Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

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Luka Filipp Kiriak
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Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon Luka Filipp Kiriak » 16.05.2016, 23:37

Christus ist auferstanden!

Im Strang "Heiraten innerhalb der eigenen Verwandtschaft" schrieb Vater Alexej:
Priester Alexej hat geschrieben:In der Orthodoxen Bibliothek gibt es sehr viele interessante Bücher :)

Da haben Sie Recht, Vater Alexej, ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit. Was das von Ihnen zitierte Buch angeht, hat mir das Kapitel "Die Ehe" einige Fragen beantwortet, die mich immer ein wenig beschäftigt hatten. Auch wenn es vorrangig um Kirchenrecht geht, ist das Buch meiner Meinung nach sehr aufschlussreich in Bezug auf das Mysterium der Ehe.

Ich war in letzter Zeit öfter bei Trauungen in der evangelischen Kirche anwesend. Was mir dabei auffiel, war, dass das Verständnis über die Ehe doch sehr verschieden zum orthodoxen zu sein scheint bzw. ganz andere Schwerpunkte gesetzt werden. Die Ehe wird dort hauptsächlich als eine Bestätigung der Liebe zwischen Menschen angesehen, was durch ein gegenseitiges Versprechen vor Gott besiegelt werden soll. Dabei wird vor allem die irdische Dimension dieses Bündnisses hervorgehoben, also stets für den anderen Partner Verantwortung zu übernehmen, Barmherzigkeit zu üben, verzeihen zu können usw. Daher wird bei sehr vielen evangelischen Trauungen beim Eheversprechen der Zusatz "Bis dass der Tod euch scheidet" als eine Bekräftigung der Eheabsicht verwendet. Viele Brautpaare wünschen sich genau deshalb diesen Zusatz, um damit ihre lebenslange beabsichtigte Treue zu betonen. Ich bin aber der Meinung, dass dies sogar eine Einschränkung ist. Denn auch der Tod löst doch nicht die Ehe und all die aus ihr resultierenden Verpflichtungen automatisch auf.

Über das ewige geistliche Band, welches durch die Ehe entsteht und welches eine nie versiegende Quelle der Kraft für eine christliche Ehe bedeutet, die auch nicht durch den Tod endet, wird in der evangelischen Kirche anscheinend wenig oder überhaupt nicht gesprochen. Außerdem wird der Eindruck vermittelt, als wäre die Liebe zwischen zwei Menschen die unabdingbare Voraussetzung dafür, dass überhaupt die Ehe geschlossen werden könnte. Die Ehe resultiert nach diesem Verständnis aus der vorausgegangenen Liebe und nicht umgekehrt.

Sicher, in den meisten Fällen mag heutzutage die Liebe der primär wahrnehmbare Auslöser für das Ehevorhaben sein. Ich finde es auch gut und erstrebenswert, dass aus einer Liebe der baldige Wunsch nach einer verbindlichen Ehe erwächst. Und auch klar ist, dass es ohne Liebe keine Ehe geben kann. Aber ist die Liebe der "Urheber" der Ehe?

Nach orthodoxem Verständnis ist die Ehe der Wille Gottes. Und nur durch diesen Willen entsteht doch überhaupt die Liebe. Früher war es nicht selten, dass Ehen "ohne vorher empfundener Liebe" geschlossen wurden, bei denen sich aber mit der Eheschließung der Wille Gottes erfüllt hat und eine starke und beständige Liebe hervortrat.

Ich schreibe dies auch, weil ich heute auf eine Erzählung von Puschkin gestoßen bin, die vielleicht genau das eben Angesprochene sehr treffend verdeutlicht. Die Frage darüber, wie gläubig Puschkin war oder auch nicht war und welche Rolle der (orthodoxe) Glaube in seinen Werken spielt, möchte ich jetzt mal außen vor lassen. Denn unabhängig davon finde ich die kurze Erzählung "Der Schneesturm" von Puschkin auch aus orthodoxer Sicht sehr lesenswert. Die vorausgegangene, zwar äußerlich wahrnehmbare Liebe zwischen Marja und Wladimir war eben nicht Vorsehung. Vielmehr erübrigte sich letztendlich diese doch noch recht kindliche Liebe und ermöglichte die (vorher)bestimmte Ehe, aus der dann die wahrhafte Liebe entspringt.

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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon Dschorik » 17.05.2016, 09:25

Luther sagte, "Die Ehe ist ein weltlich Ding"....

Nach orthodoxem Verständnis ist die Ehe der Wille Gottes. Und nur durch diesen Willen entsteht doch überhaupt die Liebe.


ich weiß nicht, ob man so ein Thema so definieren kann....
Auch verheiratete Menschen verlieben sich... man kann das generell nicht so sagen. Du kennst die vielen Schicksale nicht, warum und wieso...etwas passiert, Selbst in der Bibel gibt es viele Beispiele wo ein Mann mehrere Frauen hat.
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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon Igor » 17.05.2016, 10:43

XB!

Danke, Luka, für Deinen guten Beitrag.

Luka Filipp Kiriak hat geschrieben:Ich war in letzter Zeit öfter bei Trauungen in der evangelischen Kirche anwesend. Was mir dabei auffiel, war, dass das Verständnis über die Ehe doch sehr verschieden zum orthodoxen zu sein scheint bzw. ganz andere Schwerpunkte gesetzt werden. Die Ehe wird dort hauptsächlich als eine Bestätigung der Liebe zwischen Menschen angesehen, was durch ein gegenseitiges Versprechen vor Gott besiegelt werden soll. Dabei wird vor allem die irdische Dimension dieses Bündnisses hervorgehoben, also stets für den anderen Partner Verantwortung zu übernehmen, Barmherzigkeit zu üben, verzeihen zu können usw. Daher wird bei sehr vielen evangelischen Trauungen beim Eheversprechen der Zusatz "Bis dass der Tod euch scheidet" als eine Bekräftigung der Eheabsicht verwendet. Viele Brautpaare wünschen sich genau deshalb diesen Zusatz, um damit ihre lebenslange beabsichtigte Treue zu betonen. Ich bin aber der Meinung, dass dies sogar eine Einschränkung ist. Denn auch der Tod löst doch nicht die Ehe und all die aus ihr resultierenden Verpflichtungen automatisch auf.


Es gibt auch noch einen wesentlichen Unterschied: Zudem gilt in der evangelischen Kirche die Trauung nicht als Mysterium bzw. Sakrament.

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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon PascalBlaise » 17.05.2016, 12:59

Im Prinzip ist der Gedanke einer über den Tod hinaus bestehenden Ehe nicht schlecht, wird doch damit gewissermaßen die Unauflöslichkeit betont. Ich frage mich aber, wie ihr das Problem aus Markus 12,25 auflösen wollt (Witwe und Wiederheirat). Christi Antwort scheint mir nicht gut mit der hier als orthodox beschriebenen Position zusammenzupassen. Vermutlich ist auch diese Diskussion ein alter Hut, aber trotzdem würde mich interessieren, wie ihr darüber denkt.

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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon Igor » 17.05.2016, 16:03

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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon PascalBlaise » 17.05.2016, 17:45



Danke für die links! So etwas wie die Antwort finde ich dort allerdings nicht. Es erscheint etwas unlauter, einerseits ein über den Tod hinausreichendes Ehemysterium als Differenzierungsmerkmal gegenüber den Protestanten aufzuführen, andererseits die Markusstelle mit dem Hinweis anzutun, im Jenseits spielten derlei Konzepte ohnehin keine Rolle mehr, da das ewige Leben so ganz anders sei. "You cannot have your cake and eat it."

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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon Luka Filipp Kiriak » 17.05.2016, 18:00

Danke für die Antworten.
Igor hat geschrieben:Es gibt auch noch einen wesentlichen Unterschied: Zudem gilt in der evangelischen Kirche die Trauung nicht als Mysterium bzw. Sakrament.

Gut, das ist das Selbstverständnis der evangelischen Kirche. Die römisch-katholische Kirche betrachtet die römisch-katholische Eheschließung als Sakrament. Ich frage mich jetzt, wie denn die orthodoxe Sicht darauf in Verbindung mit einer möglichen Anerkennung der Ehe ist. Der Orthodoxen Kirche sollte es ja bei einer Anerkennung der Ehe egal sein, als was die heterodoxe Kirche selbst die von ihr vollzogene Eheschließung betrachtet.

Beispiel: Mann A und Frau B sind evangelisch und heiraten in der evangelischen Kirche. Mann C und Frau D sind römisch-katholisch und heiraten in der römisch-katholischen Kirche. Beide Ehepaare leben viele Jahre in der Ehe, sind treu und erfüllen alle ihre ehelichen Pflichten, bekommen vielleicht sogar Kinder. Später werden sowohl Mann A und Frau B als auch Mann C und Frau D in die Orthodoxe Kirche aufgenommen.

Sind nach der Aufnahme in die Orthodoxe Kirche die Ehen dieser beiden Paare aus orthodoxer Sicht gültig bzw. vollwertig? Oder wird dann aus orthodoxer Sicht nur die Ehe von Mann C und Frau D als gültig betrachtet, weil die römisch-katholische Kirche die Eheschließung als Sakrament betrachtet hat und die evangelische Kirche nicht? Oder sind alle heterodoxen Eheschließungen aus orthodoxer Sicht ungültig bzw. nicht vollwertig? Wer entscheidet bzw. beurteilt das, der zuständige Priester, der Bischof oder vielleicht sogar das Ehepaar selbst? Sollte die Orthodoxe Kirche in diesen Fällen dazu raten, die Krönung nachzuholen? Oder sollte hier aufgrund der guten und christlichen Eheführung Oikonomia angewendet und auf eine Krönung verzichtet werden?

Im orthodoxen Kirchenrecht habe ich dazu nicht wirklich etwas gefunden. Da geht es mehr um Mischehen von orthodoxen Christen mit heterodoxen Christen. Bitte versteht mich jetzt nicht falsch. Ich will hier keine Detailfragendebatte auslösen und klar sind das alles individuelle Einzelfälle, die auch einzeln (zusammen mit dem geistlichen Vater) betrachtet werden sollten. Aber ich denke, dass diese Fälle vielleicht gar nicht so selten auftreten. Gerade z. B. hier in Deutschland, wo Konversionen doch recht häufig vorkommen können. Da sollte es doch zumindest wegweisende Antworten geben, oder was denkt ihr?

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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon Igor » 17.05.2016, 18:49

XB!

Luka Filipp Kiriak hat geschrieben:Im orthodoxen Kirchenrecht habe ich dazu nicht wirklich etwas gefunden. Da geht es mehr um Mischehen von orthodoxen Christen mit heterodoxen Christen. Bitte versteht mich jetzt nicht falsch. Ich will hier keine Detailfragendebatte auslösen und klar sind das alles individuelle Einzelfälle, die auch einzeln (zusammen mit dem geistlichen Vater) betrachtet werden sollten. Aber ich denke, dass diese Fälle vielleicht gar nicht so selten auftreten. Gerade z. B. hier in Deutschland, wo Konversionen doch recht häufig vorkommen können. Da sollte es doch zumindest wegweisende Antworten geben, oder was denkt ihr?


Es gibt in der ROK den Чин венчания супругов, в летех мнозех сущих (Ritus der Trauung von Ehepartnern, die in langjähriger Gemeinschaft leben) – also die bislang nur standesamtlich getraut waren. Bezüglich einer möglichen Anerkennung von Trauungen anderer Konfessionen kann ich nichts direkt sagen.

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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon Igor » 17.05.2016, 18:56

XB!

PascalBlaise hat geschrieben:Danke für die links! So etwas wie die Antwort finde ich dort allerdings nicht. Es erscheint etwas unlauter, einerseits ein über den Tod hinausreichendes Ehemysterium als Differenzierungsmerkmal gegenüber den Protestanten aufzuführen, andererseits die Markusstelle mit dem Hinweis anzutun, im Jenseits spielten derlei Konzepte ohnehin keine Rolle mehr, da das ewige Leben so ganz anders sei. "You cannot have your cake and eat it."


Vielleicht hilft Dir dann dieser Artikel weiter: :arrow: Priester Andrey Dudchenko: Überbleibsel vom Paradies

Der Himmel auf Erden, das Sakrament der Liebe - das ist die Ehe im Verständnis der Kirche. In einer kurzen, allgemein verständlichen Abhandlung über das Sakrament der Ehe und die Institution der Familie als „Kirche im Kleinen" legt Priester Andrej Dudchenko die orthodoxe Lehre zu diesem Thema dar, nachdem er zu Beginn mit Vorurteilen aufräumt, die das Denken nicht nur kirchenferner Menschen immer noch prägen.

Die Ehe ist ein Bild des ewigen Lebens, sie hat endlose Dimension und hört nicht mit dem Tod eines Partners auf. "Die Liebe hört nie auf", sagt Apostel Paulus von den Seiten der Schrift.


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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon MariaM » 17.05.2016, 21:54

Χ.Α.
Hallo an alle, dies ist eine interessante Diskussion.

Pascal, ich weiss irgendwie nicht, was du an der formulierten orthodoxen Auffassung "unlauter" findest? ¨Dass mit dem, dass es die Ehe SO nicht mehr geben wird im Paradies, verstehe ich eher so, dass wir ja (möge Gott geben, dass wir hinkommen) generell quasi "transformiert", verklärt oder wie auch immer man es sagen mag, sein werden - einerseits mit derselben Identitat wie hier auf Erden, andererseits aber ohne bestimmte irdische Bedürfnisse, viellecht könnte man sagen "vergeistigt" (ggf. korrigiert mich, wenn ihr denkt dass ich es falsch verstehe). Und das gilt dann halt auch für die Ehe, Was ja aber nicht heisst, dass die Liebe und gesegnete Verbindung zwischen den zwei Menschen nicht auch in dieser "anderen Dimension" fortdauert. Im Gegenteil, ich könnte mir vorstellen, dass sie noch höher erhoben und sozusagen "festzementiert" wird, in einem Zustand, aus dem man nicht mehr fallen kann...

Ich finde es interessant und irgendwie aber auch schwer verständlich, wie und warum es eigentlich historisch dazu gekommen ist, dass dieser Spruch "Bis dass der Tod euch scheidet" sich so durchgesetzt hat in der RK und den protestantischen Kirchen, dass er geradezu als Inbegriff der Eheschliessung gilt? Wo er doch in Wirklichkeit dem christlichen Eheverständnis diametral entgegensteht? Wie kann das sein, wie kam das?
OK, bei den Protestanen kann man sagen, das geht auf Luther zurück, der meinte die Ehe sei "ein weltlich Ding". Aber wie sind die Katholiken darauf gekommen? Wann wurde das Verständnis geändert und wieso? Gab es irgendeinen "Konflikt" wie mit dem Filioque oder so...?

Dass die OK aus "oikonomia" auch standesamtlich geschlossene Ehen als Ehen akzeptiert, weiss ich und finde ich gut und beruhigend. In vielen Ländern gerade in Ost- und MItteleuropa gab es ja lange kaum die Möglichkeit einer kirchlichen Heirat, bzw. es war mit Problemen verbunden etc.
Aber diese Akzeptanz heisst ja eigentlich nur (wenn ich das richtig verstehe), dass man standesamtlich verheiratete Paare, die treu sind usw., nicht als Ehebrecher etc. sieht. Aber das Mysterium und somit das ewige Bestehen dieser Verbindung haben sie ja nicht. Kennt ihr Fälle, wo sich Leute, die standesamtlich verheiratet waren, noch später zusätzlich haben orthodox trauen lassen? Vielleicht nach 15 Jahren oder mehr? Und dass vielleicht einer der Partner oder beide Partner sich haben taufen lassen, falls sie es vorher nicht waren, und dann die Krönung erhielten?

Solche Fälle und ERfahrungen würden mich interessieren.

Das "Argument", dass man dadurch für immer zusammenbleibt (und eben nix mit "Bis dass der Tod..."), spricht mich persönlich sehr an...! Nur was ist, wenn der andere das nicht so recht glauben will? So nach dem Motto, "sind ja nette Märchen, schön wärs, aber realistisch ist das nicht"... Ist es dann legitim zu sagen bzw. vorzuschlagen, dass man es doch sicherheitshalber machen könnte, auch wenn man nicht wirklich sicher ist, dass es "funktioniert"...? Klingt etwas komisch, ich weiss, aber ihr versteht bestimmt, was ich meine :-)

Danke! Gruss, Maria

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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon PascalBlaise » 18.05.2016, 06:57

Danke für den sehr schönen Text, Igor! Bei uns ist es jetzt ein Jahr, das passte ja genau :thanks:
@MariaM:
Es geht wirklich um die Frage:
Wenn nun eine Witwe wieder heiratet, wessen Frau wird sie im Jenseits sein?
Genau darauf versuchten sich ja die Sadduzäer in der Markusstelle einzuschießen.
Wie ich euch verstehe, ist das Argument, dass die Monogamiebedingung im ewigen Leben keine Rolle mehr spielt, weil alle „vergeistigt“ sind (sorry für die Verkürzung). Da würde ich erst einmal auch nichts dagegen sagen. Ich denke aber, dass das dann keine Ehe im eigentlichen Sinn mehr ist: Zur Ehe gehört m.E. unbedingt die Ausschließlichkeit, d.h. nur zwischen genau zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts kann zu einem gewissen Zeitpunkt die Ehe bestehen. Möglicherweise gilt das nicht für das ewige Leben, dann ist das aber auch keine Ehe im eigentlichen Sinn mehr. Das ist jetzt meine private, völlig unfundierte und naive Meinung als Laie. Am Ende können wir alle über das Jenseits ohnehin nur unbeholfen spekulieren - bis jetzt ist ja nur einer wieder zurückgekommen, um davon zu erzählen.
MariaM hat geschrieben:Ich finde es interessant und irgendwie aber auch schwer verständlich, wie und warum es eigentlich historisch dazu gekommen ist, dass dieser Spruch "Bis dass der Tod euch scheidet" sich so durchgesetzt hat in der RK und den protestantischen Kirchen, dass er geradezu als Inbegriff der Eheschliessung gilt? Wo er doch in Wirklichkeit dem christlichen Eheverständnis diametral entgegensteht?

Diametral ist schon stark. Aber ich habe möchte gar nicht wieder in die Diskussion Orthodoxie vs. RKK einsteigen. Das tut dem thread bestimmt nicht gut.

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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon MariaM » 18.05.2016, 12:47

Hallo nochmal,
ich habe das mit dem "diametral" gar nicht irgendwie "konfliktträchtig" gemeint, Entschuldigung wenn es so geklungen haben sollte. Es sollte eher den Zustand beschreiben, wie er ist bzw. wie er mir erscheint.

Ich finde es halt auffällig, dass es diesen Unterschied offenbar gibt, und ganz klein erscheint er mir nicht.

Ich meine, ob man nun heirartet, um zusammen zu sein, bis man stirbt, oder um FÜR IMMER zusammen zu sein, wenn auch dann in irgendeiner transformierten Form - dass IST doch einfach ein UNterschied?!

Und dieses "Bis dass der Tod euch scheidet" ist so allgemein bekannt, dass bestimmt viele denken, das ist die Auffassung "der Kirche". Und dabei hat die ursprüngliche Kirche Christi, die orthodoxe, in Wirklichkeit eine andere Auffassung, was viele wiederum wohl nicht wissen... Da darf man sich doch fragen, wie es dazu kam, oder?

Wenn dann finde ich, ehrlich gesagt, dein "unlauter" ein stärkeres Wort, weil es irgendwas Unrechtmässiges unterstellt... (Was eigentlich?)

Aber nichts für ungut.

Gruss, M.

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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon Igor » 18.05.2016, 13:03

XB!

Ich möchte gern auf ein Buch zurückgreifen, welches ich hier regelmäßig empfehle:

Erzpriester Sergius Heitz „Christus in euch: Hoffnung auf Herrlichkeit. Orthodoxes Glaubensbuch“ (ISBN 3-525-56832-0), wo er genau auf diese Frage eingeht.

Wie aber ist die Dauer der ehelichen Gemeinschaft über den Tod hinaus zu verstehen angesichts des Wortes des Herrn, im Himmel werde weder geheiratet noch verheiratet, sondern da werden alle sein wie die Engel?

Auch hier ist es notwendig, die Perikope, die zur Diskussion steht, in ihrem Kontext zu sehen. Es geht dabei um eine Frage der Sadduzäer, die die Auferstehung als solche leugneten und mit einer Beispielgeschichte ad absurdum führen wollten. Sie fragten Jesus: „Meister, Mose hat gesagt: „Wenn jemand ohne Kinder stirbt, soll sein Bruder dessen Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen schaffen“ (Dt 25,5). Es waren aber bei uns sieben Brüder. Der erste starb, nachdem er geheiratet hatte, und weil er keine Nachkommen hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder. Ebenso auch der zweite und der dritte bis zum siebenten. Zuletzt aber von allen starb die Frau. Welchem nun von den sieben wird sie in der Auferstehung als Frau angehören? Sie haben sie ja alle gehabt?“ „Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: „Ihr irrt, indem ihr die Schriften nicht kennt noch die Kraft Gottes. Denn in der Auferstehung heiraten sie nicht und werden nicht verheiratet, sondern sie sind wie Engel im Himmel“ “ (Mt 22,24-30).

Man muss beachten, dass in dieser Beispielerzählung der Sadduzäer weder die Ehe als Liebesgemeinschaft noch die Frage nach ihrer Dauer in Blick kommt, sondern vielmehr die Frau als rechtloser Besitz von sieben Männern. Jesus nun macht in Seiner Antwort unmissverständlich klar, dass diese Frau nach der Auferstehung nicht erneut verschachert wird. Niemand mehr hat ein Recht auf sie; sie wird keinem Mann mehr dienen, sondern wie die Engel frei sein, Gott allein zu dienen.

Man kann daher diese Perikope nicht dazu benutzen, die Dauer der ehelichen Liebesgemeinschaft über den Tod hinaus zu bestreiten. Denn, auch wenn die Ehe nicht als Zwangsinstitution zur Versklavung eines Partners über den Tod hinaus bestehen bleibt, wie hier deutlich wird, so ist sie doch auch nicht als bloße Episode des menschlichen Lebens zu betrachten. Sie ist vielmehr ein Verhältnis das uns ganz und auf Dauergegenüber unserem Partner verpflichtet. Nur wo wir das annehmen, kann wachsen, was den Tod überdauert, nämlich die Liebe, die keineswegs gleichzusetzen ist mit der Verliebtheit, die am Anfang einer Ehe da ist. Dass Menschen an der Ehe scheitern, wie sie auch sonst am Leben scheitern können, dass ihnen in Ausnahmefällen, um sie nicht ganz verlorengehen zu lassen, kat‘oikonomian ein neues Eheverhältnis gewährt wird, ändert nichts an der grundsätzlichen Sicht der Ehe. Man versteht das, wenn man sieht, dass Gesetzlichkeit dem orthodoxen Glauben fremd ist und dass das Wort des Herrn über den Sabbat für jede schöpfungsgemäße Institution und Ordnung gilt: „Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen und nicht der Mensch um des Sabbats willen. Somit ist der Sohn des Menschen (d.h. Christus) Herr auch über den Sabbat“ (Mk 2,27-28).

Biblische Begründung:
Mt 5,27-28.31-32; 19,3-9; 22,24-30; 1 Kor 7,10-17; Eph 5,20-33; Mk 2,23-28.


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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon MariaM » 18.05.2016, 13:47

Igor, danke, das fand ich sehr interessant und aufschlussreich!

Kannst du vielleicht nochmal auf meinen Gedanken von oben eingehen -also dieses "für immer in Liebe zusammen sein", das mich am orthodoxen Verständnis so anspricht? Sagen wir, zwei Menschen sind standesamtlich verheiratet, was ja von der OK akzeptiert wird, bzw. es wird nicht so gesehen als würden sie ausserehelich zusammenleben. Einer der Ehepartner ist orthodoxer Christ, der Rest der Familie nicht. Sie sind tolerant und "sympathisieren" teilweise ein bisschen damit.
Der nicht-orthodoxe Ehepartner ist etwas skeptisch und meint, das mit dem "für immer zusammen" wäre zwar schön, er würde es sich auch wünschen - aber er hält es für schöne Märchen und somit nicht realistisch. Und darum lässt er sich bisher auch nicht taufen und macht so auch eine orthodoxe Krönung unmöglich (fände aber eine Segnung durch den orth.Priester evtl. trotzdem ganz schön - ?).

Wäre es dann legitim zu argumentieren "OK du glaubst es nicht, du kannst es dir nicht vorstellen (wer kann das schon?), aber mach es doch einfach sicherheitshalber, für den Fall dass es DOCH stimmt!" Oder ist das schon zu sehr "überreden wollen" und "was wäre, wenn", bzw. zu sehr Kosten-Nutzen-Denken...?

Um mal ein blödes Beispiel aus dem weltlichen Leben zu nehmen, das mir so einfällt: Es gibt ja nicht wenige Leute, die eine Versicherung für den Fall von Hausbränden oder anderen Katastrophen abschliessen, auch wenn sie nicht wirklich glauben, dass sie sie mal brauchen werden und/oder befürchten, dass die Versicherung im Bedarfsfall eh nicht zahlt... Trotzdem machen sie es, zur Sicherheit und mit diesem "Wer weiss, wozu es doch mal gut sein kann?" Darf man ähnlich argumentieren und herangehen, was die orthodoxe Taufe und Eheschliessung angeht?

Sorry, wenn es etwas platt klingt, aber ich denke verständlich müsste es schon geworden sein... DANKE!!!

Gruss, M.

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Re: Eheverständnis - orthodox und das der anderen Konfessionen

Beitragvon Luka Filipp Kiriak » 18.05.2016, 17:23

Lieber Igor, vielen Dank für den Literaturhinweis. Er erklärt systematisch, dass wir uns mit dem Festhalten an der einen, ewigen Ehegemeinschaft von anderen nicht in Bockshorn jagen lassen dürfen - so wie die Sadduzäer versucht haben, die Auferstehung zu widerlegen. Ein starker Glaube wird uns dabei sicherlich helfen. Auch das Wort Christi über den Sabbat mit der Oikonomia (Gewährung einer weiteren Ehe) in Beziehung zu setzen, finde ich sehr schlüssig.

Dieser Satz von Erzpriester Sergius Heitz bringt übrigens genau das auf den Punkt, was ich auch ganz am Anfang dieses Stranges angesprochen habe:
Nur wo wir das annehmen, kann wachsen, was den Tod überdauert, nämlich die Liebe, die keineswegs gleichzusetzen ist mit der Verliebtheit, die am Anfang einer Ehe da ist.

Liebe Maria, ich denke, dass man auf deine Fragen keine pauschalen Antworten geben kann. Dies muss sicher mit dem geistlichen Vater und dem zuständigen Priester besprochen werden. Aber meine Meinung dazu ist, dass da die Kirche großzügig vorgehen sollte. Solange der nicht orthodoxe Partner guten Willens ist, also keine ablehnende Haltung gegenüber der Orthodoxie innehat. Denn der heilige Paulus sagte ja auch:
der ungläubige Mann ist geheiligt durch die Frau und die ungläubige Frau ist geheiligt durch den Bruder“ (1 Kor 7,14).

Aber wie gesagt, das ist nur meine persönliche Meinung. Und soviel ich weiß, wird ja von der Kirche in einem solchen Fall zumindest ein christlicher Glaube vom heterodoxen Ehepartner vorausgesetzt. Das hat sicherlich berechtigte Gründe.


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