukia.

In den Stoßgebeten des Hl. Ioannis Chrysostomos heißt es unter anderem:

"Herr, gib mir Tränen, das Gedenken des Todes und Rührung."

Hier und jetzt.

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